OyGs technikphilosophischer Ansatz ist, da geprägt von Lebensphilosophie und Existenzialismus, zutiefst anthropologisch. Dass „der Mensch Technik macht“(), liegt zutiefst in seiner Existenz begründet. Geworfen in die Welt der Dinge, die einfach sind, was sie sind, ist der Mensch das, was er noch nicht ist, sein Anspruch und sein Entwurf. Der Mensch hat die Fähigkeit, die Welt aktiv zu gestalten.
Vom Tier unterscheidet er sich u.a. darin, dass nicht er sich der Natur anpassen muss,sondern dass er selbst die Natur seinen Bedürfnissen entsprechend gestalten kann und muss. Dieses gestalterische Eingreifen in die Natur und damit die Herstellung
seiner selbst ist damit untrennbar mit der Technik verbunden.
Entsprechend der Entwicklung des Menschen, der Erweiterung seines Horizontes,entwickelt sich auch die Technik. Im Gegensatz zum Tier hat der Mensch aber nicht nur den Drang zum Überleben, sondern auch den Wunsch nach Wohlleben.
Er unterscheidet die Welt und ihre Dinge nach den Kriterien der Bequemlichkeitoder der Beschwernis hinsichtlich seiner Lebensführung. Seine Wünsche ändern sich daher qualitativ und quantitativ, insbesondere seit der Zeit der Aufklärung, seit der der Menschimmer weniger bereit ist, Vorgefundenes einfach als gottgegeben und unveränderbar hinzunehmen.
Da die Entwicklung der Technik, insbesondere durch das Enstehen des Ingenieur- und Erfinderwesens, immer mehr Wünsche zu erfüllen hilft, kommt es zu einer regelrechten „Wunschkrise“ – der Mensch weiss gar nicht mehr, was er sich noch alles wünschen soll.
Diese Analyse der Welt, zumindest des industrialisierten Bereichs, die OyG bereits 1933 vorgenommen hat, erweist sich auch heute noch, rund 80 Jahre später als präzise und zutreffend. Deutlich wird dies u.a. in der explosionsartigen Ausbreitung,die die Werbung für Konsumgüter, die niemand wirklich braucht, und die deshalb beworben werden müssen, in den letzten Jahren und Jahrzehnten erfahren hat.
OyG hat aber auch die Gefahren, die die fortlaufende Technisierung bringt, klar erkannt und formuliert : der Mensch wird mehr und mehr von Technik abhängig, er wird zum reinen Maschinenhelfer ...
INHALT
1. Welchen Stellenwert hat Ortega Y Gasset als Technikphilosoph ?
2. Von welchen Voraussetzungen geht Ortega y Gasset aus ?
3. Welches Technikverständnis ergibt sich daraus ?
4. Wie hat sich Technik im Lauf der Geschichte entwickellt ?
5. Welche Probleme entstehen beim Umgang des Menschen mit der Technik ?
6. Fazit
ANHANG
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern von Ortega y Gassets Technikphilosophie?
Sein Ansatz ist anthropologisch: Der Mensch nutzt die Technik, um die Natur seinen Bedürfnissen anzupassen und sich selbst ein "Wohlleben" zu ermöglichen, anstatt sich nur der Natur zu fügen.
Was unterscheidet den Menschen laut Ortega y Gasset vom Tier?
Während das Tier nur überlebt, strebt der Mensch nach Bequemlichkeit und Gestaltung seiner Existenz. Technik ist für ihn das Werkzeug zur Herstellung seiner selbst.
Was versteht Ortega y Gasset unter der "Wunschkrise"?
Durch den Fortschritt des Ingenieurwesens können immer mehr Wünsche erfüllt werden, was dazu führt, dass der Mensch den Fokus verliert und nicht mehr weiß, was er sich noch wünschen soll.
Welche Gefahren sah er in der fortlaufenden Technisierung?
Er warnte davor, dass der Mensch von der Technik abhängig wird und Gefahr läuft, zum reinen "Maschinenhelfer" zu degradieren, anstatt Herr über seine Schöpfung zu bleiben.
Warum ist seine Analyse von 1933 heute noch relevant?
Seine Vorhersagen zur explosionsartigen Ausbreitung von Konsumgütern und der Rolle der Werbung für unnötige Produkte spiegeln die heutige industrialisierte Welt präzise wider.
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- Michael Veit (Author), 2012, Ein Einblick in "Betrachtungen über die Technik" von José Ortega y Gasset (1933), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195848