Mezzanine-Kapital als Finanzierungsform deutscher Unternehmen

Stellenwert vor dem Hintergrund der Finanzkrise


Hausarbeit, 2012

28 Seiten, Note: 2,0

Tuptus Virtual (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Untersuchungsgegenstand

2 Grundlagen
2.1 Begriff
2.2 Arten
2.2.1 Nachrangiges Darlehen
2.2.2 Verkäuferdarlehen
2.2.3 Partiarisches Darlehen
2.2.4 Stille Beteiligung
2.2.5 Genussrechte, Genussscheine
2.2.6 Wandelanleihe
2.2.7 Optionsanleihe

3 Stärken und Schwächen
3.1 Programm-Mezzanine

4 Stellenwert von Mezzanine-Kapital
4.1 Mezzanine-Finanzierungen und die Finanzkrise
4.2 Rückzahlung während der Wirtschaftskrise
4.3 Anschlussfinanzierung als Herausforderung
4.4 Alternativen
4.4.1 Individual-Mezzanine
4.4.2 Eigenkapital und laufender Cashflow
4.4.3 Fremdkapital
4.4.4 Unternehmensanleihen

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rendite-Risiko-Struktur bei Mezzanine-Finanzierungen (Quelle: Drukarczyk 2008: 410)

Abbildung 2: Einordnung und Arten von Mezzanine-Kapital (Quelle: Eigene Abbildung in Anlehnung an Prätsch et al. 2007: 208)

Abbildung 3: Standard-Mezzanineprogramme in Deutschland (Quelle: PricewaterhouseCoopers 2011: 17)

Abbildung 4: Entwicklung Standard-Mezzaninemarkt 2004 bis 2007 (Quelle: PricewaterhouseCoopers 2011: 16)

Abbildung 5: Finanzierungsstruktur (Quelle: Statista 2012)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Eigenkapitialähnliche Formen von Mezzanine-Kapital (Quelle: Damnitz/Kleutgens 2011: 242)

Tabelle 2: Fremdkapitalähnliche Formen von Mezzanine-Kapital (Quelle: Damnitz/Kleutgens 2011: 243)

Tabelle 3: Stärken und Schwächen von Mezzanine-Finanzierungen (Quelle: eigene Tabelle in Anlehnung an Fölkersamb et al. 2009: 56)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Virtus post nummos. Die Tugend (kommt) nach dem Geld.“

Horaz

1 Untersuchungsgegenstand

Mit immer strengeren Regeln wie Basel II oder III und der Beurteilung von Unternehmen durch Ratingagenturen haben es besonders Firmen des Mittelstands oft schwer, an Kapital zu kommen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Den Begriff Mezzanine im Finanzbereich gibt es schon lange. Der Bekanntheitsgrad und die Verbreitung von Mezzanine-Finanzierungen stieg allerdings besonders zwischen den Jahren 2004 und 2007. Seit diesem Zeitraum wurde verbrieftes Mezzanine-Kapital, sogenanntes Programm-Mezzanine, verstärkt an mittelständische Unternehmen ausgegeben (vgl. Auracher et al. 2011: 3). Vor allem Nachrangdarlehen, Genussrechte und stille Beteiligungen sind Formen, die sich auch in bestimmten Ausgestaltungen wieder bei Mezzanine-Finanzierungen finden (vgl. Fölkersamb et al. 2009: 47). Die vorliegende Hausarbeit soll darlegen, wie sich die Mezzanine-Finanzierungen vor allem durch die Wirtschaftskrise verändert haben. Dabei wird gezeigt, was mit dem bestehenden Mezzanine-Kapital geschieht und wie es in Zukunft mit dieser Art der Finanzierung weitergehen könnte.

