Gastarbeiter verlassen ihre Heimat, da die dort vorherrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse keine oder nur unzureichende Möglichkeiten zur Existenzsicherung bieten. Sie schließen sich einem anderen kulturellen, sozialen und ökonomischen System temporär an und geben dabei nicht nur ihren angestammten Wohnort, sondern auch traditionelle Lebensweisen auf. Dieser Idealtypus eines Gastarbeiters lässt sich auch auf jene Griechen übertragen, die ab Anfang der 60er Jahre vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ihr Land in Richtung Westeuropa verließen. Viele von ihnen suchten ihr Glück in der Bundesrepublik Deutschland , welche durch die Boomphase des Wirtschaftswunders auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen war.
Sosehr ihre Abwanderung auch von wirtschaftlichen Gesichtspunkten geprägt war, konnten die Griechen eine Konfrontation mit der fremden Gesellschaft doch nicht verhindern. Sie wurden zu einem dynamischen Element innerhalb der deutschen Gesellschaft und beschleunigten den sozialen Wandel erheblich. Die Erfahrungen im Gastland prägten aber auch ihre Denk- und Verhaltensweise nachdrücklich. Bei ihrer Rückkehr in die Heimat nahmen sie diesen neuen Hintergrund mit sich und brachten ihn mehr oder weniger stark in die griechische Gesellschaft ein.
Unter soziologischen Gesichtspunkten erscheint es daher lohnenswert, den Einfluss der heimgekehrten Gastarbeiter auf die traditionale griechische Gesellschaft näher zu betrachten. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Auswirkungen der griechischen Arbeitsmigration zu geben und abschließend zu erörtern, inwieweit die heimgekehrten Gastarbeiter als Träger des sozialen Wandels zu betrachten sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands nach dem zweiten Weltkrieg
II. Der Exodus der Gastarbeiter
II. 1 Der Gastarbeiter: Gründe der Abwanderung und Erwartungen an das Gastland
II.2 die Auswirkungen der Abwanderung auf die griechische Gesellschaft
II.3 Die Erfahrungen der Gastarbeiter im Ausland
III. Die Rückkehr der Gastarbeiter
III.1 Gründe für die Rückkehr nach Griechenland
III.2 Reintegration in die griechische Gesellschaft
III.3 Die Wiedereingliederung in das Wirtschaftssystem
IV. Die heimgekehrten Gastarbeiter -Ein Träger des sozialen Wandels?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss der griechischen Gastarbeiter, die aus der Bundesrepublik Deutschland in ihre Heimat zurückkehrten, auf den sozialen und wirtschaftlichen Wandel in Griechenland. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit diese Rückkehrer als aktive Träger eines gesellschaftlichen Transformationsprozesses betrachtet werden können, insbesondere im Spannungsfeld zwischen traditionellen griechischen Strukturen und im Ausland erworbenen neuen Wertvorstellungen.
- Wirtschaftliche Ausgangslage Griechenlands nach dem Zweiten Weltkrieg
- Motive der Abwanderung und Erfahrungen in der Bundesrepublik Deutschland
- Herausforderungen der Reintegration in die griechische Gesellschaft
- Einfluss der Rückkehrer auf Strukturwandel und Konsumverhalten
Auszug aus dem Buch
II.3 Die Erfahrungen der Gastarbeiter im Ausland
Wie anfangs erwähnt, prägten die Abwanderungsgründe und die Erwartungshaltung an das Gastland die Verhaltensweise der Gastarbeiter im Ausland. Da für die griechischen Arbeitsmigranten die finanzielle Unterstützung der Familie in Griechenland und die Anlage von Sparkonten zur Sicherung ihres Lebensstandards nach der Rückkehr in die Heimat im Vordergrund standen, richteten sie ihren Aufenthalt im Gastland vollständig nach diesen Maximen aus.
Aufgrund ihrer Zielsetzung, möglichst viele Ersparnisse in kürzester Zeit anzuhäufen, ließen sie sich größtenteils in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg nieder, wo sie Beschäftigung in der Schwerindustrie fanden. Sie nahmen die harte Arbeit unter widrigen Arbeitsbedingungen klaglos in Kauf, da ihnen diese durch die hohe Entlohnung zur Erfüllung ihrer gesetzten Ziele am besten geeignet erschien.
