Die Hausarbeit ist so aufgebaut, dass sie sowohl einen umfassenden Überblick über das Geschehen vermittelt als auch herausarbeitet, unter welchen Bedingungen Jeanne d'Arcs eigenes Frauenbild entstanden ist. Dazu beginnt die Arbeit mit einer Einführung in den Hundertjährigen Krieg und leitet unmittelbar auf Jeanne d'Arcs Lebensgeschichte über. Anschließend wird das Frauenbild des Mittelalters knapp charakterisiert. Daran schließt sich der Hauptteil der Arbeit an, der der Frage nachgeht, inwiefern Jeanne d'Arc dem Frauenbild dieser Zeit entsprach. Dazu wird Literatur aus der Bibliographie verwendet. Hauptsächlich sind allerdings die Werke von Wolfgang Müller, Gerd Krumeich, Christiane Klapisch-Zuber, Sabine Tanz und Edith Ennen für das Thema einzubinden. Von dieser methodischen Vorgehensweise erhoffe ich mir, dass sich der Leser, durch die Hinführung zum Hauptthema, in die Zeit des Hundertjährigen Krieges hineinversetzen kann und unter diesem und nicht unter heutigem Blickwinkel die Zeit, in der Jeanne d'Arc lebte, betrachten wird. Des Weiteren erhoffe ich mir davon, dass eine bessere, klarere und vor allem verständnisvolle Auslegung Jeanne d'Arcs Denkens und Handelns ermöglicht wird. Darüber hinaus soll ein objektiver, aber dennoch standortgebundener Rahmen zur Ermittlung Jeanne d'Arcs Frauenbilds erstellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtliche Einordnung
3 Jeanne d'Arc
3.1 Ein Bauernmädchen aus Domrémy
3.2 Aufstieg und Gefangennahme
3.3 Der Inquisitionsprozess von Rouen
4 Das Frauenbild im 14. und 15. Jahrhundert
5 Das Frauenbild des 14. und 15. Jahrhunderts im Vergleich mit Jeanne d'Arc
6 Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Persönlichkeit Jeanne d'Arc vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Frauenbilder des 14. und 15. Jahrhunderts. Die zentrale Forschungsfrage lautet dabei, inwieweit Jeanne d'Arcs Denken und Handeln dem Frauenideal ihrer Zeit entsprach oder ob sie als Ausnahmeerscheinung außerhalb der gesellschaftlichen Normen agierte.
- Historischer Kontext des Hundertjährigen Krieges in Frankreich
- Analyse der Lebensgeschichte und Visionen von Jeanne d'Arc
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rollenerwartungen an Frauen im Spätmittelalter
- Vergleichende Analyse zwischen Jeanne d'Arcs Auftreten und dem mittelalterlichen Frauenbild
- Reflektion über individuelle Selbstbestimmung versus kirchliche und soziale Konventionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Ein Bauernmädchen aus Domrémy
Der Name des Bauernmädchens war Jeanne d'Arc. Sie stammte aus dem Raum Lothringen. Dieser Raum erstreckte sich zwischen dem Vogesenkamm im Osten und den Gebirgszügen im Westen der Maas. Mithin war Jeanne Lothringerin. Sie wurde etwa um 1411 (nach eigenen Angaben) in Domrémy geboren. Domrémy unterstand zusammen mit seiner Nachbargemeinde Greux der Herrschaft der Bourlémonts, von der das Dorf verwaltet wurde. Die Familie Bourlémont geriet in der Zeit, in der Jeanne aufwuchs in eine Krise, sodass das Erbe über Umwege an Jean Biget und Jeannes Vater Jacques d'Arc fiel. In diesen Jahren veränderte sich die Umgebung bei den Bauern von Domrémy wesentlich. Durch die Verwirrungen bezüglich der Herrschaftsmächte hatte das Dorf keinen unmittelbaren Schutz mehr. Diese Erfahrungen der Unsicherheit prägten die Kindheit Jeanne d'Arcs. Neben ihren Eltern, Jacques d'Arc und Isabelle Rommée, besaß Jeanne, wie in dem Adelspatent von 1429 benannt, drei Brüder (Jacques, Jean und Pierre). Jeannes Vater war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Arbeiter bzw. Bauer. Er lebte von der Landarbeit, bei der Jeanne half, indem sie hinter dem Pflug herging, das Vieh hütete und häusliche Arbeiten verrichtete. Die Familienmitglieder der Familie d'Arc waren nach Aussagen der Dorfbewohner „gute und gläubige Katholiken“. Auch Jeanne wurde als Mensch von ruhiger, freundlicher Wesensart, gegenüber Armen und Kranken stets hilfs- und opferbereit beschrieben, die regelmäßig die Kirche und andere heilige Orte besuchte, Gottesdienste frequentierte, häufig zu den Sakramenten ging und den Küster tadelte, wenn er das Läuten der Stundengebete vergaß. So gesehen war sie eine „Vorbild-Katholikin“ und ihre Kindheit unterschied sich nicht von der ihrer Altersgefährten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung der Hausarbeit bezüglich der historischen Einordnung von Jeanne d'Arc im Kontext der mittelalterlichen Frauenrolle.