2 Grundlagen

2.1 Begriff

Der Ausdruck Mezzanine ist vom italienischen mezzanino abgeleitet und findet häufig in der Architektur seine Anwendung. Dort bedeutet er Zwischengeschoss zwischen zwei Etagen. Überführt in das Genre der Unternehmensfinanzierung steht das Mezzanine-Kapital für eine Position zwischen Eigen- und Fremdkapital in der Bilanz. In der optimalen Ausgestaltung kann ein Unternehmen aus dem Mezzanine-Kapital einen doppelten Nutzen ziehen: Einerseits stärken die Mezzanine-Mittel die Eigenkapitaldecke und andererseits wird es in der Steuerbilanz als Fremdkapital anerkannt, wodurch Abzugsmöglichkeiten entstehen (vgl. Fölkersamb et al. 2009: 48). Wegen der nicht eindeutigen Stellung wird auch der Begriff hybrides Kapital als Synonym verwendet. Dies rührt daher, dass es sich beim Mezzanine-Kapital um eine Mischform zwischen voll haftendem, unbesichertem Eigenkapital und besichertem Fremdkapital handelt. Je nach Ausgestaltung findet man beim Mezzanine-Kapital mehr oder weniger eigen- oder fremdkapitalähnliche Attribute. Handelt es sich um Formen, die näher am Eigenkapital liegen, so spricht man auch von Equity Mezzanine. Liegt die Ausgestaltung näher am Fremdkapital, so wird auch von Debt Mezzanine gesprochen (vgl. Prätsch et al. 2007: 207).

Eine eindeutige Definition für Mezzanine-Kapital gibt es weder betriebs- noch rechtswissenschaftlich. Immer dann, wenn es sich um eine Mischform zwischen Eigenkapitalpositionen und Fremdkapitalpositionen handelt, wird hybrides Kapital oder Mezzanine-Kapital als Bezeichnung verwendet (vgl. Häger/Elkemann-Reusch 2007: 22). Aus der Perspektive der Eigentümer sind Mezzanine-Finanzierungen immer fremdfinanziert; deswegen wird auch der Begriff unternehmerisches Fremdkapital verwendet. Abhängig von der konkreten Ausgestaltung ist das Mezzanine-Kapital bilanziell entweder als Eigenkapital oder als Fremdkapital zu erfassen (vgl. Ochs 2008: 12).

Eigenschaften, die das mezzanine Kapital vom Eigenkapital übernimmt, sind die Nachrangigkeit gegenüber dem klassischen Fremdkapital. Für Gläubiger von Mezzanine-Kapital bedeutet dies im Insolvenzfall, dass Fremdkapitalgläubiger vor ihnen bedient werden (vgl. Häger/Elkemann-Reusch 2007: 23). Außerdem ist es möglich, dass mezzanines Kapital als Haftungskapital eingestuft wird. Dies hat zur Folge, dass es potenziell zur Befriedigung weiterer Gläubigerforderungen herangezogen wird (vgl. Ochs 2008: 13).

Als fremdkapitalähnliche Eigenschaft übernehmen Mezzanine-Finanzierungen die Befristung der Kapitalüberlassung sowie die daraus resultierende Rückzahlungsverpflichtung (vgl. Ochs 2008: 13). Auch eine in der Regel vereinbarte feste, vom Erfolg des Unternehmens unabhängige Verzinsung und die sich daraus ergebende Möglichkeit des Abzugs der Zinsen als Aufwand sowohl steuerlich als auch handelsrechtlich ist eine nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit mit klassischem Fremdkapital. Im Insolvenzfall gilt für mezzanines Kapital, dass Gläubiger vor den Eigenkapitalgläubigern zu ihrer Forderung kommen, es sich also um eine Vorrangigkeit gegenüber klassischem Eigenkapital handelt (vgl. Häger/Elkemann-Reusch 2007: 23).

Die Abbildung 1 zeigt grafisch, wie sich Risiko und Rendite bei den unterschiedlichen Mezzanine-Finanzierungsarten verhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Arten

Unabhängig von der Finanzkrise und deren Auswirkung auf Mezzanine-Finanzierungen, gibt es unterschiedliche Ausgestaltungen dieser Finanzierungsform, auf die zunächst eingegangen wird. Dies geschieht, um einen Überblick über die Arten von hybridem Kapital zu geben.

