Das Phänomen der Synästhesie ist der Menschheit sehr mehr als 300 Jahren bekannt, in der Wissenschaft führte es jedoch lange Zeit ein Schattendasein. Erst seit rund 30 Jahren befassen sich Neurologen und Psychologen wieder mit dieser Verknüpfung menschlicher Sinneswahrnehmungen, die über erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit in den Massenmedien berichtet wird. Oft machen Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel synästhetisch begabte Menschen erst auf die Besonderheit ihrer Wahrnehmungen aufmerksam.
Auch wenn aktuellen Schätzungen zufolge nur jeder 200. oder 300. Mensch Synästhetiker ist, so gehen doch Synästhesieforscher davon aus, dass in jedem Menschen Anlagen für synästhetisches Empfinden latent vorhanden sind.
Sollte es dann möglich sein, diese in einem Menschen zu erwecken und zu fördern?
Als Studentin der Kunstpädagogik ist mir im Laufe meines Studiums immer wieder der Begriff des „Ästhetischen Lernens“ oder auch des „Lernens mit allen Sinnen“ begegnet, das sich der Anregung und des Gebrauchs verschiedener Sinnesreize bedient und über diese Kanäle Schüler, vor allem im Kunstunterricht, zu kreativem Arbeiten anzuregen versucht.
Nicht alle Menschen werden als kreative Persönlichkeit geboren, aber jeder ist zumindest auf bestimmten Gebieten und unter bestimmten Voraussetzungen zu kreativen Einfällen und Tätigkeiten in der Lage. Günstige Umweltbedingungen und Arbeitstechniken können dieses kreative Handeln fördern.
Könnte nun die Anregung verschiedener Sinneskanäle, eine Art synästhetisches Training, eine dieser kreativitätsfördernden Bedingungen darstellen? Dies soll in der Arbeit untersucht werden.
Ich gehe zunächst auf die zentralen Begriffe der Synästhesie und der Kreativität ein, an die sich eine kurze Beschreibung meines empirischen Forschungsvorhabens anschließt. Im Anschluss daran werden das Synästhesietraining und dessen Ergebnisse genauer betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SYNÄSTHESIE
2.1 Was ist Synästhesie?
2.2 Die Geschichte der Synästhesie
2.3 Die Wiederentdeckung der Synästhesie in der Wissenschaft
2.4 Erscheinungsformen der Synästhesie
2.5 Wie Synästhetiker die Welt erleben
3 KREATIVITÄT
3.1 Was ist Kreativität?
3.2 Das kreative Produkt
3.3 Der kreative Prozess
3.4 Die kreative Person
3.5 Kreativitätsfördernde und kreativitätshemmende Faktoren
4 VORHABEN
5 BESCHREIBUNG DER SCHULE UND DER BEIDEN KLASSEN
6 ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE EINSCHÄTZUNG DER SCHÜLER UND IHRER ZEICHNERISCHEN FÄHIGKEITEN
7 KREATIVITÄTSTEST 1, TRAININGS- UND KONTROLLGRUPPE
7.1 Planung der Stunde und Auswahl der Testaufgaben
7.2 Ablauf der Stunde
7.3 Auswertung des Tests
8 KREATIVITÄTSTEST 1 (29.10.2007) - AUSWERTUNG
8.1 Fazit
9 MALEN ZU MUSIK, 1. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING
9.1 Planung der Stunde
9.2 Auswahl der Musik
9.3 Der Ablauf der Stunde
9.4 Fazit
10 TASTZEICHNEN, 2. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING
10.1 Planung der Stunde
10.2 Auswahl der zu zeichnenden Objekte
10.3 Der Ablauf der Stunde
10.4 Fazit
11 RIECHPARCOURS, 3. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING
11.1 Planung der Stunde
11.2 Auswahl der Gerüche
11.3 Der Ablauf der Stunde
11.4 Fazit
12 ARBEITEN MIT TON ZU EINER VORGELESENEN GESCHICHTE, 4. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING
12.1 Planung der Stunde
12.2 Auswahl der Geschichte
12.3 Ablauf der Stunde
13 ASSOZIIEREN UND MALEN ZU GERÄUSCHEN, 5. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING
13.1 Planung der Stunde
13.2 Auswahl der Geräusche
13.3 Der Ablauf der Stunde
13.4 Fazit
14 KREATIVITÄTSTEST 2, TRAININGS- UND KONTROLLGRUPPE
14.1 Planung der Stunde und Auswahl der Testaufgaben
14.2 Ablauf der Stunde
14.3 Auswertung des Tests
15 KREATIVITÄTSTEST 2 (17.12.2007) - AUSWERTUNG
15.1 Fazit
16 VERGLEICH VON TEST 1 UND TEST 2
17 ABSCHLIEßENDE ANALYSE UND FAZIT
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die gezielte Anregung verschiedener Sinneskanäle durch ein sogenanntes Synästhesietraining als kreativitätsfördernde Maßnahme im schulischen Unterricht fungieren kann. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob durch solche multisensorischen Anregungen die individuelle Kreativleistung von Schülern in der Förderstufe gesteigert werden kann.
