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"Der nackte Bote" und "Der nackte Ritter" - ein Vergleich

Title: "Der nackte Bote" und "Der nackte Ritter" - ein Vergleich

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christina Wagner-Emden (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

In der vorliegen Arbeit sollen die kleinepischen Texte ›Der nackte Ritter‹ und ›Der nackte Bote‹ des Strickers vergleichend interpretiert werden. Der Stricker gilt als Begründer der deutschen Märendichtung, die meisten Angaben über den Autor basieren allerdings auf Vermutungen: der Strickære, wie er sich selbst in seinen größeren Werken nennt, wird allgemein als fahrender Berufsdichter angesehen; seine Schaffenszeit wird von etwa 1220 bis 1250 angesetzt. Die beiden hier behandelten Texte werden ihm zugerechnet, während eine genaue Eingrenzung seines Werkes aufgrund der anonymen Überlieferung nicht möglich ist.
Beide Verserzählungen werden in der Forschung gemeinhin der Gattung der Mären zugerechnet. Zu Beginn der Arbeit soll kurz auf die Problematik eingegangen werden, die sich mit dieser Gattungseinteilung ergeben hat.
Im Kontext der Gattungsüberlegungen wird in knapper Form auf die Überlieferung der Verserzählungen eingegangen, um zu erwägen, ob hier ein eventuelles Gattungsbewußtsein zu erkennen ist. Weiterhin soll die Verbindung der beiden hier untersuchten Texte innerhalb der Überlieferung geprüft werden.
Der inhaltlichen Analyse werden zusammenfassend Untersuchungen zu Aufbau und Erzählmitteln vorangestellt.
Das Motiv der Nacktheit, das die offensichtlichste Parallele zwischen beiden Versnovellen darstellt, wird den Ausgangspunkt für die Textanalyse bilden. Hier wird insbesondere auf die Wirkung des nackten Körpers einzugehen sein, die in beiden Fällen die êre eines Protagonisten berührt. So erscheint es notwendig, genauer auf den Begriff der êre sowie seine Relevanz für den Einzelnen und die Gesellschaft im Mittelalter einzugehen, um schließlich die Folgen einer Kränkung der êre in Form der râche darzustellen. Auch die Bedeutung dieses Begriffs ist im Kontext beider Mären zu untersuchen. Ferner soll überlegt werden, worin sich die in den Texten dargestellte Einschätzung der Nacktheit begründet.
In zwei Schritten wird auf die Figurengestaltung und in diesem Zusammenhang auf die Klärung einer möglichen Schuldfrage im Berichtsteil der Versnovellen eingegangen: Zunächst werden die Ritter, im Anschluß die weiteren Figuren analysiert, um daraufhin die Erkenntnisse aus den Erzählteilen auf die Epimythien zu übertragen und mit ihnen zu vergleichen.
Abschließend soll kurz auf die Problematik von prodesse und delectare eingegangen werden, die sich in Anbetracht der belehrenden Absicht von schwankhaften Erzählungen zu ergeben scheint.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Überlieferungssituation

3. Märe als Gattungsbezeichnung

4. Zu Aufbau und Erzählmitteln

4.1 Der Aufbau von ›Der nackte Ritter‹

4.2 Der Aufbau von ›Der nackte Bote‹

4.3 Literarische Mittel

5. Das Motiv der unangebrachten Nacktheit

5.1 Die Wirkung der Nacktheit

5.1.1 ›Der nackte Ritter‹

5.1.2 ›Der nackte Bote‹

5.2 êre und râche

5.2.1 Eingrenzung der Begriffe

5.2.2 êre und râche in ›Der nackte Ritter‹

5.2.3 êre und râche in ›Der nackte Bote‹

5.2.4 Zwischenfazit

5.3 Die Nacktheit im Mittelalter

6. Figurenanalyse

6.1 Das Ritterbild

6.1.1 ›Der nackte Ritter‹

6.1.2 Der Ritter in ›Der nackte Bote‹

6.2 Die weiteren Hauptfiguren

6.2.1 Der wirt

6.2.2 Der kneht

6.3 Zur Schuldfrage im narrativen Teil der Mären

7. Die Epimythien

7.1 ›Der nackte Ritter‹

7.2 ›Der nackte Bote‹

8. Prodesse und delectare

9. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die beiden kleinepischen Texte ›Der nackte Ritter‹ und ›Der nackte Bote‹ des Strickers einer vergleichenden Interpretation zu unterziehen. Dabei wird untersucht, wie das zentrale Motiv der unangebrachten Nacktheit die höfische Ehre (êre) der Protagonisten berührt und welche Rolle dabei die Konzepte von Schande und Rache spielen.

  • Vergleichende Analyse von Struktur und Erzählmitteln der Mären
  • Die Bedeutung von Ehre (êre) und Rache (râche) im mittelalterlichen Kontext
  • Die moralische und gesellschaftliche Bewertung von Nacktheit im Mittelalter
  • Analyse der Figurengestaltung unter besonderer Berücksichtigung des Ritterbildes
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Unterhaltung (delectare) und Belehrung (prodesse)

Auszug aus dem Buch

5.1.1 ›Der nackte Ritter‹

In ›Der nackte Ritter‹ wird dieses Motiv sehr überraschend eingebaut. Einzige Vorzeichen sind zunächst die Aussagen des Ritters, der sich vehement dagegen wehrt, seinen Überrock auszuziehen (NR, Vv. 40-41, 46-52). Doch sowohl auf Figurenebene für den Hausherrn, wie auch für den Rezipienten, ist im Text vorerst keine konkrete Begründung ersichtlich, weshalb der Gast lieber eine Krankheit über sich ergehen lassen würde als dirre unzuht zu begehen (NR, Vv. 49-51).

