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Alzheimer im problemorientierten Bilderbuch: Inhaltliche, künstlerische und sprachliche Aspekte

Title: Alzheimer im problemorientierten Bilderbuch: Inhaltliche, künstlerische und sprachliche Aspekte

Examination Thesis , 2009 , 97 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mareike Hachemer (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Alzheimer ist eine Krankheit, die den Verlust der Erinnerung und der Persönlichkeit zur Folge hat. Viele Kinder entwickeln ob der dramatischen Situation in der Familie Ängste und Wut. Ein Medium, das in dieser Situation hilfreich sein kann, ist das Bilderbuch. Die vorliegende Arbeit zeigt, dass Bilderbücher auf familiäre Probleme aufmerksam machen und Gesprächsanlässe schaffen können, da sie eine zusätzliche außerfamiliäre Wirklichkeit transportieren und dadurch entscheidenden Einfluss auf die Sozialisierung und die Normenbildung des Kindes ausüben. Als ein Medium des wiederholten Konsums dient das Bilderbuch manchen Kindern in Form einer Bibliotherapie als Selbsthilfe, anderen als Inspiration, sich Hilfe zu suchen. Voraussetzung für diese positiven Effekte des Bilderbuchlesens ist allerdings eine realitätsnahe Darstellung und Abkehr von der Idyllisierung des Lebens, die vielen Bilderbüchern traditionell eigen ist.
Diese Arbeit stellt eine Kriteriensammlung für problemorientierte Bilderbücher zum Thema „Alzheimer“ aus Maria Nikolajevas literaturwissenschaftlichen Vorgaben, Jens Thieles Bilderbuchforschung und den Verhaltensratschlägen der Alzheimer-Gesellschaften zusammen. Die Bilderbücher sollen die handelnden Personen als Individuen zeigen, die miteinander kommunizieren und gemeinsam Probleme bekämpfen. Den künstlerischen Aspekt betreffend verlangt der aufgestellte Kriterienkatalog eine vielseitige, facettenreiche und anspruchvolle Darstellung mit einem unterstützenden oder bewusst konfrontativen Text-Bild-Verhältnis. Narrative Illustrationen sollen im Buch vorkommen, die verschiedene Techniken, Farben und Perspektiven einsetzen und des Weiteren durch Komplexität und Dichte Entdeckungsmöglichkeiten bieten, sodass sie der Bilderbildung des Kindes dienen und zum Gespräch anregen. Ähnlich fördernd wirkt sich ein kreativer Wortschatz im Buch aus, der auch für das Kind neue Vokabeln und Satzstrukturen einführt und dem Kind ein Vokabular anbietet, mit dem es sowohl seine Gefühle äußern kann, als auch Fragen zur Krankheit und zur Situation zu formulieren lernt.
Die Anwendung dieser Kriterien auf die Bücher Omas Apfelkuchen von Laura Langston und Lindsey Gardiner, Opa ist ... Opa! von Lilli Messina, Herbst im Kopf von Dagmar Mueller und Verena Ballhaus sowie Meine Oma Gisela von Kathy Baumann und Erin Conners ergibt, dass die Tendenz zur Verniedlichung noch immer und sogar in diesen scheinbar problemorientierten Büchern die Darstellungsform bestimmt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Die Alzheimer-Krankheit

2 Die Situation der Familie und des Kindes

3 Das Bilderbuch als problemorientiertes Medium

4 Kriterien für „gute“ problemorientierte Bilderbücher

5 Bilderbücher zum Thema „Alzheimer“ im Vergleich

5.1 Inhaltliche Umsetzung

5.1.1 Der Protagonist

5.1.2 Der Erkrankte und der Enkel

5.1.3 Mütter und Väter

5.1.4 Andere Kinder und außerfamiliäres Umfeld

5.2 Die Darstellung der Krankheit

5.3 Die Darstellung des Gedächtnisses

5.4 Bildliche Ästhetik

5.4.1 Titelbild

5.4.2 Komplexität und Dichte

5.4.3 Illustrationstechnik

5.4.4 Text-Bild-Verhältnis

5.5 Sprachliche Analyse

5.6 Zeit und Ort

5.7 Im Anhang: Kuchenrezept und Verständisfragen

6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Genre des „problemorientierten Bilderbuchs“ am Beispiel der Alzheimer-Krankheit, um zu analysieren, wie dieses Medium als Instrument zur Aufklärung, Bewältigung und Entlastung für betroffene Kinder in der Familie fungieren kann.

