Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive
2.1. Marxistische Musikforschung mit Fokus auf Musikgeschichtsschreibung
2.2. Beschreibung des bürgerlichen Konzertlebens aus marxistischer Perspektive
2.3. Dilettantismus im bürgerlichen Konzertleben aus marxistischer Perspektive

3. Schlussgedanken

4. Quellenverzeichnis
4.1. Literaturverzeichnis
4.2. Internetquellen

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit soll einen Einblick verschaffen wie marxistische Musikforscher das bürgerliche Konzertleben, insbesondere das des 19. Jahrhunderts, beurteilten und beurteilen. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf Musikforscher in und aus der ehemaligen DDR gerichtet.

Dafür wird im ersten Teil grundlegende Information zur allgemeinen marxistischen Musikforschung geliefert, bevor sich der Fokus auf die marxistische Musikgeschichtsschreibung richtet. Zu ihr werden die für das Thema wichtigen Theorien der Geschichtsschreibung erläutert. Zuletzt wird im ersten Teil kurz auf die Problematik der Kritik an marxistischer Musikforschung eingegangen.

Der zweite Teil fixiert sich auf das Hauptthema der Arbeit, die Beschreibung der marxistischen Perspektive auf das bürgerliche Konzertleben des 19. Jahrhunderts. Anhand dieses Beispiels werden marxistische Standpunkte und Theorien der Geschichtsschreibung genauer geschildert. Darauf folgend wird auf die Problematik eingegangen, inwieweit sich marxistisch musikwissenschaftliche Schriften im Hinblick auf ihre Objektivität untersuchen lassen.

Im dritten Teil der Arbeit wird der Bezug zum Seminarthema, „der musikalische Dilettant im 19. Jahrhundert", hergestellt. Es werden dazu, resultierend aus der Betrachtung des vorigen Kapitels, verschiedene Typen des Dilettantismus aus marxistischer Perspektive beschrieben.

Im Schlussteil wird zuerst der Alleinstellungsanspruch der marxistischen Musikforschung diskutiert. Danach wird kurz auf den Nutzen marxistischer Musikhistorien eingegangen. Abschließend wird auf die Aktualität des Themas verwiesen.

2. Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive 2.1. Marxistische Musikforschung mit Fokus aufMusikgeschichtsschreibung

Karl Marx' Theorien bezüglich des Zusammenhangs zwischen Kultur, Gesellschaft und Politik beschäftigen sich hauptsächlich mit Literatur und visuellen Künsten, weniger mit Musik.[1]

Dennoch ist die Entwicklung der marxistischen Musikforschung nicht verwunderlich, bedenkt man, dass sie dort begann, wo sozialistische Staatskonzepte mehr oder weniger durchgesetzt werden konnten. Schließlich wurde dort nachjeder möglichen Distanzierung von der westlichen, als kapitalistisch verurteilten, Welt gestrebt. Die ersten Schriften finden sich in der Sowjetunion der zwanziger Jahre, wie z.B. „Musik und Revolution" von Lunacarskij.[2] Sie sind als grundlegende Schriften marxistischer Ansätze in der Musikwissenschaft zu sehen.[3] Nach dem zweiten Weltkrieg begann in Deutschland, natürlich in erster Linie in der DDR, die Beschäftigung mit der marxistischen Musikforschung.[4] Als wichtige Zentren bzw. Instanzen dieser Beschäftigung sind der „Verband der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR", die „Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin" und die „Humboldt-Universität zu Berlin" zu nennen.[5] Wichtigster Vertreter in Westdeutschland war derzeit Adorno, der allerdings in einigen Theorien eine Sonderstellung einnahm[6] und der als Vertreter der, mit der marxistischen Musikforschung in Konkurrenz stehenden, Musiksoziologie angesehen werden kann, in die er marxistische Theorien einfließen ließ.[7]

