Handelspolitik von Entwicklungsländern und Schwellenländern im Zuge der Globalisierung


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2012
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zielstellung:

3. Definition von Entwicklungsländern im ökonomischen Sinn:

4. Handelspolitische Zusammenschlüsse von Entwicklungsländern

5. Globalisierung und Weltwirtschaft - Zielsetzung der Forschung

6. Abgrenzung von Schwellenländern gegenüber Entwicklungsländern

7. Was zeichnete die frühere Handelspolitik der Entwicklungsländer aus?

8. Wie wurden die Entwicklungsländer und deren Handelspolitik von der neueren Globalisierung erfasst?

9. Ausblick und Resümee

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die derzeitige Weltwirtschaft ist geprägt von umfassender Globalisierung der Märkte. Der damit einhergehende internationale Handel betrifft Industrienationen und Entwicklungsländer in unterschiedlicher Ausprägung. Die Analyse der Handelspolitik von Entwicklungsländern kann dabei mit denselben Instrumenten analysiert werden wie diejenigen der fortschrittlichen Ländern bzw. Industriestaaten.

In früheren Entwicklungsphasen der Handelspolitik von Entwicklungsländern war diese geprägt von Protektionismus und Binnenmarktorientierung mit der Folge, einer schwachen Internationalisierung dieser Länder. Der Abstand zu den klassischen Industriestaaten konnte nicht verringert werden, da diese Industriestatten sich selbst im Umfeld der ersten Globalisierungsphase positiv international weiterentwickeln konnten.

Durch die Abkehr von Protektionismus, durch den Wandel der politischen Strukturen und die damit einhergehende Liberalisierung konnten sich jedoch in der jüngeren Globalisierungsphase, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ihren zeitlichen Ursprung hatte, zahlreiche Entwicklungsländer im Windschatten der allgemeinen Internationalisierungsdynamik erfolgreich fortentwickeln.

Die Anteile an den Weltgütermärkten, die Volumina an Direktinvestitionen und die Zuflüsse an Portfoliokapital konnten in dieser Ländergruppe zunehmen, obgleich nicht für jedes dieser Entwicklungsländer in gleicher Ausprägung.

Im Ergebnis ist heute die Mehrheit der Entwicklungsländer mit in den Welthandel eng eingebunden. Exportquoten1 von 20 und 30 % und vereinzelt darüber hinaus konnten für diese Länder verzeichnet werden. Der Abstand zu den sogenannten OECD2 Ländern konnte weitestgehend aufgeholt werden.

Im Zuge der jüngeren Globalisierungsphase haben sich die OECD Länder selbst dynamisch weiter entwickeln können mit der Folge, dass von den weltwirtschaftlichen Interaktionen viele Entwicklungsländer profitieren konnten. Heute macht der Exportumsatz der OECD Länder mit den Entwicklungsländern rund 25 % aus, was einem Anstieg von 40 Prozent innerhalb der letzten 20 Jahre ausmacht.

Der Außenhandel der Entwicklungsländer mit den OECD Ländern hingegen beträgt aktuell rund 60 Prozent des gesamten Außenhandels der Entwicklungsländer. Dabei erfolgte auch eine Diversifizierung des Außenhandels zu Gunsten des Exports von Industrieerzeugnissen durch die Entwicklungsländer, der im Jahr 1996 sogar 84 Prozent betrug3.

2. Zielstellung:

Im Rahmen dieses Aufsatzes solle die Entwicklung der Handelspolitik der Entwicklungs- länder in deren unterschiedlichen Phasen dargestellt und erörtert werden, insbesondere im Vergleich zu den OECD Ländern. Hierbei soll die dafür verantwortliche Handelspolitik analysiert werden. Vorausgehend ist es notwendig, zunächst die Definition und Klassifizie- rung von Entwicklungsländern vorzunehmen. Darüber hinaus soll ausblickend aufgeführt werden, welche zukünftigen Folgen die eine neuausgerichtete Handelspolitik der Entwick- lungsländer für die weitere Internationalisierung der Märkte haben kann und ob diese am Ende überhaupt isoliert betrachtet und analysiert werden kann und sollte.

3. Definition von Entwicklungsländern im ökonomischen Sinn:

Eine anerkannte Definition von Entwicklungsländern und Schwellenländern existiert im ökonomischen Sprachgebrauch nicht. Im allgemeinen Sprachgebrauch geht man davon aus, dass ein Entwicklungsland hinsichtlich seiner wirtschaftlichen, sozialen und politi- schen Entwicklung einen relativ niedrigen Stand im Vergleich zu den Nichtentwicklungs- ländern aufweist.

Man bezeichnet solche Länder auch als „arm“. Wesentlich für die Einstufung eines Landes als Entwicklungsland ist der hierfür anzuwendende Maßstab. Im Internationalen Sprachgebrauch finden auch die Begriffe Dritte Welt oder Vierte Welt als Synonyme für die Bezeichnung Entwicklungsland Anwendung.

