Die Validationstherapie ist eine Technik, um sehr alten desorientierten Menschen mit Respekt zu begegnen und als Individuum wahrzunehmen. Im Fokus stehen hierbei „…the emotionals and psychological consequences of short-term memory loss” (MORTON, BLEATHMAN 1991, 327).
Mittels verinnerlichter Grundprinzipien und durch die Anwendung verschiedener Techniken und Methoden versucht der Validationsanwender Menschen mit Demenz im letzten Abschnitt ihres Lebens zu unterstützen und mit ihnen zu kommunizieren (vgl. KLERK-RUBIN 2006, 9).
Aufgrund weniger Studien mit geringen Fallzahlen kann der therapeutische Effekt der Validationstherapie nicht eindeutig belegt werden, weitere Forschung auf diesem Gebiet ist erforderlich (vgl. NOCON u.a. 2010, 188). „Fehlende Evidenz bedeutet in diesem Kontext jedoch nicht zwingend fehlende Wirksamkeit“ (RIECKMANN u.a. 2008, 4).
Ungeachtet der fehlenden wissenschaftlichen Absicherung findet das Konzept der Validation vor allem bei Pflegenden im Altenpflegesektor in Deutschland großen Anklang (vgl. GERSTER 1996, 172). Mittels der Validation sollen hier „…Frustration im Arbeitsalltag vermindert und sogar Burnout-Gefühle verhindert werden (VOGEL 2008, 27). Das von FEIL vermittelte Menschenbild, das den Menschen als das akzeptiert, was er ist und die über Validation konkret gebotenen Hilfestellungen im Umgang mit verwirrten alten Menschen kann im Pflegealltag die allmähliche Verschlechterung der Betroffenen verlangsamen helfen. Die Validationstherapie wird jedoch in diesem Kontext nicht als ein Beratungskonzept in der pflegerischen Praxis angesehen. Sie dient hier in erster Linie als eine Methode, um den psychischen und körperlichen Zustand der Hochbetagten zu verbessern wie z.B. durch Reduktion von Stressreaktionen oder Verbesserung des Gehvermögens (vgl. VOGEL 2008, 27). Betrachtet man die Validationstherapie als Beratungsansatz, ließe sich diese mit gewissen Einschränkungen auch als eine Möglichkeit zur Beratung von dementiellen Menschen nutzen. Bei der Diskussion der Validationstherapie als ein Beratungsansatz zeigt sich, dass einige Merkmale von Beratung durchaus auch auf die Validation zutreffen. Derzeit wird die Validationstherapie jedoch noch nicht im Kontext pflegerischer Beratung angewendet. Sie könnte aber für die pflegerische Beratung durchaus Impulse geben, die auch im Rahmen wissenschaftlicher Begleitforschung untersucht werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Zielgruppe der Validationstherapie
3. Grundprinzipien der Validationstherapie
4. Theorien als Grundlage der Grundprinzipien
5. Vier Phasen im Stadium der Aufarbeitung
5.1 Phase I – „Mangelhafte Orientierung (orientiert, aber unglücklich)“
5.2 Phase II – „Zeitverwirrtheit“
5.3 Phase III – „sich wiederholende Bewegungen – sie ersetzen die Sprache“
5.4 Phase VI – „Vegetieren – totaler Rückzug nach innen“
6. Anwendung der Validation
7. Diskussion der Validationstherapie als Beratungsansatz
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Validationstherapie nach Naomi Feil unter dem Aspekt, ob sie als pflegerischer Beratungsansatz für desorientierte, hochbetagte Menschen klassifiziert werden kann, und diskutiert dabei die Übereinstimmungen und Unterschiede zu etablierten Beratungskonzepten.
- Grundlagen und theoretische Fundierung der Validationstherapie
- Strukturierung der vier Phasen desorientierten Verhaltens
- Methodische Anwendung der Validation in der Praxis
- Diskussion der Vereinbarkeit von Validation und Beratungsprinzipien
- Kritische Reflexion der therapeutischen Evidenz
Auszug aus dem Buch
7. Diskussion der Validationstherapie als Beratungsansatz
Pflegerische Beratung ist ein bislang nicht eindeutig geklärter Begriff, der zudem uneinheitlich verwendet wird. Meist wird unter Beratung Informationsweitergabe, Aufklärung, Pflegeberatung oder auch Patientenberatung subsumiert (vgl. HUMMEL-GAATZ, DOLL 2007, 15). Beratung wird oftmals auch nur als die Weitergabe von Informationen betrachtet. „Dieses Verständnis von Beratung wird neuerlich zunehmend um eine Perspektive ergänzt, nach der sich Beratung als helfender Kommunikations- und Handlungsprozess versteht. Dieser Perspektive zufolge liefert Beratung nicht nur Information, sondern dient auch der Orientierung, der Reflexion von Information…“ (ENGEL u.a. 2006, 93). Beratung fokussiert meist auf ein bestimmtes Problem oder einen Konflikt und ist zeitlich von kürzerer Dauer (vgl. SCHINDERWOLF 2004, 9).
