Sozialisation in der Hitlerjugend


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung in das Thema

2. Definitionen

3. Die Hitlerjugend
Entwicklung und Struktur der Hitlerjugend
Formen und Inhalte des HJ- Dienstes
Attraktivität der Hitlerjugend

4. Sozialisation in der Hitlerjugend
Entwicklungen innerhalb der Hitlerjugend
Verhältnis von Familie und Hitlerjugend

5. Abschließende Bewertung
Literaturverzeichnis
Erklärung

1. Einleitung in das Thema

Aber meine herrliche Jugend! Gibt es eine schönere in der ganzen Welt? Sehen sie sich diese Männer und Knaben an! Welch ein Material. Daraus kann ich eine neue Welt formen[1]

Adolf Hitler, der selbsternannte Führer des nationalsozialistischen 3. Reiches, sah in der totalen Vereinnahmung der deutschen Jugend eine wichtige Grundlage um die Idee des Nationalsozialismus in Deutschland weiter auszubauen und langfristig zu erhalten. Seine Staatspartei, die NSDAP, gründete demnach schon in den „Anfangsjahren der Bewegung“, wie es damals proklamiert wurde, aus verschiedenen schon existenten Jugendverbänden und Gruppierungen, eine eigene Jugendorganisation, die Hitlerjugend.

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich somit nicht nur aufgrund von persönlichen Interesse, sondern auch wegen der ständigen und allgegenwärtigen Medienpräsenz und Fokussierung mit dieser heute immer noch aktuellen und gerne aufgegriffenen Thematik / Problematik der systematischen Jugendverführung durch die Nationalsozialisten.

Die Hitlerjugend, kurz HJ, war im 3. Reich eine staatliche Institution und hatte den Kernauftrag, die deutsche Jugend total zu erfassen und sie im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung und Ideologie nach Wünschen der Machthabenden zu formen. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten sollte somit kein Jugendlicher der Erziehung durch die NSDAP entgehen, denn gerade im heranwachsenden jungen Mann ließe sich die Ideologie des reinen Nationalsozialismus von Grund auf festigen.

Vorab muss an dieser Stelle jedoch zusätzlich erwähnt werden, dass ich mich in dieser Ausarbeitung ausschließlich auf die männliche Jugend und Jugendorganisation beziehen werde, denn ebenso wie die deutschen Jungen, wurde auch versucht, die weibliche Jugend im 3. Reich zu erfassen. Dieses wurde mit der Gründung des „Bund deutscher Mädel“, kurz BDM, versucht sicher zu stellen.

Auf den BDM an sich, werde ich jedoch im Folgenden nicht tiefer eingehen, es bestehen jedoch sehr starke Parallelen zur Hitlerjugend in der Betrachtung der noch folgenden Aspekte.

Wie sich weiterhin noch im Detail zeigen wird, hatte die Sozialisation in der Hitlerjugend sehr oft ihre Grenzen, worauf natürlich im Laufe dieser Ausarbeitung intensiver eingegangen werden soll. Zusätzlich gilt es auch schon jetzt am Anfang zu erwähnen, dass die Hitlerjungend in den frühen Jahren der Herrschaft der Nationalsozialisten noch eine freiwillige Organisation für die Jungen war. Die Mitgliedspflicht wurde erst in einer späteren Phase eingeführt und war nicht wie von vielen angenommen, schon ab der Machtergreifung obligatorisch.

Im Verlauf dieser Ausarbeitung möchte ich somit versuchen zu klären, ob es Adolf Hitler und seiner Partei, der NSDAP, wirklich und ganzheitlich gelang, mit Hilfe des Instruments der Hitlerjugend, die deutschen Jungen nach ihren Wünschen zu erziehen und zu sozialisieren.

Wie sah diese HJ - Sozialisation aus und welche Methoden und Ziele verfolgte sie innerhalb dieses geschlossenen Systems? Als erste Stichwörter möchte ich hier das Prinzip „Jugend führt Jugend“[2] sowie die „Lagererziehung“[3] anbringen. Auf Beides wird im späteren Verlauf jedoch noch einmal konkreter eingegangen. Weiterhin ist es mein Ziel herauszuarbeiten, wie stark und wie wirksam die Jungen in ihrer Sozialisation wirklich beeinflusst wurden. Wie war das Verhältnis zwischen der Hitlerjugend und den Familien und welche möglichen Auswege aus der Staatsjugend gab es? Schaffte es die Hitlerjugend wirklich wie gewünscht die zentrale Sozialisationsinstanz im Kontrast zum Elternhaus und zur Schule zu werden?