  • Die Darstellung und Wahrnehmung der Alzheimer-Krankheit in der Kinderliteratur.
  • Die Rolle der Familie und die kindliche Bewältigung von familiären Krisen.
  • Entwicklung und Anwendung von Qualitätskriterien für problemorientierte Bilderbücher.
  • Analyse der textlichen und bildlichen Ästhetik (Text-Bild-Verhältnis, Illustrationstechnik) in vier ausgewählten Werken.
  • Das Potenzial von Bilderbüchern als Mittel der Bibliotherapie im familiären Kontext.

Auszug aus dem Buch

5.2 Die Darstellung der Krankheit

Die Darstellung der Krankheit ist von der Darstellung der Kranken im Falle der untersuchten Bilderbücher nur schwer zu trennen. Im Fall von „Herbst im Kopf – Meine Oma Anni hat Alzheimer“ gelingt eine Unterscheidung, da die Krankheit hier nicht nur durch das Verhalten der Erkrankten, sondern auch durch eine kurze einführende Erklärung beschrieben wird. Die Ich-Erzählerin Paula berichtet:

Dass meine Oma Anni nicht so ist wie die meisten anderen Omas, das liegt daran, dass sie krank ist. Sie hat eine Krankheit, die nennt man Alzheimer. Ich finde, das ist ein komisches Wort, aber die Krankheit heißt so, weil ein Herr Alois Alzheimer die mal entdeckt hat. Und da hat er ihr einfach seinen Namen gegeben.

Die Ich-Erzählerin nennt somit zwei Dinge beim Namen, die in anderen Büchern verschwiegen werden: Die Oma ist krank. Die Krankheit heißt Alzheimer. Paula erklärt, dass man diese Krankheit nicht sehen kann. „Also, man kriegt keine roten Punkte im Gesicht wie bei Windpocken. Und man muss auch nicht im Bett liegen und schwitzen und heißen Fliederbeerensaft trinken wie bei einer Erkältung.“ In ihrem Bericht stellt Paula auch klar, dass die Alzheimer-Krankheit kein intellektuelles Defizit darstellt. Sie erzählt von dem früheren Beruf ihrer Oma als Lehrerin und folgert, dass sie bei diesem Beruf nicht dumm gewesen sein kann. Durch Paulas Mutter erfährt der Leser, welche Folgen die Krankheit für das Erinnerungsvermögen hat. „Sie macht, dass bei Oma Anni im Kopf langsam die Erinnerungen an ihr Leben verloren gehen.“ Auch erklärt Paula, dass jeder im Alter Alzheimer erkranken kann und erbittet dadurch Verständnis für die Großmutter. Diese Beschreibungen sind nicht individuell und zufällig wie andere Schilderungen in diesem Buch und die meisten Darstellungen in anderen Büchern. Sie sind bewusst allgemein. Dem Lesenden erleichtert dies die Unterscheidung zwischen Charaktereigenschaften, persönlichen Eigenheiten und dem Krankheitsbild. Er begegnet damit zugleich Einschränkungen, die ihm bereits durch die eigenen Großeltern bekannt sind, oder erfährt, auf welche Defizite er sich zukünftig einstellen muss.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Die Alzheimer-Krankheit: Dieses Kapitel erläutert die medizinischen Grundlagen der Krankheit, ihre Symptomatik und den Verlauf bei Betroffenen.

2 Die Situation der Familie und des Kindes: Hier wird beleuchtet, wie Kinder die Alzheimer-Erkrankung innerhalb des familiären Systems erleben und welche Bedeutung ein offener Umgang für die seelische Entlastung hat.

