Musikalische Lebenswelten von Kindern und die Kinderliedermacher "Sternschnuppe"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

22 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Musikalische Lebenswelten von Kindern und die Kinder- liedermacher Sternschnuppe – Eine Untersuchung
1 Musikalische Lebenswelten von Kindern
1.1 Begriffsklärung „Musikalische Lebenswelten“
1.2 Genauere Betrachtung musikalischer Lebenswelten von Kindern anhand des „Musikökologischen Ansatzes“ nach Renate Beckers
1.2.1 Musikökologisches Zentrum
1.2.1.1 Musikspezifische Sozialbeziehungen
1.2.1.2 Materiale Ausgestaltung
1.2.1.3 Subjektive musikbezogene Deutungsmuster
1.2.1.4 Beispiele für das Musikmachen und -hören im musikökologischen Zentrum
1.2.2 Musikökologischer Nahraum
1.2.3 Musikökologische Ausschnitte
1.2.4 Musikökologische Peripherie
2 Die Kinderliedermacher „Sternschnuppe“
2.1 Hintergrundinformationen über Sternschnuppe
2.2 Die Musik von Sternschnuppe
2.3 Leitziele von Sternschnuppe
3 Treffen die Kinderliedermacher „Sternschnuppe“ mit ihren Lieder auch wirklich den musikalischen Lebensraum von Kindern? Eine Untersuchung anhand ausgewählter Beispielmusik
3.1 „Auf geht’s Rollerskates“ – „Tiger-Rap & Gummi-Twist“
3.2 „Die Mama kriegt’n Baby“ – „Brezn-Beißer-Bande“
3.3 „Sternschnuppe- Ich hab dich gesehn!“ – „Zehn Wünsche frei“
3.4 Zusammenfassung

III Schluss

Literatur

Anhang
Zu I Ich will tanzen
Zu 2.3 Statement zu Sternschnuppe
Zu 3.1 Auf geht’s Rollerskates
Zu 3.2 Die Mama kriegt’n Baby
Zu 3.3 Sternschnuppe- Ich hab dich gesehn!

I Einleitung

„Ich will tanzen, einfach tanzen! […] Ich tanze überall. Wo ich bin ist mir egal, auf dem Tisch, auf dem Stuhl oder auch auf ‘nem Regal.“

– So singt der Junge in dem gleichnamigen Lied[1] der Kinderliedermacher „Sternschnuppe“. Diese simplen Worte verdeutlichen vielleicht ganz gut das Verhältnis von Kindern zu Musik: Sie leben sie. Kindern ist es zuerst einmal egal, in welcher Tonart ein Stück steht, welchen musikgeschichtlichen Hintergrund ein Lied hat oder gar, wie Kritiker es beurteilen.

Viel wichtiger ist Kindern der Bezug und Zugang zu einem Musikstück. Und da in der heutigen Zeit fast überall eine „Beschallung“ herrscht, ist es umso wichtiger, das aktive Musikmachen und –hören nach den Bedürfnissen der Kinder zu filtern.

Die Frage ist jetzt: wie schafft man das als Eltern, Pädagogen, oder begleitende Erwachsene, die wir eine distanziertere Sicht in die Welt der Kinder haben? Ist es überhaupt möglich, die komplexen Sehnsüchte und Interessen (nicht nur bezüglich der Musik) von Kindern in der Erziehung komplett einzubeziehen? Und welche Rolle spielt dabei die Musik von Kinderbands?

In dieser Arbeit sollen diese zwei Aspekte verbunden werden: Zum einen sollen die musikalischen Lebenswelten von Kindern dargestellt und verdeutlicht werden. Zum anderen soll die bereits erwähnte Gruppe Sternschnuppe und ihre Musik für Kinder vorgestellt werden. In einem anschließenden Schritt sollen deren Lieder anhand einer groben Übersicht und einiger ausgewählter Beispiele daraufhin untersucht werden, ob und in welcher Form sie hinsichtlich der Musik- und Textgestaltung auch wirklich die (musikalischen) Lebenswelten von Kindern treffen.

II Musikalische Lebenswelten von Kindern und die Kinderliedermacher Sternschnuppe – Eine Untersuchung

1 Musikalische Lebenswelten von Kindern

Doch was sind musikalische Lebenswelten? Und, genauer, was sind die musikalischen Lebenswelten von Kindern? Diese Fragen müssen zuerst einmal geklärt werden, bevor die Lieder von Sternschnuppe untersucht werden können.

1.1 Begriffsklärung „Musikalische Lebenswelten“

„Musikalische Lebenswelten“ ist ein nicht einfach zu beschreibender Begriff, der in die Kategorien Musikpsychologie und Musiksoziologie einzuordnen ist.

