Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha


Hausarbeit, 2009
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Relevanz der Thematik

2. Die Legende der heiligen Agatha

3. Mittelalterliche Körperkonzepte
3.1. Die Beschreibung des Körpers von „außen“: Die Marter als weltliche Strafpraxis
3.2. Das Versagen des weltlichen Aufschreibsystems
3.3. Die Negierung des irdischen Leibes: Agathas Sehnsucht nach dem Martyrium
3.4. Die Wundertätigkeit der heiligen Reste

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellentexte
5.2. Sekundärliteratur

1. Relevanz der Thematik

Um das Jahr 1273 begann der Dominikaner Jacobus de Voragine eine Auswahl von Heiligenleben in der Legenda Aurea niederzuschreiben. Jacobus schenkte vor allem denjenigen Gestalten Aufmerksamkeit, die weiten Teilen der Christenheit als die am verehrungswürdigsten galten. Aus dieser lateinischen Quelle schöpfte auch der unbekannte Verfasser des mittelhochdeutschen Passionals, einer Sammlung gereimter Heiligenlegenden. Die Legenden erfreuten sich einer großen Leserschaft und so darf vermutet werden, dass sie auch gewisse Funktionen inne hatten, die es im Folgenden zu erläutern gilt.

Auch dem heutigen Leser sind sie eine sehr anregende und gleichfalls unterhaltsame Lektüre. Mögen ihm auch historisches Hintergrundwissen oder religiöses Verständnis fehlen, so wird er dennoch von der Farbenprächtigkeit der Erzählungen und von der anschaulichen Schilderung der gottesfürchtigen Leben der Heiligen und ihrer oft qualvollen Martyrien, die sie für das Bekenntnis ihres Glaubens durchlitten, gebannt sein. Insbesondere die literarischen und bildlichen Darstellungen der schrecklichen Folterszenen erschrecken und faszinieren zugleich und im Rahmen dieser Ausführungen wird zu erkunden sein, woher diese „schreckliche Faszination“ rührt. Im Mittelpunkt des Interesses dieser Arbeit ist das Martyrium der heiligen Agatha. An ihrem Beispiel soll zu zeigen versucht werden, welche Bedeutung die Martern entfalten, welcher speziellen Symbolik sie verhaftet sind und welche Körperkonzepte dieser Art der Zerstörung des Körpers zugrunde liegen. Im Rahmen der Überlegungen wird außerdem besondere Aufmerksamkeit auf die Folter und darauf, wie sie als weltliches Strafritual des Mittelalters den Körper bearbeitet, gerichtet.

2. Die Legende der heiligen Agatha

Agatha lebt im dritten Jahrhundert in Catania. Sie wird als eine schöne, adlige und gottesfürchtige Jungfrau geschildert. Im Passional 1 heißt es zu ihrer frommen Lebensweise: ir herze was darauf geleit/ mit vorgedanke harte vil,/ wie si alle ir lebens zil/ [...]/ an libe, an sele kusche blibe,/ des was ir gar zu mute. 2 Auf die fromme junge Frau wird Quintianus, der Statthalter von Sizilien, aufmerksam. Jenen beschreibt man durchaus negativ als lüsternen, geizigen Mann niederer Herkunft, den es danach verlangt, Agatha für sich zu gewinnen. Er begehrt Agatha zum einen wegen ihrer jungfräulichen Schönheit. Zum anderen aber verspricht er sich von einer Heirat mit ihr einen Gewinn an Ansehen und einen Zuwachs an Reichtum. Dieser valschafte[ ] man 3 lebt unkeusch, hegt unlautere Absichten gegen Agathen und pflegt außerdem den Götzenglauben: die verworchten abgote/ erte er mit stetem mute. 4 Seinem Begehren begegnet die reine Agatha jedoch stets mit Ablehnung, denn sie kennt nur die Liebe zu ihrem Herren Jesus Christus: ir herze was ein stete sedel/ Cristes, der ez im besaz/ und also riche tugent ir maz,/ daz si zu im an minnen bran. 5 Als Quintianus Agathas Standhaftigkeit gewahr wird, ersinnt er andere Wege, sich die Jungfrau untertan zu machen, denn er will [...] iren willen niderdrumen,/ daz si im volgete zu pflege. 6 So schickt er Agatha zu einer Dirne namens Aphrodisia, die mit ihren neun Töchtern in Schande lebt. Dieser trägt er auf, Agatha dahingehend umzustimmen, dass sie Quintianus zum Mann nehmen und wieder zum Götterglauben zurückfinden möge. Aphrodisia versucht, Agatha davon zu überzeugen, dass sie gut daran täte, den Willen Quintianus` zu befolgen, da sie sonst schweres Leid zu ertragen habe. Doch alle Versuche sind vergeblich. Agatha antwortet auf sämtliche Reden, dass ihre reine Gesinnung auf dem Felsen Christi gefestigt stehe und unanfällig für weltliche Bosheit sein werde: mines reinen herzen grunt/ ist us stetem vullemunt/ gebuwet und der stein ist/ min lieber herre Iesus Crist,/ der mir nicht entwichet. 7

