Provokation um jeden Preis?

Wie nationalsozialistische Symbolik seinen Weg in den Punk gefunden hat


Seminararbeit, 2009

11 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehung und Charakteristika des Punk

3. Verwendung von nationalsozialistischer Symbolik im Punk

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Punk ist nicht nur eine Musikrichtung und jugendkulturelle Bewegung, sonder auch eine Form und Spielart des Protests. Ein Protest, der durch Provokation versuchte sich von vorhergehenden Generationen oder Institutionen abzuheben. Protest, welcher seinen Ausdruck durch andere, neue Musik findet oder in einem auffälligen Kleidungsstil, ist zwar provozierend, jedoch nicht unbedingt negativ beeinflussend auf kommende oder gegenwärtige Generationen. Zeigt sich Protest jedoch, indem Symbole und Slogans einer vergangenen Diktatur wieder aufleben, so ist dies bedenklich und mit einem wachsamen Auge zu beobachten. Es stellt sich die Frage, ob es nötig ist, Protest zu üben, indem man anderen den Spiegel vorhält und damit Gefahr läuft selbst mit ihnen gleichgesetzt zu werden. Zunächst werde ich einiges zur Entstehung und den Charakteristika des Punk sagen, daraufhin auf die Verwendung von nationalsozialistischer Symbolik und nationalsozialistisch behafteten Namen im Punk eingehen, um dann zur eigentlichen Frage zu kommen: Muss Provokation um jeden Preis stattfinden, damit ihre Aussage ankommt?

2. Entstehung und Charakteristika des Punk

In den späten 1960er Jahren entwickelte sich in den USA eine völlig neue Richtung der Rockmusik als Reaktion auf die Hippie - Bewegung und den Versuch einer Rückbesinnung auf den ursprünglichen Rock 'n' Roll, die als Punk bezeichnet wurde. Ein Begriff der aus dem Englischen stammt und im übertragenen Sinne etwas Minderwertiges meint. Vertreter des Punk waren in den Anfängen meist Schülerbands, auch "Garage Bands" genannt, die häufig nur in kleinen Clubs und vor einem lokalen Anhängerkreis auftraten. Angesichts einer düsteren Zukunft, bedingt durch eine hohe Arbeitslosigkeit und die Ausweglosigkeit der Jugendlichen in den imperialistischen Ländern[1], empfanden viele von ihnen ihr Leben als sinnentleert und hoffnungslos. So nutzten sie den provozierenden Stil des Punk als Form des Widerstands. Er durchbrach gängige Verhaltens- und Kleidungsregeln, um damit die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Begriff Punk bezieht sich nicht mehr nur auf eine bestimmte Musikrichtung, sondern auch auf Jugendliche, die in ihrem Verhalten und Outfit Protest gegenüber der Gesellschaft äußern. Der Punk brachte sich also auch durch Kleidung, Frisuren, Grafiken, etc. zum Ausdruck, er betonte das Hässliche. Die Haltung der Punks gegenüber dem gesellschaftlichen Mainstream war respektlos, provokant, resigniert und aggressiv. Um 1976 entwickelte sich der Punk in London zu einer Bewegung, deren Beginn durch das Auftreten der "Sex Pistols" markiert wird. Der Punk grenzte sich entschieden gegen den Rockkult der 1970er Jahre ab und lehnte Musikkommerz und Starkult ab, es war eine Reaktion gegen die Welt des großen Geldes. Punk war die Rückkehr zu den Wurzeln, die Rückkehr der Power auf die Straßen. Punkgruppen der ersten Jahre waren "Sex Pistols", "The Clash", "The Damned", "The Slits", "The Stranglers", "Crass" und viele andere. Der englische Punk nahm verschiedene musikalische Einflüsse auf und manche Kritiker hielten ihn für eine positive Entwicklung. Sie meinten, dass diese Musik repräsentativ für das Bewusstsein der Arbeiterjugend sei und kapitalistische Herrschaft über die Massenmusik in Frage stelle. Der soziale Hintergrund des Punk war einerseits eine Arbeitslosen - Rockmusik, aber auf der anderen Seite auch eine musikalische Richtung der Bohème. Die Punkszene in England fiel mit der höchsten Arbeitslosenquote unter Jugendlichen seit der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Der populäre Slogan der Punkbewegung, "no future", signalisierte vor allem Angst vor der Zukunft und eine Verweigerung gegenüber den (An-) Forderungen der Gesellschaft. Nihilismus wurde zur Lebensphilosophie, die totale Verweigerung gegenüber Normen der herrschenden Gesellschaft.[2] Nach einem Abklingen der Bewegung begann Anfang der 1980er Jahre der Punk aufs neue zu erstarken und verbreitete sich diesmal weltweit.[3] Jedoch litt der Ruf der Punkbewegung öfter durch Krawalle und Zerstörungswut. In den späten 1980er Jahren wurde auch der Punk Teil eines jugendkulturellen Mainstreams und breitete sich von England ausgehend auf dem europäischen Kontinent aus. Punkgruppen formierten sich meist in einer Dreifachbesetzung, Bass, Gitarre und Schlagzeug. Musik machen sollte für jedermann ohne viel technischem Equipment möglich sein. Dies war die mächtige, befreiende Botschaft des Punk: Man kann eine eigene Band gründen, ein Fanzine herausbringen und seine Träume wahr werden lassen.[4] Charakteristisch für den Punk sind ein schneller, harter Beat, große Lautstärke und schreiender, röchelnder Gesang mit teilweise stark verzerrter Stimme. Die Musik sollte nicht harmonisch schön, sondern grell und laut klingen. Die Stücke und Songs waren nicht aufwendig arrangiert und es gab keine Instrumentalsoli. Sie setzten der kommerzialisierten und glamourösen Rockmusik eine betont einfache, dilettantisch anmutende Musizierweise entgegen, der die einfachste technische Ausrüstung und die Beherrschung von zwei oder drei Akkorden genügte. Punk ist Live - Musik, die mit provokativen Texten eine andere Zukunft forderte und die Gesellschaft und staatliche Strukturen kritisieren beziehungsweise angreifen sollten, diese sorgten somit für Empörung in der Gesellschaft und Schlagzeilen in den Medien.[5] Viele Bands stellten ihre Tapes und Platten in Eigenproduktion her, was zur Gründung vieler kleiner Labels, so genannter Independent - Firmen, führte. Der Wechsel zu einer großen Firma galt als Verrat. Das Beschreiten eigener Vermarktungswege, abseits von den großen Firmen, geschah aus der Not heraus und in Ermangelung anderer Alternativen. Die Bands verkauften ihre Tapes und Platten überwiegend bei Konzerten und in kleinen szeneeigenen Plattenläden.[6] Auch als Treffen Gleichgesinnter hatten Punk - Konzerte eine wichtige Bedeutung. Auf den häufig nicht länger als eine Stunde dauernden Konzerten wurde Musik wieder aus den großen Veranstaltungsräumen herausgeholt. Die Entfremdung der Hörer von der Musik und des Publikums von den Musikern sollte aufgehoben werden.[7] Niemand hatte es bisher in der Rockmusik derart darauf angelegt die Grenze zwischen dem Künstler und dem Publikum aufzuheben. Neue und spezielle Tanzformen entstanden, wie etwa "Pogo": die Masse hüpft auf beiden Beinen und rempelt sich gegenseitig an, oder das "Stagediving". Allerdings konnten Punk - Konzerte auch eine unglaublich brutale Angelegenheit sein, auf denen Chaos, Konfrontation und Zerstörung herrschten.[8] Starker Alkoholkonsum, sowie Kurzhaar- oder unordentliche "Stachelfrisuren" waren Merkmale für Punks. Das abgerissene Outfit war ursprünglich nicht als Modeerscheinung gedacht, sondern durch das fehlende Geld für neue Kleidung bedingt. Trotzdem gehörte es später als Accessoire dazu, wie auch: Sicherheitsnadeln, Piercings, karierte Kleidung, Springerstiefel oder Doc Martens - Schuhe, Nietengürtel, Lederjacke ohne Ärmel oder mit halb abgerissenen Ärmeln, Strümpfe mit Löchern, ausgebleichte und durchlöcherte Jeans, sowie ausgefallene, teilweise sehr aufwendig gefärbte und gestylte Frisuren (z. B. Irokesenschnitt).[9]

