ADHS in der Schule

Ursachen, Diagnostik und Möglichkeiten für den Einsatz in der Schule


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

I. Definition und Ursachen
1.1 Definition
1. 2 Ursachen

II. Diagnostik, Prävalenz, Behandlung
2.1 Diagnostik
2.2 Prävalenz und Verlauf
2.3 Behandlung

III. ADHS in der Schule
3.1 Grundlegendes
3.2 Verstärkerpläne und Selbsregulation
3.3 Die Auszeitmethode
3.4 Konzentrationsförderung

IV. Fazit

Einleitung

Die Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zählt mit 3-7 % Betroffenen weltweit zu den häufigsten Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Die betroffenen Schüler erzielen aufgrund ihrer Erkrankung schlechtere Ergebnisse und müssen in der Schule öfter als andere eine Klasse wiederholen. Zur Wirksamkeit der Behandlung mit Methylphenidat (z.B. Ritalin) gibt es verschieden Meinungen. Fast alle Experten sind sich jedoch darüber einig, dass neben der Behandlung mit Stimulanzien auch eine psychologische Behandlung und besondere Methoden im Unterricht erforderlich sind. Da die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung mit Ritalin nicht von den Lehrern getroffen wird, spielt sie in dieser Arbeit keine große Rolle. Im Fokus stehen vielmehr die Ursachen, die Diagnostik und die besondere Betreuung im Unterricht. Neben diesen Maßnahmen verspricht ein begleitendes Lerntraining/Verhaltenstherapie den größten Erfolg. Als internationaler Standard gilt dabei ein multimodaler Therapieansatz als angezeigt, wie die American Academy of Child and Adolescent Psychiatry konstatiert[1].

Im ersten Abschnitt dieser Arbeit wird zunächst der Begriff ADHS definiert. Was bedeutet er genau und welche Formen von ADHS gibt es? Dies geschieht auf Basis der international anerkannten Klassifikationssystem DSM-IV und ICD-10. Im Anschluss daran werden kurz die Ursachen - soweit bekannt - der Verhaltensstörung dargestellt.

Im zweiten Abschnitt wird auf die Diagnose und die Probleme dabei eingegangen. Sie wird in Deutschland oft nicht sachgemäß durchgeführt und liefert häufig Anlass zur Kritik. In der neueren Forschung wird meist eine multimodale und multimethodale Diagnose empfohlen. Dann wird auf die Häufigkeit des Vorliegens von ADHS bei Jugendlichen und Kindern in Deutschland eingegangen, um so zu zeigen, welche Rolle ADHS in der Schule spielt. Am Ende des zweiten Abschnitts werden kurz die Möglichkeiten der Behandlung dargestellt.

Die Forschung im Bereich ADHS hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Dabei wurden nach Linderkamp nicht nur die ursächlichen und weiteren Bedingungsfaktoren untersucht, sondern auch die Verhaltens-, Erlebens- und Leistungsprobleme wurden weitgehend untersucht[2]. Genau diese Erkenntnisse bieten Ansatzpunkte für besondere Methoden zur Förderung der ADHS-Kinder und -Jugendlichen in der Schule. Darauf wird im zweiten Abschnitt genauer eingegangen.

Zunächst werden grundlegende Strategien, Methoden und Vorgehensweisen aufgezeigt. Dann wird auf mögliche konkrete Vorgehensweisen durch die Lehrkräfte eingegangen. In einem kurzen Fazit werden die wichtigsten Ergebnisse zusammen gefasst.

I. Definition und Ursachen

1.1 Definition

Man unterscheidet zwischen zwei Grundformen[3]: Kinder und Jugendliche mit einer Aufmerksamkeitsstörung (Attention-Deficit-Disorder = Aufmerksamkeitsstörung = ADS) sowie Kinder und Jugendliche mit einer Aufmerksamkeitsstörung und hyperaktivem/impulsivem Verhalten (Attention-Deficit-Disorder = ADHD = Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung = ADHS). Nach Leins kommt als dritte Form, eine Mischform hinzu[4].