Aphrodisia muss Quintianus mitteilen, dass die Jungfrau nicht von ihrer festen Überzeugung abzubringen ist. Als er von der Vergeblichkeit seiner Bemühungen erfährt, wird Qintianus zornig und lässt Agatha abermals vor sich bringen. Er fragt sie, warum sie sich wie eine Sklavin und so starrsinnig in ihren Sitten zeige, wenn sie doch von edler Herkunft sei. Darauf antwortet Agatha: [...] ‘ ich bin Cristes maget./ hievon mir harte wol behaget,/ daz ich im dienstes pflege also.8 Auf die Frage, wie sie sich eine Magd nennen kann, wo sie doch frei geboren ist, antwortet Agatha, dass die höchste Freiheit in der Knechtschaft für Gott bestehe. Daraufhin stellt Quintianus Agatha vor die Wahl, entweder den Göttern zu opfern oder mannigfaltige Folter bis zum Tode zu ertragen: entweder du salt opfer geben/ den goten und mit uns leben,/ als di gewonheit an uns ist,/ oder behalt dinen Crist/ und lide, swaz dir hie gebure,/ wand ich uf dich willekure/ deiswar manigerhande not,/ darunder du must ligen tot. 9 Auf diese Drohung erwidert Agatha nur, dass sie, zuversichtlich durch ihren festen Glauben, jeder möglichen Gefahr standhalten werde. Wilde Tiere würden zahm, wenn sie den Namen Christi vernehmen; sollte ihr das Feuer drohen, so würden himmlische Engel ihr rettenden Tau vom Himmel senden. Drohten ihr Folter und Schmerzen, so werde ihr der heilige Geist helfen, die Qualen zu durchstehen. Durch Agathas Worte verärgert, lässt Quintianus sie in den Kerker sperren. Am Tag darauf heißt er sie erneut ihrem Glauben abschwören und den Göttern opfern. Als sie sich abermals weigert, lässt er sie von den Knechten schlagen. Agatha aber scheint freudig, dass ihre Frist auf Erden nun endlich bald enden werde und sie klagt mit keiner Silbe über Schmerzen. Erzürnt über ihre Unnachgiebigkeit befiehlt Quintianus, dass man ihr die Brüste abschneiden solle. Auch über diese Qual verliert Agatha kein Wort der Klage. Quintianus lässt sie nun ohne medizinische Hilfe und Speisen in den Kerker sperren. Um Mitternacht kommt ein Greis in ihre Zelle, der ihr verkündet, dass ihre Brüste noch geheilt werden können. Agatha aber spricht, der Herr würde sie heilen, wenn er es wünsche. Mit diesen Worten gibt sich der Alte als Gottes Apostel Petrus zu erkennen, der sie in Gottes Namen heilen könne. Von dem Wunder der Heilung verängstigt, raten die Wächter ihr zur Flucht, aber Agatha lehnt diese ab, da sie die krone an [...] gedult/ [...] vil ungerne hie verlur. 10 Nach dem vierten Tage ihrer Gefangenschaft fordert Quintianus sie abermals auf, den Göttern zu opfern und als sie seine Drohungen als törichtes Gerede bezeichnet und ihn darauf hinweist, dass sie doch von Gott geheilt worden war, gerät Quintianus so sehr in Wut, dass er sie einer weiteren Folter auszusetzen gedenkt. Er lässt Glasscherben unter glühende Kohlen mischen und heißt Agatha darauf mit nacktem Leib wälzen. Da bricht ein großes Erdbeben über die Stadt herein und das Volk klagt Quintianus an, der offenbar durch die Folterung der Unschuldigen dieses Unglück zu verantworten hat. Quintianus, der einen Volksaufstand fürchtet, lässt Agatha wieder in den Kerker bringen, wo sie ihren Geist aufgibt. Er selbst flüchtet vor den wütenden Massen aus der Stadt. So hat die heilige Agatha das Volk nicht nur von dem schlimmen Statthalter erlöst, sondern bewahrt es auch noch nach ihrem Tod vor einem großen Feuer, welches aus einem Berg nahe der Stadt ausbricht. Als es der Stadt immer näher kommt, halten ihm die Menschen den Schleier entgegen, der Agathas Grab bedeckt hatte, und das Feuer bewegt sich von dieser Stelle an nicht weiter.

