Über C. R. Rogers, M. Heidegger und den Zusammenhang mit "motivational interviewing" - eine Analyse aus kritischer Perspektive
Inhaltsverzeichnis
1. Intro:
2. „Stop making sense...“: Zum ideengeschichtlichen Kontext von Rogers & Konsorten
3. „Motivé, motivé...il faut rester motivé“
4. „Should I stay or should I go?“: Waidageeehn oder dageblieben?
5. „I was made for loving you, babe...“
6. „This is the end...“
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Implementierung von psychologischen Beratungsansätzen wie dem „motivational interviewing“ und dem Programm „KISS“ innerhalb der akzeptierenden Drogenarbeit auseinander und hinterfragt deren vermeintliche Wertfreiheit sowie deren Funktion als Instrumente sozialer Kontrolle.
- Kritische Analyse der Humanistischen Psychologie (Carl Rogers) und deren Adaption in der Sozialen Arbeit.
- Untersuchung der Ökonomisierung und Funktionalisierung niedrigschwelliger Drogenhilfe.
- Dekonstruktion von „Sucht“-Begriffen und deren Wirkung als Disziplinierungsinstrumente.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen therapeutischen Ansprüchen und den gesellschaftlichen Realitäten von Drogenkonsumenten.
Auszug aus dem Buch
Dass man nicht klar komme mit seinem Leben, ist eine Aussage, die man des öfteren in der Sozialen Arbeit resp. Drogenarbeit zu hören bekommt; eine ebenso häufige ist die, dass dies einem jedem sein individuelles Problem sei. Diese Vorstellung wird in der bürgerlichen Ideologie unter anderem mit dem Sprichwort ausgedrückt, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Wenn es jedoch einerseits einer Mehrheit gelingt unter dem Motto ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ Erfolg zu haben, dann wird dieser Slogan andererseits auch dazu verwendet, der erfolglosen Minderheit das Scheitern der Maßnahmen dem jeweils individuellen Versagen zuzuschreiben. So wird „die Schuld für das Scheitern des Konzepts mehr oder weniger bewußt der Resistenz und dem persönlichen Versagen“ bei Nicht-Eintreten eines Erfolges angelastet. Gelernt ist eben gelernt: Aus einer solchen Psychologisierung der Sprache werden eben schnell Aussagen wie ‚Damit komme ich nicht zu Rande‘ zu einem ‚Das ist mein Problem.‘ umgemünzt – ganz so, als ob jeder nur ein einziges Problem habe.
So verwandelt sich „die Kommunikation (..) in den Austausch technisch-diagnostischer Etikette. Sie wird gleichzeitig entdifferenziert. Die politische Repression dehnt sich über eine psychologisierende Sprache auf das individuelle psychische Leben aus. Es entstehen so neue Methoden einer harten psychischen Selbstkontrolle.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Intro: Eine Einleitung, die das Ideal der Hochschule als Ort kritischen Denkens dem Wertfreiheitspostulat der heutigen Wissenschaft entgegenstellt und die Relevanz der Kritik am „motivational interviewing“ begründet.
2. „Stop making sense...“: Zum ideengeschichtlichen Kontext von Rogers & Konsorten: Dieser Abschnitt beleuchtet die ideologischen Wurzeln der Humanistischen Psychologie und deren Verbindung zum therapeutischen Okkultismus sowie zum Faschismus-affinen Denken von Martin Heidegger.
3. „Motivé, motivé...il faut rester motivé“: Hier wird die Hochkonjunktur des „motivational interviewing“ in der Drogenhilfe als modisches Instrument zur Verschleierung gesellschaftlicher Widersprüche und als weiche Form der sozialen Kontrolle kritisiert.
4. „Should I stay or should I go?“: Waidageeehn oder dageblieben?: Eine Analyse der prekären Lebensrealitäten von Drogenkonsumenten, insbesondere im Kontext von Aufenthaltsrechten und den ordnungspolitischen Funktionen von Drogenkonsumräumen.
5. „I was made for loving you, babe...“: Das Kapitel untersucht das Programm „KISS“ (Kontrolle im selbstbestimmten Substanzkonsum) als verhaltenstherapeutisches Selbstmanagement, das den Klienten eher zur Anpassung zwingt, als ihn zu emanzipieren.
6. „This is the end...“: Die abschließende Kritik an der Zielgruppendifferenzierung und der zunehmenden Überwachungsmanie in der Drogenhilfe, die den modernen Sozialstaat als aktivierenden und ökonomisch orientierten Apparat entlarvt.
Schlüsselwörter
Akzeptierende Drogenarbeit, motivational interviewing, Humanistische Psychologie, Sozialarbeit, soziale Kontrolle, KISS, Neoliberalismus, Sucht, Konsumreduktion, Emanzipation, Kritische Soziale Arbeit, Klientelismus, Psychologisierung, Ideologiekritik, Arbeitsmarktfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie psychologische Methoden wie „motivational interviewing“ in der akzeptierenden Drogenarbeit eingesetzt werden, um Klienten an gesellschaftliche Normen anzupassen, statt die gesellschaftlichen Bedingungen zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Verbindungen zwischen Humanistischer Psychologie, der ökonomischen Instrumentalisierung von Sozialer Arbeit und der sozialen Konstruktion von Sucht als individuelles Versagen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die „therapeutischen“ Methoden in der Drogenhilfe als Instrumente der sozialen Kontrolle und der Anpassung an den Kapitalismus zu entlarven und eine emanzipatorische, parteiliche Soziale Arbeit dagegenzuhalten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ideologiekritische Diskursanalyse, die auf kritische Theorie (u.a. Marcuse, Sartre, Adorno) und fachwissenschaftliche sowie soziologische Studien zurückgreift.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Ursprünge der Humanistischen Psychologie bei Rogers, die Implementierung des „motivational interviewing“ und des Programms „KISS“ sowie deren Rolle im aktivierenden Sozialstaat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Akzeptierende Drogenarbeit, soziale Kontrolle, „motivational interviewing“, ökonomische Instrumentalisierung, Suchttherapie, Klassengesellschaft, Emanzipation.
Inwiefern ist das „motivational interviewing“ laut Autor problematisch?
Der Autor argumentiert, dass die Methode den Fokus von gesellschaftlichen Missständen (wie Armut oder Kriminalisierung) auf die Psychodynamik des Individuums verlagert, um dieses „funktional“ für den Arbeitsmarkt zu machen.
Was bedeutet der Titel „Ein Laden von Profis für Profis“ im Kontext der Arbeit?
Es handelt sich um eine ironische Anspielung auf das Selbstverständnis von Einrichtungen der Drogenhilfe, die den Anspruch haben, „gut“ und „kritisch“ zu sein, während sie faktisch staatliche Regulierungs- und Anpassungsaufgaben übernehmen.
- Citation du texte
- Raphael Nedaković (Auteur), 2012, "Ein Laden von Profis für Profis..." oder von der "Kraft des Guten", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196434