3 Das Bilderbuch als problemorientiertes Medium: Das Kapitel reflektiert die historische Entwicklung sowie die pädagogische und therapeutische Funktion von Bilderbüchern im Kontext schwieriger Lebensthemen.

4 Kriterien für „gute“ problemorientierte Bilderbücher: Es werden theoretische Qualitätsmerkmale definiert, um Bilderbücher, die sich mit der Realität von Krankheit auseinandersetzen, wissenschaftlich bewerten zu können.

5 Bilderbücher zum Thema „Alzheimer“ im Vergleich: Dieser Hauptteil analysiert vier ausgewählte Bilderbücher hinsichtlich inhaltlicher Umsetzung, Krankheitsdarstellung, Ästhetik und sprachlicher Gestaltung.

6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Potenzial der Bilderbuchforschung, um die didaktische Qualität dieses Genres weiterzuentwickeln.

Schlüsselwörter

Alzheimer, Demenz, Bilderbuch, Kinderliteratur, Familienleben, Problemorientierung, Bibliotherapie, Text-Bild-Verhältnis, Illustration, Pädagogik, Erinnerungsvermögen, Bewältigung, Aufklärung, Krankheitsdarstellung, Intergenerationale Beziehungen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie das Genre „Bilderbuch“ genutzt wird, um Kindern das komplexe und oft belastende Thema der Alzheimer-Krankheit innerhalb der Familie verständlich und altersgerecht zu vermitteln.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Neben der medizinischen Aufklärung über Alzheimer stehen die kindliche Wahrnehmung der Krankheit, die Auswirkungen auf das Familiengefüge sowie die ästhetische und sprachliche Analyse spezifischer Kinderbücher im Fokus.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Kriterien für „gute“ problemorientierte Bilderbücher zu identifizieren und zu zeigen, dass eine realitätsnahe Darstellung der Alzheimer-Krankheit Kindern helfen kann, Ängste abzubauen und familiäre Veränderungen konstruktiv zu verarbeiten.

Welche methodische Herangehensweise wird angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer vergleichenden Inhalts- und Ästhetikanalyse von vier spezifischen Bilderbüchern, die das Thema Alzheimer thematisieren.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung von vier Fallbeispielen und analysiert dabei die Charakterisierung der Figuren, die Darstellung von Gedächtnisverlust, die künstlerische Illustrationstechnik und das Zusammenspiel von Text und Bild.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Zentrale Begriffe sind neben Alzheimer und Demenz vor allem das „problemorientierte Bilderbuch“, Bibliotherapie sowie das komplexe Zusammenspiel von Sprache und Illustration bei der Vermittlung schwieriger Lebenssituationen.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Gedächtnisverlusts in den untersuchten Büchern?

Die Bücher nutzen sehr unterschiedliche Metaphern; während einige den Verlust als verwirrende Abstraktion zeigen, verwenden andere, wie „Herbst im Kopf“, das Modell eines Baumes, um das Schwinden von Erinnerungen für Kinder greifbar zu machen.

Welche Bedeutung kommt der bildlichen Gestaltung in diesem Kontext zu?

Bilder spielen eine Schlüsselrolle: Sie können entweder harmonisierend wirken und die Krankheit verharmlosen, oder durch groteske, postmoderne Darstellungsweisen die Irritation und die verzerrte Wahrnehmung der Kranken für den jungen Leser nachvollziehbar machen.

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Details

Title
Alzheimer im problemorientierten Bilderbuch: Inhaltliche, künstlerische und sprachliche Aspekte
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Germanistisches Insitut)
Grade
2,0
Author
Mareike Hachemer (Author)
Publication Year
2009
Pages
97
Catalog Number
V196086
ISBN (eBook)
9783656221838
ISBN (Book)
9783656222637
Language
German
Tags
Alzheimer Bilderbuch Pädagogik Problemorientierung Problemorientierte Bilderbücher Kinder- und Jugendliteratur Krankheit Tod Ästhetische Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mareike Hachemer (Author), 2009, Alzheimer im problemorientierten Bilderbuch: Inhaltliche, künstlerische und sprachliche Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196086
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