3. Mittelalterliche Körperkonzepte

3.1. Die Beschreibung des Körpers von „außen“: Die Marter als weltliche Strafpraxis

Liest man über das Leben der heiligen Jungfrau Agatha, so wird wohl in den meisten Fällen in Erinnerung bleiben, dass man dem Mädchen in sehr jungem Alter die Brüste abgeschnitten hat. Neben dieser grausamen Maßnahme verblasst die Frömmigkeit ihres Lebens und die Wundertätigkeit, welche die Heilige nach ihrem Tod zu leisten vermag.

So meine ich, dass der heutige Leser die Heiligkeit, die Agatha umgibt, zuerst durch die Erinnerung an ihr furchtbares Martyrium konstituiert und erst danach ihr frommes Leben in das Blickfeld der Betrachtungen gerät. Um das Martyrium und die qualvollen Stunden ihrer Folter herum entsteht also die Aura des Heiligen. Vor allem aus heutiger Sicht versteht man kaum, warum ein junges Mädchen einer solchen Gräueltat ausgesetzt wird, und man fragt sich nach dem Sinn und Zweck dieser Misshandlungen.

Wie Michel Foucault ausführt, hat die Folter einen genau bestimmten Platz im komplexen Mechanismus des mittelalterlichen Bestrafungssystems. 11 Als geregelte Praxis, die genau definierte Verfahren anwendet, wird sie nicht willkürlich und zufällig angewendet, sondern Art und Dauer der Marter werden nach genauen Regeln kalkuliert. 12 So ergibt sich ein regelrechter „juristischer Code des Leidens“, wie Foucault es nennt, denn in der Wahl der Marter wird die Art der Körperbeschädigung, die Qualität und Intensität der Schmerzen mit der Schwere des Verbrechens, der Persönlichkeit des Verbrechers und dem Rang der Opfer in Beziehung gesetzt. 13 Der Verbrecher muss mehrere Stufen der Folter durchlaufen und sein Körper hat sich auf jeder der Stufen der erneuten Befragung durch die Marter zu unterziehen. Ein wesentlicher Zug der Todesmarter besteht darin, den Tod, auf den die Perspektive der Folterungen ausgerichtet ist, in mehrere Tode zu unterteilen, die der Gemarterte sterben muss, ehe ihm die Gnade erwiesen wird, endlich den letzten Tod sterben zu dürfen. 14

Agathas Vergehen besteht im Wesentlichen in zwei Dingen: Erstens begegnet sie Quintianus` Anträgen mit Ablehnung. Sie weist ihn damit als Mann zurück und kränkt ihn in seinem Stolz und seiner männlichen, sicherlich auch hinsichtlich seiner sexuellen Ehre. Zweitens ist sie von dem zu ihrer Zeit allgemein üblichen Götterglauben abgewichen, um als Magd Christi zu leben.