Nach dieser ersten Einleitung werde ich versuchen die zentralen Begriffe dieser Hausarbeit mit der Hilfe von ersten einführenden Begriffsdefinitionen klären. Im Anschluss an diesen Abschnitt folgt eine kürzer gehaltene Erläuterung von Struktur und Entwicklung der Jugendorganisation des 3. Reiches. Der Hauptteil dieser Hausarbeit beschäftigt sich dann mit den zentralen Fragen, welche ich bereits ausgeführt habe und versucht, die Sozialisationsmechanismen intern der Hitlerjungend darzustellen. Abrunden möchte ich diese Ausarbeitung mit einem persönlichen Resümee meiner Fragestellungen am Ende.

2. Definitionen

Um nun tiefer in das komplexe Thema des Nationalsozialismus und der Sozialisation der Jugend einzusteigen ist es meiner Meinung nach unabdingbar vorerst einmal die zentralen Begrifflichkeiten dieses Themas zu klären.

Ich denke, dass der Begriff der „Jugend“ hier an erster Stelle genannt werden sollte. Was ist Jugend eigentlich und wie stellt sie sich dar?

Die aktuelle 30 - bändige Brockhaus Enzyklopädie gibt hier auf vier Seiten einen mehr als umfangreichen wissenschaftlichen Begriffsüberblick. Unter Jugend im klassischen Sinn versteht man demnach die Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter in dem der Heranwachsende geistig, körperlich und sozial reift[4].

Schon hier wird klar, dass diese Phase der Jugend von sehr wichtiger Bedeutung für die persönliche Entwicklung eines Menschen und von dem eigentlichen Begriff der Sozialisation kaum zu trennen ist. Deshalb möchte ich im Folgenden versuchen die Begriffsklärung der Sozialisation parallel zu der der Jugend mit einfließen zu lassen.

Es wird weiter ausgeführt, dass der Jugendbegriff weitaus mehr ist, als nur eine Zeitspanne. Er darf nicht als anthropologische Konstante verstanden werden, sondern auch als eine genetisch gesteuerte Entwicklungsphase, welche in vielen Kulturen vollkommen anders abläuft, da oftmals andere soziale Bedingungen und Einflüsse einwirken.[5] Diese Beeinflussungen können sich beispielsweise in Werten und Normen einer Gesellschaft, in Recht und Gesetz, in sozioökonomische Lebensbedingungen, in der Struktur der Bildungssysteme oder vielen anderen Rahmenbedingungen unterscheiden. Dementsprechend ist die Jugend keine homogene Gruppe.[6]

Einen letzten Punkt, welchen ich zum Thema der Jugendphase verbunden mit dem Begriff der Sozialisation aufgreifen möchte, ist der, dass gerade hier die Identitätsbildung als individuelle und gesellschaftliche Reifung statt findet. Hier kommt es gerade auf die Faktoren der Familie, der Peers, also der Gleichaltrigen und der Schule an.

Die Familie ist und bleibt seit Menschengedenken ein geschützter intimer Bereich. Sie war schon immer für politische und wirtschaftliche Systeme schwer zu durchdringen. Somit können und müssen diese Instanzen als primärere und nicht wegzudenkende Sozialisationsfaktoren betitelt werden.

Weiterhin erkennt der Heranwachsende in seiner Umwelt erwachsene Mitmenschen, welche bestimmte Rollen in der Gesellschaft in der er sich befindet einnehmen. Er bewertet diese Rollen und findet für sich eigene Interessen, Vorzüge und Vorbilder. Dieses könnte als „Roletaking“ bezeichnet werden.[7] Der junge Mensch nimmt eine oder mehrere dieser Rollen für sich an und versucht diese wiederum selbst dar zu stellen. So bildet sich ein Teil seiner Identität als Sozialisationsprozess.

Ein weiterer wichtiger Faktor, welcher großen Einfluss auf die Identitätsbildung hat, ist das „Rolemaking“, welches die Gesellschaft, durch die bereits erwähnten Werte- und Normensysteme, auf den Jugendlichen einwirken lässt. Hierbei wird ein Verhalten durch gesellschaftliche Einflüsse, Wünsche und Vorgaben produziert.[8]

Beide Sozialisationsfaktoren bilden somit die Identität und sind deshalb essentiell für die Sozialisation in der Jugendphase und für die Bildung eines individuellen erwachsenen Charakters.