2.2.1 Nachrangiges Darlehen

Bei nachrangigen Darlehen handelt es sich um unbesicherte Darlehen. Sie werden so genannt, weil der Darlehensgeber mit seinen Ansprüchen im Insolvenzfall nach den Ansprüchen weiterer Kreditgeber, jedoch vor den Eigenkapitalgebern befriedigt wird. Durch die Nachrangigkeit des Mezzanine-Kapitals entsteht für die weiteren Gläubigerforderungen so etwas wie eine Verbreiterung der Eigenkapitalbasis. Dadurch werden nachrangige Darlehen auch als Quasi-Eigenkapital bezeichnet (vgl. Drukarczyk 2008: 411).

2.2.2 Verkäuferdarlehen

Verkäuferdarlehen sind häufig bei sogenannten Management buy-outs anzutreffen. In diesen Fällen werden Teile des Verkaufspreises vom Verkäufer gestundet. Diese Stundung geht damit einher, dass der Verkäufer, der dann auch Darlehensgeber ist, am zukünftigen Erfolg des Unternehmens partizipiert. Zum Beispiel können die Zinszahlungen einen variablen Teil enthalten, der an das Ergebnis des Unternehmens gebunden ist. Diese Beteiligung am Unternehmenserfolg ist das Kriterium für die Stellung des Verkäuferdarlehens zwischen Eigen- und Fremdkapital (vgl. Drukarczyk 2008: 411).

2.2.3 Partiarisches Darlehen

Weisen Kredite an die Unternehmung zusätzlich oder statt einer festen vertraglichen Verzinsung einen Bestandteil auf, der sich am Ergebnis des Unternehmens orientiert, so handelt es sich um ein partiarisches Darlehen. Diese Komponente kann unterschiedliche Ausgestaltungen annehmen, wie etwa ein Partizipieren am Überschuss der Gesellschaft. Auch eine zugesicherte Beteiligung am Unternehmen ist als Zinszahlung denkbar. Die daraus resultierenden Ansprüche sind im Falle einer Insolvenz stets wie Anrechte aus Fremdkapital zu werten. Ausgeschlossen bleibt eine Verlustbeteiligung der Gläubiger (vgl. Drukarczyk 2008: 412).

2.2.4 Stille Beteiligung

Für die stille Beteiligung gelten die Vorschriften, die im HGB in den §§ 230–236 zu finden sind. Dort ist definiert, dass ein stiller Gesellschafter derjenige ist, der eine Vermögenseinlage in ein Handelsgewerbe eines anderen einbringt. Dieses geht dabei in das Vermögen des Inhabers über (§ 230 Abs. 1 HGB). Zwingend erforderlich ist eine Beteiligung am Gewinn, dispositiv ist hingegen eine Verlustbeteiligung (§ 231 Abs. 2 HGB). Ist eine solche vereinbart, so ist die Teilnahme am Verlust auf die Einlage begrenzt. Tritt eine Verminderung der Einlage durch Verlust ein, so sind künftige Gewinnanteile so zu verwenden, dass es zur Wiederauffüllung des Kapitaleinsatzes kommt (§ 232 Abs. 2 HGB). Im § 230 HGB ist das Kontrollrecht kodifiziert, das dem stillen Gesellschafter das Recht gibt, eine Abschrift des Jahresabschlusses zu verlangen, um die Korrektheit der Unterlagen zu prüfen. Allerdings hat der stille Gesellschafter nicht die Befugnisse eines normalen Gesellschafters (vgl. Drukarczyk 2008: 412).

Im Falle der Kündigung der stillen Beteiligung (§ 234 HGB) gilt gemäß § 132 HGB eine Frist von mindestens sechs Monaten zum Ende des Geschäftsjahres. Die Auszahlungsforderungen des stillen Gesellschafters ergeben sich abhängig von der Vertragsgestaltung. Denkbar ist der Nominalanspruch, der sich aus der eingezahlten Einlage minus nicht aufgefüllter Verlustanteile plus entnommener Gewinnanteile ergibt, oder auch ein Anrecht auf einen Anteil am Unternehmenswert (vgl. Drukarczyk 2008: 412).

