Genese des modernen Kapitalismus

Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Modelle von Max Weber und Werner Sombart


Seminararbeit, 2009

21 Seiten, Note: 5,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

3. Ergebnisse
3.1 Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
3.2 Liebe, Luxus und Kapitalismus, über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung
3.3 Vergleich der beiden Arbeiten

4. Schlussbetrachtung

5. Quellen

1. Einleitung

Max Weber und Werner Sombart beschäftigten sich zeitgleich mit dem sog. „Geist des Kapitalismus“. Sombart gab 1902 sein Hauptwerk „Der moderne Kapitalismus“ heraus, worin das Kapitel „Die Genese des kapitalistischen Geistes“ enthalten ist. Vor allem dieser vorlegte Ansatz rief Bewunderung und Kritik hervor. Sombart präzisierte seine Überlegungen zur Genese des kapitalistischen Geistes 1913 im Werk „Der Bourgeois“ (Appel 1987:83). Max Weber publizierte 1904 erstmals Texte mit dem Titel „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Bis 1920 überarbeitete Weber die Fassung und gab sie erneut heraus. Weber bezog sich in seinem Buch auf Sombart und präsentierte ein auf den ersten Blick völlig konträres Konzept (Kaesler 2006:1). Werner Sombart publizierte wiederum 1922 eine Vertiefung zu seinen Studien zur Genese des kapitalistischen Geistes und kritisierte seinerseits die Arbeit Webers (Sombart 1967:4).

Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich die wichtigsten Punkte der beiden Modelle zur Genese des Geistes des Kapitalismus darstellen. In einem ersten Schritt werde ich die Modelle miteinander vergleichen und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Als Quellen zur Beurteilung der Arbeiten von Weber und Sombart werde ich Kritiken und Rezeptionen suchen. Bei dieser Recherche versuche ich, Schwächen und Stärken der Modelle herauszufiltern.

Ziel der Arbeit ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Modelle von Max Weber und Werner Sombart darstellen zu können:

Fragestellung

Zwei Modelle zur Genese des Geistes des modernen Kapitalismus:

Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden sich zwischen der „protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitalismus“ von Max Weber und „Liebe, Luxus und Kapitalismus, über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung“ von Werner Sombart?

Im folgenden Abschnitt erläutere ich die wichtigsten Begriffe der Fragestellung.

- Moderner Kapitalismus

Mit der industriellen Revolution ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden das Kapital und die Produktion systematisch miteinander verbunden. Kapital bedeutet die kontinuierliche Investition und die Zirkulation von Geld und Güter in einem sich immer vergrössernden ökonomischen Prozess. Mit der industriellen Revolution fand das Feudalsystem ein Ende und die Landbevölkerung entwickelte sich zunehmend zu einer vom Lohn abhängigen Arbeiterschaft. Damit befanden sich viele billige Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt. Mit der Weiterentwicklung des Arbeitsprozesses wurden zunehmend Heim- und Arbeitsplatz getrennt und durch die Arbeitsteilung die Produktion gesteigert. Die Unternehmen expandierten. Es gab viele technische Erneuerungen am Arbeitsplatz. Erst die Dampfmaschinen, dann die elektrischen Motoren und später die elektronische Datenverarbeitung. Sie dominierten den ökonomischen Prozess (Leidinger 2008:22-81).

- Werner Sombart

Werner Sombart wurde 1863 in Sachsen geboren und starb 1941 in Berlin. Er studierte Rechtswissenschaften und widmete sich weiteren Studienfächern wie Staats- und Wirtschaftswissenschaften. Sombart promovierte und arbeitete an verschieden deutschen Universitäten (Willke 2006:98-105).

- Max Weber

Max Weber wurde 1864 in Erfurt geboren und starb 1920 in München. Er studierte Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Philosophie und Geschichte. Weber promovierte und arbeitete bis zum Ausbruch seiner psychischen Leiden an verschiedenen Universitäten in Deutschland. Danach gründete er u.a. zusammen mit Sombart die "Deutsche Gesellschaft für Soziologie" (Willke 2006:105).