Ordnet man die „ Kontrahenten“ Agatha und den Statthalter in ein Mächteverhältnis ein, so steht Quintianus aufgrund seiner amtlichen Position über der Bürgerin Agatha. Indem sie nun in zweierlei Angelegenheiten wider seine Aufforderungen handelt, wird das Recht des „ Herrschers“ verletzt und seine Würde beleidigt. Dieses Vergehen verlangt nach Wiedergutmachung und unter diesem Gesichtspunkt ist die Marter auch als politisches Ritual mit rechtlich-politischer Funktion zu verstehen, mit der sich Macht manifestieren und die zeitweise verletzte Souveränität wieder herstellen lässt. 15 Nachdem Quintianus Agatha vergeblich für dreißig Tage in der Gemeinschaft der schandhaften Dirne Aphrodisia und ihrer neun Töchter leben lässt, stellt die zweite Station in dem Prozess, die gestörte Mächteordnung wieder herzustellen, Agathas Kerkerhaft dar, durch die Quintanius sie „gezähmt“ wissen will: er hofte, daz der smerze/ gewandelt hete ir herze/ und si im volgen solde nu. 16

Im Strafprozess, den die Legende darstellt, geht es nicht um Wahrheitsfindung im herkömmlichen Sinn, wenn die Richter dem Verbrecher oder dem Verdächtigen ein Geständnis entlocken wollen. In Falle der Legende um Agatha ist es das Ziel, sie dem Statthalter folgsam zu machen und wieder dazu zu bringen, den Göttern zu opfern anstatt ihren christlichen Glauben zu leben. Doch die Kerkerhaft kann Agathas feste Gesinnung nicht erschüttern und so verschmäht sie weiterhin Quintianus` Drohungen und Lockungen. Bis zu diesem Moment wird an ihrem Körper noch nicht gerührt. Nachdem sich aber Agatha durch den Kerker nicht erweichen lässt, do began sin valsch in triben,/ daz er dachte uf ir ungemach. 17 Quintianus ordnet an, sie aufzuhängen und mit Schlägen zu versehen: man hienc sie mit den henden uf./ [...]/ unde der lib uberal/ wart von sflegen harte val,/ der man ir vil und vil bot. 18 Die vielen harten Schläge sollen ihr den „Starrsinn“ austreiben. Doch auch diese Maßnahme verfehlt ihr Ziel. Agatha bleibt in ihrer Willensfestigkeit unerschüttert. Da bricht Quintianus erneut in Zorn aus und befiehlt, dass Agatha weiterer Gewalt ausgesetzt werde: Quincianus vor zorne bram/ [...] / swie sie mit kraft doch ubergie/ also hart ein ungemach./ er gebot und ez geschach/ durch valsch, daz im wonte mite,/ daz man die bruste ir abesnite. 19 Die Anordnung, Agatha die Brüste abzuschneiden, bildet meiner Meinung nach das Kernstück der Marter. Der Text illustriert die Folterszene sehr eindringlich:

di ungetruwen knechte/ quamen im des wol rechte,/ wand si mit starken spiezen/ dar durch mit grimme stiezen,/ als si mit listen vunden./ si wunden unde wunden/ die bruste nach ir argen siten./ zu iungest si sie abgesniten/ und liezen loufen ir blut. 20

Die Szene schockiert den Leser. Man ist entsetzt und entwickelt sofort eine Vorstellung von dem Schmerz, den diese Tat verursachen muss. Es werden bildliche Assoziationen geweckt, die durch die literarische Schilderung des Geschehens noch angeregt werden und man ist darüber hinaus angewidert von der abstoßenden Grausamkeit des Quintianus und seiner Knechte.

So strahlt diese Szene rein literarisch eine große Wirkung aus. Sie hat aber über ihre erzählerische Funktion hinaus noch andere Dimensionen. In dem Moment, in dem Quintianus befiehlt, ihr die Brüste abzuschneiden, ändert sich seine Intention, durch welche die Gewalttaten an Agatha motiviert sind. Er ließ die Jungfrau in den Kerker sperren und setzte sie harten Schlägen aus, um ihre Einstellung zu ändern. Diese Art der Folter kann als Wahrheitsmarter verstanden werden, die zwar grausam, aber nicht maßlos ist. 21 Die Folter als Wahrheitsmarter soll differenziert Schmerzen produzieren, um den Verbrecher zu einem Geständnis zu bewegen. Agatha hat sich in Quintianus` Auffassung ein Vergehen zu Schulden kommen lassen und das, was er ihr abzuringen versucht, bei einem herkömmlichen Prozess gegen einen Verbrecher dem Geständnis entsprechend, ist das Abschwören ihres christlichen Glaubens und ihre Bereitschaft, ihm Folge zu leisten. Hätte Agatha unter Haft und Schlägen ihre Gesinnung geändert, wäre die verletzte Souveränität und Würde des Statthalters wieder hergestellt worden und er hätte vielleicht von weiterer Gewalt gegen das Mädchen abgelassen - sie war ja doch eigentlich das Objekt seines Verlangens und es erscheint absurd, jemanden, den man begehrt, derartig zu schänden. Nachdem sich diese Maßnahmen aber als erfolglos erweisen, muss es Quintianus danach verlangen, seine Macht zu demonstrieren. Es ist ihm nicht mehr ausreichend, den Normalzustand wieder herzustellen. Sein Übermaß an Macht, und seine Überlegenheit gegenüber der Jungfrau, die ihn zurückweist, müssen sich in einer symbolischen Strafe manifestieren, die deutlich Bezug auf die Art und Schwere des Vergehens nimmt.