Dies ist nur eine Sozialisationstheorie, jedoch sind Talcott Parsons Überlegungen sehr einleuchtet, plausibel und zu dieser Thematik passend. Übertragen wir diese Theorie auf die Zeit des Nationalsozialismus so erkennen wir viele Parallelen zwischen Wissenschaft und Praxis.

In der Zeit des 3. Reiches gab es, vorgegeben durch die Parteiführung, Idealbilder des Menschen in Form von Körperkult, politischer und geistiger Erziehung. Man hatte das Ziel einen gesunden Geist, wenn auch Bildung und höhere Intelligenz mit voranschreiten der Zeit im 3.Reich in den Hintergrund traten, in einem starken Körper zu sozialisieren. Dieses wurde beispielsweise durch die Propaganda in Form von Heldenverehrung einiger Soldaten oder Sportlern sowie männlichen Idealbildern als „Roletaking“ Faktor geschaffen. Andererseits wurden durch gesellschaftliche Einflüsse, wie der Hitlerjugend und zum Teil der Schule der „Rolemaking“ Faktor sichergestellt.

Dies soll an dieser Stelle jedoch zu der Begriffklärung der Jugend und der Sozialisation im 3. Reich genügen. Sicherlich könnte man noch andere Sozialisationstheorien auf die Hitlerjugend projizieren, dies würde aber den vorgegeben Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen.

Im nächsten Kapitel werde ich auf die Strukturen und Entwicklungen innerhalb der Hitlerjugend im Laufe der Herrschaftsjahre der Nationalsozialisten eingehen und das Thema vertiefen.

3. Die Hitlerjugend

Hitlers NSDAP war sich von Anfang an im Klaren darüber, dass eine Erziehung und eine Sozialisation hin zum treuen und folgsamen Nationalsozialisten alle Bereiche des Lebens abdecken muss, denn nur so kann diese wirklich wirksam funktionieren und „Früchte tragen“. Diese Erkenntnis der Pädagogen des 3. Reiches wird im folgenden Zitat unmissverständlich klar.

„Was früher vorüberwiegend zwei Jahre lang eine Schulung der Nation war, um dann im Leben durch die politische Tätigkeit der Parteien wieder verloren zu gehen, das wird jetzt treuen Händen übergeben und aufbewahrt werden für das deutsche Volk. Dann wird sich der Kreis der Erziehung unsers Volkes schließen. Der Knabe, er wird eintreten in das Jungvolk, und der Pimpf wird kommen zur Hitlerjugend, und der Junge der Hitlerjugend, er wird dann einrücken in die SA, in die SS und in die anderen Verbände, und die SA- Männer und die SS- Männer werden eines Tages einrücken zum Arbeitsdienst und von dort zur Armee, und der Soldat des Volkes wird zurückkehren wieder in die Organisation der Bewegung, der Partei, der SA und SS, und niemals mehr wird unser Volk dann so verkommen, wie es leider einst verkommen war.“[9]

Dieses Zitat verbildlicht meiner Ansicht nach, die geplante totale Erfassung des deutschen Jungen durch den NS-Staat auf eindringliche Weise.

Nationalsozialistische Organisationen und Verbände werden in jedem Lebensbereich geschaffen und decken jeglichen erdenklichen staatlichen und gesellschaftlichen Anknüpfungspunkt ab. Es gibt schon zu dieser Anfangszeit des 3. Reiches kaum einen Bereich des öffentlichen Lebens mehr ohne Einfluss einer NS - Organisation.

[...]


[1] Steinhaus 1981, S.102

[2] vgl. Klönne 1990, S.128

[3] vgl. Klönne 1990, S.128

[4] vgl. Brockhaus 2006, S. 151

[5] vgl. Brockhaus 2006, S. 151

[6] vgl. Brockhaus 2006, S. 152

[7] Vgl. Parsons 1994, S. 203

[8] Vgl. Parsons 1994, S. 203f

[9] Domarus 1965, S.723

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Sozialisation in der Hitlerjugend
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V197533
ISBN (eBook)
9783656312192
ISBN (Buch)
9783656313380
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialisation, hitlerjugend
Arbeit zitieren
Stephan Janzyk (Autor), 2011, Sozialisation in der Hitlerjugend, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197533

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