Heutzutage mit Qualität und Verantwortung im deutschen Krankenhausalltag zu pflegen, ist bedingt durch die Missstände in unserem Gesundheitssystem schon lange nicht mehr möglich. Durch die vielen Einsparungsmaßnahmen und den Kostendruck der letzten Jahre bleibt der Patient und seine Versorgung auf der Strecke. Zwar wurden etliche Versuche Unternommen um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und eine Qualität in der pflegerischen Versorgung, trotz beschnittener Personalressourcen, zu gewährleisten, doch blieben solche Maßnahmen oftmals (wegen Personalmangel, Finanzen, etc.) erfolglos. Es sind also neue Lösungsansätze und Ideen gefragt, um unter den gegenwärtigen Bedingungen wieder hochwertig und qualitativ pflegen zu können. In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Pflegeorganisationssystem, dass sogenannte Primary Nursing eingehen, welches im angelsächsischen Raum in den sechziger Jahren entwickelt wurde und seitdem nicht nur dort, sondern auch in vielen anderen Ländern mit Erfolg praktiziert wird.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung von Primary Nursing
3. Begriffserklärungen
3.1 Funktionspflege
3.2 Gruppenpflege
3.3 Dezentrale Entscheidungsfindung
4. Das theoretische Konstrukt von Primary Nursing
4.1 Rolle der Primary Nurse
4.2 Rolle der Associated Nurse
4.3 Rolle der Stationsleitung
5. Vorteile der Implementierung von PN im deutschen Krankenhausalltag
5.1 Betriebswirtschaftliche Vorteile
5.1.1 Ökonomischer Aspekt
5.1.2 Gesteigerte Unternehmensqualität
5.1.3 Erfüllung der Qualitätssicherungsvorgaben
5.2 Vorteile für die Pflege bei der Implementierung
5.2.1 Steigerung der Versorgungsqualität
5.2.2 Mitarbeiterzufriedenheit
5.2.3 Möglichkeit zur Professionalisierung und Autonomiegewinnung
5.2.4 Beschreiten neuer Wege
6. Nachteile der Implementierung von PN im deutschen Krankenhausalltag
6.1 Betriebswirtschaftliche Nachteile
6.1.1 Aufwendige Einführungsmaßnahmen
6.1.2 Kosten
6.2 Nachteile für die Pflege bei der Implementierung
6.2.1 Ungewollte Hierarchieschaffung
6.2.2 Gefahr durch inkompetente Kontrolle
6.2.3 Struktur und Akzeptanzproblem
6.2.4 Realitätsverschleierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Pflegeorganisationssystem "Primary Nursing" kritisch auf seine Anwendbarkeit im deutschen Krankenhausalltag. Ziel ist es, sowohl die betriebswirtschaftlichen als auch die pflegefachlichen Vor- und Nachteile der Implementierung gegenüberzustellen, um zu bewerten, ob das System eine Lösung für aktuelle Herausforderungen wie Ressourcenknappheit und Qualitätssicherung darstellt.
- Historische Herleitung des Primary-Nursing-Konzepts
- Strukturmodell: Primary Nurse, Associated Nurse und Stationsleitung
- Betriebswirtschaftliche Potenziale und ökonomische Faktoren
- Qualitätssicherung durch Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
- Implementierungshürden und strukturelle Risiken
Auszug aus dem Buch
Das theoretische Konstrukt von Primary Nursing
Primary Nursing ist ein pflegerisches Versorgungssystem das aus vier Kernelementen besteht und mit dem es gelingen „kann“, ein professionelles Arbeiten und optimale, qualitative, sowie individualisierte Versorgung der Patienten, zu erreichen. Marie Manthey beschreibt diese Organisationsform der Pflege aufgrund ihrer Möglichkeiten und weil der Mensch im Mittelpunkt steht, sogar als Philosophie.
Die vier Kernelemente im Einzelnen genannt wären: 1. Übertragung der persönlichen Verantwortung für das Treffen von Entscheidungen auf eine Person und deren Akzeptanz dieser Verantwortung. 2. Tägliche Arbeitszuweisung nach der Fallmethode. 3. Direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch. 4. Übernahme der Verantwortung für die Qualität der für einen Patienten erbrachten Pflege, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.
