Auch in der öffentlichen Debatte um den Vertrag von Lissabon und dessen Ablehnung durch die irische Bevölkerung war häufig die Rede vom Demokratiedefizit bzw. Öffentlichkeitsdefizit der Europäischen Union. Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Studie ist daher, ob im Zuge der Berichterstattung zum Reformvertrag der Europäischen
Union Anzeichen von Europäischer Öffentlichkeit erkennbar sind.
Der Vertrag von Lissabon (auch EU-Reformvertrag genannt) wurde am 13. Dezember 2007 von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union unterzeichnet und soll die Handlungsfähigkeit der erweiterten Union gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Öffentlichkeit
2.1.1 Definitionsansätze
2.1.2 Öffentliche Meinung
2.1.3 Ebenen von Öffentlichkeit
2.1.4 Öffentlichkeitsfunktionen
2.1.5 Öffentlichkeitsmodelle
2.1.5.1 Systemtheoretische Spiegelmodelle
2.1.5.2 Diskursmodelle
2.2 Europäische Öffentlichkeit
2.2.1 Modelle europäischer Öffentlichkeit
2.2.1.1 Länderübergreifende europäische Öffentlichkeit
2.2.1.2 Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten
2.2.2 Indikatoren europäischer Öffentlichkeit
2.3 Kommunikationswissenschaftliche Theorien zur Herstellung von Öffentlichkeit
2.3.1 Gatekeeper-Theorie
2.3.2 Agenda-Setting
3 Boulevard- und Qualitätsmedien
3.1 Boulevardzeitung
3.2 Qualitätszeitung
4 Forschungsstand: Berichterstattung zur EU und zur europäischen Öffentlichkeit
5 Empirischer Teil
5.1 Forschungsfragen und Hypothesen
5.2 Untersuchungsgegenstand, Stichprobe und Methodik
5.2.1 Untersuchungsgegenstand und Stichprobe
5.2.2 Methodik
5.3 Darstellung der zentralen Ergebnisse
5.3.1 Themenstruktur
5.3.2 Aufmerksamkeit der Berichterstattung
5.3.3 Bewertung des EU-Reformvertrages
5.3.4 Anzeichen europäischer Öffentlichkeit
6 Resümee zur Berichterstattung zum EU-Reformvertrag
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studie untersucht, ob in der medialen Berichterstattung über den EU-Reformvertrag (Vertrag von Lissabon) Anzeichen für eine Europäische Öffentlichkeit erkennbar sind, insbesondere im Hinblick auf Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien sowie zwischen verschiedenen europäischen Ländern.
- Analyse der medialen Aufmerksamkeit im Kontext des irischen Referendums
- Vergleich der Berichterstattung zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien
- Untersuchung der nationalen versus europäischen Akteurskonzentration
- Überprüfung von Hypothesen zur Bewertung des EU-Reformvertrages
- Identifikation von Konvergenzmustern in der transnationalen Berichterstattung
Auszug aus dem Buch
2.1.5.1 Systemtheoretische Spiegelmodelle
Spiegelmodelle von Öffentlichkeit sind normativ „anspruchslos“ und ermöglichen demnach die „Selbstbeobachtung und die Herstellung einer Selbstbeschreibung von Gesellschaft mittels Veröffentlichung von Themen.“ (Jarren/Donges 2006: 98) Der Beobachter der Öffentlichkeit sieht wie durch einen Spiegel, wie er selbst in der öffentlichen Meinung abgebildet wird und er „sieht auch die Konkurrenten, die quertreibenden Bestrebungen, die Möglichkeiten, die nicht für ihn, aber für andere attraktiv sein könnten.“ (Jarren/Donges 2006: 98) Dies ist für all jene Akteurinnen und Akteure relevant, die ein breites Publikum ansprechen wollen, beispielsweise Politikerinnen und Politiker. Daher wird die politische Öffentlichkeitsarbeit für Akteurinnen und Akteure des politischen Systems auch immer wichtiger. (vgl. Jarren/Donges 2006: 98f)
Im Spiegelmodell lässt sich die Forderung nach Offenheit auf der Inputseite ableiten, das heißt, in diesem werden alle Akteurinnen und Akteure und Meinungen abgebildet und es wird nicht durch Ausschluss einzelner Gruppen oder Meinungen die Selbstbeobachtung beeinträchtigt (Transparenzfunktion). (vgl. Jarren/Donges 2006: 99)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Öffentlichkeit im Kontext der Europadiskussion dar und führt in die Fragestellung ein, ob im Zuge der Berichterstattung zum EU-Reformvertrag Anzeichen einer Europäischen Öffentlichkeit erkennbar sind.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Fundamente, inklusive verschiedener Öffentlichkeitsbegriffe, Modelle und Funktionen sowie spezifische Ansätze zur Europäischen Öffentlichkeit.