In meiner Arbeit möchte ich in einer Einleitung mit der Fragestellung und der Erklärung wichtiger Begriffe beginnen. Anschliessend werde ich in einem theoretischen Rahmen die Definition des Begriffes „Geist des Kapitalismus“ nach dem Ansatz von Boltanski und Chiapello und weiterer Autoren, die sich mit dem Begriff eingehend auseinandergesetzt hatten, anfügen. In einem Hauptteil fasse ich die Modelle von Sombart und Weber zusammen und ergänze sie mit wichtigen Kritiken und Kommentaren. Anschliessend ziehe ich einen Vergleich zwischen den Modellen von Weber und Sombart. In einer Schlussbetrachtung fasse ich die Ergebnisse kurz zusammen, stelle die wesentlichen Resultate dar und gehe auf allfällige Probleme ein. Der Abschluss bildet ein Fazit mit Vorschlägen für die weitere Forschungsarbeit.

2. Theoretischer Rahmen

In den 1970er Jahren entwickelte sich vor allem in Frankreich eine Theoriedebatte zum Thema Kapitalismus. Es gab insbesondere zwischen strukturtheoretischen Ansätzen und an der praktisch wirksamen Kritik orientierten Position einen Konflikt. Jahre später haben Boltanski und Chiapello mit ihrem theoretischen Ansatz zum Kapitalismus und insbesondere mit Anmerkungen zum Geist des Kapitalismus versucht, diesen Gegensatz zu überwinden (Deutschmann 2008:127).

Bei Boltanski und Chiapello ist der kapitalistische Geist eine Form, die mit unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden kann. Der Geist des Kapitalismus ist eine Ideologie, die das Engagement für den Kapitalismus rechtfertigt. Diese Ideologie enthält nicht nur Aspekte individueller Motivlagen, sondern auch allgemeine Rechtfertigungsstrukturen. Formal ist der Kapitalismus eine wichtige historische Ordnungsform von kollektiven Praktiken, die von der Moralsphäre völlig losgelöst ist. Die Zweckbestimmung des Kapitalismus ist der Kapitalismus selbst. Um den Kapitalismus rechtfertigen zu können, muss man auf Konstruktionen anderer Ordnungen zurückgreifen (Pohlmann 2008:120).

In der Ideologie des Kapitalismus sind Gerechtigkeitsnormen, Kriterien und Regeln für die Verhaltenssteuerung enthalten. Damit garantiert die Ideologie das Fortbestehen der für die Produktion wichtigen Motivation der Akteure. Der Geist des Kapitalismus ist nicht an einen unveränderbaren Inhalt gebunden. Die ideologischen und institutionellen Systeme verändern sich immer wieder. Trotzdem gibt es eine Minimaldefinition des Kapitalismus (Deutschmann 2008:128-130). Darin enthalten sind vier Aspekte:

- Unbegrenzte Kapitalakkumulation durch den Einsatz formell friedlicher Mittel

Die unbegrenzte Produktion von Mehrwert und Gewinn wird scheinbar ohne Zwangsmittel und ohne Einsatz von kriegerischen Mitteln gewährleistet. Beispielsweise verkauft der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft freiwillig. Jedoch hat der Arbeitnehmer nur seine Arbeitskraft, die er verkaufen kann. Er verkauft sie, um seine Subsistenz gewährleisten zu können (Deutschmann 2008:129-132).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Genese des modernen Kapitalismus
Untertitel
Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Modelle von Max Weber und Werner Sombart
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)  (Institut Soziologie Sozialarbeit Sozialpolitik)
Veranstaltung
Wirtschaftssoziologie
Note
5,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V196902
ISBN (eBook)
9783656233565
ISBN (Buch)
9783656234272
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
genese, kapitalismus, welche, unterschiede, gemeinsamkeiten, ethik, geist, weber, liebe, luxus, entstehung, welt, verschwendung, werner, sombart
Arbeit zitieren
Sabine Hunziker (Autor), 2009, Genese des modernen Kapitalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196902

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Genese des modernen Kapitalismus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden