Zur Einführung
Rimbauds Prosagedicht "Aube" ("Morgendämmerung") aus seinen "Illuminationen" ist nicht nur häufig ins Deutsche übersetzt,sondern auch mehrfach interpretiert worden. Auf der anderen Seite ist immer wieder von der "Einfachheit" des Textes die Rede;er sei angeblich leicht zu verstehen (daher befand er sich schon in den 70er Jahren in einer im Gymnasium weit verbreiteten Gedichtsammlung). Warum dann die zahlreichen Interpretationen?
Der Verfasser geht nun anhand ausgewählter Übersetzungen, eigener Interpretationsansätze und exemplarischer Rückgriffe auf die Sekundärliteratur der Frage nach der Zugänglichkeit des Textes nach. Dabei untersucht er den Textinhalt und legt Wert auf semantische und syntaktische Analysen. Außerdem geht er auf die literarische Gattung der Alba ein und präsentiert einen im Ansatz überzeugenden neuen Interpretationsversuch aus der Fachwelt. Letztlich gelingt dem Autor der Nachweis der Komplexität dieses hochgradig verdichteten Textes, wodurch die These von der "Einfachheit" widerlegt ist.
Zum Zwecke der Verwendung im Unterricht bzw. im Studium präsentiert der Verfasser im kopierfreundlichen Format - wie er das bereits in seiner ebenfalls im GRIN-Verlag erschienenen Interpretation des Gedichts "A une passante" von Baudelaire getan hat - mehrere strukturierte Übersichten, u.a. über die Tempora der Vergangenheit in "Aube", über die syntagmatische Struktur des Gedichts und über Personen/Raum/Zeit und Handlung in "Aube" und diskutiert die Frage nach dem Perspektivenwechsel am Ende des Gedichts.
Abschließend druckt er das Gedicht mit einer neueren Übersetzung ab; Gleiches gilt für das Gedicht "Aube" von Paul Eluard,das für eigene weiterführende - eventuell vergleichende - Studien des Lesers im Original und in einer Übersetzung wiedergegeben wird.
Schließlich enthält diese Arbeit eine Übersicht über die Sekundär-literatur zu "Aube", soweit sie zu Rate gezogen wurde, und über die benutzten Übersetzungen.
Inhaltsverzeichnis
Zur Einführung
„Aube“ – Textausgabe und Übersetzungen
„Aube“ – einige Vokabeln auf Deutsch
Exemplarischer Vergleich dreier Übersetzungen/Nachdichtungen von „Aube“
„Aube“ – Die Tempora der Vergangenheit
„Aube“ – Eine syntagmatische Darstellung
Personen, Zeit, Raum und Handlung in „Aube“
Paul Eluard „Aube“
Benutzte Sekundärliteratur zu Rimbauds „Aube“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der vermeintlichen Einfachheit von Arthur Rimbauds Prosagedicht „Aube“ auseinander. Ziel ist es, durch eine fundierte linguistische und literaturwissenschaftliche Analyse die tatsächliche Komplexität des Textes aufzuzeigen und die verschiedenen Interpretationsansätze in der Fachwelt zu beleuchten.
- Semantische und syntaktische Analyse des Originaltextes
- Vergleichende Untersuchung verschiedener deutscher Übersetzungen
- Untersuchung der Tempora der Vergangenheit und der narrativen Struktur
- Interpretation der symbolischen und mythologischen Gehaltsebenen
- Einordnung des Werkes in den Kontext der literarischen Gattung der „Alba“
Auszug aus dem Buch
Exemplarischer Vergleich dreier Übersetzungen/Nachdichtungen von „Aube“
Und auch die zahlreichen Übersetzungen ins Deutsche sprechen für ein großes Interesse, aber zugleich auch für z.T. höchst unterschiedliche Interpretationen, wie ich auf den Seiten 10-11 exemplarisch zeige: Das fängt schon beim Titel an: „Morgendämmerung“ oder „Morgenröte“? Die Farbe „rot“ spiegelt sich nicht im Text wider; und das strukturell exponierte Gegensatzpaar „aube“ und „midi“ in der ersten und der letzten Zeile des Gedichts sprechen eher für den Kontrast von „dämmrig“ und „hell“, von „früh am Tag“ und „am helllichten (Mit-)Tag“, so dass wohl „Morgendämmerung“ vorzuziehen wäre.
So könnte man jetzt die angebotenen Übersetzungsversatzstücke vergleichen und käme dann zu dem Ergebnis, dass a) die Nachdichtung von Zech am weitesten vom Original entfernt und dass b) die Übersetzung von Siepe die texttreueste ist. Auf ein zweites und damit letztes Beispiel will ich noch eingehen, das im weiteren Verlauf der Textinterpretation noch eine größere Rolle spielen wird: Der Schlusssatz „Au réveil, il était midi“ wird von Küchler und von Mammen mit „Als ich erwachte, war es Mittag“ übersetzt. Das ist freier als erlaubt, denn es ist noch nicht ausgemacht, wer da spricht – ein „Ich“ oder eine dritte Person.
