Das alte Bamberger Eid- und Pflichtenbuch2 scheint ein Sammelband für alles gewesen zu sein, was die Stadtverwaltung Bambergs im frühen 15. Jahrhunderts betraf. Zwischen beispielsweise dem Eid der Stadtschöffen, Prozessionsordnungen und Handwerksordnungen finden sich auch Reglementierungen zu privaten Festen, wie die in dieser Arbeit behandelten Hochzeitsbestimmungen.
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Die „gute Polizey“ ist typisch für die frühe Neuzeit. Der Begriff meint dabei nicht nur eine Institution, sondern den ganzen Verwaltungskomplex, der die Errichtung einer stabilen sozialen Ordnung zum Ziel hatte7.
Die Sozialdisziplinierung, welche durch Polizeigesetze erreicht werden sollte, setzte allerdings bereits im Spätmittelalter ein. In den Städten wurde das Zusammenleben konfliktreicher, durch die steigende Bevölkerungsdichte und dadurch, dass sich die Gesellschaft immer weiter differenzierte und neue hierarchische Strukturen entstanden8. Deshalb wurden schon im 15. Jahrhundert in vielen Städten soziale Regeln festgelegt, die nach und nach beinahe alle Bereiche des Zusammenlebens betrafen, beispielsweise die Einhaltung einer Nachtruhe, Waffengesetze und natürlich die Reglemtierung des Aufwandes bei Festen9.
Inhaltsverzeichnis
1. TRANSKRIPTION
2. INHALT
3. EINORDNUNG IN DEN HISTORISCHEN KONTEXT
4. VERGLEICH MIT NÜRNBERG
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die spätmittelalterlichen Hochzeitsbestimmungen in Bamberg, wie sie im Eid- und Pflichtenbuch der Stadt dokumentiert sind, und vergleicht diese mit den Regelungen der Reichsstadt Nürnberg, um Rückschlüsse auf die städtische Verwaltungspraxis und soziale Normierung zu ziehen.
- Analyse der administrativen Hochzeitsordnungen des 15. Jahrhunderts in Bamberg.
- Untersuchung der sozialen Disziplinierung durch städtische Verordnungen.
- Vergleich der Bamberger Bestimmungen mit den Regelungen in Nürnberg.
- Rechtliche und gesellschaftliche Einordnung der „guten Polizey“ im Spätmittelalter.
- Untersuchung der Machtverhältnisse zwischen Stadtverwaltung, Stadtherrn und Bürgerschaft.
Auszug aus dem Buch
3. Einordnung in den historischen Kontext
Die „gute Polizey“ ist typisch für die frühe Neuzeit. Der Begriff meint dabei nicht nur eine Institution, sondern den ganzen Verwaltungskomplex, der die Errichtung einer stabilen sozialen Ordnung zum Ziel hatte7.
Die Sozialdisziplinierung, welche durch Polizeigesetze erreicht werden sollte, setzte allerdings bereits im Spätmittelalter ein. In den Städten wurde das Zusammenleben konfliktreicher, durch die steigende Bevölkerungsdichte und dadurch, dass sich die Gesellschaft immer weiter differenzierte und neue hierarchische Strukturen entstanden8. Deshalb wurden schon im 15. Jahrhundert in vielen Städten soziale Regeln festgelegt, die nach und nach beinahe alle Bereiche des Zusammenlebens betrafen, beispielsweise die Einhaltung einer Nachtruhe, Waffengesetze und natürlich die Reglemtierung des Aufwandes bei Festen9.
