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Sternen-Freundschaft und Erden-Feindschaft? Das Verhältnis von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner

Titre: Sternen-Freundschaft und Erden-Feindschaft? Das Verhältnis von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner

Dossier / Travail de Séminaire , 2002 , 32 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Christian Apfelbacher (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Résumé Extrait Résumé des informations

[...] Damit ist auch schon die Perspektive vorgegeben: ich
beleuchte das Verhältnis aus der Sicht Nietzsches, des Jüngeren, der Wagner um 17 Jahre
überlebt hat.
Insbesondere soll untersucht werden, welchen Status oder welche Qualität der Bruch
zwischen Nietzsche und Wagner hat. Vielfach verfolgte Interpretationsstränge sind einerseits
der Auffassung, es handle sich um eine Entfernung aus weltanschaulichen Motiven,
andererseits werden biographische Details stark betont. Ich möchte dagegen die These
belegen, dass der Bruch eine geistige Befreiung Nietzsches von Wagner bedeutete: da bei
beiden das Denken mit dem Erleben stark verwoben ist, hatte meines Erachtens jede
Verschiebung in philosophischen Positionen immer auch ein biographisches, weil
erlebensmäßiges Korrelat. Kulturphilosophisches und Biographisches werden jeweils als
Aspekte des Bruchs ausgelegt. So besteht die Hauptaufgabe der Arbeit darin, an Hand
verschiedener Schriften Nietzsches dessen Positionen zu erarbeiten und sie mit wichtigen
biographischen Einzelheiten zu verweben.
Warum erscheint das Thema Nietzsche-Wagner im Rahmen einer literaturwissenschaftlichen
Arbeit? Zunächst war Nietzsche selbst (klassischer) Philologe und dann erst Philosoph. So
sind denn auch seinen philosophischen Schriften immer auch unter dem Aspekt ihrer
sprachlichen Form zu betrachten und oftmals reich an Metaphern, kurzen Gedichten oder
Aphorismen. Nietzsches Schriften verlangen eine philologisch-philosophische Interpretation.
Wagner eröffnet ebenfalls einen literaturwissenschaftlichen Zugang, die ihm eigene Genialität
liegt in der Verbindung von Wortdichtung und Musik. Schließlich gehört die Literatur in den
Bereich der Kunst überhaupt, die für Nietzsche wie Wagner Ausgangspunkt aller
intellektuellen oder kreativen Betätigung bildet. Das Thema erfordert also, den Fokus reiner
philologischer Textanalyse zu weiten - in den Bereich der Ästhetik allgemein.
Die Schriften Nietzsches zitiere ich aus der Kritischen Studienausgabe (KSA) von
Colli/Montinari in der üblichen Weise (Band, Seite), aus Band 31 der Digitalen Bibliothek,
der die von Karl Schlechta herausgegebenen Werke Nietzsches und die Biographie von Curt Paul Janz enthält oder aus einer von Dieter Borchmeyer herausgegebenen Sammlung von
Schriften, Aufzeichnungen und Briefen mit dem Titel Der Fall Wagner.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Geburt der Tragödie

2.1 Die Fragestellung

2.2 Der Ansatz

2.3 Die Rolle des Chors und das Wesen der Tragödie

2.4 Der Untergang der Tragödie

2.5 Wiedergeburt des Tragischen im Mythos

2.6 Der Zusammenhang mit Wagners Kunsttheorie

3 Tribschener Idyll

4 Richard Wagner in Bayreuth

5 Die Entfremdung

5.1 Bayreuth

5.2 Menschliches, Allzumenschliches

5.3 Distanzierung und Würdigung

6 Die Antiwagneriana von 1888

6.1 Der Fall Wagner

6.2 Nietzsche contra Wagner

7 Nietzsches vierfache Optik

8 Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Friedrich Nietzsche und Richard Wagner unter Berücksichtigung kulturphilosophischer und biographischer Aspekte, um den Bruch zwischen den beiden Denkern als Prozess geistiger Befreiung zu analysieren.

