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Kritische Würdigung der Einführung einer einheitlichen Währung in den Ländern der Eurozone

Titre: Kritische Würdigung der Einführung einer einheitlichen Währung in den Ländern der Eurozone

Thèse de Bachelor , 2012 , 117 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Hendrik Dieckmann (Auteur)

Economie politique - Théorie et Politique monetaire
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„Die Geburt des Euro ist ein singuläres Ereignis. Niemals zuvor haben sou-veräne Staaten ihre Kompetenz in der Geldpolitik auf eine supranationale Institution übertragen. Diese Konstellation - auf der einen Seite eine Notenbank, die Europäische Zentralbank (EZB), und eine einheitliche Geldpolitik, auf der anderen Seite Nationalstaaten, die ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Wirtschaft und Finanzen weitgehend behalten - schafft ein Spannungsverhältnis besonderer Art. Nicht wenige Auguren, vorweg wohl die Mehrzahl der Ökonomen, standen diesem Experiment mehr als skeptisch gegenüber.“

Das angeführte Zitat von Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt und Direk-toriumsmitglied der EZB, verdeutlicht, dass mit der Einführung des Euro als Buchgeld am 1. Januar 1999 sowohl für die ca. 300 Millionen Bürger der Eurozone als auch für den Rest der Welt eine neue währungspolitische Ära begann: Elf, zuvor souveräne, Staaten gaben ihre geldpolitische Souveränität durch die Abschaffung der nationalen Währung auf und bildeten mit dem Beginn der dritten Stufe des Delors-Plans eine Währungsunion. Die Eurozone zeichnete sich zum einen durch eine einheitliche Geldpolitik, zum anderen aber auch durch elf nationale Wirtschafts- und Finanzpolitiken aus. Mittlerweile gehören der Eurozone 17 Länder an, wobei dieses Spannungsverhältnis zwischen europäischen und nationalen Interessen nach wie vor besteht. In dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, ob der Euro, eine Währung ohne Staat, in diesem Spannungsverhältnis eine auf Dauer stabile Währung sein kann bzw. welche Regeln geändert werden müssen, um dies zu gewährleisten.

Bis zu seinem zehnten Geburtstag hatte sich der Euro u.a. aufgrund seiner Stabilität zu einer der zwei Leitwährungen der Weltwirtschaft, neben dem US-Dollar (US-$), entwickelt. Daher schienen die Zweifel vieler Experten zunächst unbegründet. Doch das änderte sich durch die Folgen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008. Die Eurozone rutschte das erste Mal seit Einführung der gemeinsamen Währung in ihrer Gesamtheit in eine wirtschaftliche Rezession. Ferner waren teils massive öffentliche Hilfen für den Bankensektor erforderlich. Dies führte dazu, dass einige Staaten , vor dem Hintergrund seit Jahren ausufernder Staatsschulden, ihren Schuldendienst teilweise nicht mehr leisten und nicht mehr antizyklisch agieren konnten...

