In der vorliegenden Arbeit werden die beiden Erbfolgeregelungen von Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen anhand der Originalquellen zunächst einzeln analysiert, später besonders im Hinblick auf die beiden Nachfolgeprinzipien Reichseinheit und Reichsteilung verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Betrachtung und Analyse
2.1 Die Divisio regnorum von 806
2.2 Die Ordinatio imperii von 817
3. Vergleich und Fazit
4. Anhang
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Nachfolgeordnungen der ersten beiden karolingischen Kaiser, Karls des Großen und Ludwigs des Frommen, um deren unterschiedliche Ansätze zur Regelung von Reichsteilung und Reichseinheit sowie den Umgang mit der Kaiserwürde (nomen imperatoris) zu analysieren.
- Analyse der "Divisio regnorum" von 806 als pragmatische Reichsteilung.
- Untersuchung der "Ordinatio imperii" von 817 unter dem Ideal der "unitas imperii".
- Gegenüberstellung der Konzepte von Reichseinheit und Reichsteilung.
- Bewertung des Einflusses der Kaiserwürde auf die Erbfolgeproblematik.
- Vergleich der zeitgenössischen Rezeption und praktischen Umsetzung beider Regelungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Divisio regnorum von 806
Die Nachfolgeordnung Karls des Großen, die Divisio regnorum von 806, ist laut Walter Schlesinger „eine der wichtigsten politischen Entscheidungen (…) die Karl d. Gr. nach seiner Anerkennung als Kaiser getroffen hat.“ In der Tat stellt sie jenes Dokument dar, mit dem der Frankenkönig sein Reich unter seinen erbberechtigten Söhnen Ludwig, Pippin und Karl nach „gemein-germanischem“ Erbrecht aufteilen wollte. Dieses „Hausgesetz“, wie es Dieter Hägermann nennt, wurde auf dem fränkischen Reichstag in Diedenhofen, dem heutigen Thionville, am 6. Februar des Jahres 806 erlassen. Die fränkischen Reichsannalen berichten davon, dass sich Karl dort mit den „Großen und Vornehmen der Franken“, den „primoribus et optimatibus Francorum“ traf, um den Frieden zu bewahren und das Reich zwischen seinen Söhnen in drei Teile zu teilen.
Hägermann vermutet, dass zumindest „der Wortlaut“ des Urkundentextes von Karl mit den anwesenden Großen abgesprochen wurde; konkrete Hinweise darauf liefern weder die Divisio selbst noch die Reichsannalen. Dort ist lediglich von der eidlichen Verpflichtung der Großen auf den Rechtstext die Rede. Dies wertet Hägermann allerdings nicht als direkte Mitwirkung der Großen, sondern vielmehr als eine prophylaktische Maßnahme Karls mit Blick auf die Ereignisse von 771, als Karl selbst mit Hilfe der Großen aus Karlmanns Reichsteil die Alleinherrschaft an sich riss.
Das Dokument an sich besteht aus einer Präambel und 20 Kapiteln. Die Einleitung benennt neben Karl als Aussteller auch die Adressaten der Divisio, namentlich „omnes fideles sanctae Die aecclaesiae ac nostris, praesentes scilicet et futuris“. Besonders auffallend ist die mehrmalige Erwähnung von Gott in dieser kurzen Einführung und die damit verbundenen „christlich-metaphysischen Bezüge“, die im Gegensatz zum sonst durchgehend rational-nüchternen Ton des Urkundentextes stehen. Peter Classen führt zu Recht an, damit gebe sich die Urkunde als „Interpretation des göttlichen Willens“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach den Nachfolgeregelungen von Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen im Kontext der Kaiserkrönung von 800.
2. Betrachtung und Analyse: Dieses Kapitel analysiert die Divisio regnorum von 806 und die Ordinatio imperii von 817 als zentrale Dokumente fränkischer Nachfolgepolitik.
2.1 Die Divisio regnorum von 806: Dieser Abschnitt behandelt Karls Teilungsplan, der auf einer Aufteilung unter seine Söhne basiert und versucht, Stabilität durch rationales Handeln zu gewährleisten.
2.2 Die Ordinatio imperii von 817: Dieses Kapitel untersucht Ludwigs Versuch, die Reichseinheit unter Lothar I. durch das Konzept der unitas imperii und ein Unterkönigtum der Brüder zu erzwingen.
3. Vergleich und Fazit: Die Arbeit vergleicht beide Regelungen und kommt zu dem Schluss, dass beide Projekte an den historischen Realitäten scheiterten, jedoch die Entwicklung des fränkischen Kaisertums maßgeblich prägten.
4. Anhang: Der Anhang bietet eine Übersicht der verwendeten Primärquellen und der herangezogenen Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Karolinger, Divisio regnorum, Ordinatio imperii, Reichsteilung, Reichseinheit, Karl der Große, Ludwig der Fromme, Nachfolgeordnung, Unitas imperii, Kaiserwürde, Fränkisches Reich, Mittelalter, Kapitularien, Historische Analyse, Erbfolgerecht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich der Nachfolgeordnungen von Karl dem Großen (Divisio regnorum 806) und Ludwig dem Frommen (Ordinatio imperii 817) im Frankenreich.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Konzepte von Reichsteilung und Reichseinheit, der Status der Kaiserwürde (nomen imperatoris) und wie diese beiden Herrscher versuchten, ihre Nachfolge politisch abzusichern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die diametralen Grundideen der Reichsteilung und Reichseinheit zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie beide Kaiser mit den durch das Kaisertum veränderten Bedingungen für die Erbfolge umgingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer fundierten Auswertung der zeitgenössischen Gesetzestexte sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit der einschlägigen Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung der beiden Gesetzestexte (806 und 817) inklusive ihrer inhaltlichen Bestimmungen, ihrer politischen Hintergründe und der jeweiligen Rezeption.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Reichseinheit, Divisio regnorum, Ordinatio imperii, karolingische Kaiserzeit, Unitas imperii und fränkisches Erbrecht.
Wie unterscheidet sich der Ansatz Karls des Großen von dem seines Sohnes Ludwig?
Karl agierte rational-pragmatisch auf genossenschaftlicher Basis, während Ludwig und die Reichseinheitspartei versuchten, das Kaisertum durch ein sakral-hierarchisches Konzept der Reichseinheit zu stützen.
Warum wird die Ordinatio imperii von 817 als "unzeitgemäßes Projekt" bezeichnet?
Die Ordinatio wird so bewertet, da sie versuchte, ein starres Einheitsmodell gegen die starke karolingische Tradition der Reichsteilung durchzusetzen, was zu politischen Spannungen und schließlich zur Destabilisierung führte.
- Citar trabajo
- Jan Philipp Wilhelm (Autor), 2012, Divisio regnorum und Ordinatio imperii , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196696