- Grundlagen der Synästhesie (Phänomenologie, Geschichte, wissenschaftliche Erkenntnisse)
- Definition und Entwicklung von Kreativität
- Empirisches Forschungsvorhaben: Durchführung eines Synästhesietrainings
- Methodische Gestaltung von Trainingseinheiten (Musik, Tastsinn, Geruchssinn, Tonarbeit)
- Quantitative Überprüfung der Kreativleistung mittels Vortest und Nachtest
Auszug aus dem Buch
2.1 Was ist Synästhesie?
Der Begriff „Synästhesie“ stammt aus dem Griechischen. „Syn“ bedeutet „zusammen“, „aisthésis“ „Empfinden“. Der Duden beschreibt Synästhesie als „Reizempfindung eines Sinnesorgans bei Reizung eines anderen“.
Synästhesie ist das Resultat einer speziellen Vernetzung im Gehirn und beruht auf einem zusätzlichen Kanal der Wahrnehmung. Bei Synästhetikern sind mehrere unterschiedliche Sinneswahrnehmungen miteinander verknüpft. Manche Synästhetiker sehen Buchstaben und Zahlen farbig, andere können Worte schmecken. Die häufigste Form der Synästhesie ist das so genannte „Farbenhören“, bei dem Töne in bunten Farben gesehen werden. Diese Wahrnehmungen treten unfreiwillig auf und werden als real und nicht als willentlich herbeigeführte Vorstellung vor dem geistigen Auge empfunden.
Über den Anteil von Synästhetikern in der Bevölkerung kann nur spekuliert werden. Gingen Forscher früher noch davon aus, dass höchstens vier von 100.000 Menschen eine synästhetische Begabung aufwiesen, so gehen Schätzungen aus den 1990er Jahren von einem Synästhetiker unter 2000 Menschen aus, neuere Erkenntnisse sogar von einem von 300 bzw. 200. Da sich viele Synästhetiker der Besonderheit ihrer Wahrnehmungen nicht bewusst sind, oder diese aus Angst, für nicht normal gehalten zu werden, anderen gegenüber nicht preisgeben, dürfte die Dunkelziffer noch um einiges höher liegen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Autorin führt in das Phänomen der Synästhesie ein und beschreibt ihre persönliche Motivation, das Potenzial dieses Phänomens für die Förderung kreativer Prozesse im Kunstunterricht zu untersuchen.
2 SYNÄSTHESIE: Dieser theoretische Teil beleuchtet Definitionen, die wissenschaftliche Historie, neurologische Grundlagen sowie die subjektiven Erlebensweisen von Synästhetikern.
3 KREATIVITÄT: Es werden zentrale Theorien zum Kreativitätsbegriff, zu den Merkmalen eines kreativen Produkts sowie zu kreativen Prozessen und Personen dargelegt.
4 VORHABEN: Dieses Kapitel erläutert das empirische Forschungsdesign und die Absicht, durch ein fünfwöchiges Training die Kreativität von Schülern gezielt anzuregen.
5 BESCHREIBUNG DER SCHULE UND DER BEIDEN KLASSEN: Die Rahmenbedingungen des Forschungsprojekts an der Heinrich-Böll-Schule werden vorgestellt, inklusive der Zusammensetzung der Trainings- und der Kontrollgruppe.
6 ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE EINSCHÄTZUNG DER SCHÜLER UND IHRER ZEICHNERISCHEN FÄHIGKEITEN: Die Arbeit ordnet die Zielgruppe in die entwicklungspsychologische Phase der "späten Kindheit" ein und beschreibt deren charakteristische zeichnerische Entwicklung.
7 KREATIVITÄTSTEST 1, TRAININGS- UND KONTROLLGRUPPE: Der Ablauf und die methodische Planung des ersten, noch vor dem Training durchgeführten Kreativitätstests werden detailliert beschrieben.
8 KREATIVITÄTSTEST 1 (29.10.2007) - AUSWERTUNG: Die Ergebnisse des Vortests werden analysiert, um eine Ausgangsbasis für den Vergleich mit der Kontrollgruppe zu schaffen.
9 MALEN ZU MUSIK, 1. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING: Die erste praktische Trainingseinheit widmet sich der auditiv-visuellen Verknüpfung durch das Malen zu verschiedenen Musikstücken.