Sehr gut trifft es Klaus-Ernst Behne in seinem Artikel „Die fremden Kinder“, wenn er schreibt:

„Lebenswelten konstituieren sich durch die Menschen, mit denen wir Umgang haben sowie aus den gemeinsamen kulturellen Praktiken (wie wir mit anderen Menschen, mit ästhetischen Objekten umgehen). Der Lebensweltbegriff deckt sich für mich weitgehend mit dem der Teilkultur, akzentuiert aber, dass Menschen sich ‚ihre Welten‘ individuell gestalten, um in ihnen ihren persönlichen kognitiven und emotionalen Bedürfnissen entsprechend glücklich leben zu können. Konkretisiert man diesen Ansatz auf musikalische Lebenswelten (Kleinen 1989), so konstituieren sie sich aus dem, was wir überwiegend hören (bzw. als Musiker selbst ausüben) und wie wir mit dieser Musik umgehen, also WAS wir lieben und WIE wir es lieben.“[2]

Musikalische Lebenswelten sind also geprägt durch das (musikalische) Alltagsleben, das soziale Umfeld und gleichzeitig durch die Identifikation mit sich und anderen. In den Subkulturen übernimmt die Musik die Funktion zur Individualisierung des Einzelnen und fordert ihn zur eigenen sozialen Integration auf. Die Bildung des Musikgeschmacks ist unmittelbar damit verbunden.[3]

1.2 Genauere Betrachtung musikalischer Lebenswelten von Kindern anhand des „Musikökologischen Ansatzes“ nach Renate Beckers

Eine genauere Beschreibung, vor allem hinsichtlich der Musik, findet sich bei Renate Beckers, die in „Musik und Medien in der Erfahrungswelt von Kindern“ den „musikökologischen Ansatz“ darstellt. Hier wird die musikbezogene Erfahrungswelt von Kindern in sogenannte „musikökologische Zonen“ eingeteilt. Es ergeben sich daraus die vier Bereiche „Musikökologisches Zentrum“, „Musikökologischer Nahraum“, „Musikökologische Ausschnitte“ und „Musikökologische Peripherie“. In nachfolgender Grafik wird dies veranschaulicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Musikökologischer Ansatz nach Renate Beckers[4]

Natürlich können Überschneidungen oder Wechselbeziehungen zwischen den Bereichen entstehen.[5]

1.2.1 Musikökologisches Zentrum

Das musikökologische Zentrum bildet den räumlichen Ausgangspunkt für alle musikbezogenen Erfahrungen. Das Musikmachen geschieht im privaten Bereich, also vor allem innerhalb der Familienstrukturen und zuhause. Entwicklungsbedingt erweitern sich die Erfahrungsmöglichkeiten für jedes Individuum in Abhängigkeit zum fortschreitenden Alter. Das Zentrum lässt sich weiter in folgende Unterkategorien einteilen: Musikspezifische Sozialbeziehungen, materiale Ausgestaltung und subjektiv musikbezogene Deutungsmuster.[6]

1.2.1.1 Musikspezifische Sozialbeziehungen

Hier ist alle musikbezogene soziale Interaktion und Kommunikation gemeint. Diese findet in jeglichen Bereichen statt, also ist sowohl die musikalische Interaktion der Individuen, als auch die verschiedenster Gruppen („Peergroups“) und anderer sozialer Kontakte gemeint und natürlich die Verknüpfungen untereinander.[7]

1.2.1.2 Materiale Ausgestaltung

Die materiale Ausgestaltung beinhaltet die Frage nach sämtlichen äußeren Umständen, die das Musikhören und -machen regeln sowie beeinflussen. Beispiele hierfür ist die Mediennutzung, bzw. der Zugang zu diversen Medien, die Räumlichkeiten, die persönliche und/oder gruppenstrukturelle Situation usw. Für die meisten Kinder ist ein eigener kleiner CD- oder Kassettenspieler im Kinderzimmer unverzichtbar. [8]

Die musikalische Interaktion ist unmittelbar abhängig von der materialen Ausgestaltung. [9]

1.2.1.3 Subjektive musikbezogene Deutungsmuster

In diesem Bereich spielt die subjektive Bedeutung der musikbezogenen Erfahrungswelt eine Rolle, sowie die (kindliche) Interpretation der Musik. Diese Wahrnehmungsprozesse können sich auf die Instrumentalisierung von Musik und die Bildung von Musikpräferenzen auswirken.[10]

1.2.1.4 Beispiele für das Musikmachen und -hören im musikökologischen Zentrum

Grundsätzlich können im Bereich des musikökologischen Zentrums noch weitere Beobachtungen gemacht werden.