  • Entwicklung und Wandel der Beziehung zwischen Nietzsche und Wagner
  • Philologisch-philosophische Interpretation von Nietzsches Wagner-Rezeption
  • Analyse des "Bruchs" als biographisch-geistiger Entwicklungsprozess
  • Untersuchung von Schlüsselbegriffen wie Décadence und dem Sokratischen
  • Bewertung von Wagners Einfluss auf Nietzsches philosophische Genese

Auszug aus dem Buch

5.3 Distanzierung und Würdigung

Zwischen 1878 und 1882 findet Wagner weiterhin namentlich wenig Erwähnung in Nietzsches Schriften, wohl aber in Aufzeichnungen und Briefen. Vor allem ein Topos dieser Zeit sei herausgegriffen, dass Nietzsche nämlich – trotz der irreversiblen Entfremdung – dennoch Hochschätzung und Würdigung Wagners zum Ausdruck bringt. Der Aphorismus 279 aus Die fröhliche Wissenschaft, einer 1882 erscheinenden Schrift, ist eine bewegende wie prägnante metaphorische Zusammenschau der fraglich gewordenen Beziehung und wird deshalb beispielhaft ganz zitiert:

„Sternen-Freundschaft. - Wir waren Freunde und sind uns fremd geworden. Aber das ist recht so, und wir wollen's uns nicht verhehlen und verdunkeln, als ob wir uns dessen zu schämen hätten. Wir sind zwei Schiffe, deren jedes sein Ziel und seine Bahn hat; wir können uns wohl kreuzen und ein Fest miteinander feiern, wie wir es getan haben, - und dann lagen die braven Schiffe so ruhig in einem Hafen und in einer Sonne, daß es scheinen mochte, sie seien schon am Ziele und hätten ein Ziel gehabt. Aber dann trieb uns die allmächtige Gewalt unserer Aufgabe wieder auseinander, in verschiedene Meere und Sonnenstriche, und vielleicht sehen wir uns nie wieder – vielleicht auch sehen wir uns wohl, aber erkennen uns nicht wieder: die verschiedenen Meere und Sonnen haben uns verändert! Daß wir uns fremd werden müssen, ist das Gesetz über uns: eben dadurch sollen wir uns auch ehrwürdiger werden! Ebendadurch soll der Gedanke an unsere ehemalige Freundschaft heiliger werden! Es gibt wahrscheinlich eine ungeheure unsichtbare Kurve und Sternenbahn, in der unsere so verschiedenen Straßen und Ziele als kleine Wegstrecken einbegriffen sein mögen - erheben wir uns zu diesem Gedanken! Aber unser Leben ist zu kurz und unsre Sehkraft zu gering, als dass wir mehr als Freunde im Sinne jener erhabenen Möglichkeit sein könnten. - Und so wollen wir an unsre Sternen-Freundschaft glauben, selbst wenn wir einander Erden-Feinde sein müssten.“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das komplexe Verhältnis von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner ein und formuliert die These, dass der Bruch zwischen beiden eine geistige Befreiung für Nietzsche bedeutete.

2 Die Geburt der Tragödie: Das Kapitel analysiert Nietzsches frühes Werk, seine Auseinandersetzung mit dem Dionysischen und Apollinischen sowie die Hoffnung auf eine Wiedergeburt der Tragödie durch Wagners Musik.

3 Tribschener Idyll: Hier wird der Beginn der engen persönlichen und freundschaftlichen Beziehung zwischen Nietzsche und Wagner während der Jahre in Tribschen beleuchtet.

4 Richard Wagner in Bayreuth: Dieses Kapitel thematisiert die aufkommenden Spannungen und Enttäuschungen Nietzsches gegenüber dem Projekt Bayreuth und Wagners künstlerischer Entwicklung.