2 Geschichtliche Einordnung: Dieses Kapitel liefert den politischen Hintergrund über die Krise der französischen Monarchie und den Hundertjährigen Krieg.
3 Jeanne d'Arc: Hier werden die biografischen Grundlagen von der Kindheit in Domrémy über ihren Aufstieg bis hin zum Inquisitionsprozess in Rouen detailliert dargestellt.
4 Das Frauenbild im 14. und 15. Jahrhundert: Es erfolgt eine Analyse der allgemeinen gesellschaftlichen, rechtlichen und religiösen Normen, die das Leben von Frauen im Spätmittelalter bestimmten.
5 Das Frauenbild des 14. und 15. Jahrhunderts im Vergleich mit Jeanne d'Arc: Der Hauptteil vergleicht die Anklagepunkte aus dem Inquisitionsprozess mit den gesellschaftlichen Erwartungen an eine Frau dieser Zeit.
6 Auswertung: Die Auswertung zieht das Fazit, dass Jeanne d'Arc durch ihre Vorbildfunktion, ihr Handeln und ihre Selbstbestimmung in Konflikt mit den zeitgenössischen Frauenbildern geriet.
Schlüsselwörter
Jeanne d'Arc, Mittelalter, Frauenbild, Hundertjähriger Krieg, Inquisitionsprozess, Geschlechterrolle, Frankreich, Domrémy, Religiosität, Häresie, Selbstbewusstsein, Geschichte, Kirche, Normen, Visionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Figur Jeanne d'Arc und untersucht kritisch, inwieweit ihr Verhalten und ihre Rolle in der Gesellschaft des 14. und 15. Jahrhunderts den damaligen Normen für Frauen entsprachen oder von diesen abwichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Hundertjährige Krieg, die Rolle der Kirche bei der Festlegung von Frauenrollen, die persönliche Biografie der Jeanne d'Arc sowie die juristische Aufarbeitung ihrer Taten im Rahmen des Inquisitionsprozesses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Jeanne d'Arc eine „Frau ihrer Zeit“ war oder ob ihr Handeln als bewusster Bruch mit den sozialen und geschlechtsspezifischen Konventionen des Spätmittelalters zu interpretieren ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie die schriftlichen Überlieferungen der Inquisitionsprozesse sowie historische Fachliteratur heranzieht, um das Handeln von Jeanne d'Arc in einen vergleichenden Kontext zur zeitgenössischen Lebenswelt zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den Vergleich der konkreten Anklagepunkte des Prozesses von Rouen – wie das Tragen von Männerkleidung oder die Missachtung elterlicher Autorität – mit den allgemeinen gesellschaftlichen und klerikalen Richtlinien für mittelalterliche Frauen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Frauenbild“, „Häresie“, „Selbstbewusstsein“, „Mittelalter“ und den politischen Kontext Frankreichs im 15. Jahrhundert charakterisiert.
Warum wurde das Tragen von Männerkleidung für Jeanne d'Arc zum zentralen Anklagepunkt?
Im mittelalterlichen Kontext symbolisierte die Kleidung die soziale Ordnung und das Geschlecht. Das Tragen von Männerkleidung galt nicht nur als Verstoß gegen die Kleiderordnung, sondern wurde als Ausdruck von Aufsässigkeit und als Angriff auf die göttlich gewollte Geschlechterhierarchie gewertet.
Welche Rolle spielte die Religiosität bei der Beurteilung von Jeannes Handeln?
Ihre Religiosität war ein zweischneidiges Schwert: Während sie einerseits als „Vorbild-Katholikin“ beschrieben wurde, führten ihre Visionen und ihr direktes Handeln „im Namen Gottes“ dazu, dass die Kirche sie als Bedrohung wahrnahm, da sie sich der vermittelnden Rolle der kirchlichen Institution entzog.
- Arbeit zitieren
- Josephine Ottersbach (Autor:in), 2010, Jeanne d'Arc. Eine Frau ihrer Zeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196889