Selten hat ein Einführungswerk in das politische System Deutschlands eine politikfeldspezifische Policy-Analyse gewählt. Der vorliegende Band „Regieren in der Bundesrepublik Deutschland. Innen- und Außenpolitik seit 1949“ von den Politikwissenschaftlern Manfred G. Schmidt und Reimut Zohlnhöfer hebt sich aber gerade dadurch von gängigen Einführungswerken ab.
Der Titel verspricht die Brücke zwischen Innen- und Außenpolitik zu schlagen und deutet auf eine historische Betrachtungsweise hin. Doch auf den 523 Seiten gelingt den Professoren an der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit anderen Politikwissenschaftlern ein Werk, das mehr als nur auf der diachronen Ebene überzeugt. Indem es Zusammenhänge zwischen den Inhalten und Ergebnissen der Politik und zwischen den Institutionen und Abläufen seit 1949 untersucht (Schmidt/ Zohlnhöfer 2006, S.9), wechselt es die Perspektiven.
Den Leser erwartet in vier Kapiteln ein Überblick über die wichtigsten Politikfelder in Deutschland. Eingerahmt werden diese von einem Vorwort, das die Rahmenbedingungen der politischen Willensbildung und Entscheidungsprozesse analysiert, und einem
Abschlusskapitel, in dem nach 55 Jahren deutscher Regierungspolitik Bilanz gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Klassische Politikfelder
2. Sozialstaatliche Politikfelder
3. Staatliche Regulierung von Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt
4. Internationale Dimension deutscher Politik
5. Bilanz der innen- und außenpolitischen Regierung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit bietet eine tiefgehende Rezension des Standardwerks „Regieren in der Bundesrepublik Deutschland“ von Manfred G. Schmidt und Reimut Zohlnhöfer, wobei das Hauptziel darin besteht, die Eignung des Buches als Einführung in das deutsche politische System unter Berücksichtigung sowohl innen- als auch außenpolitischer Aspekte zu bewerten.
- Analyse der fachspezifischen Policy-Ansätze im Bereich der Bundespolitik.
- Untersuchung der Verzahnung von innenpolitischen Reformen und europäischer Integration.
- Evaluierung der Auswirkungen von Parteienkonkurrenz und institutionellen Rahmenbedingungen.
- Kritische Würdigung der Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland seit 1949.
Auszug aus dem Buch
Die politische Regulierung industrieller Beziehungen
Im folgenden Abschnitt geht es um „Die politische Regulierung industrieller Beziehungen“, worunter die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern bzw. deren Vertreten verstanden wird. Bis in die 1980er Jahre wird kaum Reformstreben unter den Akteuren festgestellt. Der Wandel setzte erst mit der Wiedervereinigung, der EU-Integration und der Internationalisierung ein, an denen sich die bestehenden Regulierungen anpassen müssen.
Als nächstes wird in die deutsche Agrarpolitik eingeführt. Wieder lässt sich aus dem Titel „Von der Landwirtschaft zur Amtswirtschaft“ die Richtung der Entwicklung ablesen. Der Gesetzgeber reguliert dieses Politikfeld immer mehr, was in eine umfassende Bürokratisierung und Kontrolle der Landwirtschaft mündet. Der Wandel zur Amtsverwaltung sei bedingt durch Gefährdungslagen, die strikt überwacht werden müssten. Ein weiterer Faktor sei das Fehlen einer zentralen Voraussetzung der Selbstregulierung durch die wachsende Gleichheit der Landwirtschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Klassische Politikfelder: Dieses Kapitel beleuchtet grundlegende staatliche Bereiche wie Verfassungspolitik, Staatsfinanzen, Innere Sicherheit und Migrationspolitik hinsichtlich ihres Wandels seit 1949.
2. Sozialstaatliche Politikfelder: Hier werden zentrale Felder wie Gesundheit, Arbeitsmarkt, Wohnungsbau und Gleichstellungspolitik als „Sanierungsfall“ analysiert, der maßgeblich durch Parteienkonkurrenz geprägt ist.
3. Staatliche Regulierung von Wirtschaft, Infrastruktur und Umwelt: Der Fokus liegt auf der wirtschaftlichen Entwicklung, industriellen Beziehungen und Umweltpolitik, wobei auch regulatorische Ansätze kritisch betrachtet werden.
4. Internationale Dimension deutscher Politik: Das Kapitel untersucht die Außenpolitik im Spannungsfeld zwischen der Rolle als „Zivilmacht“ und den neuen Anforderungen der europäischen Integration sowie Sicherheitsfragen.
5. Bilanz der innen- und außenpolitischen Regierung: Die Herausgeber ziehen eine Bilanz der deutschen Regierungspolitik und bewerten die Bundesrepublik als „geglückte Demokratie“ trotz bestehender institutioneller Hindernisse.
Schlüsselwörter
Politikfeldanalyse, Regieren in Deutschland, Bundesrepublik Deutschland, Manfred G. Schmidt, Reimut Zohlnhöfer, Sozialstaat, Außenpolitik, Europäisierung, Policy-Analyse, Regierungsbilanz, Institutionen, Parteien, Reformpolitik, Wirtschaftspolitik, Demokratiegeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der rezensierten Arbeit im Kern?
Die Arbeit rezensiert das wissenschaftliche Werk von Schmidt und Zohlnhöfer, welches das politische System Deutschlands durch eine systematische Analyse einzelner Politikfelder seit 1949 beschreibt.
Welche Themenfelder werden vorrangig behandelt?
Das Spektrum reicht von klassischen Feldern wie der Verfassungspolitik über sozialstaatliche Bereiche bis hin zur internationalen Dimension der deutschen Politik und Umweltfragen.
Was ist das zentrale Ziel der untersuchten Buchpublikation?
Das Buch verfolgt das Ziel, einen umfassenden Überblick über das Regieren in Deutschland zu geben, indem es Zusammenhänge zwischen Inhalten, Institutionen und Abläufen diachron und politikfeldspezifisch verknüpft.
Welche wissenschaftliche Methodik wird in dem Werk verwendet?
Die Autoren nutzen vornehmlich die Politikfeldanalyse, ergänzt durch empirische Daten, Statistiken und theoretische Erklärungsansätze, um politische Entwicklungen nachvollziehbar zu machen.
Was umfasst der inhaltliche Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kapitel, die jeweils spezifische Politikbereiche sowie die internationale Rolle Deutschlands analysieren und abschließend eine Bilanz ziehen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Rezension?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Politikfeldanalyse, Regierungsbilanz, Europäisierung und das Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Wandel.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Bundesrepublik innerhalb der Europäischen Union?
Die Autoren beschreiben eine Entwicklung Deutschlands von der europäischen Einigung als Staatsraison hin zu einer europäischen „Mitführungsmacht“.
Welche Kritikpunkte werden in der Rezension am rezensierten Buch geäußert?
Kritisiert wird das Aktualitätsdefizit des Werkes (Stand 2006) sowie die Beschränkung der internationalen Perspektive fast ausschließlich auf europäische Angelegenheiten.
- Citation du texte
- Faten EL-Dabbas (Auteur), 2012, Buchrezension zu: „Regieren in der Bundesrepublik Deutschland - Innen- und Außenpolitik seit 1949“ v. Manfred G. Schmidt und Reimut Zohlnhöfer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196567