Auf die Frage nach dem Perspektivenwechsel im unmittelbar vorausgehenden Satz „L’aube et l’enfant tombèrent au bas du bois“ wird noch zurückzukommen sein. Also ist Siepes Übersetzung „Beim Erwachen war es Mittag“ vorzuziehen, die die Erzählperspektive genau so offen lässt wie Rimbaud in seinem Originaltext. Erfreulicherweise folgt Zech ihm darin, wenn er auch meint, dass es „hellweißer“ Mittag war, was wohl überflüssig oder – wenn man nachsichtiger ist – als licence poétique zu (be-)werten ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Zur Einführung: Der Verfasser begründet die Notwendigkeit einer neuen Interpretation von „Aube“ und widerlegt die These von der Einfachheit des Textes.
„Aube“ – Textausgabe und Übersetzungen: Diese Sektion listet die zugrunde gelegten Originalausgaben und die verwendeten deutschen Übersetzungen auf.
„Aube“ – einige Vokabeln auf Deutsch: Ein Glossar zur Unterstützung des Lesers beim Verständnis zentraler französischer Schlüsselbegriffe des Gedichts.
Exemplarischer Vergleich dreier Übersetzungen/Nachdichtungen von „Aube“: Diese tabellarische Gegenüberstellung verdeutlicht die unterschiedlichen Nuancen und Freiheitsgrade bei der Übertragung von Rimbauds Text ins Deutsche.
„Aube“ – Die Tempora der Vergangenheit: Eine grammatikalische Untersuchung der Zeitformen zur Bestimmung der narrativen Struktur und des Tempus-Registers.
„Aube“ – Eine syntagmatische Darstellung: Eine strukturelle Übersicht des Textaufbaus, die Parataxen und die Einbindung der verschiedenen Verbformen veranschaulicht.
Personen, Zeit, Raum und Handlung in „Aube“: Dieses Kapitel systematisiert die handelnden Instanzen, die zeitlichen Abläufe und die topographischen Gegebenheiten des Werkes.
Paul Eluard „Aube“: Hier wird zum Vergleich ein Gedicht von Paul Eluard vorgestellt, das als weiterführendes Studienmaterial dient.
Benutzte Sekundärliteratur zu Rimbauds „Aube“: Ein Verzeichnis der wissenschaftlichen Literatur und Quellen, die zur Erstellung der Analyse herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Arthur Rimbaud, Aube, Illuminationen, Literaturwissenschaft, Lyrikanalyse, Übersetzungskritik, Syntax, Tempus-System, Alba, Morgendämmerung, französische Lyrik, Kindheitsmythos, Erzählperspektive, Textanalyse, Moderne Dichtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Prosagedicht „Aube“ von Arthur Rimbaud mit dem Ziel, die Komplexität und die vielschichtigen Bedeutungsebenen des Werkes aufzudecken, die über eine rein oberflächliche Lesart hinausgehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die sprachliche und syntaktische Analyse, der Vergleich deutscher Übersetzungen, die Untersuchung narrativer Strukturen sowie die mythologische und traumartige Dimension des Gedichtes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, die gängige These, das Gedicht „Aube“ sei aufgrund seiner vermeintlichen Einfachheit leicht verständlich, wissenschaftlich zu widerlegen und seine verborgene Vielschichtigkeit nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen philologischen Ansatz, der semantische und syntaktische Untersuchungen mit einer vergleichenden Übersetzungsanalyse und der strukturellen Aufarbeitung von Zeit- und Raumparametern kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der systematischen Analyse des Gedichttextes, unter anderem durch die Aufschlüsselung der Tempora, der syntagmatischen Darstellung und der kritischen Auseinandersetzung mit Interpretationen namhafter Fachvertreter.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie „Aube“, „Rimbaud“, „Lyrikanalyse“, „Übersetzungskritik“, „Syntax“ und „Erzählperspektive“ definieren.
Wie bewertet der Autor die Rolle des „Ich“ im Gedicht?
Der Autor diskutiert die Identität des lyrischen Ichs intensiv und weist darauf hin, dass Rimbaud die Perspektive bewusst offen lässt, wobei eine Deutung als Kind in einer Traumwelt favorisiert wird.
Welche Bedeutung hat die Gattung der „Alba“ für das Verständnis?
Die Kenntnis der Gattung „Alba“ (Tagelied) hilft dabei, die dramatische Situation des Abschieds und der morgendlichen Trennung im Gedicht besser als literarisches Motiv einzuordnen.
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- Klaus Bahners (Author), 2012, Arthur Rimbaud: "Aube", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197464