Sind Kerkerhaft und das Verteilen von harten Schlägen nun Maßnahmen, Agatha zu einer Änderung ihrer Ansichten zu bewegen, so stellen die abgeschnittenen Brüste in erster Linie eine Bestrafung dar.

Die Brüste einer Frau sind höchster Ausdruck von Weiblichkeit und üben eine äußerst starke Anziehungskraft auf Männer aus. Indem er Agathen ihrer Brüste beraubt, beseitigt er einen Teil dessen, wodurch auch er in Bewunderung und einen Zustand des Begehrens versetzt worden ist. Logisch ist auch eine Einstellung des abgewiesenen, gekränkten Mannes nachzuvollziehen, wonach er der die Ansicht entwickelt, dass Agathas Reize, wenn nicht für ihn, so auch für niemand anderen zugänglich sein sollen.

Indem er Agatha begehrt, macht er sich in gewisser Weise von ihr abhängig. Er, den es nach ihrer Gunst verlangt, muss, um sie werbend, regelrecht zu ihr aufschauen. Da dieses umgekehrte Verhältnis, in dem der ranghöhere Statthalter auf die Zuneigung der Bürgerin hofft, durch Agathas Weigerung, seinen Bitten nachzukommen, noch verstärkt wird, muss die Kränkung der Ehre von Quintianus um so schlimmer und sein Verlangen nach Wiederherstellung seiner Überlegenheit umso stärker gewesen sein. Wenn er Agatha nun die Brüste abschneiden lässt, so kann man sagen, entwaffnet er sie und nimmt ihr die Reize, mit denen es möglich wurde, dass er, Quintianus, kurzzeitig Unterlegener war. Diese Sichtweise ist aus Quintianus` Perspektive her verständlich. Überblickt man aber das gesamte Geschehen, so ist sein grausames Vorgehen gegen Agatha nicht gerechtfertigt, da es absurd erscheint, dass.

[...]


1 Wird im Folgenden aus der Legende der heiligen Agatha zitiert, so geschieht dies mit Bezug auf das Passional. In den Zitaten ist das mittelhochdeutsche Schafft-s durchgängig durch das neuhochdeutsche Rund-s ersetzt.

2 Passional 1966, S. 176.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Passional 1966, S. 177.

7 Ebd.

8 Passional 1966, S. 178.

9 Ebd.

10 Passional 1966, S. 182.

11 Vgl. Foucault 1977, S. 54.

12 Vgl. Foucault 1977, S. 46 ff.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. Foucault 1977, S. 63 f.

16 Passional 1966, S. 179.

17 Ebd.

18 Passional 1966, S. 180.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Vgl. Foucault 1977, S. 54.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Germansistik)
Veranstaltung
Proseminar: Aussatz, Wunden, Minneleid – Krankheitsdiskurse in der mittelalterlichen Literatur
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V195779
ISBN (eBook)
9783656214861
ISBN (Buch)
9783656216858
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heiligenlegende, Legende, Martyrium Märtyrer, Heilige Agatha/Agathe, mittelalterliches Körperkonzepe, mittelalterliche Strafsysteme, Symbolik der Martern, Körperschrift
Arbeit zitieren
Thérèse Remus (Autor), 2009, Anwendung weltlicher Strafpraxis und himmlische Erlösung – Das Martyrium der heiligen Agatha, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195779

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