Eine aussagekräftige und ordnungsgemäße Rechnungslegung bildet für Kapitalgeber von Unternehmen eine maßgebliche Entscheidungsgrundlage. Bilanzskandale wie durch Enron, WoldCom u.a. verursacht, haben das Vertrauen der Anleger in die Verlässlichkeit der Rechnungslegung beeinträchtigt und erfordern eine genauere Kontrolle der Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen. Dieser Prozess der Durchsetzung von Rechnungslegungsvorschriften wird als Enforcement bezeichnet.
Weitere Bedeutung erlangt das Enforcement im Zuge der Anwendung der International Financial Reporting Standards (IFRS), die vom International Accounting Standards Board (IASB) als global anzuwendende Rechnungslegungsgrundsätze entwickelt werden. Seit dem Jahr 2005 ist die Erstellung eines Konzernabschlusses nach IFRS für alle kapitalmarktorientierten Mutterunternehmen mit Sitz in der Europäischen Union (EU) verpflichtend. Das Enforcement soll eine möglichst einheitliche Handhabung und Anwendung dieser Standards sicherstellen.
Da sich eine zentrale, europäische Regulierung des Enforcement aufgrund der Unterschiede im Rechtssystem und Wirtschaftsverfassung nicht realisieren ließ, wurde die Durchsetzung den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen. Zwar gibt es mit der
European Securities and Markets Authority (ESMA) eine übergeordnete europäische Organisation, die allerdings vordergründig der Koordination dient und eine einheitliche Anwendung der IFRS EU-weit nicht garantieren kann. Die Durchsetzung der Standards in Deutschland basiert auf einem zweistufigen System, welches mittels Bilanzkontrollgesetz (BilKoG) vom 15. Dezember 2004 eingeführt wurde.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Effektivität des deutschen Enforcement zu analysieren und zu beurteilen. Dabei wird unter Effektivität die Wirksamkeit des Verfahrens verstanden, welches mittels festgestellter Fehler, Fehlerquote und Auswirkungen von Enforcement-Aktionen bewertet wird.
Im ersten Teil der Arbeit werden Aufbau und Ablauf der Rechnungslegungsdurchsetzung in Deutschland beschrieben. Im zweiten Teil wird die Effektivität des deutschen Enforcement unter Bezugnahme von Studien, Analysen und Kommentaren untersucht und abschließend beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Aufbau und Ablauf des deutschen Enforcement
- 2.1 Zweistufiges Enforcement-Konzept
- 2.2 Ablauf einer Enforcement-Prüfung
- 2.3 Sanktionsmöglichkeiten bei Fehleraufdeckung
- 3 Untersuchungen zur Effektivität des deutschen Enforcement
- 3.1 Fehlerfeststellungen im Enforcement-Verfahren
- 3.2 Auswirkung von Enforcement-Aktionen auf das earnings management
- 3.3 Auswirkungen der Fehlerveröffentlichung auf Investoren
- 4 Beurteilung der Effektivität des deutschen Enforcement
- 5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist die Analyse und Beurteilung der Effektivität des deutschen Enforcement im Bereich der Rechnungslegung. Dabei wird die Wirksamkeit des Verfahrens anhand von festgestellten Fehlern, der Fehlerquote und den Auswirkungen von Enforcement-Aktionen bewertet.
- Aufbau und Funktionsweise des deutschen Enforcement-Systems
- Effektivität des Enforcement hinsichtlich Fehlererkennung und -korrektur
- Auswirkungen von Enforcement-Aktionen auf das Managementverhalten und das Anlegervertrauen
- Bedeutung der präventiven und repressiven Maßnahmen des Enforcement
- Herausforderungen und Perspektiven für die Zukunft des deutschen Enforcement
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Thematik der Rechnungslegungsdurchsetzung ein und beleuchtet die Bedeutung des Enforcement vor dem Hintergrund der globalen Standardisierung der Rechnungslegung. Das zweite Kapitel beschreibt den Aufbau und den Ablauf des deutschen Enforcement-Systems, das aus zwei Institutionen besteht: der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Es werden die verschiedenen Arten von Prüfungen und die Sanktionsmöglichkeiten bei der Aufdeckung von Fehlern erläutert.
Das dritte Kapitel widmet sich den Untersuchungen zur Effektivität des deutschen Enforcement. Es werden Studien und Analysen vorgestellt, die sich mit der Fehlererkennung und den Auswirkungen von Enforcement-Aktionen auf das Managementverhalten und das Anlegervertrauen befassen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den zentralen Begriffen und Themenfeldern der Rechnungslegungsdurchsetzung, darunter Enforcement, Rechnungslegung, IFRS, Bilanzkontrolle, Fehlererkennung, Managementverhalten, Anlegervertrauen und Präventivmaßnahmen. Die Arbeit analysiert und bewertet die Effektivität des deutschen Enforcement-Systems und untersucht die Auswirkungen von Enforcement-Aktionen auf die Qualität der Rechnungslegung und das Vertrauen der Kapitalgeber.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter „Enforcement“ in der Rechnungslegung?
Enforcement bezeichnet die Kontrolle und Durchsetzung von Rechnungslegungsnormen (wie IFRS), um die Verlässlichkeit der Bilanzen für Kapitalgeber sicherzustellen.
Wie ist das zweistufige Enforcement-System in Deutschland aufgebaut?
Die erste Stufe bildet die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), die zweite Stufe ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).
Welchen Einfluss haben Bilanzskandale wie Enron auf das Enforcement?
Solche Skandale führten zu einem massiven Vertrauensverlust der Anleger, was die Einführung strengerer Kontrollmechanismen wie das Bilanzkontrollgesetz (BilKoG) erforderte.
Was passiert bei der Aufdeckung von Fehlern in der Bilanz?
Es gibt verschiedene Sanktionsmöglichkeiten, wobei die Veröffentlichung der Fehler eine wesentliche Maßnahme ist, um Transparenz für Investoren zu schaffen.
Wie wird die Effektivität des deutschen Enforcement beurteilt?
Die Effektivität wird anhand der Fehlerquote, der Auswirkungen auf das „Earnings Management“ und der Reaktion des Kapitalmarktes auf Fehlerveröffentlichungen bewertet.
- Quote paper
- Lars Hoffmann (Author), 2012, Effektivität des deutschen Enforcement, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196463