Die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank, durch Außenwertpolitik auf den Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation Einfluss zu nehmen


Seminararbeit, 2001
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation
2.1. Grundlegende theoretische Annahmen
2.2. Der Tradeoff unter den Bedingungen flexibler Wechselkurse

3. Moderne Politische Ökonomie
3.1. Wechselwirkungen zwischen Politik und Wirtschaft
3.2. Moderne Politische Ökonomie und die Europäische Zentralbank

4. Die Außenwertpolitik der Europäischen Zentralbank

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Seit dem 1. Januar 1999 ist der Euro die einheitliche Währung eines Verbundes europäischer Staaten. Seitdem wurde im Zusammenhang mit dieser neuen Gemeinschaftswährung in der deutschen Öffentlichkeit vor allem ihre „Schwäche“ diskutiert, als deren Indikator der Wechselkurs zum US-Dollar gebraucht wird. Häufig wurde die Europäische Zentralbank (EZB), die die Geld- und Währungspolitik im Euro-Raum betreibt, aufgefordert, die „Schwäche“ des Euros zu bekämpfen, also währungspolitische Maßnahmen zur „Stärkung“ des Euro-Außenwertes zu ergreifen. Begründungen aber, warum dies für den Euro-Raum volkswirtschaftlich gut sei (jenseits der psychologischen Auswirkungen einer höheren Bewertung der „eigenen“ Währung), wurden in der Diskussion kaum dargelegt.

In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich deshalb wenigstens ansatzweise klären, welche Gründe es volkswirtschaftlich für bzw. gegen solch eine Intervention der Zentralbank am Devisenmarkt gibt und was die Entscheidung der Zentralbank bei der Abwägung beeinflussen könnte.

Dabei soll als Erklärungshintergrund der Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation dienen (Abschnitt 2), der im Seminar „Moderne Politische Ökonomie und Europäische Integration“ den Leitfaden des Theorieteils bildete und dessen Steuerung als ein Grundmotiv wirtschaftspolitischen Handelns angesehen wurde. Um dieser ihm zugeschriebenen Bedeutung zu entsprechen, will ich die Fragestellung daraufhin einzugrenzen, welche Möglichkeiten die EZB hat, durch gezielte Außenwertpolitik auf den Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation einzuwirken.

Um zu klären, warum bestimmte Entscheidungen bezüglich der Euro-Außenwertpolitik durch die Europäische Zentralbank getroffen werden, kann es sinnvoll sein, das Konzept der Modernen Politischen Ökonomie heranzuziehen, das Erklärungsansätze zu dieser Frage liefern kann (Abschnitt 3). Außerdem werde ich die tatsächliche Außenwertpolitik der EZB betrachten und versuchen, sie mit den vorausgegangenen theoretischen Überlegungen in Verbindung zu bringen (Abschnitt 4).

Als wissenschaftliche Grundlagen dienen mir makroökonomische Lehrbücher sowie Monographien zur Modernen (bzw. Neuen) Politischen Ökonomie und Material über die Europäischen Zentralbank. Des weiteren liegt mir der Jahresbericht 2000 der EZB vor.

Als äußerlichem Rahmen wird in dieser Hausarbeit von flexiblen Wechselkursen in der internationalen Finanzarchitektur ausgegangen, da dies bezüglich des Außenwertes des Euros bis auf weiteres der Realität entspricht. Den Hintergrund aller Annahmen über die Möglichkeiten der EZB-Außenwertpolitik bildet also ein flexibler Wechselkurs des Euros.

2. Der Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation

2.1. Grundlegende theoretische Annahmen

In diesem Abschnitt soll erklärt werden, was unter dem Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation zu verstehen ist. Dazu begebe ich mich auf das Feld der Makroökonomie.

„Tradeoff“ von Arbeitslosigkeit und Inflation soll bedeuten, dass zwischen diesen beiden makroökonomischen Größen ein negativer Zusammenhang besteht: Sinkt die Inflationsrate, steigt die Rate der Arbeitslosigkeit; sinkt die Arbeitslosenquote, steigt die Preissteigerungsrate.

Grundlage für diese Erkenntnis ist die sogenannte Phillips-Kurve, die auf empirischen Beobachtungen A. W. Phillips’ basiert, der 1958 einen negativen Zusammenhang von Arbeitslosenquote und Lohnsteigerungsrate in den diesbezüglichen britischen Daten aus über hundert Jahren entdeckte (Mankiw 1996: 383, Samuelson/ Nordhaus 1998: 677). Das Ersetzen der Lohn- durch die Preissteigerungsrate ist laut Mankiw „nicht fundamental, weil Preisinflation und Lohninflation eng miteinander zusammenhängen“ (Mankiw 1996: 383); Samuelson/ Nordhaus definieren die Preisinflationsrate als Lohninflationsrate abzüglich der Produktivitätszuwachsrate, womit tatsächlich eine enge Beziehung zwischen Lohn- und Preisinflation hergestellt ist (Samuelson/ Nordhaus 1998: 677).[1]

Es gilt: „Die Phillips-Kurve veranschaulicht die ,Zielkonflikt-(Tradeoff-)Theorie’ der Inflation“ (Samuelson/ Nordhaus 1998: 678), d.i. die Theorie, nach der ein Zielkonflikt zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation besteht, also die Wirtschaftspolitik sich prinzipiell nur der Verbesserung einer der beiden Größen auf Kosten der anderen widmen kann.

Es gilt allerdings auch: „Der Zielkonflikt zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bleibt nur solange stabil, als sich die [...] erwartete Inflationsrate nicht verändert“ (ebd.: 679), d.i. diejenige Preissteigerungsrate, die von den Wirtschaftssubjekten als normal angesehen wird und die sie in ihre Berechnungen einkalkulieren. „Weil die Wirtschaftssubjekte ihre Inflationserwartungen im Zeitverlauf anpassen [z.B. an die wirtschaftspolitisch erzeugte geänderte Inflationsrate], existiert ein Tradeoff zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation nur in der kurzen Frist“ (Mankiw 1996: 388); langfristig dagegen gilt: „[D]ie Arbeitslosigkeit kehrt auf ihr natürliches Niveau zurück und es gibt keinen Tradeoff zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation“ (ebd.). Die genaueren makroökonomischen Hintergründe des Versagens der klassischen Phillips-Kurve und damit der Tradeoff-Theorie bei langfristiger Betrachtung sollen an dieser Stelle ruhen gelassen werden, da die kurzfristige Gültigkeit des Tradeoffs (die einige Monate betragen kann) als theoretische Grundlage für den weiteren Verlauf der Hausarbeit ausreichend ist.

Denn: „[E]in Staat [kann sich] an der kurzfristigen Phillips-Kurve orientieren“ (Samuelson/ Nordhaus 1998: 681). Es ergibt sich folgendes Entscheidungsszenario: „[Die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger] können die Gesamtnachfrage ausdehnen, um die Arbeitslosigkeit zu vermindern, müssen dann allerdings eine höhere Inflation in Kauf nehmen. Oder sie können die Gesamtnachfrage dämpfen, um dadurch die Inflation zu verringern, müssen dann aber eine höhere Arbeitslosigkeit akzeptieren“ (Mankiw 1996: 387). So zeigt sich der Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation in seiner nachfrageorientierten wirtschaftspolitischen Dimension.[2]

Entscheidend für den Zusammenhang dieser Arbeit bleibt dabei: „Die Phillips-Kurve [und damit die Tradeoff-Theorie] eignet sich zur Analyse kurzfristiger Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation“ (Samuelson/ Nordhaus 1998: 677). Man bedenke, dass es bei wirtschaftspolitischen Forderungen an Regierungen oder Zentralbanken recht häufig „nur“ um kurzfristige Impulse geht, und auch der Vereinbarkeit mit der Theorie der Modernen Politischen Ökonomie ist die Kurzfristigkeit des Tradeoffs nicht abträglich, wie später zu sehen sein wird.

2.2. Der Tradeoff unter den Bedingungen flexibler Wechselkurse

Nachdem geklärt ist, wie sich der Tradeoff im allgemeinen darstellt, soll nun dargelegt werden, wie er sich bei der Betrachtung des Außenwertes einer Währung vor dem Hintergrund flexibler Wechselkurse verhält. Dazu werden kurz Vor- und Nachteile flexibler Wechselkurse im allgemeinen erläutert, woraufhin dann Kosten und Nutzen verschiedener Kursentwicklungen in Bezug auf den Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation erörtert werden. Es soll deutlich werden, was bestimmte Kursentwicklungen bzw. Devisenmarktinterventionen in die eine oder andere Richtung im Sinne des Tradeoffs bedeuten.

[...]


[1] Eine andere Voraussetzung für die zeitgemäße Anwendbarkeit der modifizierten Phillips-Kurve wird weniger hervorgehoben, ist aber gerade unter Betrachtung der Möglichkeiten heutiger Wirtschaftspolitik zentral: die Gleichsetzung von erhöhtem volkswirtschaftlichen Produkt und geringerer Arbeitslosigkeit. Mankiw schreibt: „[D]ie Arbeitslosigkeit [steht] im umgekehrten Verhältnis zum Output“ (Mankiw 1996: 381). Diese Annahme ist bei der Verknüpfung der Phillips-Kurve - und damit des Tradeoffs von Arbeitslosigkeit und Inflation - mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen notwendig, denn es wird unterstellt, dass die „wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger“ „via Geld- und Fiskalpolitik Produktion und Beschäftigung beeinflussen“ können (Mankiw 1996: 387). Staatliche Wirtschaftspolitik beeinflusst die Beschäftigungsquote aber meist nur mittelbar, nämlich über die Steigerung der Produktion, die durch entsprechende Geld- oder Fiskalpolitik gefördert werden soll. Doch ist seit vielen Jahren zu beobachten, dass sich Wirtschaftswachstum und Beschäftigung (u.a. durch zunehmende Produktivität durch fortschreitende Technisierung) zunehmend entkoppelt haben, also bald vielleicht nur noch ein umgekehrter „Tradeoff“ von Wirtschaftswachstum und Inflation zu beobachten ist.

[2] Um eine rationale wirtschaftspolitische Entscheidung treffen zu können, müssen die Entscheidungsträger abschätzen, wie sich der Nutzen auf der einen Seite des Tradeoffs in Relation zu den Kosten auf der anderen Seite verhält. Dies aber ist recht schwer, denn „[d]ie zentrale Rolle der Erwartungen [die kaum berechenbar sind] erschwert die Vorhersage der Ergebnisse alternativer Politiken“ (Mankiw 1996: 391).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank, durch Außenwertpolitik auf den Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation Einfluss zu nehmen
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Moderne Politische Ökonomie und Europäische Integration
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V19768
ISBN (eBook)
9783638238144
ISBN (Buch)
9783640300839
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stellt die Möglichkeiten der EZB vor, durch ihre Außenwertpolitik Arbeitslosigkeit und Inflation im Euro-Raum zu beeinflussen. Desweiteren werden diesbezügliche Interdependenzen mit dem politischen System sowie die bisherige Außenwertpolitik der EZB dargestellt.
Schlagworte
Außenwertpolitik, Tradeoff, Arbeitslosigkeit, Inflation, Europäische Zentralbank, Euro-Raum, Moderne Politische Ökonomie, Wechselwirkungen Politik und Wirtschaft, EZB, Europäische Integration, Aufwertung, Abwertung
Arbeit zitieren
Frank Stadelmaier (Autor), 2001, Die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank, durch Außenwertpolitik auf den Tradeoff von Arbeitslosigkeit und Inflation Einfluss zu nehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19768

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