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E.T.A. Hoffmann "Des Vetters Eckfenster" - Bekenntnis zur Romantik oder Versöhnung mit dem Realismus?

Title: E.T.A. Hoffmann "Des Vetters Eckfenster" - Bekenntnis zur Romantik oder Versöhnung mit dem Realismus?

Term Paper , 2004 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Paga (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der deutschen Literatur trifft man immer wieder auf Autoren, die von den Normen ihrer Zeit abweichen und somit eine außerordentliche Sonderstellung einnehmen. Speziell E.T.A. Hoffmann gilt als ein solch „skurriler Sonderfall“ der deutschen Literatur. Besonders bezüglich seiner Erzählung „Des Vetters Eckfenster“ liegen die Positionen und Ergebnisse der Forschung weit auseinander. E.T.A. Hoffmann verzichte hier auf all das, was sonst einen bedeutsamen Bestandteil seiner Werke ausmache, nämlich das Unheimliche, das Übernatürliche, das Phantastische.
In „Des Vetters Eckfenster“ führt der durch Krankheit, sowohl in körperlicher, als auch in schriftstellerischer, jedoch nicht in geistiger Hinsicht gelähmte Vetter den jungen Ich-Erzähler in „die Primizien der Kunst zu schauen“ ein. Anhand eines äußeren Objekts, dem Marktgeschehen des Berliner Gendarmenmarktes, welcher sich vor dem Fenster des Vetters abspielt, demonstriert der Vetter, indem er einzelne Individuen aus dem Gesamtbild hervorhebt und ihnen Geschichten auf den Leib schneidert, die Anwendung des serapiontischen Prinzips und versucht somit den Blick des Ich-Erzählers zu schulen.
In der Literaturforschung, insbesondere seit den sechziger Jahren aber, wird Hoffmann aufgrund dieses Zusammenhangs, der Schau ausgehend von einem äußeren Objekts, die Hinwendung zum Realismus attestiert. „Des Vetters Eckfenster“ sei Hoffmanns Versuch einer neuen Poetik des Schauens, mit welcher er sich sowohl von der Romantik abwende, als auch dem serapiontischen Prinzip eine Absage erteile. Doch wird nicht auch schon in der Formulierung des serapiontischen Prinzips, die Unaufhebbarkeit der Außenwelt „als Hebel der inneren Bilder“ betont? Wenn die Außenwelt allerdings für die innere Schau als unabdingbar gilt, ist somit nicht gerade das, was hier als Ansatz einer neuen, realistischen Poetik gewertet wird ein konstanter Bestandteil der Erzählungen E.T.A. Hoffmanns? Vielmehr führt er in „Des Vetters Eckfenster“ das romantische Ideal der Absolutierung des Subjekts ad absurdum und entwickelt so eine funktionierende Schreibweise, die den Forderungen der Romantik weit mehr gerecht wird. Somit ist es Ziel dieser Arbeit aufzuzeigen, dass „Des Vetters Eckfenster“ nicht mit Hoffmanns Abkehr von der Romantik und der Hinwendung zum Realismus gleichzusetzen ist, sondern als eine der Anforderungen des literaturwissenschaftlichen Konstrukt der romantischen Epoche entsprechenden Poetik anzusehen ist...

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

II.1. Positionen der Forschung: Die Rezeption Hoffmanns später Erzählung „Des Vetters Eckfenster“

II.2. Das poetologische Prinzip des heiligen Serapion

II.3. Romantische Elemente und Motive in „Des Vetters Eckfenster“

III. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählung „Des Vetters Eckfenster“ von E.T.A. Hoffmann im Hinblick auf ihre literaturwissenschaftliche Einordnung. Das Ziel ist es, die kontroversen Thesen zu widerlegen, nach denen das Werk eine Abkehr von der Romantik und eine Hinwendung zum Realismus darstelle, und stattdessen die Kontinuität romantischer poetologischer Prinzipien in Hoffmanns Spätwerk aufzuzeigen.

  • Analyse der Rezeptionsgeschichte von „Des Vetters Eckfenster“
  • Erläuterung des serapiontischen Prinzips als konstitutives Element
  • Untersuchung der Symbiose von Innen- und Außenwelt
  • Hinterfragung der romantischen Subjektideologie
  • Neubestimmung der Position Hoffmanns innerhalb der Epochengliederung

Auszug aus dem Buch

II. 1.: Positionen der Forschung: Die Rezeption Hoffmanns später Erzählung „Des Vetters Eckfenster“:

In der Literaturforschung existieren weitreichend kontroverse Diskussionen und Ergebnisse hinsichtlich des Werks E.T.A. Hoffmanns. Schwierigkeiten ihn in die „literarische Landschaft seiner Zeit“6 einzuordnen sind pandemisch verbreitet und erstrecken sich über die gesamte Literaturforschung. Was vor allem an seinem Werk irritiert sind die auffallend realistischen Züge, die besonders bei „Des Vetters Eckfenster“ in Erscheinung treten sollen. So erstrecken sich diesbezüglich die literarischen Urteile von einem „kritischen Realismus“7, den Hoffmann in dieser Erzählung antizipiert habe, bis hin zu einer romantischen Schreibweise, die einer bloßen Rekapitulation des frühromantischen Gestus gleichkommen soll.8 Doch warum scheiden sich an Des Vetters Eckfenster in dieser Weise die Geister? Wie kommt es anhand eines Werkes zu einer solch ambivalenten Positionsdifferenz?

