Lettland ist ein baltischer Staat und grenzt im Westen an die Ostsee, im Norden an Estland, im Osten an Russland, im Südosten an Weißrussland und im Süden an Litauen. Das Land liegt im kühl-gemäßigten Klimabereich, mit sehr kalten Wintern und kühlen Sommern. Die Hauptniederschlagsmenge fällt im Frühsommer. Lettland weist eine Fläche von 64 600km² auf. 40% der Fläche werden landwirtschaftlich und 46% forstwirtschaftlich genutzt. Etwa 3% der Staatsfläche werden durch Gewässer bedeckt. 49% der Bevölkerung lebt auf 1% der Gesamtfläche, nämlich in den sechs größten Städten. Insgesamt wohnen etwa 2,3 mio Einwohner in Lettland, das entspricht 35 Einwohner pro km². Im Vergleich hat Österreich 100 Einwohner pro km². Somit ist Lettland relativ dünn besiedelt.
Die lettische Identität ist stark vom Wunsch nach Unabhängigkeit geprägt. Mit dem Auftreten der Missionare und Kreuzritter Ende des 12. Jahrhunderts, begann eine Jahrhunderte dauernde Unterdrückung. Mit den Besetzern kamen fremde Kulturen und Sprachen ins Land, vor allem die der Deutschen und der Russen. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Leibeigenschaft abgeschafft und die Letten durften sich frei in ihrem Land bewegen. Die erste mühsam erkämpfte Unabhängigkeit wurde 1941 ein jähes Ende gesetzt durch den Hitler-Stalin Pakt. Die Sowjets marschierten ein. Danach erfolgte die Besetzung durch die Deutschen und 1945 kamen wieder die Russen. Erst 1991 wurde Lettland wieder unabhängig. Aber der von der Bevölkerung erwartete Wohlstand blieb aus. Wachsende Arbeitslosigkeit machten den Letten zu schaffen. Mit EU-Beitritt Lettlands 2004 kehrte verstärktes Wirtschaftswachstum ein, welches aber durch die Wirtschaftskrise 2008 stark gebremst wurde. Langsam erholt sich der Arbeitsmarkt wieder, nicht zuletzt durch die Abwanderung von 0,7% der Letten ins Ausland.
Die Zielesetzung der vorliegenden Arbeit ist es folgende Fragestellung zu bearbeiten: „Was kennzeichnet die heutige Gesellschaft Lettlands?“ Dabei soll auf die soziale Situation Lettlands näher eingegangen werden. Wichtige Punkte sind die Bevölkerungsentwicklung, die politische Situation, Problempunkte in der Gesellschaft und die Armut. Nachdem diese Arbeit mit einer Exkursion unter anderem nach Lettland verbunden ist, werden auch persönliche Eindrücke erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG
3 POLITISCHE SITUATION
4 PRODUKTION UND ENERGIE
5 GESELLSCHAFT LETTLANDS
5.1 GESELLSCHAFT LETTLANDS - LETTLAND – EINE GESPALTENE GESELLSCHAFT
5.2 LETTLAND – EINE UNIKALE GESELLSCHAFT - VON FRAUEN DOMINIERT?
5.3 SOZIALES DRAMA UND STEIGENDE KRIMINALITÄT IN LETTLAND
5.4 ARMUTSGEFÄHRDUNG IN LETTLAND UND VERGLEICH ZU ANDEREN EU-MITGLIEDSTAATEN
6 ZUSAMMENFASSUNG UND PERSÖNLICHER AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle gesellschaftliche Situation in Lettland unter Berücksichtigung historischer Entwicklungen und soziologischer Faktoren. Das primäre Ziel besteht darin, die Frage zu beantworten, was die lettische Gesellschaft der Gegenwart prägt, wobei insbesondere soziale Disparitäten, demografische Besonderheiten und wirtschaftliche Herausforderungen beleuchtet werden.
- Demografische Entwicklung und Bevölkerungsstruktur
- Die gesellschaftliche Spaltung zwischen lettischer und russischsprachiger Bevölkerung
- Soziologische Analyse des Geschlechterverhältnisses und Frauenanteils
- Wirtschaftliche Krise, Armut und deren Auswirkungen auf die soziale Sicherheit
- Kriminalitätsentwicklung im Kontext des ökonomischen Überlebenskampfes
Auszug aus dem Buch
5.2 Lettland – eine unikale Gesellschaft - von Frauen dominiert?
Touristen oder Geschäftsleute die das erste Mal nach Riga kommen, tauschen gebetsmühlenartig Ihre Eindrücke über die Frauen aus. Neben dem Kleidungsstil, der sich von dem der Frauen in Deutschland unterscheidet – “weiblicher” lautet da das einhellige Urteil – geht es auch um ihre schiere Zahl. Dabei fällt dem Ausländer immer auch schnell auf, dass die meisten Straßenbahnen und Trolleybusse in Riga von Frauen gefahren würden. Doch auch im allgemeinen Straßenbild gebe es mehr Frauen als Männer, finden die meisten. Und überhaupt sehe man auf der Straße fast nur junge Menschen. Also laufen durch Riga nur junge Frauen?