5 Die Entfremdung: Das Kapitel beschreibt den Prozess der zunehmenden Distanzierung, die Rolle von "Menschliches, Allzumenschliches" sowie Nietzsches Ambivalenz zwischen Kritik und Würdigung.

6 Die Antiwagneriana von 1888: Hier liegt der Fokus auf den späten Kampfschriften "Der Fall Wagner" und "Nietzsche contra Wagner", in denen Nietzsche seine radikale Abrechnung mit Wagner vollzieht.

7 Nietzsches vierfache Optik: Das Kapitel systematisierte die verschiedenen Perspektiven Nietzsches auf Wagner mithilfe eines von Manfred Eger entwickelten Vier-Stufen-Modells.

8 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass der Bruch als untrennbarer geistig-biographischer Prozess zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Friedrich Nietzsche, Richard Wagner, Die Geburt der Tragödie, Décadence, Entfremdung, Musikdrama, Bayreuth, Philologie, Philosophie, Schopenhauer, Wagnerianer, Ästhetik, Kulturgeschichte, Kunsttheorie, Parsifal

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der intellektuellen und persönlichen Entwicklung der Beziehung zwischen Friedrich Nietzsche und Richard Wagner von ihrem ersten Zusammentreffen bis zur scharfen öffentlichen Ablehnung durch Nietzsche im Jahr 1888.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Nietzsches Wagner-Rezeption, das Konzept der "Décadence", die Bedeutung des Dionysischen und Apollinischen für die Kunst sowie die Verschränkung von biographischen Ereignissen mit philosophischen Positionen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den "Bruch" zwischen Nietzsche und Wagner nicht nur als ein punktuelles Ereignis zu verstehen, sondern als einen fortlaufenden geistig-biographischen Prozess der Distanzierung und Befreiung darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologisch-philosophische Interpretation von Nietzsches Schriften und Briefen, ergänzt durch die Analyse von Sekundärliteratur zu kulturgeschichtlichen Hintergründen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung: von der Begeisterung in der "Geburt der Tragödie" über das "Tribschener Idyll" und die Bayreuther Enttäuschungen bis hin zur radikalen polemischen Abrechnung in den "Antiwagneriana" des Jahres 1888.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nietzsche, Wagner, Tragödie, Décadence, Entfremdung, Musikdrama, Bayreuth, Schopenhauer und Kulturphilosophie.

Wie bewertet der Autor die Rolle des "Parsifal-Schocks"?

Der Autor argumentiert, dass der sogenannte "Parsifal-Schock" eine Legende ist, die maßgeblich von Nietzsches Schwester Elisabeth mitgeprägt wurde; Nietzsche setzte sich in der Realität weitaus differenzierter mit Wagner auseinander.

Was versteht man unter der "vierfachen Optik" auf Wagner?

Es ist ein Modell von Manfred Eger, das Nietzsches Blick auf Wagner in vier Kategorien unterteilt: den inspirierenden Freund, den enttäuschenden Bayreuther Meister, den von Wagnerianern entstellten Idealtypus und den Komponisten der großen Musikdramen.

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Résumé des informations

Titre
Sternen-Freundschaft und Erden-Feindschaft? Das Verhältnis von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner
Université
LMU Munich  (Institut für Deutsche Philologie)
Cours
Hauptseminar: Mittelalterrezeption in Literatur und Kunst der Romantik
Note
1,0
Auteur
Christian Apfelbacher (Auteur)
Année de publication
2002
Pages
32
N° de catalogue
V19733
ISBN (ebook)
9783638237857
Langue
allemand
mots-clé
Sternen-Freundschaft Erden-Feindschaft Verhältnis Friedrich Nietzsche Richard Wagner Hauptseminar Mittelalterrezeption Literatur Kunst Romantik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Christian Apfelbacher (Auteur), 2002, Sternen-Freundschaft und Erden-Feindschaft? Das Verhältnis von Friedrich Nietzsche und Richard Wagner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19733
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Extrait de  32  pages
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