Nach Russel Barkley gibt es drei Leitsymptome der ADHS bei Kindern und Jugendlichen[5]: gestörte Konzentrationsfähigkeit, verbunden mit hoher Ablenkbarkeit, geringe Selbstkontrolle und ausgeprägtes impulsives Verhalten sowie auffällige motorische Unruhe. Es gibt aktuell zwei international anerkannte Klassifikationssysteme, das ICD-10 und das DSM-IV. Zwischen beiden Systemen besteht im großen und ganzen fast eine Kongruenz. Das DSM-IV definiert die Begriffe "Unaufmerksamkeit", "Impulsivität" und "Hyperaktivität" wie folgt:

"A. Entweder Punkt (1) oder Punkt (2) müssen zutreffen:

(1) sechs (oder mehr) der folgenden Symptome von Unaufmerksamkeit sind während der letzten sechs Monate beständig in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß vorhanden gewesen:

Unaufmerksamkeit

a) beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei derArbeit oder bei anderen Tätigkeiten,
b) hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzu erhalten,
c) scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn / sie ansprechen,
d) führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen (nicht aufgrund oppositionellem Verhaltens oder Verständnisschwierigkeiten),
e) hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren,
f) vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben),
g) verliert häufig Gegenstände, die für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden (z.B. Spielsachen, Hausaufgabenhefte, Stifte, Bücher oder Werkzeug),
h) lässt sich oft durch äußere Reize leicht ablenken,
i) ist bei Alttagstätigkeiten häufig vergeßlich;

(2) sechs (oder mehr) der folgenden Symptome der Hyperaktivität und Impulsivität sind während der letzten sechs Monate beständig in einem mit dem Entwicklungsstand des Kindes nicht zu vereinbarenden und unangemessenen Ausmaß vorhanden gewesen:

Hyperaktivität

a) zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum,
b) steht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen sitzen bleiben erwartet wird, häufig auf,
c) läuft häufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben),
d) hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen,
e) ist häufig "auf Achse" oder handelt oftmals, als wäre er/sie "getrieben",
f) redet häufig übermäßig viel;
Impulsivität
g) platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist,
h) kann nur schwer warten, bis er / sie an der Reihe ist,
i) unterbricht und stört andere häufig (platzt z.B. in Gespräche oder in Spiele anderer hinein)

B. Einige Symptome der Hyperaktivität-Impulsivität oder Unaufmerksamkeit, die Beeinträchtigungen verursachen, treten bereits vor dem Alter von sieben Jahren auf.
C. Beeinträchtigungen durch diese Symptome zeigen sich in zwei oder mehr Bereichen (z.B. in der Schule bzw. am Arbeitsplatz und zu Hause)
D. Es müssen deutliche Hinweise auf klinisch bedeutsame Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder oder beruflichen Funktionsbereichen vorhanden sein.
E. Die Symptome treten nicht ausschließlich im Verlauf einer Tiefgreifenden Entwicklungsstörung, Schizophrenie oder einer anderen Psychotischen Störung auf und können auch nicht durch eine andere psychische Störung besser erklärt werden (z.B. Affektive Störung , Angststörung, Dissoziative Störung oder eine Persönlichkeitsstörung)"[6].

Die beiden Schemata ICD-10 und DSM-IV sind international anerkannt und weit verbreitet. Für die ADHS bieten sie differenzierte Symptombeschreibungen und Klassifikationskriterien, die auf einer breiten empirischen Basis beruhen. Allerdings gab es in der Entwicklung von DSM und ICD mehrmals Verschiebungen in der Konzeptionalisierung, wie Leins attestiert[7]. Beide Klassifikationen benennen kognitive, motorische und emotional-motivationale Symptome. Nach Schlottke/Strehl kann es durch diese Vielfalt zu Überschneidungen mit anderen Symptomen kommen und dadurch werden hohe Anforderungen an die Differentialdiagnostik gestellt[8]. Außerdem beinhalten sie lediglich eine klassifikatorische, operationale Diagnostik. Wie Rheinberger korrekt feststellt, sind psychologische und biographische Aspekte aber auch von Bedeutung[9].

Für Erwachsene ist die Diagnose deutlich schwieriger zu stellen, da weder im DSM-IV noch in der ICD-10 Kriterien für Erwachsene aufgeführt werden. Es gibt allerdings verschiedene Versuche, allgemein gültige Kriterien zu erstellen.