[...]


[1] Hella Brock, Christoph Kleinschmidt (Hrg.), Art. „Punk Rock“, in: Jugendlexikon - Musik, 2. Auflage, 1984, S. 292, Sp. 1.

[2] Martin Kersten, Jugendkulturen und NS - Vergangenheit, in: PopScriptum 5 - Rechte Musik (1995), S. 70 - 89, hier: Tabubruch (I): Punk: Provokation als Verweigerung, Z. 2 - 5. http://www2.hu-berlin.de/fpm/popscrip/themen/pst05/pst05040.htm (06.02.2009)

[3] Seminar Probst - Effah, Wintersemester 2006/2007, Musikalische Jugendkulturen im 20. Jahrhundert, hier: Punk - Zur geschichte des Punk, Z. 27. http://www.uni-koeln.de/ew- fak/Mus volk/scripten/probst/iugend.html#Punk (06.02.2009)

[4] Tony Parsons, Gott schütze die Königin, in: SPIEGEL special - Pop & Politik. 2, 1994, S. 38 - 43, hier: S. 40, Sp. 2.

[5] Jana Funke, Popularmusik als Ausdrucksmittel rechter Ideologie - eine Bestandsaufnahme rechtsextremer Musik in Deutschland, GRIN Verlag, 2008, hier: Grundzüge der Geschichte des Rechtsrock - Wurzeln in Großbritannien: Skinheads und ihre Musik - Vom Punk zur Oi! - Musik, S. 15 - 17, hier: S.15.

[6] Seminar Probst - Effah, Musikalische Jugendkulturen im 20. Jahrhundert, hier: Punk - Vermarktung, Konzerte, Z. 1-4.

[7] Martin Kersten, Jugendkulturen und NS - Vergangenheit, Z. 4.

[8] Tony Parsons, Gott schütze die Königin, S.43.

[9] Seminar Probst - Effah, Musikalische Jugendkulturen im 20. Jahrhundert, hier: Punk - Szenetypische Erscheinungen, Z. 5 - 8.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Provokation um jeden Preis?
Untertitel
Wie nationalsozialistische Symbolik seinen Weg in den Punk gefunden hat
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Musik und Musikpädagogik)
Veranstaltung
Popmusik und Postmoderne
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V196455
ISBN (eBook)
9783656225072
ISBN (Buch)
9783656228202
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
provokation, preis, symbolik, punk
Arbeit zitieren
Stefanie Wieczorek (Autor), 2009, Provokation um jeden Preis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196455

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