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie optimaler Währungsräume

2.1 Darstellung der Theorie

2.2 Beurteilung der Eurozone anhand der Theorie

3 Schaffung eines einheitlichen Währungsraumes innerhalb der Europäischen Union

3.1 Erste Phase: Liberalisierung des Kapitalverkehrs

3.2 Zweite Phase: Annäherung der Wirtschaftspolitik der einzelnen Länder

3.3 Dritte Phase: Die Einführung des Euro

4 Ausgestaltung der Europäischen Währungsunion

4.1 Die Eurozone

4.2 Konvergenzkriterien

4.2.1 Preisstabilität

4.2.2 Finanzlage der öffentlichen Hand

4.2.3 Wechselkursstabilität

4.2.4 Langfristige Zinssätze

4.2.5 Konvergenzdefizit

4.3 Stabilitäts- und Wachstumspakt

4.3.1 Präventive Komponente

4.3.2 Korrektive Komponente

4.4 No-Bailout-Klausel

4.5 Das Eurosystem

4.5.1 Organisation und Organe des Eurosystems

4.5.2 Aufgaben des Eurosystems

4.5.3 Unabhängigkeit der Zentralbank

5 Realität der Euro-Einführung

5.1 Einhaltung der Konvergenzkriterien

5.2 Wandel des Marktumfeldes

5.2.1 Veränderung des Wettbewerbs

5.2.2 Ungleichgewichte und Divergenzen

5.3 Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008

5.3.1 Konsequenzen für die EWU

5.3.2 Geldpolitische Reaktion und Etablierung EFSF/ESM

5.3.2.1 EFSF/ESM

5.3.2.2 Ankauf von Staatsanleihen und Senkung der Leitzinsen

5.3.3 Verabschiedung eines Fiskalpaktes

6 Konsequenzen und Herausforderungen für die Zukunft

6.1 Einführung einer gemeinsamen Wirtschaftsregierung

6.2 Überarbeitung des aktuellen Regelsystems

6.3 Osterweiterung der Eurozone

7 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Stabilität des Euro als supranationale Währung in einem Spannungsfeld zwischen europäischen und nationalen Interessen, insbesondere vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob der Euro dauerhaft als stabile Währung bestehen kann und welche regulatorischen Maßnahmen in den Verträgen der Europäischen Union oder der Eurozone hierfür erforderlich sind.

  • Theoretische Grundlagen optimaler Währungsräume nach Robert Mundell und deren Anwendung auf die Eurozone.
  • Analyse des Prozesses der Währungsunion vom Delors-Plan bis zur Einführung des Euro.
  • Kritische Würdigung der institutionellen Ausgestaltung der Währungsunion, einschließlich Konvergenzkriterien und Fiskalpolitik.
  • Evaluierung der Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 und der geldpolitischen Reaktionen.
  • Diskussion zukünftiger Herausforderungen, wie die Wirtschaftsregierung und die Osterweiterung der Eurozone.

Auszug aus dem Buch

2.1 Darstellung der Theorie

„The OCA [(Optimum Currency Area)] theory is back. Once dismissed as a “dead-end problem” with little practical significance…the issue has been resuscitated and re-thought.”19 Dieses Zitat von George Tavlas, ehemals in führender Position für den Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig, verdeutlicht die Bedeutung der 50 Jahre alten Theorie der optimalen Währungsräume. Durch die Schaffung der Eurozone hat sich ein interessantes aktuelles Untersuchungsobjekt für Währungstheoretiker ergeben. Robert Mundell erforschte 1961 die seiner Meinung nach grundlegenden Eigenschaften eines optimalen Währungsraumes und war somit der Begründer der Theorie der optimalen Währungsräume. Mc Kinnon (1963) und Kenen (1969) erweiterten bzw. überarbeiteten die Theorie von Mundell.20 Sie erachten es erst dann als sinnvoll eine gemeinsame Währung einzuführen, wenn der ökonomische Integrationsprozess bereits weit fortgeschritten ist.21 In diesem Kapitel (Kap. 2.1) sollen daher die wesentlichen Elemente der Theorie optimaler Währungsraume nach Mundell dargestellt werden. Im folgenden Kapitel (Kap. 2.2) soll dann diskutiert werden inwiefern die EWU nach der Theorie der optimalen Währungsräume einem optimalen Währungsraum entspricht.

Ein optimaler Währungsraum wird definiert als optimales geographisches Gebiet für eine einheitliche, oder für mehrere Währungen, deren Wechselkurse unwiderruflich fixiert sind.22 Die einheitliche Währung oder die Währungen mit fixierten Wechselkursen unterliegen regelmäßigen Schwankungen gegenüber anderen Währungen. Die Grenzen eines optimalen Währungsraumes sind definiert durch die Staaten, die an der Währungsunion teilnehmen.23 Der Begriff „optimal“ bezieht sich hierbei auf die Fähigkeit der jeweiligen Staaten, die Kosten für die Teilnahme an der Währungsunion möglichst gering zu halten und die bei einer Saldobetrachtung für sich größeren Vorteile zu generieren.24 Die Kosten für die Teilnahme an einer Währungsunion bestehen im Wesentlichen darin, dass ein teilnehmendes Land seine souveräne und eigenverantwortliche Geldpolitik zugunsten einer gemeinsamen Geldpolitik aufgibt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung des Euro als singuläres Ereignis und führt in die Fragestellung ein, wie der Euro trotz des Spannungsverhältnisses zwischen supranationaler Geldpolitik und nationaler Wirtschaftspolitik stabil bleiben kann.

2 Die Theorie optimaler Währungsräume: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen nach Mundell dar und prüft, inwiefern die Eurozone die Kriterien für einen optimalen Währungsraum erfüllt.