Auch die Einheimischen, insbesondere wieder die Frauen, behaupten regelmäßig, Lettland sei eine unikale Gesellschaft mit ihrem Frauenüberschuss.
Nicht weniger aktuell sind die geringe Geburtenrate und Alkoholismus, also Fragen, die üblicherweise nach krassen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Bewusstseins rücken. Ungeachtet der stufenweise wachsenden mittleren Lebenserwartung wie auch des gestiegenen Bildungsniveaus zum Ende des totalitären Systems, herrscht in Lettland noch immer eine vereinfachende Ansicht vor, dass es in Lettland mehr Frauen als Männer gibt. Eine Mehrheit von Frauen ist im Alltag an bestimmten Orten tatsächlich zu beobachten. Schon im Kindergarten und in der Grundschule kann man „unwissenschaftlich“ konstatieren, dass in diesem Bereich wenigstens 90% Frauen arbeiten. In vielen Jahren haben wir beobachtet, dass der Anteil der an den Hochschulen Sozialwissenschaft männlichen Studierenden selten über zehn Prozent liegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Es wird der geografische und historische Rahmen Lettlands abgesteckt und das Ziel formuliert, die prägenden Merkmale der heutigen Gesellschaft zu identifizieren.
2 BEVÖLKERUNG UND BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG: Das Kapitel analysiert die Zusammensetzung der Bevölkerung und die dramatischen demografischen Veränderungen im 20. Jahrhundert durch Deportationen und Wanderungsbewegungen.
3 POLITISCHE SITUATION: Hier wird Lettlands parlamentarische Demokratie und die aktuelle parteipolitische Landschaft sowie die außenpolitische West-Orientierung beschrieben.
4 PRODUKTION UND ENERGIE: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die wichtigsten Industriezweige Lettlands und die nationale Energieversorgung, insbesondere die Abhängigkeit von Importen.
5 GESELLSCHAFT LETTLANDS: Dieses Hauptkapitel untersucht die strukturellen Probleme, von der gespaltenen Gesellschaft zwischen Letten und Russen bis hin zu den Auswirkungen von Armut, Kriminalität und dem besonderen Frauenanteil.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND PERSÖNLICHER AUSBLICK: Der Autor resümiert die theoretischen Analysen und gleicht diese mit persönlichen Eindrücken aus einer Exkursion nach Riga ab.
Schlüsselwörter
Lettland, Bevölkerungsentwicklung, Gesellschaftsstruktur, Sozialgeschichte, Armut, Arbeitslosigkeit, politische Situation, demografischer Wandel, Geschlechterverhältnis, Kriminalitätsstatistik, EU-Integration, ethnische Minderheiten, Riga, Wirtschaftskrise, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche und soziale Situation in Lettland nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit unter Berücksichtigung historischer und ökonomischer Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Bevölkerungsentwicklung, die politische Struktur, wirtschaftliche Produktionsfaktoren sowie spezifische soziale Herausforderungen wie Armut, Kriminalität und das Geschlechterverhältnis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, welche Merkmale die heutige Gesellschaft Lettlands kennzeichnen und welche soziologischen Dynamiken dort wirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung statistischer Daten (z.B. Eurostat) und ergänzt diese durch eigene Beobachtungen einer vor Ort durchgeführten Exkursion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der ethnischen Spannungen (Lettland als gespaltene Gesellschaft), demografische Analysen der Frauenrolle, die ökonomische Krise und deren soziale Folgen sowie einen Vergleich mit EU-Armutsstatistiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte umfassen neben Lettland Begriffe wie Gesellschaftsstruktur, demografischer Wandel, Armut, soziale Ausgrenzung, ethnische Minderheiten und wirtschaftliche Transformation.
Wie erklärt der Autor den Frauenüberschuss in Lettland?
Der Autor führt dies auf die höhere Sterblichkeit von Männern (u.a. durch unnatürliche Todesursachen und Alkoholismus) sowie eine höhere Auswanderungsrate von Frauen zurück.
Wie bewertet der Autor die Sicherheitslage in Riga?
Auf Basis der zweitägigen Exkursionserfahrung berichtet der Autor, zu keinem Zeitpunkt ein subjektives Gefühl der Unsicherheit, weder tagsüber noch nachts, empfunden zu haben.
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- DI.Mag.Dr. Robert Fischer Dr. (Autor), 2012, Was kennzeichnet die heutige Gesellschaft Lettlands?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196423