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Kopf- versus Bauchentscheidungen bei Jüngeren und Älteren: Der Einfluss simpler und komplexer Entscheidungsaufgaben

Titre: Kopf- versus Bauchentscheidungen bei Jüngeren und Älteren: Der Einfluss simpler und komplexer Entscheidungsaufgaben

Thèse de Master , 2011 , 113 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Kathrin Schütz (Auteur)

Psychologie - Travail, Entreprise, Organisation
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Résumé Extrait Résumé des informations

Tagtäglich werden von Menschen zahlreiche simple und komplexe Entscheidungen getroffen, sei es bei der Wahl eines Duschgels oder einer Wohnung. Dabei kann zum Finden der optimalen Entscheidung einerseits sehr rational vorgegangen werden, indem alle Aspekte hinsichtlich Pro- und Contraargumenten abgewogen werden und intensiv gegrübelt wird. Andererseits besteht die Möglichkeit, auf sein Bauchgefühl zu hören und unbewusst, z.B. erst nach einer gewissen Zeit der Ablenkung, zu entscheiden. Auch mit zunehmendem Alter stehen Individuen vor der Aufgabe, sich mit Entscheidungsoptionen simpler oder komplexer Natur zu befassen – auch wenn hier statt des Duschgels eher die Haftcreme oder finanzielle Aspekte im Fokus stehen.
Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Thema der Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung des Komplexitätsgrades einer Entscheidungsaufgabe und der dabei angewandten Art des Denkens. Letztere bezieht sich auf direkte Entscheidungen ohne weiteres Nachdenken, bewusste Denkprozesse mit ausgeprägtem Abwägen zwischen den Alternativen sowie unbewusste Denkvorgänge, bei denen nach einer Phase der Ablenkung die Entscheidung erfolgt. Entsprechend bisheriger Untersuchungen wurde davon ausgegangen, dass bewusste Denkprozesse im Gegensatz zu unbewussten bei simplen Entscheidungen zu einer besseren Performanz führen, wohingegen das Gegenteil bei komplexen Entscheidungsaufgaben vermutet wurde. Darauf aufbauend wurden die Annahmen um den bisher in diesem Zusammenhang nicht erforschten Aspekt des Alters insofern erweitert, als dass von möglichen Altersunterschieden bei der Entscheidungsfindung ausgegangen wurde. Er wurde vermutet, dass Ältere aufgrund zunehmend schlechterer kognitiver Fähigkeiten ein einheitlicheres Entscheidungsverhalten aufzeigen, unabhängig vom Komplexitätsgrad und der Art des Den- kens der zugrunde liegenden Entscheidungsaufgabe. Zur Überprüfung dieser Annahmen wurde ein Experiment mit sechs Versuchsbedingungen (Denkart x Komplexitätsgrad der Entscheidungsaufgabe) unter Berücksichtigung des Alters durchgeführt.
Den Auswertungen der Studiendaten zufolge ergaben sich insofern signifikante Ergebnisse bei der Art des Denkens und dem Komplexitätsgrad der Entscheidungsaufgabe, als dass bewusste Denkprozesse den unbewussten bei simplen Wahlalternativen erwartungsgemäß zu bevorzugen sind.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entscheidungsfindung und Entscheidungsarten