3 Schaffung eines einheitlichen Währungsraumes innerhalb der Europäischen Union: Der Prozess der Währungsunion wird anhand des Delors-Plans in drei Phasen beschrieben, von der Liberalisierung des Kapitalverkehrs bis zur Einführung des Euro.

4 Ausgestaltung der Europäischen Währungsunion: Dieses Kapitel analysiert das Regelwerk der EWU, einschließlich der Konvergenzkriterien, des Stabilitäts- und Wachstumspakts, der No-Bailout-Klausel und der Organisation des Eurosystems.

5 Realität der Euro-Einführung: Die Einhaltung der Konvergenzkriterien, der Wandel des Marktumfeldes und die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/2008 auf die Eurozone werden hier kritisch analysiert.

6 Konsequenzen und Herausforderungen für die Zukunft: Hier werden die Einführung einer Wirtschaftsregierung, die Überarbeitung des Regelsystems und die Herausforderungen einer potenziellen Osterweiterung diskutiert.

7 Fazit: Das Fazit bewertet die Analyseergebnisse und schlägt Maßnahmen zur Sicherung der langfristigen Stabilität des Euro vor.

Schlüsselwörter

Euro, Eurozone, Währungsunion, Europäische Zentralbank, EZB, Konvergenzkriterien, Theorie optimaler Währungsräume, Staatsschuldenkrise, Finanzpolitik, Stabilitäts- und Wachstumspakt, Geldpolitik, Wirtschaftsregierung, Osterweiterung, Stabilität, Fiskalpakt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Stabilität des Euro als gemeinsame Währung in einem Staatenverbund ohne eigene staatliche Struktur, insbesondere unter dem Einfluss der Finanzkrise.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Theorie optimaler Währungsräume, die institutionellen Rahmenbedingungen der Europäischen Währungsunion und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob der Euro in dem bestehenden Spannungsverhältnis von europäischen und nationalen Interessen langfristig stabil sein kann und welche Regeländerungen dafür notwendig sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine wirtschaftswissenschaftliche Analyse, die ökonomische Theorien auf die Realität der Eurozone anwendet und aktuelle Entwicklungen sowie Verträge evaluiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Kriterien für Währungsräume, den historischen Weg zum Euro, das institutionelle Regelwerk der EU sowie die Analyse der Krisenreaktionen und künftigen Reformnotwendigkeiten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Eurozone, Konvergenzkriterien, Stabilität, EZB, Fiskalpakt und Wirtschaftsregierung.

Inwiefern hat die Finanzkrise die Debatte über den Euro verändert?

Die Krise hat die Konstruktionsfehler der Währungsunion offengelegt, insbesondere das Fehlen eines Mechanismus zur Bewältigung asymmetrischer Schocks und die mangelnde Disziplin bei der Einhaltung der Konvergenzkriterien.

Welche Rolle spielen die Konvergenzkriterien für die zukünftige Osterweiterung?

Die Arbeit argumentiert, dass die Kriterien derzeit von vielen Beitrittskandidaten nicht erfüllt werden und eine zu laxe Handhabung dieser Regeln, wie in der Vergangenheit, die Stabilität der Eurozone gefährden würde.

Wie bewertet der Autor die Idee einer europäischen Wirtschaftsregierung?

Der Autor steht dieser Idee skeptisch gegenüber, da sie nationale Souveränitätsverluste mit sich bringt und international die Wettbewerbsfähigkeit der Eurozone durch eine mögliche Nivellierung auf ein Mittelmaß gefährden könnte.

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Résumé des informations

Titre
Kritische Würdigung der Einführung einer einheitlichen Währung in den Ländern der Eurozone
Université
Berufsakademie für Bankwirtschaft , Hannover
Note
1,0
Auteur
Hendrik Dieckmann (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
117
N° de catalogue
V197239
ISBN (ebook)
9783656236054
ISBN (Livre)
9783656238973
Langue
allemand
mots-clé
Eurokrise Euroeinführung Eurozone Euro Finanzkrise Staatsschuldenkrise Verschuldungskrise Euro-Rettung Zukunft des Euro
Sécurité des produits
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Citation du texte
Hendrik Dieckmann (Auteur), 2012, Kritische Würdigung der Einführung einer einheitlichen Währung in den Ländern der Eurozone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197239
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