Kommt es zur Insolvenz, so kann der typische stille Gesellschafter im Rahmen der Insolvenzforderung die Einlage abzüglich der aufgetretenen Verluste beanspruchen (§ 236 Abs. 1 HGB). Dies bedeutet also, dass die Einlage nicht wie Eigenkapital behandelt wird (vgl. Drukarczyk 2008: 412).

Wird im Gesellschaftsvertrag von den zwingenden und dispositiven Regelungen der §§ 230–236 HGB abgewichen, liegt demzufolge handelsrechtlich eine atypische stille Gesellschaft vor. Dabei genügt eine Abweichung in nur einem Punkt von den im Handelsrecht kodifizierten Regelungen. Steuerrechtlich liegt eine Form der typischen stillen Gesellschaft vor, wenn der stille Gesellschafter Gläubiger ist. Wird er als Mitunternehmer definiert, handelt es sich folglich um die atypische Form der stillen Beteiligung. Bei der atypischen stillen Gesellschaft partizipiert der Gesellschafter an den stillen Rücklagen sowie am Firmenwert. Andererseits haftet er mindestens bis zur Höhe seiner Einlage (vgl. Bieg/Kußmaul 2009: 218).

Ist der stille Gesellschafter grundsätzlich sowohl an den Verlusten als auch an der Wertsteigerung des Unternehmens beteiligt und hat er damit eine eigenkapitalähnliche Position, so handelt es sich um eine atypische stille Gesellschaft. Häufig anzutreffen ist eine vertragliche Vereinbarung, welche die Rückforderung des den Verlust übersteigenden Anteils der Einlage als nachrangig definiert. Damit würde im Insolvenzfall die Regelung des § 236 Abs. 1 HGB keine Anwendung finden (vgl. Drukarczyk 2008: 412).

2.2.5 Genussrechte, Genussscheine

Eine weitere hybride Finanzierungsform sind die Genussrechte oder auch Genussscheine. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Begriffe synonym verwendet. Im engeren Sinne sind Genussscheine allerdings in einer Urkunde verbriefte Genussrechte (vgl. Bieg/Kußmaul 2009: 220).

Mit Genussrechten erhält der Inhaber Vermögensrechte an einem Unternehmen. Nicht darin enthalten sind Stimm- oder Mitwirkungsrechte. Damit bekommt der Eigner eines Genussrechts einen gewissen Anteil am Reingewinn oder am Liquidationserlös oder eine Kombination daraus. Wie auch bei den anderen Varianten obliegt es der Ausgestaltung der Genussrechte, ob sie bilanziell als Eigen- oder Fremdkapital gewertet werden. Da es gesetzlich so gut wie keine Restriktionen für die Festlegung der Rahmenbedingungen für diese Form des Mezzanine-Kapitals gibt, kann dieses Instrument sehr flexibel an die Anforderungen des zu finanzierenden Unternehmens angepasst werden (vgl. Fölkersamb et al. 2009: 52). Der Nachteil der vielfältigen Möglichkeiten bei der Ausgestaltung liegt beim Anleger. Im Vorfeld der Anlageentscheidung sind hohe Informationskosten sowie ein hoher Sachverstand notwendig (vgl. Drukarczyk 2008: 345). Der Vorteil aus den diversen gestalterischen Möglichkeiten liegt darin, dass vertragliche und im Normalfall erfüllbare Bedingungen denkbar sind, woraus eine steuerliche Abzugsmöglichkeit für Ausschüttungen auf Genussrechte bei gleichzeitiger präziser Abstufung der Mitbestimmungsrechte der Inhaber machbar sind (vgl. Drukarczyk 2008: 413).

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Details

Titel
Mezzanine-Kapital als Finanzierungsform deutscher Unternehmen
Untertitel
Stellenwert vor dem Hintergrund der Finanzkrise
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
28
Katalognummer
V196753
ISBN (eBook)
9783656228318
ISBN (Buch)
9783656228646
Dateigröße
647 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mezzanine, hybrid Kapital, Finanzierung, Nachrang, Bank, Bilanz, Steuern, Vorteil, Eigenkapital, Fremdkapital
Arbeit zitieren
Tuptus Virtual (Autor), 2012, Mezzanine-Kapital als Finanzierungsform deutscher Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196753

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