Diese Gesetze lassen sich mit Kleiderordnungen, Einschränkungen des Spielens und Trinkens und ähnlichen Bestimmungen, als Sittengesetze zusammenfassen. Mit diesen versuchte die Obrigkeit einerseits dem „als verwerflich empfundene Verhalten“ der Untertanen entgegenzuwirken und dadurch auch den eventuellen Zorn Gottes und damit verbundene Katastrophen abzuwenden10. Ein weiterer Zweck der Aufwandsbeschränkungen bei Hochzeiten und anderen Festen war die Umerziehung der Untertanen zu einer rationalen Arbeitshaltung. Arbeitskräfte sollten so wenig wie möglich abgelenkt werden, deshalb war meist die Anzahl der Gäste und auch die Dauer der Feste beschränkt. Und man versuchte die Verschwendung von knappen Ressourcen durch überflüssigen Verbrauch einzuschränken11.
Zusammenfassung der Kapitel
1. TRANSKRIPTION: Dokumentation der Original-Hochzeitsbestimmungen aus dem Bamberger Eid- und Pflichtenbuch in den Abschnitten drei bis sieben.
2. INHALT: Interpretation der einzelnen Abschnitte der Hochzeitsordnung und Erläuterung der spezifischen Regelungen zu Gästeanzahl, Bußgeldern und Feierlichkeiten.
3. EINORDNUNG IN DEN HISTORISCHEN KONTEXT: Verortung der Verordnungen im Rahmen der spätmittelalterlichen Sozialdisziplinierung und der Entstehung städtischer Rechtsnormen.
4. VERGLEICH MIT NÜRNBERG: Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Bamberger Hochzeitsordnungen und den ausführlicheren Regelungen der Reichsstadt Nürnberg.
5. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der rechtlichen Entwicklung und der Funktion der städtischen Gesetzgebung als Mittel der Herrschaftssicherung und Krisenbewältigung.
Schlüsselwörter
Bamberg, Nürnberg, Spätmittelalter, Eid- und Pflichtenbuch, Hochzeitsordnungen, Sozialdisziplinierung, Stadtverwaltung, Polizey, Rechtsgeschichte, Aufwandsbeschränkung, Sittengesetze, Stadtgericht, Stadtherr, Verwaltungspraxis, Normgebung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die spätmittelalterlichen Hochzeitsbestimmungen der Stadt Bamberg und deren Funktion im städtischen Verwaltungsalltag des 15. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die soziale Disziplinierung durch städtische Verordnungen, die Rolle der „guten Polizey“ sowie der Vergleich städtischer Rechtsnormen zwischen Bamberg und Nürnberg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, anhand der Hochzeitsvorschriften zu verstehen, wie städtische Verwaltungen im Spätmittelalter das soziale Leben regulierten und ihre Autorität festigten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse einer historischen Transkription, ergänzt durch einen vergleichenden Blick auf zeitgenössische städtische Rechtsordnungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Transkription der Quellentexte, deren inhaltliche Interpretation, eine historische Einordnung sowie einen direkten Vergleich mit Nürnberger Ordnungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Sozialdisziplinierung, Hochzeitsordnungen, städtische Selbstverwaltung und frühneuzeitliche Polizeygesetzgebung.
Welche Bedeutung hat das Bamberger „Eid- und Pflichtenbuch“ für diese Untersuchung?
Das Buch dient als primäre Quelle; es handelt sich um einen Sammelband der städtischen Verwaltung, der Einblicke in die rechtliche Strukturierung privater und öffentlicher Bereiche gewährt.
Warum wird im Vergleich besonders auf Nürnberg eingegangen?
Nürnberg dient als Vergleichsbeispiel, da es als bedeutende Reichsstadt bereits früher und detaillierter entwickelte rechtliche Rahmenbedingungen für städtische Abläufe aufwies.
Welche Rolle spielte der Stadtherr im Vergleich zur Bürgerschaft bei der Gesetzgebung?
Die Analyse zeigt, dass Gesetze sowohl Ausdruck städtischer Autonomie als auch Instrumente des Stadtherrn sein konnten, um seine Untertanen zu kontrollieren.
- Citation du texte
- Julia Arnold (Auteur), 2012, 'von hochzeiten', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196545