3 Boulevard- und Qualitätsmedien: Hier werden die zentralen Unterschiede und Merkmale zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien hinsichtlich ihrer Arbeitsweise und inhaltlichen Ausrichtung beschrieben.
4 Forschungsstand: Berichterstattung zur EU und zur europäischen Öffentlichkeit: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über relevante Studien, die sich bereits mit der medialen EU-Debatte und der Frage nach einer Europäischen Öffentlichkeit befasst haben.
5 Empirischer Teil: Der empirische Teil umfasst die Darlegung der Forschungsfragen, Hypothesen sowie die methodische Beschreibung und die anschließende Präsentation der Analyseergebnisse.
6 Resümee zur Berichterstattung zum EU-Reformvertrag: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, interpretiert diese im Kontext der aufgestellten Hypothesen und bietet einen Ausblick für zukünftige Forschung.
Schlüsselwörter
Europäische Öffentlichkeit, EU-Reformvertrag, Vertrag von Lissabon, Inhaltsanalyse, Boulevardmedien, Qualitätsmedien, Medienberichterstattung, Europäisierung, Agenda-Setting, Gatekeeper-Theorie, politische Kommunikation, Themenkonvergenz, Sprecherkonvergenz, Deutschland, Österreich, Großbritannien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern in der medialen Berichterstattung zum EU-Reformvertrag Anzeichen für eine entstehende Europäische Öffentlichkeit sichtbar sind.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die mediale Debatte rund um den Vertrag von Lissabon, den Vergleich von Boulevard- und Qualitätszeitungen sowie die Analyse der Rolle nationaler und supranationaler Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel besteht darin, anhand einer Inhaltsanalyse festzustellen, ob das EU-Thema in der Berichterstattung verschiedener Länder und Medientypen europäisierte Züge annimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie nutzt die wissenschaftliche Inhaltsanalyse, um Zeitungsartikel aus Österreich, Deutschland und Großbritannien systematisch zu untersuchen und zu kodieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Grundlagen zu Öffentlichkeit und Medientypen dargelegt, der Forschungsstand zusammengefasst und die eigenen empirischen Analysen (Themenstruktur, Aufmerksamkeit, Akteurskonstellationen) präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Europäische Öffentlichkeit, EU-Reformvertrag, Inhaltsanalyse, Medientyp-Vergleich sowie Europäisierung.
Welche Medien wurden für die Analyse ausgewählt?
Untersucht wurden die Kronen Zeitung, Der Standard (Österreich), Bild, Süddeutsche Zeitung (Deutschland) sowie The Times (Großbritannien).
Warum konnte kein irisches Medium in die Untersuchung einbezogen werden?
Die Einbeziehung irischer Medien scheiterte an der praktischen Zugänglichkeit der Zeitungen im gewählten Untersuchungszeitraum.
Welches Ergebnis erbrachte die Analyse der Akteursherkunft?
Es zeigte sich, dass in der Berichterstattung überwiegend nationale Akteure dominieren, was die Hypothese einer starken Europäisierung durch die Akteurspräsenz eher in Frage stellt.
- Citar trabajo
- Mag. Rychetsky (Autor), Fertsak (Autor), Fituch (Autor), Koch (Autor), Krois (Autor), Tagwerker (Autor), 2008, Europäische Öffentlichkeit - Eine Analyse zur Berichterstattung zur Debatte um den EU-Reformvertrag in ausgewählten europäischen Tageszeitungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/195914