Wer hat es nicht schon mal aus dem Bekanntenkreis gehört. Da möchte sich jemand selbständig machen, hat aber partout keine Idee, ob er denn nun eine OHG, GmbH oder AG gründen sollte. Zudem liest man regelmäßig das Ergebnis von Debatten über Steuern in jedweder Form: Einkommensteuern, Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer usw. Für ein angehendes aber auch für bereits bestehende Unternehmen sollten diese Themen das tägliche Brot der Unternehmensführung sein, da
sie sich direkt auf das Unternehmen, dessen Liquidität, Kreditwürdigkeit, Struktur und viele andere Bereiche mehr auswirken. Diese Arbeit soll einen ersten Einblick in den Zusammenhang zwischen steuerrechtlichen Bedingungen auf die Wahl der Unternehmensrechtsform in Deutschland geben und Denkanstöße für Unternehmer in der Existenzgründung bzw. für solche geben, die sich an einem strategischen Wendepunkt befinden, der eine konstitutive Entscheidung hinsichtlich einer neuen Rechtsform notwendig macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Zusammenhang zwischen der Rechtsformentscheidung und der Unternehmensbesteuerung
2.1 Rechtsformwahl als konstitutive Entscheidung
2.2 Zusammenhang zwischen Besteuerung und Rechtsformwahl
3. Unternehmensrechtsformen in Deutschland
3.1 Grundformen
3.1.1 Einzelunternehmen
3.1.2 Personengesellschaften
3.1.3 Kapitalgesellschaften
3.2 Mischformen und andere Gestaltungen des Zivilrechts
4. Steuerliche Behandlung der Grundformen im Rahmen der laufenden Geschäftstätigkeit
4.1. Duales System der Unternehmensbesteuerung
4.2. Besteuerung der Grundformen
4.2.1 Einzelunternehmen
4.2.2 Personengesellschaften
4.2.3 Kapitalgesellschaften
4.3. Empfehlungen zur Rechtsformwahl: Vergleich der Grundformen
4.4. Überblick über steuerliche Besonderheiten bei Mischformen
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Ausarbeitung untersucht den maßgeblichen Einfluss steuerrechtlicher Rahmenbedingungen auf die strategische Entscheidung zur Wahl der optimalen Unternehmensrechtsform in Deutschland, um Unternehmern bei der Existenzgründung oder an strategischen Wendepunkten fundierte Entscheidungshilfen an die Hand zu geben.
- Analyse der gängigsten Unternehmensrechtsformen (Einzelunternehmen, Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften)
- Darstellung des dualen Systems der Unternehmensbesteuerung in Deutschland
- Vergleichende Untersuchung der Steuerbelastung bei thesaurierten versus ausgeschütteten Gewinnen
- Evaluierung der steuerlichen Auswirkungen von Gesellschaft-Gesellschafter-Verträgen
- Entwicklung von Empfehlungen für die Wahl der Rechtsform basierend auf der Unternehmensgröße und Gewinnprognosen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Einzelunternehmen
Das Einzelunternehmen wird von einer einzelnen natürlichen Person geführt und sein Merkmal ist die fehlende rechtliche Verselbständigung (Jacobs und Scheffler, 2002, S. 8), d.h., dass der Unternehmer alleiniger Träger von Rechten und Pflichten ist. Grundsätzlich ist mit dem Einzelunternehmen jede Betätigung gemeint, die selbständig, dauerhaft und gewinnorientiert ist. Bezüglich der Kaufmannseigenschaft wird ein Einzelunternehmer bei einem bestimmten Gesamtbild des Betriebes (Anzahl der Lieferanten, Produktvielfalt, Mitarbeiterzahl usw.) zum Istkaufmann nach § 1 Abs. 2 HGB. Ein Kleinunternehmer kann die Kaufmannseigenschaft, den so genannten Kannkaufmann nach § 2 HGB, durch Eintragung in das Handelsregister erlangen, was sich in der Anwendung oder Nichtanwendung des HGB niederschlägt (Jacobs und Scheffler, 2002, S. 8).
Die alleinige Geschäftsführung und Vertretung nach außen obliegt dem Einzelunternehmer, der gleichzeitig Inhaber des Unternehmens ist. Er kann nicht als Angestellter des Unternehmens auftreten und besitzt damit auch nicht die Arbeitnehmereigenschaft, was ihn von einer Versicherungspflicht entbindet.
Haftung ist der Einzelunternehmer uneingeschränkt in der Pflicht und muss persönlich für alle Zahlungsverpflichtungen aufkommen. Er benötigt kein Mindestkapital bei Gründung, muss allerdings mit seinem Privatvermögen haften.