2.1 Entscheiden und Entscheidungssituationen

2.1.1 Simple Entscheidungssituationen

2.1.2 Komplexe Entscheidungssituationen

2.2 Bewusstes Denken

2.2.1 Arbeitsweise des bewussten Denkens

2.2.2 Bewusste Denk- und Entscheidungsstrategien

2.2.2.1 Lexikografische Strategie

2.2.2.2 Satisficing

2.2.2.3 Gewichtete Additive Strategie

2.3 Unbewusstes Denken

2.3.1 Arbeitsweise des unbewussten Denkens

2.3.2 Unbewusstes Denken mit Hilfe von Heuristiken

2.3.2.1 Rekognitionsheuristik

2.3.2.2 Take-the-Best-Heuristik

2.3.3 Theorie des unbewussten Denkens

2.3.3.1 Prinzip des unbewussten Denkens

2.3.3.2 Kapazitätsprinzip

2.3.3.3 Bottom-Up- versus Top-Down-Prinzip

2.3.3.4 Gewichtungsprinzip

2.3.3.5 Regelprinzip

2.3.3.6 Annäherungs- versus Abweichungsprinzip

2.3.4 Inkubationseffekt

2.3.5 Effekt des Nachdenkens ohne Aufmerksamkeit

2.4 Bewusstes versus unbewusstes Denken

3 Entscheidungsfindung im Alter

3.1 Kognitive Entwicklung im Alter

3.1.1 Kognitive Ressourcen älterer Menschen

3.1.2 Veränderung der Gedächtnisleistung im Alter

3.1.3 Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit älterer Menschen

3.2 Einfluss des Alterns auf Entscheidungen und Entscheidungsstrategien

4 Stand der Forschung

5 Hypothesen und Fragestellungen

5.1 Hypothesen zum Komplexitätsgrad und der Denkart beim Entscheiden

5.2 Hypothesen zu Altersunterschieden bei der Entscheidungsfindung

6 Empirischer Teil

6.1 Methode

6.1.1 Versuchsplan

6.1.2 Erhebungsinstrument

6.1.3 Material

6.1.3.1 Erstellung des Gedächtnisspannentests

6.1.3.2 Erstellung der Wohnungszettel

6.1.3.3 Erstellung der Anagrammaufgabe

6.2 Durchführung

6.3 Stichprobe

6.4 Statistische Auswertung

6.5 Ergebnisse

6.5.1 Deskriptive Auswertung

6.5.2 Hypothesenbezogene Auswertung

6.5.2.1 Ergebnisse zur Denkart und dem Komplexitätsgrad von Entscheidungen

6.5.2.2 Ergebnisse zum Alterseinfluss auf die Gedächtnisspanne

6.5.2.3 Ergebnisse zu Altersunterschieden bei der Entscheidungsfindung

6.6 Weiterführende Auswertungen

7 Diskussion

7.1 Interpretation der Ergebnisse

7.1.1 Interpretation der hypothesenbezogenen Ergebnisse

7.1.1.1 Interpretation der Ergebnisse zum Komplexitätsgrad und zur Denkart

7.1.1.2 Interpretation der Ergebnisse zu Altersunterschieden beim Entscheiden

7.1.2 Interpretation der weiteren Ergebnisse

7.3 Theoretische Einordnung der Befunde

7.4 Kritische Reflexion der Methodik der Untersuchung

7.5 Weiterer Forschungsbedarf

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Masterarbeit untersucht den Einfluss des Komplexitätsgrades von Entscheidungsaufgaben und der angewandten Art des Denkens (bewusst vs. unbewusst) auf die Entscheidungsperformanz, wobei der bisher wenig erforschte Faktor des Alters als zusätzliche Variable einbezogen wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei, ob sich Altersunterschiede bei bewussten und unbewussten Entscheidungen feststellen lassen und inwieweit kognitive Veränderungen im Alter das Entscheidungsverhalten beeinflussen.

  • Bewusste Denkprozesse vs. unbewusste Entscheidungsfindung
  • Komplexitätsgrad von Entscheidungen (simpel vs. komplex)
  • Kognitive Entwicklung und Leistungsfähigkeit im Alter
  • Einfluss von Gedächtnisspanne und kognitiven Ressourcen auf die Entscheidungsstrategie

Auszug aus dem Buch

2.3.2.1 Rekognitionsheuristik

Bei der Rekognitionsheuristik handelt es sich um eine Faustregel zur Entscheidungsfindung, die auf dem (Nicht-) Wiedererkennen eines Objekts basiert. Demzufolge genügt es, einen Aspekt als bekannt einzustufen, um im Rahmen einer Entscheidungsaufgabe eine Wahlalternative zu wählen oder andere Schlussfolgerungen abzuleiten (Gigerenzer & Goldstein, 1996; Hilbig, Pohl & Bröder, 2009; Newell & Fernandez, 2006). Die Rekognition dient als Prädiktor für die Zielvariable, wobei auf leicht zugängliche Informationen zurückgegriffen wird (Gigerenzer & Goldstein, 1996; Hilbig, Erdfelder & Pohl, 2011).

Diese Faustregel wird dem adaptiven Werkzeugkasten der menschlichen Urteils- und Entscheidungsfindung, der Heuristiken und Regeln enthält, zugeordnet. Er dient als Richtlinie für intuitive Beurteilungen – nicht nur zum Entscheiden, sondern auch zum Schlussfolgern (Gigerenzer & Selten, 2001; Gigerenzer, 2008). Dabei können Aussagen über die Entscheidungshäufigkeit eines bekannten Wahlobjekts gemacht werden, da die Rekognition dessen dazu führt, dass es im Vergleich zum unbekannten Aspekt häufiger gewählt wird und schnelle Entscheidungen getroffen werden können (Boyd, 2001; Hilbig & Pohl, 2009; Pohl, 2006).

Das Prinzip der Rekognitionsheuristik besagt, dass bei zwei Objekten, zwischen denen es sich zu entscheiden gilt, dieses zu wählen ist, welches wiedererkannt wird (Gigerenzer & Goldstein, 1996). Bei dem wiedererkannten Objekt wird geschlussfolgert, dass dieses von größerer Bedeutung ist (Gigerenzer, 2008). Vorteilhaft kann dieses Vorgehen sein, wenn vorhandene Ressourcen nur in begrenzter Zahl zur Verfügung stehen und wenn verschiedene Alternativen lexikografisch (vgl. Kapitel 2.2.2.1) verglichen werden (Schmitt & Martignon, 2006).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die tägliche Notwendigkeit von Entscheidungen zwischen rationalem Abwägen und intuitiven Bauchentscheidungen und führt die Relevanz des Themas im Kontext des demografischen Wandels ein.