Das erste Element, die Übertragung der persönlichen Verantwortung für das Treffen von Entscheidungen auf eine Person, die sogenannte Primary Nurse und die Akzeptanz dieser Verantwortung durch diese, ist das Herzstück des Primary-Nursing-Systems. „…Die primäre Pflegekraft entscheidet verantwortlich darüber, wie ihr Patient pflegerisch versorgt wird, und zwar kontinuierlich rund um die Uhr…“ Aufgrund dieser Tatsache der direkten Verantwortungsübernahme durch die primäre Pflegekraft, sowie der Pflegekräfte, unterscheidet sich Primary Nursing auch so grundlegend von den anderen bekannten Pflegeorganisationssystemen. In der Funktionspflege werden die Entscheidungen über das Pflegehandeln meist von der Stationsleitung oder einer ähnlichen Hierarchieebene getroffen, die das ganze mehr oder weniger überblicken und Aufgaben verteilen. Bei der Gruppenpflege wiederum wird nicht von der Hierarchieebene aus entschieden, sondern hier finden sich die Mitglieder, welche mit der Pflege einer gewissen Anzahl von Patienten betraut sind, zusammen und beratschlagen gemeinsam, wie das Pflegegeschehen erfolgreich gestaltet werden könnte. Die Entscheidung über den Pflegeplan und das Pflegehandeln wird bei der Gruppenpflege im Kollektiv getroffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Pflegeorganisationssystems Primary Nursing als Ansatz zur Qualitätssteigerung und Effizienz im deutschen Gesundheitswesen.
2. Historische Entwicklung von Primary Nursing: Darstellung der Ursprünge in den USA und der Entwicklung aus den pflegerischen Anforderungen der jeweiligen Zeit.
3. Begriffserklärungen: Definition und Abgrenzung alternativer Systeme wie Funktions- und Gruppenpflege sowie des Konzepts der dezentralen Entscheidungsfindung.
4. Das theoretische Konstrukt von Primary Nursing: Erläuterung der vier Kernelemente und der spezifischen Rollenverteilung zwischen Primary Nurse, Associated Nurse und Stationsleitung.
5. Vorteile der Implementierung von PN im deutschen Krankenhausalltag: Analyse der ökonomischen Vorteile, Qualitätsaspekte und der Bedeutung für die Professionalisierung der Pflege.
6. Nachteile der Implementierung von PN im deutschen Krankenhausalltag: kritische Betrachtung der Herausforderungen, Kosten, Hierarchieprobleme und Akzeptanzschwierigkeiten.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Implementierungschancen unter Berücksichtigung von Wettbewerbsdruck und pflegerischer Autonomie.
Schlüsselwörter
Primary Nursing, Pflegeorganisation, Krankenhausmanagement, Pflegequalität, Patientenzentrierung, Arbeitszufriedenheit, Primary Nurse, Associated Nurse, Fallmethode, Qualitätssicherung, Professionalisierung, Autonomie, Pflegesystem, DRG-Abrechnung, Ressourcenknappheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Pflegeorganisationssystem "Primary Nursing" und hinterfragt, ob es bei der Implementierung in deutschen Krankenhäusern primär Vorteile bringt oder ob auch signifikante Nachteile entstehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung des Modells, die theoretische Struktur (Rollenverteilung), die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen (z.B. Kosten, Effizienz) sowie die pflegefachlichen Auswirkungen auf die Versorgungsqualität und Mitarbeiterzufriedenheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Gegenüberstellung der Chancen und Risiken von Primary Nursing, um eine Einschätzung für die praktische Anwendbarkeit unter den derzeitigen ökonomischen Bedingungen in deutschen Kliniken zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die verschiedene Fachpublikationen, Studien und theoretische Konzepte (wie das von Marie Manthey) systematisch auswertet und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Rollenkonzepte, eine detaillierte Analyse der betriebswirtschaftlichen Vorteile und Risiken sowie eine Untersuchung der Auswirkungen auf die Pflegequalität und die Arbeitsbedingungen der Pflegenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Primary Nursing, Pflegequalität, Patientenorientierung, Professionalisierung, Fallmethode und dezentrale Entscheidungsfindung.
Warum spielt die "Rolle der Primary Nurse" eine so zentrale Rolle im Modell?
Sie bildet das Herzstück, da durch die kontinuierliche Verantwortungsübernahme für einen Patienten (24/7) eine Kontinuität und Qualität gewährleistet wird, die sich deutlich von klassischen Systemen wie der Funktionspflege abhebt.
Welche Rolle spielt die ökonomische Situation (DRG) bei der Bewertung des Konzepts?
Die DRG-Finanzierung erfordert eine effiziente Ressourcennutzung. Der Autor untersucht, ob Primary Nursing trotz der anfänglich hohen Implementierungskosten durch Effizienzgewinne und Qualitätssteigerungen eine wirtschaftlich sinnvolle Investition darstellt.
Inwiefern beeinflusst die Hierarchie die Akzeptanz von Primary Nursing?
Das Modell erfordert einen Paradigmenwechsel weg von starren Hierarchien hin zu dezentraler Entscheidungskompetenz. Dies kann zu Spannungen zwischen Ärzteschaft und Pflege führen, wenn bestehende Machtstrukturen in Frage gestellt werden.
- Citation du texte
- Stefan Glaser (Auteur), 2009, Primary Nursing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197310