Während die offensive, klangfärbende Nutzung Auto-Tunes im HipHop, R'n'B und Pop seit langem nicht besonderes mehr nicht, ist es im Rock und Metal immer noch verpönt, da es als inauthentisch gilt. Die Band Dead By April brach dieses Paradigma auf und mischte Metalcore mit Elektro und Auto-Tune. Ob es dabei zu einer "roboterhaften Emtionslosigkeit" kam, wie oftmals von Kritikern behauptet, welche sonstigen Auswirkungen es auf die musikalische Praxis hatte wie dies zu bewerten ist, wurde in dieser Seminararbeit dargelegt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Auto-Tune?
2.1 Auto-Tune und Elastic Audio im Studio
2.2 Pitch-Correction im Livekontext
3. Widerspruch zum Echtheitsanspruch
4. Auto-Tune und Körperkult – eine logische Genealogie?
4.1 Auto-Tune und Schönheits-OPs im Pop
4.2 Tattoos, Piercings, Open-Mindness, Auto-Tune
5. Dead by April als Vorreiter – eine Frage der Nationalität?
5.1 Swedish Type of Metalcore
5.2 Dead by Aprils neue Wege
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den ästhetischen Einfluss automatischer Gesangskorrektur (Auto-Tune) im Genre Metalcore, unter besonderer Berücksichtigung der schwedischen Band Dead by April, und analysiert den damit verbundenen Konflikt mit dem traditionellen Echtheitsanspruch der Szene.
- Klangästhetik und technologische Entwicklung von Auto-Tune
- Die Konstruktion von Authentizität in der Rock- und Metalmusik
- Parallelen zwischen Körperkult (Tuning) und Gesangstuning
- Die spezifische Rolle der schwedischen Metal-Szene (Popcore)
Auszug aus dem Buch
2. Was ist Auto-Tune?
"Auto-Tune", erklärt Hildebrand, "gleicht die Stimmhöhe des Künstlers mit der nahe liegendsten korrekten Note der Tonleiter ab." (Fischer 2008)
Auto-Tune ist erst einmal ganz einfach gesagt ein technischer Effekt, der die Stimme bearbeitet. Allerdings unterscheidet es sich dabei grundlegend von anderen Effekten wie dem Hall, dem Kompressor oder dem Chorus in seinen Möglichkeiten. So kann zum einen korrektiv eingegriffen, einzelne Noten des Gesangs im Nachhinein verändert und an die Tonart angepasst werden, zum anderen aber auch direkt klangästhetisch gearbeitet werden. Diese klangästhetische Nutzung Auto-Tunes, die der Grundintention des Programmes widerspricht, folgte wie so vieles in der Popmusik eigentlich aus einem Missbrauch der Möglichkeiten, durch welchen sich eine neue Ästhetik manifestierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die musikalische Vermischung von Metalcore und Elektro/Pop bei Dead by April und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich Authentizität.
2. Was ist Auto-Tune?: Definition und technischer Hintergrund von Auto-Tune sowie die Abgrenzung von korrekter Verwendung zur klangästhetischen Übertreibung.
2.1 Auto-Tune und Elastic Audio im Studio: Untersuchung der studiotechnischen Möglichkeiten zur nachträglichen oder Echtzeit-Manipulation der Tonhöhe.
2.2 Pitch-Correction im Livekontext: Analyse der Probleme und technischer Lösungen für den Live-Einsatz von Auto-Tune-Effekten.
3. Widerspruch zum Echtheitsanspruch: Diskussion über den Authentizitätsbegriff in der Rock- und Metalszene im Kontext der zunehmenden Technisierung der Musikproduktion.
4. Auto-Tune und Körperkult – eine logische Genealogie?: Untersuchung der inhaltlichen Verbindung zwischen physischer Selbstoptimierung durch Schönheitsoperationen und digitaler Stimmoptimierung.
4.1 Auto-Tune und Schönheits-OPs im Pop: Vergleich der Normalisierung von chirurgischen Eingriffen mit der Akzeptanz elektronisch bearbeiteter Gesangsstimmen im Pop-Mainstream.
4.2 Tattoos, Piercings, Open-Mindness, Auto-Tune: Übertragung der Analysen auf den Metalcore-Bereich und die dort vorherrschende Ästhetik.
5. Dead by April als Vorreiter – eine Frage der Nationalität?: Analyse des Einflusses der musikalischen Herkunft (Schweden) auf die Entwicklung des Metalcore-Sounds.
5.1 Swedish Type of Metalcore: Untersuchung der schwedischen Szene-Eigenschaften, insbesondere der Nutzung von Synthesizern und klarem Gesang.
5.2 Dead by Aprils neue Wege: Betrachtung der Sonderrolle von Dead by April als Pionier der kommerziellen, Auto-Tune-lastigen Metalcore-Interpretation.
6. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Authentizität in der modernen Musikproduktion ein ständig verhandelbarer Begriff ist und die Nutzung von Auto-Tune eine logische Weiterentwicklung darstellt.
Schlüsselwörter
Auto-Tune, Metalcore, Dead by April, Authentizität, Klangästhetik, Popcore, Musikproduktion, Körperkult, Stimmoptimierung, Genrekonventionen, Melodic-Deathmetal, Musiktechnologie, Hardware-Vocoder, Subkultur, Postproduktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert den Einsatz und die ästhetische Wirkung der automatischen Gesangskorrektur (Auto-Tune) innerhalb des Metalcore-Genres.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Es geht primär um die Beziehung zwischen technologischer Innovation, dem Anspruch auf Authentizität in der Metalszene und der Verbindung zwischen digitaler Stimmbearbeitung und physischer Selbstoptimierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob die klangästhetische Nutzung von Auto-Tune als logische Konsequenz der musikalischen Entwicklung im Metal betrachtet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine kulturwissenschaftliche Analyse, die musiktheoretische Aspekte mit soziologischen Theorien (Genealogie) und Fallbeispielen verknüpft.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen, die Analyse des Authentizitätsbegriffs im Rock/Metal, einen Vergleich zum menschlichen Körperkult sowie eine Fallstudie über die Band Dead by April.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Auto-Tune, Authentizität, Popcore, Metalcore und klangästhetische Transformation.
Warum nimmt Dead by April eine Sonderrolle ein?
Die Band gilt als Vorreiter, da sie Auto-Tune nicht nur korrektiv, sondern als wesentliches, stilbildendes Klangelement einsetzt, was innerhalb des Metalcore als Novum gilt.
Wie lässt sich der Widerspruch zwischen Metal-Echtheit und Auto-Tune auflösen?
Der Autor argumentiert, dass der "Echtheitsanspruch" oft ein subjektiver Abgrenzungsmechanismus ist und die Musikproduktion ohnehin seit Jahrzehnten auf künstlichen Verfremdungen basiert.
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- Marcel Weigel (Author), 2012, Singing like a synthesizer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196215