2 Entscheidungsfindung und Entscheidungsarten: Dieses Kapitel erläutert theoretische Grundlagen des bewussten und unbewussten Denkens sowie spezifische Strategien zur Entscheidungsfindung.

3 Entscheidungsfindung im Alter: Hier werden kognitive Veränderungen im Alter, wie die Abnahme kognitiver Ressourcen, und deren Einfluss auf Urteils- und Entscheidungsfähigkeiten diskutiert.

4 Stand der Forschung: Der aktuelle Forschungsstand zu bewussten und unbewussten Entscheidungsprozessen sowie die Rolle des Alters werden dargelegt und kritisch hinterfragt.

5 Hypothesen und Fragestellungen: Basierend auf der Theorie werden konkrete Hypothesen über den Einfluss von Denkart und Komplexität sowie mögliche Altersunterschiede bei der Entscheidungsfindung aufgestellt.

6 Empirischer Teil: Der empirische Teil beschreibt die experimentelle Untersuchung, das Studiendesign, die Stichprobe und die statistische Auswertung zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.

7 Diskussion: Die Ergebnisse werden interpretiert, theoretisch eingeordnet und kritisch im Hinblick auf die methodische Vorgehensweise reflektiert.

8 Fazit: Das Fazit fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und betont die praktische Relevanz für den Umgang mit simplen und komplexen Entscheidungen im Alter.

Schlüsselwörter

Entscheidungsfindung, bewusstes Denken, unbewusstes Denken, kognitive Ressourcen, Altern, Komplexitätsgrad, Heuristiken, Rekognitionsheuristik, Take-the-Best-Heuristik, Performanz, Gedächtnisspanne, Altersunterschiede, Bauchentscheidungen, intuitive Verarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Masterarbeit?

Die Arbeit untersucht, ob Menschen bessere Entscheidungen treffen, wenn sie bewusst und rational abwägen oder wenn sie auf unbewusste Prozesse (Bauchgefühl) vertrauen, wobei insbesondere der Einfluss des Alters auf diese Entscheidungsprozesse analysiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Psychologie der Entscheidungsfindung, kognitive Prozesse bei simplen versus komplexen Aufgaben, die Auswirkungen des Alterns auf die kognitive Leistungsfähigkeit sowie die Anwendung von Heuristiken.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, die Qualität von Entscheidungen unter verschiedenen Denkarten und Komplexitätsgraden zu vergleichen und zu prüfen, ob sich ältere Personen bei diesen Prozessen signifikant von jüngeren Personen unterscheiden.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?

Es wurde eine experimentelle Querschnittsuntersuchung (Feldexperiment) mit 150 Probanden durchgeführt, bei der ein 2x3x2-faktorielles Design genutzt wurde, um die Entscheidungsleistung in Abhängigkeit von Denkart, Komplexität und Alter zu messen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Aufarbeitung der Denkprozesse, eine detaillierte Darstellung der durchgeführten empirischen Studie inklusive Material und Durchführung sowie eine Diskussion der statistisch ermittelten Ergebnisse.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Studie?

Wichtige Begriffe sind Unconscious Thought Theory (UTT), Entscheidungsqualität, kognitiver Ressourcenmangel im Alter, Deliberation Without Attention und die Abgrenzung von bewusster Reflexion zu unbewusster Intuition.

Wie unterscheidet sich das Entscheidungsverhalten bei simplen gegenüber komplexen Aufgaben?

Die Studie zeigt, dass für einfache Aufgaben bewusstes rationales Denken tendenziell bessere Ergebnisse liefert, während komplexe Entscheidungssituationen eher von unbewussten Denkprozessen profitieren könnten.

Welche Rolle spielt das Alter bei der Entscheidungsfindung laut dieser Arbeit?

Überraschenderweise zeigten sich in der vorliegenden Untersuchung keine signifikanten Altersunterschiede bei der Entscheidungsperformanz, obwohl Ältere im vorangestellten Gedächtnisspannentest erwartungsgemäß schlechtere Ergebnisse als Jüngere aufwiesen.

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Résumé des informations

Titre
Kopf- versus Bauchentscheidungen bei Jüngeren und Älteren: Der Einfluss simpler und komplexer Entscheidungsaufgaben
Université
Fresenius University of Applied Sciences Köln
Cours
Wirtschaftspsychologie
Note
1,0
Auteur
Kathrin Schütz (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
113
N° de catalogue
V197404
ISBN (ebook)
9783656233916
ISBN (Livre)
9783656234487
Langue
allemand
mots-clé
Entscheidung bewusst unbewusst Kopfentscheidung Bauchentscheidung Ältere Jüngere denken
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Kathrin Schütz (Auteur), 2011, Kopf- versus Bauchentscheidungen bei Jüngeren und Älteren: Der Einfluss simpler und komplexer Entscheidungsaufgaben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197404
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