Auschwitz war zeitlich wenige Jahre, jedoch logisch viele Jahrtausende vor Hiroshima: die planmäßige Vernichtung des Menschen durch den Menschen war bereits in der Steinzeit in der menschlichen Natur angelegt. Solange es die Menschheit gibt, gibt es nicht nur Kriege, sondern auch Demozide und Völkermorde. Im öffentlichen Bewusstsein der letzten Jahrzehnte bleib von diesen so gut wie nichts außer der grausamen Einzigartigkeit des Holocaust während des Zweiten Weltkriegs, die Atombombe dagegen ist seit dem Abwurf von zwei Atombomben durch die USA auf Japan am 6. und 9. August 1945 aus dem öffentlichen Bewusstsein nicht mehr wegzudenken. Natürlich führte diese Wunderwaffe uns die Fragilität des menschlichen Daseins vor, wie keine andere Waffe vor ihr, doch im selben Jahr 1945 starben etwa durch einen konventionellen Bombenangriff auf Tokio nicht weniger Menschen an einem Tag als in Hiroshima oder Nagasaki.
Die Angst vor der Atombombe ist völlig irrational, während die Furcht vor einem weiteren Krieg angesichts der Erfahrungen der Menschheit mit Kriegen allein im letzten Jahrhundert ein Indiz für das Vorhandensein der Vernunft im öffentlichen Bewusstsein wäre, doch während die Welt panisch auf Iran und Nordkorea blickt, die womöglich eigene Atomwaffen entwickeln könnten, wird in Libyen leichtfertig ein neuer Krieg provoziert und am Laufen gehalten, bis ein gewünschtes Ergebnis eintritt. Im Oktober 2012 jährt sich zum 50. Mal die Kubakrise, in deren Verlauf die Gefahr eines neuen Weltkriegs und die Bedrohung durch die Atombombe zusammenfielen. Obschon der unmittelbare Anlass der Krise die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf Kuba war, lag die Ursache der Feindschaft zweier globaler Blöcke nicht im Vorhandensein der Atomwaffen, denn in den 50 Jahren vor der Kubakrise kam es auch ohne die Atombombe zu zwei Kriegen globaler Dimension mit achtstelligen Todesopferzahlen. In dem vorliegenden Essay gilt es, die Ursache für die irrationale Angst vor der Atombombe ausfindig zu machen, und diese wissenschaftlich-technische Errungenschaft schließlich rational zu würdigen.
Inhalt
1. Einleitung
2. Die Angst vor der Bombe
3. Der freie Wille
4. Das Bewusstsein der Freiheit
5. Selbstzweckformel und Ökonihilismus
6. Schlusswort
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Hauptthese des Essays "Lob der Atombombe"?
Der Essay versucht, die irrationale Angst vor der Atombombe zu analysieren und diese wissenschaftlich-technische Errungenschaft als Faktor für rationale Friedenssicherung zu würdigen.
Warum wird die Angst vor der Bombe als "irrational" bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass konventionelle Kriege (wie in Tokio 1945) ähnlich viele Opfer forderten, die Atombombe aber durch Abschreckung paradoxerweise Großkonflikte verhindert hat.
Welche Rolle spielt die Kubakrise in diesem Essay?
Die Kubakrise wird als Beispiel angeführt, in dem die Bedrohung durch Atomwaffen und die Gefahr eines Weltkriegs zusammenfielen, was das öffentliche Bewusstsein nachhaltig prägte.
Wie wird der Holocaust im Vergleich zur Atombombe eingeordnet?
Auschwitz wird als logisch weit vor Hiroshima liegend betrachtet, da die planmäßige Vernichtung von Menschen durch Menschen schon immer in der Natur angelegt war.
Was bedeutet "Ökonihilismus" in diesem Kontext?
Der Begriff wird im Rahmen der philosophischen Auseinandersetzung mit Freiheit, dem freien Willen und der Selbstzweckformel im Essay diskutiert.
Ist der Essay eine Befürwortung von Kernwaffen?
Es ist eher eine provokante philosophische Reflexion, die dazu aufruft, die Rolle von Hochtechnologie und Abschreckung in der Geschichte rational statt rein emotional zu bewerten.
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- B. A. Konstantin Karatajew (Autor), 2012, Lob der Atombombe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197064