Neben den auffällig realistischen Zügen, die „Des Vetters Eckfenster“ beinhalten soll, ist es vor allem der Umstand, dass eine Vielzahl zeitgenössischer Autoren Hoffmanns das Reich des phantasmas hinter sich ließen und sich zunehmend einer realistischen Schreibweise annäherten. So trat beispielsweise Schlegel zur katholischen Kirche9 über und selbst Tieck versöhnte sich aufgrund der Erkenntnis, dass sich die hochgesteckten Forderungen des derzeitigen Diskurses nicht aufrechterhalten ließen, mehr und mehr mit der Realität des Bürgertums.10 Eben wegen dieser Subversion des romantischen Programms, die sich also in der Aussöhnung mit dem derzeitigen System der Realität widerspiegelte, scheint es naheliegend E.T.A. Hoffmann ebenfalls „in diese allgemeine literarische Entwicklung einzuordnen“.11

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung skizziert die wissenschaftliche Debatte um Hoffmanns „Des Vetters Eckfenster“ und stellt die These auf, dass das Werk keine Abkehr von der Romantik, sondern eine Fortführung ihrer poetologischen Ideale darstellt.

II.1. Positionen der Forschung: Die Rezeption Hoffmanns später Erzählung „Des Vetters Eckfenster“: Dieses Kapitel stellt die widersprüchlichen Forschungsmeinungen dar, die das Werk entweder als „kritischen Realismus“ oder als rein romantische Erzählung interpretieren.

II.2. Das poetologische Prinzip des heiligen Serapion: Hier wird das serapiontische Prinzip als theoretisches Fundament von Hoffmanns Schaffen erläutert, das die Verbindung von Innen- und Außenwelt zur Voraussetzung wahrer Dichtkunst erhebt.

II.3. Romantische Elemente und Motive in „Des Vetters Eckfenster“: Das Kapitel analysiert, wie Hoffmann romantische Topoi wie die Isolation des Subjekts und die Ästhetik des Hässlichen in seine Erzählung einbettet, um sie kritisch zu reflektieren.

III. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Hoffmann als ein reifes Ergebnis der romantischen Epoche ein, indem sie die vermeintliche Abkehr vom Romantischen als Konsistenz der Schaffensweise entlarvt.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Des Vetters Eckfenster, Romantik, Realismus, serapiontisches Prinzip, Literaturwissenschaft, Phantasie, Poetologie, Subjekt, Innenwelt, Außenwelt, Epochengliederung, Rezeptionsgeschichte, Ästhetik, literarischer Diskurs.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Erzählung „Des Vetters Eckfenster“ von E.T.A. Hoffmann und hinterfragt, ob das Werk tatsächlich einen Bruch mit der Romantik zugunsten des Realismus markiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen das serapiontische Prinzip, das Verhältnis von romantischer Phantasiewelt zur bürgerlichen Realität und die literaturgeschichtliche Positionierung Hoffmanns.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu beweisen, dass die Erzählung trotz realistisch anmutender Züge fest in der romantischen Tradition verwurzelt ist und die poetologischen Anforderungen Hoffmanns konsequent umsetzt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt die Analyse und Gegenüberstellung von Fachliteratur sowie die textnahe Interpretation der Erzählung, um die Forschungsargumente zu belegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Forschungspositionen, die Herleitung des serapiontischen Prinzips und die Untersuchung romantischer Motive innerhalb des Primärtextes.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind das serapiontische Prinzip, die Duplizität des Seins, die Romantik-Realismus-Debatte und die Poetik des Schauens.

Inwiefern spielt der „Berliner Gendarmenmarkt“ eine Rolle in der Erzählung?

Er dient als äußeres Objekt, an dem der Vetter dem Ich-Erzähler die „Primizien der Kunst zu schauen“ demonstriert und somit die theoretischen Ansätze der Erzählung in der Realität verankert.

Wie bewertet der Autor Hoffmanns „Abkehr“ von der Romantik?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es keine tatsächliche Abkehr gibt, sondern dass Hoffmann durch die Erweiterung der Phantasiewelt um externe Bilder eine funktionierende romantische Schreibweise entwickelt hat.

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Details

Title
E.T.A. Hoffmann "Des Vetters Eckfenster" - Bekenntnis zur Romantik oder Versöhnung mit dem Realismus?
College
University of Duisburg-Essen
Grade
1,3
Author
Christian Paga (Author)
Publication Year
2004
Pages
20
Catalog Number
V197325
ISBN (eBook)
9783656235361
ISBN (Book)
9783656240037
Language
German
Tags
hoffmann vetters eckfenster bekenntnis romantik versöhnung realismus
Product Safety
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Quote paper
Christian Paga (Author), 2004, E.T.A. Hoffmann "Des Vetters Eckfenster" - Bekenntnis zur Romantik oder Versöhnung mit dem Realismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197325
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