Thomas Hobbes' Werk „Leviathan“, welches 1651 erschien, begründete die politische Philosophie der Neuzeit. Mit seiner Ausarbeitung, in der er beschreibt, wie ein Staat aufgestellt sein soll, sowie
seiner Anthropologie, prägte er die philosophische Reflexionsform der Moderne. Seine vertragstheoretische Staatsrechtfertigung führt das radikale Programm der Herrschaftlegtimation ein
und ruft so seit Erscheinen des Werkes „Leviathan“ Kontroversen in der Deutung des von ihm vorgestellten Macht-und Gesellschaftkonzeptes hervor. Diese Kontroversen werde ich im Verlauf meiner Hausarbeit noch weiter behandeln, denn sind sie von existenzieller Bedeutung, um die Frage zu klären, ob Hobbes in seinem Werk einen totalitären Staat erschafft oder dadurch eine
Rechtfertigung eines totalitären Staates möglich ist und ob in der Vergangenheit totalitäre Staaten durch Hobbes' Werk gerechtfertigt werden konnten. Die erste Frage dient dabei als Basis für die
zweite Frage, welche eine größere Gewichtung in meiner Hausarbeit haben wird.
Das Werk „Leviathan“ enstand kurz nach dem englischen Bürgerkrieg und wurde dadurch stark von diesem geprägt. Hobbes ging es nicht darum, einen Staat zu beschreiben, wie er ihn vorfand,
sondern begründete seinen eigenen Etatismus, in dem er einen seiner Ansicht nach „richtigen, recht begründeten und recht beherrschenden Staat überhaupt“ erschaffte. Die Gegebenheiten des
Bürgerkrieges, wie Tod, Elend und das Außerkrafttreten der Gesetze -summa summarum die Unsicherheit des Fortbestandes der eigenen Existenz, materialistisch wie physisch, -beeinflusste Hobbes bei seinem Gedankenexperiment, den Staat mit seinen Instutitionen, sowie den Staat, der den Menschen innerlich präsent ist, ihre Überzeugungen, Verhaltensgewohnheiten und ihren sozialen Charakter geprägt hat, aufzulösen und so einen fiktiven „Naturzustand“ zu erschaffen, der als Grundlage für Hobbes' Argumentation im Weiteren dient.
Oberstes Ziel eines Staates ist es, laut Hobbes, die Sicherheit zu garantieren, beziehungsweise „aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle gerettet werden“. Wie die Transformation von
dem Naturzustand zur Schaffung des Staates vonstatten geht und welche Bedingungen daran geknüpft sind, darauf werde ich im Verlauf meiner Hausarbeit eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Merkmale des Totalitarismus
3. Grundgerüst des hobbesschen Staates
3.1. Das Naturrecht und der Kontraktionalismus
3.2. Hobbes' Machtbegriff
4. Totalitäre Aspekte in Hobbes' Staatstheorie
4.1. Hobbes als Grundlage für den Nationalsozialismus?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Thomas Hobbes' Staatsphilosophie im „Leviathan“ und den Kennzeichen totalitärer Systeme. Ziel ist es zu klären, ob Hobbes mit seinem Werk einen totalitären Staat erschafft, eine solche Staatsform rechtfertigt oder ob eine solche Interpretation den Intentionen des Autors sowie dem historischen Kontext widerspricht.
- Analyse der zentralen Merkmale totalitärer Herrschaftssysteme
- Untersuchung der hobbesschen Staatskonstruktion (Naturrecht, Gesellschaftsvertrag)
- Kritische Beleuchtung von Hobbes' Macht- und Souveränitätsbegriff
- Gegenüberstellung des hobbesschen Staatsverständnisses mit Ideologien des 20. Jahrhunderts
Auszug aus dem Buch
3. Grundgerüst des hobbesschen Staates
In diesem Kapitel soll es, wie schon oben genannt, um die Theorie gehen, die Thomas Hobbes im „Leviathan“ entwirft. Um diese Theorie über den Aufbau eines Staates zu schildern und kurz zu skizzieren, werde ich mich mit den drei Hauptpfeilern, auf die sich seine Theorie stützt, beschäftigen.
