Max Weber und Werner Sombart beschäftigten sich zeitgleich mit dem sog. „Geist des Kapitalismus“. Sombart gab 1902 sein Hauptwerk „Der moderne Kapitalismus“ heraus, worin das Kapitel „Die Genese des kapitalistischen Geistes“ enthalten ist. Vor allem dieser vorlegte Ansatz rief Bewunderung und Kritik hervor. Sombart präzisierte seine Überlegungen zur Genese des kapitalistischen Geistes 1913 im Werk „Der Bourgeois“ (Appel 1987:83). Max Weber publizierte 1904 erstmals Texte mit dem Titel „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“. Bis 1920 überarbeitete Weber die Fassung und gab sie erneut heraus. Weber bezog sich in seinem Buch auf Sombart und präsentierte ein auf den ersten Blick völlig konträres Konzept (Kaesler 2006:1). Werner Sombart publizierte wiederum 1922 eine Vertiefung zu seinen Studien zur Genese des kapitalistischen Geistes und kritisierte seinerseits die Arbeit Webers (Sombart 1967:4).
Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich die wichtigsten Punkte der beiden Modelle zur Genese des Geistes des Kapitalismus darstellen. In einem ersten Schritt werde ich die Modelle miteinander vergleichen und Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten herausarbeiten. Als Quellen zur Beurteilung der Arbeiten von Weber und Sombart werde ich Kritiken und Rezeptionen suchen. Bei dieser Recherche versuche ich, Schwächen und Stärken der Modelle herauszufiltern.
Ziel der Arbeit ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Modelle von Max Weber und Werner Sombart darstellen zu können:
Fragestellung
Zwei Modelle zur Genese des Geistes des modernen Kapitalismus:
Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten finden sich zwischen der „protestantischen Ethik und dem Geist des Kapitalismus“ von Max Weber und „Liebe, Luxus und Kapitalismus, über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung“ von Werner Sombart?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
3. Ergebnisse
3.1 Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
3.2 Liebe, Luxus und Kapitalismus, über die Entstehung der modernen Welt aus dem Geist der Verschwendung
3.3 Vergleich der beiden Arbeiten
4. Schlussbetrachtung
5. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht die unterschiedlichen theoretischen Modelle von Max Weber und Werner Sombart zur Genese des Geistes des modernen Kapitalismus, um Gemeinsamkeiten und Differenzen in deren Erklärungsansätzen aufzuzeigen.
- Vergleich der protestantischen Ethik (Weber) mit dem Geist der Verschwendung (Sombart).
- Untersuchung der Rolle von Religion, Konsum und Luxus für die kapitalistische Entwicklung.
- Darstellung der Bedeutung von Rationalisierungsprozessen in beiden Modellen.
- Kritische Reflexion der soziologischen Erklärungsmodelle auf Basis zeitgenössischer Rezensionen.
Auszug aus dem Buch
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Viele Städte in erfolgsversprechenden wirtschaftlichen Räumen waren im 16. Jahrhundert vom Protestantismus geprägt. Max Weber beschrieb in seiner Arbeit den protestantischen Charakter des Besitzers des Kapitals, des Unternehmertums und der oberen ausgebildeten Schicht der Arbeiterschaft. Zum Teil lässt sich die erhöhte Beteiligung der Protestanten am Kapitalbesitz und der Kapitalproduktion historisch zurückverfolgen. Oftmals wurde Kapital innerhalb der Familie weitervererbt oder eine gute Stellung durch eine bestimmte Erziehung und Bildung erlangt. Die protestantische Konfession kann teilweise nicht als Ursache, sondern als Folge der kapitalistischen Entwicklung angesehen werden. Mit der Reformation wurde die katholische Herrschaft durch eine neue religiöse Herrschaft abgelöst. Diese neue Herrschaft zeichnete sich dadurch aus, dass sie zweckmässig, strebsam und rational war. Viele Protestanten entschlossen sich eine Arbeit in der Fabrik anzunehmen, währenddessen die Katholiken eher beim traditionellen Handwerk blieben. Weber unterschied provisorisch zwischen zwei damals vorherrschende und sich gegenseitig bekämpfende Typen. Der Traditionalist wollte seine ursprünglichen Bedürfnisse befriedigen. Das heisst, er wollte soviel leisten und Geld erwerben, wie er zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnissen benötigte. Dem traditionalistischen stand der protestantische Mensch gegenüber (Weber 2006:65-85). Folgende Aspekte zeichneten diesen neuen (protestantischen) Menschentyp aus:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zeitgenössische Debatte um den „Geist des Kapitalismus“ bei Weber und Sombart ein und formuliert die zentrale Fragestellung zur Untersuchung ihrer Modelle.
2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel definiert den „Geist des Kapitalismus“ anhand neuerer Ansätze, insbesondere von Boltanski und Chiapello, und benennt vier Kernaspekte der kapitalistischen Ideologie.
3. Ergebnisse: Der Hauptteil präsentiert die Theorien von Weber und Sombart im Detail und vergleicht anschließend deren Ansätze hinsichtlich ihrer soziologischen Herleitung.
4. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zusammen und bewertet die Bedeutung des Kapitalismus-Geistes für die Stabilität des Systems.
5. Quellen: Auflistung der verwendeten Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Geist des Kapitalismus, Max Weber, Werner Sombart, protestantische Ethik, Verschwendung, Luxuskonsum, Rationalisierung, Kapitalakkumulation, Ideologie, Wirtschaftsgeschichte, Soziologie, Moderne, Karl Marx, Wirtschaftssystem, Arbeitsethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht zwei maßgebliche soziologische Konzepte zur Entstehung der modernen kapitalistischen Wirtschaftsweise.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die protestantische Ethik, das Konzept der Verschwendung, der Einfluss von Luxus auf die Industrie und die Rolle der Rationalität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Modellen von Max Weber und Werner Sombart hinsichtlich der Genese des kapitalistischen Geistes präzise herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, basierend auf den Originalwerken der Autoren sowie ergänzenden Kritiken und Rezeptionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Webers Fokus auf religiöse Prägung und Sombarts Fokus auf Luxus und Konsum dargestellt und kritisch verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Geist des Kapitalismus, protestantische Ethik, Verschwendung, Luxus, Rationalisierung und Soziologie.
Wie unterscheidet sich Sombarts Sichtweise grundlegend von der Webers?
Während Weber den Kapitalismus primär durch einen religiös motivierten Lebensstil (Askese) erklärt, sieht Sombart den Ursprung in einer veränderten Reichtumsform und dem daraus resultierenden „Geist der Verschwendung“.
Können sich Produktion und kapitalistischer Geist laut den Autoren trennen?
Max Weber deutet an, dass sich die kapitalistische Produktionsweise von ihrem ursprünglichen, ethischen Geist emanzipieren kann, während Sombart den Geist eher als festes analytisches Raster betrachtet.
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- Sabine Hunziker (Autor), 2009, Genese des modernen Kapitalismus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196902