Sowohl die erzielten Gewinne als auch die Verluste des Unternehmens werden dem Unternehmer zugerechnet. Er kann ohne Beschränkung Geld aus dem Betrieb entnehmen und wieder einbringen. Besteht durch Eintragung in das Handelsregister eine Kaufmannseigenschaft, ist der Einzelunternehmer zur Buchführung nach § 238 HGB verpflichtet. Durch diese wird unter anderem die Vermögens- und Erfolgslage ersichtlich. Bezüglich einer etwaigen Änderung der Rechtsform kann der Unternehmer das Einzelunternehmen durch Aufnahme anderer Personen in einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) oder eine Kommanditgesellschaft (KG) umwandeln (Jacobs und Scheffler, 2002, S. 13). Mittels einer Übertragung des Unternehmens oder Teile daraus auf z.B. eine Kapitalgesellschaft, tritt die übernehmende Rechtsform die Gesamtrechtsnachfolge an.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz steuerlicher Überlegungen für die Rechtsformwahl bei der Unternehmensgründung oder strategischen Umstrukturierungen.
2. Zusammenhang zwischen der Rechtsformentscheidung und der Unternehmensbesteuerung: Dieses Kapitel erläutert die Rechtsformwahl als konstitutive Entscheidung und verdeutlicht deren direkten Einfluss auf die steuerliche Bemessungsgrundlage und den anzuwendenden Steuertarif.
3. Unternehmensrechtsformen in Deutschland: Es erfolgt eine detaillierte Differenzierung zwischen Einzelunternehmen, Personen- und Kapitalgesellschaften sowie verschiedenen Mischformen unter Berücksichtigung steuerlich relevanter Merkmale.
4. Steuerliche Behandlung der Grundformen im Rahmen der laufenden Geschäftstätigkeit: Dieses Hauptkapitel analysiert das duale Steuersystem, die spezifische Besteuerung der verschiedenen Gesellschaftsformen sowie steuerliche Besonderheiten bei Mischformen.
5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung: Das abschließende Kapitel fasst die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und leitet Empfehlungen zur vorteilhaften Rechtsformwahl unter Berücksichtigung der Unternehmensgröße und Gewinnentwicklung ab.
Schlüsselwörter
Unternehmensrechtsform, Rechtsformwahl, Unternehmensbesteuerung, Einzelunternehmen, Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Trennungsprinzip, Transparenzprinzip, GmbH & Co. KG, Betriebsaufspaltung, Thesaurierung, Ausschüttung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie steuerrechtliche Bedingungen in Deutschland die Entscheidung für eine bestimmte Rechtsform beeinflussen und welche steuerlichen Konsequenzen daraus für das Unternehmen resultieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Systematik der Unternehmensbesteuerung, die Unterschiede zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften sowie die steuerliche Bewertung von Ausschüttungen und Thesaurierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Unternehmern ein grundlegendes Verständnis für die Auswirkungen einer konstitutiven Entscheidung hinsichtlich der Rechtsform auf die steuerliche Belastung des Unternehmens zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturbasierte Analyse gängiger Unternehmensrechtsformen, setzen diese in Beziehung zu den Grundzügen der deutschen Unternehmensbesteuerung und leiten daraus vergleichende Schlussfolgerungen ab.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über Unternehmensrechtsformen, die Darstellung des dualen Steuersystems, die detaillierte Besteuerung der Rechtsformen sowie eine Analyse von Mischformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rechtsformwahl, Unternehmensbesteuerung, Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Gewerbesteuer und Steueroptimierung charakterisieren.
Warum ist die Wahl der Rechtsform als "konstitutive Entscheidung" definiert?
Da die Wahl der Rechtsform langfristige Auswirkungen auf das Unternehmen hat und maßgeblich die steuerliche Belastung sowie die Haftungsverhältnisse definiert, wird sie als fundamentale, konstitutive Weichenstellung für den unternehmerischen Erfolg betrachtet.
Wie unterscheidet sich die steuerliche Behandlung von Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften?
Personengesellschaften folgen dem Transparenzprinzip, bei dem die Besteuerung direkt auf Ebene der Gesellschafter erfolgt, während Kapitalgesellschaften als juristische Personen selbst Steuersubjekte sind, was zum Trennungsprinzip führt.
Welche Rolle spielen Mischformen wie die GmbH & Co. KG in der Praxis?
Mischformen dienen häufig dazu, Vorteile verschiedener Rechtsformen zu kombinieren, beispielsweise um eine beschränkte Haftung bei gleichzeitig steuerlich günstigeren Bedingungen für bestimmte Gesellschafterkonstellationen zu erreichen.
Wann ist der Wechsel in eine andere Rechtsform steuerlich sinnvoll?
Ein Wechsel ist dann sinnvoll, wenn das Unternehmen dauerhaft eine bestimmte Gewinnschwelle überschreitet, bei der die steuerliche Belastung der Kapitalgesellschaft günstiger ausfällt als die progressive Einkommensteuerbelastung der Personengesellschaft.
- Citation du texte
- Michael Kemmer (Auteur), Torsten Ehnert (Auteur), 2010, Der Einfluss steuerrechtlicher Bedingungen auf die Wahl der Unternehmensrechtsform in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197110