Die marxistische Musikforschung beschäftigt sich unter anderem mit Musikgeschichte, Musikästhetik, Musiktheorie, Musikpädagogik und Musiksoziologie.[8] Auf diese und andere Teilbereiche versucht sie marxistische Theorien anzuwenden. Als Beispiel ist die Anwendung des historischen Materialismus auf die Musikgeschichtsschreibung zu nennen, auf welche nun der Fokus gerichtet werden soll. Die marxistische Musikgeschichtsschreibung folgt der Ansicht, dass ein musikalisches Werk niemals unabhängig von den sozialen Umständen zur Zeit der Entstehung, von der Biographie des Komponisten und seiner Klassenzugehörigkeit und allen weiteren ökonomischen und gesellschaftlichen, aber besonders auch historischen Faktoren gesehen werden kann.[9] Diese Einbettung der Musik in den sozialen, den ökonomischen und den historischen Kontext, sowie die Analyse im Hinblick auf den Fortschrittsbegriff unterscheidet sie, aus ihrer Sicht, vom Großteil der „bürgerlichen" Musikwissenschaft.[10] Georg Knepler drückt diesen, ihm unausweichlich scheinenden Zusammenhang zwischen Werk und Umständen wie folgt aus:

„Die Dialektik von historisch Gewordenem, historisch möglich Werdendem und tatsächlich Geschehendem zu verstehen, ist das Geheimnis der Geschichtsschreibung."[11]

Das „historisch möglich Werdende" ist im Marxismus nicht undefiniert, sondern bezieht sich auf die erhoffte und erwartete Entwicklung hin zur „Freiheit und der Versöhnung des Menschen mit sich, mit dem anderen Menschen und mit der Natur"[12] über die Vorstufe der, durch eine Revolution entstandenen, Diktatur des Proletariats.[13]

Aus der Annahme, dass der bisherige bürgerliche Konzertbetrieb, speziell der des 19. Jahrhunderts, einer bürgerlichen Ideologie, die sich u.a. in Formen der romantischen, also unkritischen und nicht reflektierenden, Musikpraxis äußerte, unterlag und aus der Auffassung, dass die Musik jener Zeit hauptsächlich als Ware behandelt wurde, entstand der „Sozialistische Realismus" auch in der Musik, als eine Art marxistischer Gegenvorschlag zum bisherigen Kulturschaffen.[14] Dieser sei der Versuch, die „Wahrheit" über die sozialen und ökonomischen Um- bzw. Missstände parteiergreifend im Sinne des Marxismus und dennoch objektiv in künstlerischer Form darzustellen.[15]

[...]


[1] Vgl. Norris, Christopher: Marxism, in The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2001, S. 17 ff.

[2] S. Lunacarskij, Anatolij: MusikundRevolution, 1985.

[3] Vgl. Knepler, Georg: Musikgeschichtsschreibung, in Musik in Geschichte und Gegenwart, 1997, S. 1311.

[4] Vgl. ebd.

[5] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Marxistische Musikforschung, Stand vom 1.3.2012, 21:16 Uhr.

[6] Vgl. Knepler, Georg: Musikgeschichtsschreibung, in Musik in Geschichte und Gegenwart, 1997, S. 1311.

[7] Vgl. Stroh, Wolfgang Martin: Marxistische Musikwissenschaft unter der freiheitlich demokratischen Grundordnung, in MusikwissenschaftlicherParadigmenwechsel?, 2000, S. 46 f.

[8] Vgl. Mayer, Günter: Marxistische Ansätze in der Musikforschung und ihre Vertreter(innen) auf derjetzigen Tagung, in Musikwissenschaftlicher Paradigmenwechsel?, 2000, S.15.

[9] Vgl. Bimberg Siegfried, u.a. (Hrsg.), Handbuch der Musikästhetik, 1979, S. 149 ff.

[10] Vgl. Knepler, Georg: Geschichte als Weg zum Musikverständnis, 1977, S. 496 ff.

[11] Ebd. S. 431.

[12] Halder, Alois: Philosophisches Wörterbuch, 2008, S. 202.

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Bimberg Siegfried, u.a. (Hrsg.), Handbuch der Musikästhetik, 1979, S. 149 ff.

[15] Vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V195830
ISBN (eBook)
9783656220107
ISBN (Buch)
9783656220695
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzertleben, perspektive, Karl Marx, Marxismus, Musik DDR, Georg Knepler
Arbeit zitieren
Simon Foos (Autor), 2012, Das bürgerliche Konzertleben aus marxistischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195830

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