Um im wirtschaftlichen Sinn eine Einordnung von Entwicklungsländern vornehmen zu können, werden die folgenden Merkmale quasi als Maßstab verwendet.4

- geringes Pro-Kopf-Einkommen
- extrem ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung (siehe auch Gini- Koeffizient)
- niedrige Spar- und Investitionstätigkeit
- bedeutende Rolle des primären und des informellen Sektors
- passive Handelsbilanz
- einseitige Exportpalette
- außenwirtschaftliche Ausrichtung auf die Industrieländer
- schlechte Handelsbedingungen (Terms of Trade)
- hohe Auslandsverschuldung
- Kapitalflucht
- starke regionale Disparitäten zwischen Zentrum und Peripherie
- hohe Arbeitslosigkeit
- unzureichende Infrastruktur

Eine weitere ökonomische Beurteilungsmöglichkeit besteht in der Messung der Wert- schöpfung von Entwicklungsländern. In den meisten Entwicklungsländern ist die Masse der arbeitenden Bevölkerung im primären Sektor oder auch Primärsektor5 tätig. Gerade im Primärsektor ist der Anteil der Wertschöpfung sehr gering, das heißt volkswirtschaftlich wird kaum eine Wertsteigerung erzielt. Meist werden die Produkte des Primärsektors in die reichen Industriestaaten exportiert (landwirtschaftliche Produkte, Bodenschätze), wo diese im Sinne einer dynamisch sich steigernden Wertschöpfung veredelt und gehandelt werden. Damit wird die eigentliche Wertschöpfung zunächst wohltandsverhindernd von den Entwicklungsländern in die Industrieländer nachhaltig verlagert.6

Neben der Beurteilung von Entwicklungsländern anhand ökonomischer Merkmale, existie- ren auch Klassifizierungen nach ökologischen, demographischen, volksgesundheitlichen, soziokulturellen und politischen Merkmalen. Meistens treten die die vorgenannten Merk- male zur Klassifizierung von Entwicklungsländern gemeinsam in unterschiedlicher Aus- prägung zueinander auf.

Eine Möglichkeit der Unterscheidung von Entwicklungsländern gegenüber anderen Ländern erfolgt auf Basis der Bewertung nach dem menschlichen Entwicklungsstand. Bei dieser Klassifizierung werden jedoch ökonomische Skalierungen weitestgehend außen vor gelassen, sodass eine Analyse der Handelspolitik der Entwicklungsländer auf dieser Basis zu keinem vernünftigen Ergebnis führt. Als Länder mit geringer oder mittlerer Entwicklung werden vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) zur Zeit ca. 120 von 175 im Index der menschlichen Entwicklung (HDI7 ) statistisch erfassten Ländern eingestuft.8 Der HDI unterscheidet hierbei zwischen

- Länder mit hoher menschlicher Entwicklung9,
- Länder mit geringer menschlicher Entwicklung10.

[...]


1 Exporte in Prozent des Bruttoinlandprodukt

2 OECD = Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, auf Englisch „Organisation for Economic Cooperation and Development“. Es handelt sich um eine internationale Organisation mit 34 Mitgliedstaaten mit der sich selbst auferlegten Verpflichtung zu Demokratie und Marktwirtschaft. Die Mehrheit der OECD-Mitglieder gehört zu den Ländern mit einem hohem Pro-Kopf-Einkommen).

3 Bpb; Bundeszentrale für politische Bildung, Dieter Bender, Internationale Handelspolitik und wirtschaftliche Integration der Entwicklungsländer, Bonn 2002

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Entwicklungsland

5 Diesen primären Sektor bezeichnet man auch als Urproduktion genannt. Die Urproduktion liefert Rohstoffe für ein Produkt. Zu diesem Sektor gehören z. B. der Anbau und die Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Holzernte in der Forstwirtschaft, der Fischfang, das Erlegen von Wild bei der Jagd, das Schlachten von Vieh, die Nutzung von Wasserkraft. Die Einordnung des Bergbaus in den Primärsektor ist umstritten, obwohl auch dieser Sektor unverfeinerte Rohstoffe liefert. Man kann zwischen einer engen Definition und einer wei- ten Definition des Primärsektors unterscheiden. In der engeren Definition der Branchenstruktur rechnet man nur Land-, Forstwirtschaft und Fischerei dem Primärsektor zu, in der weiterer Definition jedoch auch der Bergbau. In vielen Entwicklungsländern ist der Anteil der Bevölkerung, der im primären Wirtschaftssektor arbeitet, wesentlich höher als in den Industrienationen. Es gibt grundsätzlich eine inverse Korrelation zwischen dem Anteil der Beschäftigten im Primärsektor und dem Entwicklungsstand eines Staates. Der Primärsektor stellt die Grund- bzw. Rohstoffe her, die der sekundäre Sektor weiterverarbeitet.

6 Historisch liegen hierbei die Wurzeln auch in der Kolonialisierung dieser Entwicklungsländer.

7 HDI = Human Development Index, wird jährlich aktualisiert.

8 Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Entwicklungsland.html

9 Z.B. Deutschland, USA, Österreich, Schweiz.

10 Z.B. Russland, Ukraine, Türkei, Indien.

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Details

Titel
Handelspolitik von Entwicklungsländern und Schwellenländern im Zuge der Globalisierung
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V196880
ISBN (eBook)
9783656234005
ISBN (Buch)
9783656234401
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trade policy, Handelspolitik, Entwicklungsländer, Schwellenländer
Arbeit zitieren
Rainer Schenk (Autor), 2012, Handelspolitik von Entwicklungsländern und Schwellenländern im Zuge der Globalisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196880

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