1.2 Ursachen

Entwicklungswissenschaftliche Ansätze betrachten die Entwicklung des Menschen nicht als eine Abfolge von kausalen Zusammenhängen, sondern als zkylisches Geschehen. Demnach gibt es eine permanente und kontinuierliche Wechselwirkung zwischen dem Einzelnen und seiner Umwelt. Dadurch kommt es immer zu Veränderungen in der Organisation zwischen biologischen und verhaltensbezogenen Systemen. Nach Sroufe kann das aktuelle Verhalten eines Menschen auf unterschiedlichen Wegen zustande gekommen sein[10]. Er nennt dabei vier Möglichkeiten: durch kontinuierliche positive Anpassung, kontinuierliche Fehlanpassung mit dem Ergebnis abweichenden Verhaltens, anfängliche Fehlanpassung mit späterer Korrektur und anfängliche positive Entwicklung mit späterer negativer Abweichung[11]. Demnach sind auch die Symptome bei ADHS-Betroffenen als Resultat von verschiedenen Prozessen zu betrachten.

Dabei wird zwischen distalen und proximalen Risikofaktoren unterschieden, wie Linderkampf/Hennig/Schramm konstatieren[12]. Distale Risikofaktoren können einen direkten oder indirekten Einfluss auf das problematische Verhalten haben. Die Erbanlagen, also genetische Faktoren, spielen bei ADHS eine zentrale Rolle. Genetische Studien kommen zwar nicht zu einheitlichen Ergebnissen, können aber ein Zusammenspiel verschiedener Gene nachweisen. Zwillingsstudien kommen allerdings zu dem Ergebnis, dass es eine hohe Prozentzahl der Vererbung von ADHS gibt. Faraone et al. kommen dabei sogar zu der geschätzten Heritabilität von 76 %[13]. Als distale Faktoren spielen weiterhin prä- und postnatale Kompliaktionen eine Rolle. Besonders Nikotin- und Alkoholkonsum sind dabei besonders riskant. Auch neurobiologische Ursachen, besonders im präfrontalen Kortex, sind von Bedeutung.

[...]


[1] 'American Academy of Child and Adolescent Psychiatry: Practice Parameter.

[2] Linderkamp; Hennig; Schramm: ADHS bei Jugendlichen, S. 10.

[3] Nach APA: DSM-IV-TR.

[4] Leins, Ulrike: Train your brain, S.4.

[5] Zitiert aus: Krowatschek; Krowatschek; Hengst: Das ADS-Trainingsbuch, S.12.

[6] APA: DSM-IV, S. 126f.

[7] Leins, Ulrike: Train your brain, S. 6.

[8] Schlottke, Peter F.; Strehl, Ute: Therapie bei ADS - Desiderate an die Diagnostik, Neurofeedback als innovative Intervention, S. 254.

'Rheinberger: Hyperaktivität und Impulsivität im Spiegel der pädagogischen Arbeiten Maria Montessoris, S. 53.

[10] Nach Sroufe: Psychpathology as an outcome of development.

[11] Ebd.

[12] Linderkamp; Hennig; Schramm: ADHS bei Jugendlichen, S. 23ff.

[13]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
ADHS in der Schule
Untertitel
Ursachen, Diagnostik und Möglichkeiten für den Einsatz in der Schule
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Gesundheitskompetenz in der Lehrerkompetenz)
Veranstaltung
Gesundheit in der Lehrerkompetenz
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V197366
ISBN (eBook)
9783656235576
ISBN (Buch)
9783656239970
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ADHS, Aufmerksamkeit, Schule, Störung, Hyperaktivität, Defizit, Diagnose, Untersuchung, Was tun?, Unterricht, Lehrer, Maßnahmen, ICD-10, DSM-IV, Multi-Modular, Aufmerksamkeitsdefizit, Ritalin, Methylphenidat, Betreuung, Förderung, Lerntherapie, Lerntraining, Verhaltenspsychologie, Ansätze, Ansatzpunkte, Ursachen, Risikofaktoren, Prävalenz, Verlauf, Auftreten, Verbreitung, Behandlung, Verstärkerpläne, Selbstregulation, Auszeitmethode, Konzentrations, Konzentrationsförderung
Arbeit zitieren
Steffen Rudolph (Autor), 2011, ADHS in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197366

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