Was ist Gerechtigkeit? Ohne Zweifel ist die Frage nach Gerechtigkeit ein zentrales Thema der Rechtswissenschaft. Die Antwort auf die Frage ist allerdings nicht ganz einfach, da sich diese immer an dem individuellen Weltbild (Normen, Werte, Vorstellungen) des Einzelnen messen lassen muss. Mit der Beantwortung der Gerechtigkeitsfrage haben sich schon viele bekannte und weniger bekannte Philosophen auseinandergesetzt. Weniger erstaunlich ist, dass die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen. Zu diesen Philosophen gehören neben Platon und Aristoteles beispielweise auch Dworkin, Rawls, Seen, Nussbaum und Nozick.
In dieser Arbeit soll die Gerechtigkeitstheorie von Robert Nozick untersucht werden, da er im Gegensatz zu den Gleichheitsliberalen und Freiheitsliberalen bis zu seinem Tod eine noch radikalere Gerechtigkeitsauffassung vertrat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Verteilungsgerechtigkeit und Kritik
1.Robert Nozick
2.Aufgaben des „Minimal-Staates“
3.Weitergehender Staat im Namen der Verteilungsgerechtigkeit
4.Anspruchstheorie der Gerechtigkeit
5.Klassifizierung der Verteilungsprinzipien
6.Kritik an Nozicks Anspruchstheorie
Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die libertäre Gerechtigkeitstheorie von Robert Nozick mit dem Ziel, dessen argumentativen Weg nachzuvollziehen und aufzuzeigen, warum ein umverteilender Staat mit seiner Anspruchstheorie der Gerechtigkeit unvereinbar ist. Abschließend werden die zentralen Kritikpunkte an Nozicks Eigentumskonzeption kritisch beleuchtet.
- Grundlagen der libertären Philosophie Robert Nozicks
- Das Modell des Minimalstaates
- Die Anspruchstheorie der Gerechtigkeit (Erwerb, Übertragung, Korrektur)
- Klassifizierung und Differenzierung von Verteilungsprinzipien
- Kritische Auseinandersetzung mit der Nozickschen Eigentumstheorie
Auszug aus dem Buch
4. Die Anspruchstheorie der Gerechtigkeit
Die Anspruchstheorie der Gerechtigkeit geht von drei Hauptgegenständen aus: Der erste Gegenstand ist der ursprüngliche Erwerb von Besitz, also die Aneignung von herrenlosen Sachen. Der zweite Gegenstand ist die Übertragung von Besitztümern. Und der dritte Gegenstand ist die Korrektur ungerechter Besitzverhältnisse.
Der ursprüngliche Erwerb von Besitz setzt sich mit der Frage auseinander, durch welche Vorgänge man in den Besitz von herrenlosen Gegenständen kommt. Die Aneignung einer herrenlosen Sache ist für Nozick nur dann gerecht, wenn sich die Lage einer anderen Person durch die Aneignung nicht verschlechtert. Obwohl sich Nozick bei dieser Vorstellung ziemlich stark an John Lockes „Proviso“ orientiert, sind seine Ausführungen zur gerechten Aneignung von herrenlosen Gegenständen wesentlich zurückhaltender. Locke gestattet nämlich nur die Aneignung von herrenlosen Gegenständen unter den folgenden Voraussetzungen:
„1. Jeder darf sich nur soviel aneignen, daß für die anderen genug von derselben Qualität übrigbleibt;
2. jeder darf sich nur soviel aneignen, wie er verzehren kann;
und
3. jeder darf sich nur soviel Boden aneignen, wie er bearbeiten kann.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die zentrale Bedeutung der Gerechtigkeitsfrage in der Rechtswissenschaft erläutert und Robert Nozicks radikale libertäre Gegenposition zu Gleichheits- und Freiheitsliberalen eingeführt.
I. Verteilungsgerechtigkeit und Kritik: Dieses Kapitel analysiert Nozicks Biographie, sein Konzept des Minimalstaates, die Anspruchstheorie der Gerechtigkeit und kategorisiert verschiedene Verteilungsprinzipien, gefolgt von einer kritischen Reflexion.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass Nozicks Theorie zwar innovativ ist, jedoch soziale Probleme und Ungleichheiten ausblendet, was den Staat in eine soziale Krise führen könnte.
Schlüsselwörter
Robert Nozick, Verteilungsgerechtigkeit, Minimalstaat, Anspruchstheorie, Eigentum, Libertarismus, Gerechtigkeit, Umverteilung, Naturrechte, John Locke, Berichtigungsgrundsatz, Verteilungsprinzipien, soziale Gerechtigkeit, Freiheit, Privaterwerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der libertären Eigentumskonzeption von Robert Nozick und deren kritischer Bewertung im Kontext der Verteilungsgerechtigkeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen der Minimalstaat, die Anspruchstheorie der Gerechtigkeit sowie die historische und systematische Einordnung von Verteilungsprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nozicks Argumentation für einen Minimalstaat nachzuvollziehen und aufzuzeigen, warum sein Modell einen umverteilenden Wohlfahrtsstaat ausschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theoretische Analyse, basierend auf einer Literaturstudie von Nozicks „Anarchie, Staat und Utopie“ und relevanten Kommentarliteraturen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Nozickschen Theorie – insbesondere Erwerb, Übertragung und Korrektur von Eigentum – und eine anschließende kritische Analyse von vier Kernpunkten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Robert Nozick, Libertarismus, Anspruchstheorie, Eigentumsrechte und soziale Gerechtigkeit definieren.
Was versteht Nozick unter dem Berichtigungsgrundsatz?
Der Berichtigungsgrundsatz dient der Korrektur von Besitzverhältnissen, die durch ungerechte Vorgänge wie Diebstahl oder Betrug in der Vergangenheit entstanden sind.
Warum hält Nozick die Besteuerung von Arbeitszeit für problematisch?
Nozick argumentiert, dass eine Besteuerung von Arbeitsverdiensten faktisch eine moderne Form der Zwangsarbeit oder Sklaverei darstellt, da der Mensch ein Eigentumsrecht an sich selbst und seiner Zeit besitzt.
- Citar trabajo
- Andreas Jordan, LL.M. (Sozialjurist und Dipl.-Sozialpädagoge) (Autor), 2012, Verteilungsgerechtigkeit und kritische Anmerkungen zur libertären Eigentumskonzeption von Robert Nozick, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/196999