Diese Arbeit brachte den Gastarbeitern nicht nur finanzielle Vorteile ein. Durch die Eingliederung in die deutsche Arbeitswelt profitierten sie erstmals von einem umfassenden arbeitsrechtlichen Schutz und der Sicherheit eines funktionierenden Sozialsystems. Im Zuge des Wirtschaftswunders hatte sich die deutsche Industrie Anfang der 60er Jahre fast vollständig von den Nachkriegsschwierigkeiten erholt und verfügte über moderne technische Arbeitsformen und eine rationale Arbeitsteilung. Die Gastarbeiter dagegen konnten meist nur eine unzureichende Vorbildung aufweisen und verfügten kaum über berufliche Qualifikationen. Dieser Vorsprung der deutschen Industrie im Vergleich zum Heimatland machte die Gastarbeiter zu einem möglichen Träger des griechischen Industrialisierungsprozesses. In wie weit die griechische Wirtschaft später wirklich von ihren Fähigkeiten profitieren konnte wird im Verlauf der Ausführungen noch zu klären sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der griechischen Arbeitsmigration ab den 1960er Jahren ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Einfluss der Rückkehrer als Träger des sozialen Wandels zu analysieren.
I. Die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands nach dem zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert den wirtschaftshistorischen Kontext Griechenlands, der durch die Notwendigkeit der Arbeitsmigration aufgrund unzureichender industrieller Entwicklung geprägt war.
II. Der Exodus der Gastarbeiter: Hier werden die Gründe für die Abwanderung, die Auswirkungen des Massenexodus auf die griechische Gesellschaft sowie die spezifischen Arbeits- und Lebenserfahrungen der Griechen im Gastland Deutschland detailliert analysiert.
III. Die Rückkehr der Gastarbeiter: Dieser Abschnitt beleuchtet die Motive für die Rückwanderung, die Schwierigkeiten bei der sozialen und wirtschaftlichen Wiedereingliederung sowie das Auseinanderdriften von städtischen und ländlichen Regionen.
IV. Die heimgekehrten Gastarbeiter -Ein Träger des sozialen Wandels?: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und diskutiert die Rolle der Gastarbeiter als ambivalente Akteure zwischen Modernisierung und der Bewahrung traditioneller Strukturen.
Schlüsselwörter
Griechische Gastarbeiter, Arbeitsmigration, Sozialer Wandel, Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Reintegration, Industrialisierung, Patriarchalismus, Wirtschaftsentwicklung, Remigration, Tradition, Modernisierung, Konsumgesellschaft, Familienstrukturen, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der griechischen Arbeitsmigration, insbesondere die Rolle der aus Deutschland zurückkehrenden Gastarbeiter als Akteure des sozialen und wirtschaftlichen Wandels in Griechenland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die wirtschaftliche Lage Griechenlands nach 1945, die Migrationsmotive, die Integration und Erfahrungen in Deutschland sowie die komplexen Folgen der Rückwanderung auf die griechische Gesellschaft und Wirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, einen Überblick über die Auswirkungen der Arbeitsmigration zu geben und zu erörtern, inwieweit die heimgekehrten Gastarbeiter als Träger des sozialen Wandels in ihrer Heimat betrachtet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Untersuchung zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Begriffe des sozialen Wandels sowie der Auswertung von Fachliteratur, Statistiken und zeitgenössischen Analysen zum Migrationsprozess.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Abwanderungsursachen, die soziokulturellen und wirtschaftlichen Erfahrungen im Ausland sowie die Herausforderungen und Resultate der Reintegration in Griechenland, unterteilt in gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem soziale Transformation, Patriarchalismus, Migrationsprozess, industrielle Entwicklung, Remigration und Wertewandel.
Warum wird der Begriff des „Sekundär-Patriarchalismus“ in der Arbeit verwendet?
Er beschreibt das Phänomen, bei dem durch die Abwanderung junger Männer die Autorität der verbliebenen Älteren zunahm, was als soziologische Reaktion auf die veränderte Familienstruktur gedeutet wird.
Welchen Einfluss hatten die Rückkehrer konkret auf die griechische Wirtschaft?
Der Einfluss war ambivalent: Einerseits stärkten sie den Konsum und den Dienstleistungssektor durch ihre Ersparnisse, andererseits blieben die erhofften massiven Impulse für eine eigenständige Industrialisierung aufgrund mangelnder staatlicher Unterstützung aus.
- Citation du texte
- Ricarda Röleke (Auteur), 2007, Griechenland - heimgekehrte Gastarbeiter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196287