Nachdem der Ritter unfreiwillig entkleidet worden ist, kommentiert der Erzähler:

dô wart der gast beroubet

durch die grôzen minne

der êren und der sinne. (NR, Vv. 64-66)

Die Überraschung wird noch einen Moment hinausgezögert. Erst nachdem diese weitreichenden Folgen bekannt sind, werden sie – jedenfalls für den Hörer oder Leser – begründet:

er saz, dô er wart âne roc,

als ein beschelder stoc

âne bruoch und âne hemde;

diu wâren im beidiu vremde. (NR, Vv. 67-70)

Entgegen jeder höfischen Konvention ist der Ritter unter dem Obergewand nicht bekleidet und sitzt nun nackt zwischen der Familie des Gastgebers. Eine Erklärung für das Fehlen der Unterkleidung – beispielsweise Armut oder Geiz – liefert der Text allerdings nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die beiden Mären des Strickers vor und erläutert das Ziel der vergleichenden Interpretation unter Berücksichtigung gattungstheoretischer Aspekte.

2. Die Überlieferungssituation: Das Kapitel beleuchtet die handschriftliche Überlieferung beider Texte und diskutiert mögliche Zusammenhänge zwischen den Handschriften.

3. Märe als Gattungsbezeichnung: Hier wird der Begriff Märe im Kontext der Forschung diskutiert und für die weitere Analyse als Synonym für Versnovelle definiert.

4. Zu Aufbau und Erzählmitteln: Dieses Kapitel analysiert die Struktur der beiden Texte sowie die auktoriale Erzählweise und die Bedeutung von Dialogen.

5. Das Motiv der unangebrachten Nacktheit: Das zentrale Motiv wird hinsichtlich seiner Wirkung auf die Ehre (êre) und der mittelalterlichen Auffassung von unhöfischem Verhalten untersucht.

6. Figurenanalyse: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Protagonisten, insbesondere des Ritterbildes, des Wirtes und des Knechtes sowie der jeweiligen Schuldfrage.

7. Die Epimythien: Dieses Kapitel analysiert die abschließenden Lehren der Mären und deren Bezug zum Erzählten sowie das gesellschaftskritische Potenzial.

8. Prodesse und delectare: Zum Abschluss wird das Verhältnis zwischen Unterhaltung und Belehrung in den schwankhaften Erzählungen thematisiert.

9. Schluß: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst und die Bedeutung der Texte im Kontext mittelalterlicher Lebensklugheit reflektiert.

10. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Textausgaben und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Der Stricker, Märe, Versnovelle, Nacktheit, Ehre, êre, râche, unzuht, Ritterbild, Mittelalter, Höfische Kultur, Gastfreundschaft, Schuldfrage, Literaturwissenschaft, Kleinepik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer vergleichenden Interpretation der beiden mittelhochdeutschen Texte ›Der nackte Ritter‹ und ›Der nackte Bote‹ des Dichters Der Stricker.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen das Motiv der Nacktheit als Ehrverletzung, die Konzepte von höfischer Ehre und Rache sowie die Analyse der Figurengestaltung in diesen Versnovellen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Parallelen und Unterschiede zwischen den Mären herauszuarbeiten, insbesondere im Hinblick darauf, wie unangemessene Nacktheit als soziale Kränkung fungiert und wie die Texte diese Problematik moralisch bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische und textanalytische Methode, die auf der Untersuchung der Handschriften, der Gattungsgeschichte sowie der historischen Bedeutung von Begriffen wie êre (Ehre) und unzuht (unhöfisches Verhalten) basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des strukturellen Aufbaus, eine Figurenanalyse, eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Begriffen Ehre und Rache sowie eine Interpretation der angehängten Epimythien (Lehren).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Der Stricker, Märe, Ehre (êre), Nacktheit, Ritterbild und mittelalterliche Sozialgeschichte charakterisieren.

Warum ist die Nacktheit in den Mären so problematisch für die Protagonisten?

Nacktheit wird im Kontext des mittelalterlichen Adels als Verstoß gegen die höfische Sitte und als Symbol für Ehrlosigkeit oder Gottesferne gewertet, was den sozialen Status der Betroffenen massiv gefährdet.

Welchen Unterschied gibt es zwischen der Ehre in beiden Mären?

Während der Ritter im ersten Märe durch die erzwungene Nacktheit einen dauerhaften Verlust seines Ansehens erleidet, stellt sich die Kränkung im zweiten Märe als ein auf einem Missverständnis beruhender Vorfall heraus, der korrigiert werden kann.

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Details

Title
"Der nackte Bote" und "Der nackte Ritter" - ein Vergleich
College
University of Münster  (Institut für Deutsche Philologie I)
Course
Hauptseminar: Versnovellen, Bispel und Reden des Strickers
Grade
1,0
Author
Christina Wagner-Emden (Author)
Publication Year
2000
Pages
29
Catalog Number
V197093
ISBN (eBook)
9783656230946
Language
German
Tags
Stricker Märe Nacktheit Bote êre râche Mittelhochdeutsch Mittelalter Ritter Ritterbild Epimythien delectare prodesse Figurenanalyse Strickaere
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Wagner-Emden (Author), 2000, "Der nackte Bote" und "Der nackte Ritter" - ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197093
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