3.1 Das Naturrecht und der Kontraktionalismus
Der erste Pfeiler stellt das Naturrecht, beziehungsweise der Naturzustand, dar. Nach Hobbes' Auffassung ist der Naturzustand ein „Krieg aller gegen alle“. Er entwirft somit eine Anthropologie, in der der Mensch nicht für eine Gesellschaft geeignet ist. Für ihn sind die Menschen „eine Menge unvermittelt oder primär dissoziierter Individuen“. Im Vordergrund steht also der Selbsterhaltungstrieb, welcher aber nicht mit dem aller Lebewesen gemeinsam ist, sondern auf dem Verlangen nach Lebenssteigerung gründet. In diesem stetigen Kampf das Überleben ist der Mensch von Leidenschaften getrieben, welche, vor allem, laut Hobbes, „Mitbewerbung, Verteidigung und Ruhm“ sind. Mitbewerbung zielt, nach Hobbes, auf Herrschaft ab, Verteidigung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Thomas Hobbes' Werk „Leviathan“ ein und formuliert die zentrale Fragestellung, inwiefern eine Rechtfertigung totalitärer Staatsstrukturen darin angelegt ist.
2. Merkmale des Totalitarismus: Dieses Kapitel definiert die wesentlichen Charakteristika totalitärer Diktaturen, um eine Grundlage für den Vergleich mit den hobbesschen Staatskonzepten zu schaffen.
3. Grundgerüst des hobbesschen Staates: Der Abschnitt erläutert die theoretischen Fundamente von Hobbes' Staatslehre, insbesondere das Naturrecht, den Gesellschaftsvertrag und den Begriff der Macht.
4. Totalitäre Aspekte in Hobbes' Staatstheorie: Hier wird diskutiert, ob Hobbes' Modell Ansätze enthält, die als totalitär gedeutet werden können, und inwiefern diese zur Rechtfertigung ideologischer Systeme wie dem Nationalsozialismus instrumentalisiert wurden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Hobbes zwar autoritäre Züge betont, sein System jedoch nicht mit den spezifischen Merkmalen eines Totalitarismus gleichgesetzt werden kann.
Schlüsselwörter
Thomas Hobbes, Leviathan, Totalitarismus, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Souveränität, Machtbegriff, Kontraktionalismus, Staatstheorie, Politische Philosophie, Nationalsozialismus, Autokratie, Freiheit, Sicherheit, Herrschaftslegitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Werk „Leviathan“ von Thomas Hobbes und prüft kritisch, ob und inwieweit darin die Grundlagen für einen totalitären Staat gelegt oder gerechtfertigt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit thematisiert die Anthropologie des Naturzustands, die Notwendigkeit des Gesellschaftsvertrags zur Sicherheitsgewährleistung sowie die Natur staatlicher Macht und Souveränität.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Kernfrage lautet, ob Hobbes einen totalitären Staat erschafft oder ob mit seinem Werk Totalitarismus gerechtfertigt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung herangezogen?
Die Arbeit verwendet eine textanalytische Methode, indem sie Begriffe aus dem „Leviathan“ definiert und diese in Bezug zu den Kriterien totalitärer Systeme setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Definition des Totalitarismus, eine Skizzierung der hobbesschen Staatslehre und eine darauf aufbauende kritische Prüfung, ob diese Staatslehre als Basis für totalitäre Ideologien dienen kann.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem „Naturrecht“, „Kontraktionalismus“, „Souverän“, „Totalitarismus“ und „Sicherheit“.
Wie unterscheidet Hobbes' Machtbegriff zwischen dem Souverän und dem Untertan?
Der Souverän steht bei Hobbes außerhalb des Rechtssystems, was ihm eine uneingeschränkte Machtfülle verleiht, während die Untertanen durch den Vertrag den Verzicht auf eigene Rechte gegen den Schutz ihres Überlebens eintauschen.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass Hobbes' Theorie nicht vollständig totalitär ist?
Der Autor argumentiert, dass Hobbes das Primat der Sicherheit vor Ideologie stellt und die für den Totalitarismus notwendigen technischen Mittel zur vollständigen Überwachung sowie eine alles durchdringende Ideologie zur Zeit Hobbes' nicht existierten.
- Arbeit zitieren
- Kim Brian Dudek (Autor:in), 2012, Totalitarismus im „Leviathan“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196606