Eine medienpädagogische Untersuchung zum Beispiel ergab 2000, dass etwa 39% der Befragten Kinder mit ihrer Familie, also genau in diesem Zentrum, musiziert. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass 61% der Kinder nie mit Familienmitgliedern Musik macht – eine erschreckend hohe Zahl, die mit zunehmendem Alter steigt.[11]

Die Studie „Kinderwelten“ im Jahr 2000 ergab, dass 93% der 6- bis 9-jährigen Kinder Musik hören.[12] Die Zahlen dürften mittlerweile gestiegen sein. Als Gründe, bzw. Stimmungslagen, in denen Musik gehört wird, nennen die Kinder: zur Vertreibung von Langeweile (34%), bei Wut (40%), zur Entspannung (44%) und Versenkung (24%), zur Erlangung von Geborgenheit (36%) und bei Traurigkeit (26%).[13]

Des Weiteren sind bei Kindern die sogenannten „Kinderliedermacher“ wie Rolf Zuckowski, Detlef Jöcker, Frederick Vahle oder Sternschnuppe sehr beliebt – die Gestaltungsmittel solcher Musik orientieren sich an der Rock- und Popmusik, die Texte sind im Gegensatz zu den „echten Charts“ kindnah. Dieses Phänomen wird weiter unten noch anhand der Gruppe Sternschnuppe genauer betrachtet werden (siehe Punkt 2). Traditionelle Kinderlieder sind leider eher in den Hintergrund gerückt. Die Musikbranche reagiert in beide Richtungen. Zum einen werden auch aktuelle Popsongs immer beliebter, zum Teil sogar mit kindgerechten Texten „überschrieben“ – so z.B. in der „Kinderhitparade“, aber auch die Miniplaybackshow und ähnliche Formate zeig(t)en sich großer Beliebtheit. Es geschieht also eine Annäherung zwischen Kinder- und Erwachsenenkultur. Zum anderen gibt es gerade in jüngster Zeit wieder den Trend zum Volkslied, indem verschiedene Gruppierungen Volksliedsammlungen neu einspielen und vermarkten. [14]

1.2.2 Musikökologischer Nahraum

Der musikökologische Nahraum ermöglicht Außenbeziehungen und Aktivitäten, die fern von institutionalisierten Vorgaben sind. Gemeint ist beispielsweise Musik auf dem Spielplatz, beim Sport, unterwegs usw. Die musikalischen Interaktionen geschehen also in der Freizeit, die noch nicht ausreichend erforscht wurde. Aus diesem Grund gibt es auf diesem Gebiet bisher wenige Studien oder Berichte.[15]

Lediglich die Musikpädagoginnen Kathryn Marsh und Patricia Campbell sind seit einigen Jahren unabhängig voneinander mit Feldstudien beschäftigt. Sie besuchen Kinder auf dem Spielplatz, Schulhof oder an anderen öffentlichen Stätten, um sie bei ihren Aktivitäten zu filmen und das Material anschließend auszuwerten. So hat beispielsweise Kathryn Marsh in ihrer Studie „The musical playground“ (2008) unzählige Klatschspiele, Abzählreime und Spaßverse in Schulen auf allen Kontinent gesammelt. Patricia Campbell ging in „Songs in their heads“ (2010) in eine ähnliche Richtung.[16]

[...]


[1] Zu hören unter: http://www.simfy.de/artists/64984-Sternschnuppe/albums/45087-Tiger-Rap-Gummi-Twist

[2] Behne 1993, S.9

[3] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Musik#Musikalische_Lebenswelten

[4] Vgl. Beckers 2003, S. 17

[5] Beckers 2003, S. 16f

[6] Ebd., S. 17

[7] Ebd., S. 18

[8] Ebd., S. 14

[9] Ebd., S.18

[10] Ebd., S.18

[11] Grüninger/ Lindemann 2000, S. 73f

[12] Beckers 2003, S. 22

[13] Ebd., S. 14

[14] Beckers 2003, S. 19f

[15] Ebd., S. 17, 21

[16] Vgl. Marsh 2008, Campbell 2010

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Musikalische Lebenswelten von Kindern und die Kinderliedermacher "Sternschnuppe"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Musikpädagogik)
Veranstaltung
Musikalische Lebenswelten von Kindern
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V196483
ISBN (eBook)
9783656304227
ISBN (Buch)
9783656307075
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Musikalische Lebenswelten, Kindermusikkulturen, Kinderlieder, Sternschnuppe, Kinderliedermacher, Musikpädagogik
Arbeit zitieren
Regina Steinbügl (Autor), 2012, Musikalische Lebenswelten von Kindern und die Kinderliedermacher "Sternschnuppe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196483

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