Aus der Aufgabenstellung von Beratung können Ziele abgeleitet werden, wie Information und Aufklärung, Koordination und Unterstützung, persönliche Beratung und Stärkung der Patient-Therapeut-Beziehung (vgl. ENGEL, SICKENDIEK 2005, 164). Voraussetzung für eine optimale Beziehung zwischen Berater und jeweiligem Klienten sind transparente Erwartungen bezüglich der jeweiligen Rolle in der Beratungssituation und der Erwartung positiver Veränderungen (vgl. KRCZIZEK 2004, 38). Doch inwieweit hat ein desorientierter Mensch Erwartungen an eine Beratung, die er gegebenenfalls nicht selbst anfordert, sondern die ihm im Rahmen der Validationstherapie quasi übergestülpt wird. „Begriffe wie […] Neubewertung, Wiederherstellung, Erinnern, […] werden in der Regel nicht mit Menschen mit Demenz in Verbindung gebracht“ (LIPINSKA 2010, 71).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung der Biografie von Naomi Feil und der Entstehung der Validationstherapie als Abgrenzung zur Realitätsorientierungstherapie.
2. Zielgruppe der Validationstherapie: Beschreibung der Zielgruppe als sehr alte, desorientierte Menschen, deren Verwirrtheit als Bewältigungsstrategie für lebenslange Verluste interpretiert wird.
3. Grundprinzipien der Validationstherapie: Erläuterung der auf Empathie, Wärme und Achtung basierenden Haltung, die durch verbale und nonverbale Techniken in die Praxis umgesetzt wird.
4. Theorien als Grundlage der Grundprinzipien: Darstellung der theoretischen Einbettung in die humanistische Psychologie und psychoanalytische Konzepte zur Interpretation scheinbar bedeutungsloser Verhaltensweisen.
5. Vier Phasen im Stadium der Aufarbeitung: Differenzierung der vier Phasen desorientierten Verhaltens (Mangelhafte Orientierung bis Vegetieren) mit Fokus auf körperliche und psychische Charakteristika.
6. Anwendung der Validation: Beschreibung des dreistufigen Vorgehens bei der Anwendung, angefangen bei der Informationssammlung bis hin zur Beobachtung des körperlichen Ausdrucks.
7. Diskussion der Validationstherapie als Beratungsansatz: Kritische Gegenüberstellung von Validationsprinzipien mit den Kriterien pflegerischer Beratung, insbesondere hinsichtlich Freiwilligkeit und Partizipation.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee über den therapeutischen Status der Methode und den Bedarf an weiterer wissenschaftlicher Forschung zur Wirksamkeit.
Schlüsselwörter
Validationstherapie, Naomi Feil, Pflegerische Beratung, Desorientierung, Demenz, Psychologische Regression, Patientenberatung, Lebensgeschichte, Psychodynamik, Pflegeprozess, Empathie, Kommunikation, Alterspsychologie, Personenzentrierter Ansatz, Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung der Validationstherapie nach Naomi Feil und analysiert, inwieweit das Konzept als eine Form der pflegerischen Beratung für sehr alte, desorientierte Menschen betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Validation, die Einteilung desorientierten Verhaltens in vier spezifische Stadien sowie der Vergleich methodischer Ansätze mit den Anforderungen an eine professionelle Beratung.
Was ist das primäre Ziel der wissenschaftlichen Arbeit?
Das primäre Ziel ist die methodenkritische Diskussion darüber, ob die Validationstherapie die fachlichen Kriterien einer Beratung erfüllt oder ob sie eher als rein therapeutische Methode in der Pflege einzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche und den Vergleich bestehender wissenschaftlicher Theorien (z.B. nach Rogers, Maslow und Erikson) mit der praktischen Anwendung der Validationstherapie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der vier Phasen der Aufarbeitung, die Erläuterung der Anwendungstechniken und eine detaillierte Diskussion über die Vereinbarkeit mit Prinzipien wie Freiwilligkeit und Partizipation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Validationstherapie, Demenz, Pflegerische Beratung, Desorientierung, personenzentrierter Ansatz und die kritische Bewertung der therapeutischen Wirksamkeit.
Warum wird die Bezeichnung „Therapie“ für die Validation kritisch hinterfragt?
Die Autorin weist darauf hin, dass die Übergänge zwischen Beratung und Therapie fließend sind, die Validation jedoch aufgrund der mangelnden intellektuellen Einsicht der Betroffenen und des chronischen Prozesses die klassischen Kriterien einer Beratung (wie aktive Partizipation des Klienten) nur teilweise erfüllt.
Welchen Stellenwert nimmt die Forschung zur Wirksamkeit ein?
Die Arbeit stellt fest, dass bislang keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz durch Studien belegt ist, weist aber darauf hin, dass fehlende Evidenz nicht zwingend eine fehlende Wirksamkeit in der täglichen Pflegepraxis bedeutet.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Pflegewirt FH Katharina Kemmether (Autor:in), 2012, Methodenkritik: Darstellung und Diskussion der Validationstherapie als Beratungsansatz , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196607