10 TASTZEICHNEN, 2. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING: Der Fokus dieser Stunde liegt auf dem haptischen Zugang, indem Gegenstände ertastet und anschließend zeichnerisch umgesetzt werden sollen.
11 RIECHPARCOURS, 3. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING: Eine "Duftbar" dient als Impulsgeber, um Gerüche in Wortassoziationen und visuelle Darstellungen zu überführen.
12 ARBEITEN MIT TON ZU EINER VORGELESENEN GESCHICHTE, 4. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING: Durch das Medium Ton wird eine dreidimensionale gestalterische Umsetzung von gehörten Inhalten erprobt.
13 ASSOZIIEREN UND MALEN ZU GERÄUSCHEN, 5. DOPPELSTUNDE SYNÄSTHESIETRAINING: Die letzte Trainingseinheit nutzt gezielte Geräusche aus dem Alltag und der Natur, um spontane kreative Assoziationen zu fördern.
14 KREATIVITÄTSTEST 2, TRAININGS- UND KONTROLLGRUPPE: Es wird die Planung des abschließenden Tests erläutert, der die Effektivität des Trainings messen soll.
15 KREATIVITÄTSTEST 2 (17.12.2007) - AUSWERTUNG: Die Daten des Nachtests werden ausgewertet und für die Klassen dokumentiert.
16 VERGLEICH VON TEST 1 UND TEST 2: Die Ergebnisse beider Tests werden einander gegenübergestellt, um Veränderungen in der Kreativleistung der Schüler quantitativ zu belegen.
17 ABSCHLIEßENDE ANALYSE UND FAZIT: Die Autorin interpretiert die Ergebnisse und resümiert den Einfluss des Synästhesietrainings auf die Kreativitätsentwicklung der Schüler.
Schlüsselwörter
Synästhesie, Kreativität, Kunstunterricht, kreatives Produkt, kreativer Prozess, Wahrnehmung, Sinneskanäle, Synästhesietraining, Förderstufe, empirische Studie, kreative Person, visuelle Gestaltung, Assoziationen, Kreativitätsforschung, Schulpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob ein gezieltes Training der multisensorischen Wahrnehmung (Synästhesietraining) dazu beitragen kann, die Kreativleistung von Schülern im Kunstunterricht zu steigern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft theoretische Grundlagen zur Synästhesie und zum Kreativitätsbegriff mit einem empirischen Schulpraxis-Projekt in der Förderstufe einer Gesamtschule.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob Schüler durch die bewusste Anregung verschiedener Sinneskanäle (Hören, Tasten, Riechen) zu einer gesteigerten kreativen Ausdrucksfähigkeit gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung folgt einem empirischen Forschungsdesign, bestehend aus einer Trainingsgruppe und einer Kontrollgruppe, wobei die Kreativleistung durch standardisierte zeichnerische Aufgaben vor und nach der fünfwöchigen Trainingsphase gemessen wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil dokumentiert detailliert die Vorbereitung, den Verlauf und die Auswertung von fünf Trainingseinheiten, in denen verschiedene Sinne als kreative Impulsgeber eingesetzt wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Synästhesie, Kreativität, kreatives Produkt, kreativer Prozess, Wahrnehmung, Sinneskanäle, Synästhesietraining, Förderstufe und kreative Person.
Welche Rolle spielt die Kontrollgruppe im Projekt?
Die Kontrollgruppe dient dem wissenschaftlichen Vergleich, um sicherzustellen, dass die gemessenen Steigerungen der Kreativleistung in der Trainingsgruppe tatsächlich auf das Training zurückzuführen sind und nicht bloß auf einen Gewöhnungseffekt an die Testaufgaben.
Wie lautet das Fazit der Autorin zum Synästhesietraining?
Die Autorin stellt eine deutliche Steigerung der Kreativleistung bei der Trainingsgruppe fest und schlussfolgert, dass die freieren Arbeitsformen und die multisensorische Anregung das kreative Potenzial der Schüler positiv beeinflussen konnten.
Welches Material wurde in der vierten Doppelstunde verwendet?
In dieser Stunde wurde Ton eingesetzt, damit die Schüler gehörten Inhalt aus einer vorgelesenen Geschichte ("Der zugeschneite Salon" von Tove Jansson) in ein dreidimensionales Objekt umsetzen konnten.
Welche Herausforderungen zeigten sich beim "Tastzeichnen"?
Die Schüler tendierten dazu, den Fokus eher auf das schnelle Erraten der Gegenstände in den Beuteln zu legen, anstatt sich intensiv und langsam auf die haptische Erfahrung der Oberflächenstrukturen einzulassen.
- Citation du texte
- Christine Moje (Auteur), 2009, Steigerung der Kreativleistung durch Synästhesietraining in der Förderstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196852