Das Sonderreich des Postumus

Eine Betrachtung unter Einbezug des Augsburger Siegesaltars


Hausarbeit, 2007

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Zeit der Soldatenkaiser. Zeichen einer Veränderung! Anzeichen
einer Krise?

3. Das Gallische Sonderreich
3.1. Das Gallische Sonderreich und die überdehnten Grenzen
3.2. Das Problem eines Mehrfrontenkrieges

4. Überlegungen zur Chronologie von 259 bis 261 nach Christus
4.1. Die Postumus-Inschrift des Augsburger Siegesaltars
4.2. Die Einordnung der Iuthungen – ein schwieriges Unterfangen
4.3. Datierungsprobleme um das Jahr 260 nach Christus

5. Die Häufung der Usurpationen – ein Erklärungsversuch

6. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

Die Zeit der Soldatenkaiser wird zu Recht als eine sehr krisenbehaftete Phase bezeichnet, in welcher das gesamte römische Imperium in eine tiefe innere und äußere Krisen geriet. So gab es in diesem Zeitraum weit über 30 Kaiser, die zum Teil nur für einige Tage herrschten. Die wenigsten dieser Kaiser starben eines natürlichen Todes, was in die Instabilität des Systems verdeutlicht. Gesichert ist zudem, dass im Laufe des Jahrhunderts der militärische Druck auf die Grenzen immer weiter wuchs und schließlich Teile des Reiches sogar aufgegeben werden mussten. Dies regte die Diskussion an, ob die Reichsgrenzen zu dem damaligen Zeitpunkt überdehnt waren, ein Gesichtspunkt, den ich an späterer Stelle in meiner Arbeit wieder aufgreifen werde. Zudem litten viele Provinzen unter den Plünderungszügen einfallender Völker. Man könnte auch sagen, dass sich Rom während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts einer permanenten und zunehmenden Bedrohung seiner Grenzen ausgesetzt sah.[1] Die Sassaniden griffen den Osten an, die Goten bedrohten die Donaugrenze und die Franken und Alamannen drangen wiederholt über die Rheingrenze tief in römische Gebiete ein.[2] Diese äußere Schwäche des Reiches kollidierte in der Zeit der Soldatenkaiser (235-284) mit zahlreichen Umsturzversuchen, wobei sich Ursache und Wirkung nicht immer differenzieren lassen. Das ohnehin überbeanspruchte Reich wurde weiter destabilisiert durch Bürgerkriege „amtierender“ Kaiser gegen Usurpatoren. Auf Grund der ungesicherten Nachfolgeregelung wurde in der Zeit der Soldatenkaiser das Heer zum einzigen Machtfaktor im Reich. Der militärische Erfolg und die Nachfolge des Militärs waren Garanten für die Herrschaft, jedoch war das Heer gleichzeitig sehr schnell an hohe Donate gewöhnt. Dadurch war die Stellung des Kaisers ungefestigt und es splitteten sich immer wieder große Reichsteile ab wie das palmyrische Reich oder das gallische Sonderreich. Der wirtschaftliche Niedergang führte zu einer Geldentwertung (wie wir aus Münzhortfunden zu glauben wissen). Um das Jahr 260 nach Christus, als Kaiser Valerian als erster und einziger römischer Kaiser in persische Gefangenschaft geriet, hatte diese Krise den Höhepunkt erreicht.[3] In diesen Zeitrahmen fällt auch die Erhebung des Postumus und die Entstehung des gallischen Sonderreiches, welche Gegenstand dieser Untersuchung sein soll. Es stellt sich nun die Frage, wie beide Ereignisse chronologisch und kausal miteinander verknüpft sind. Kaiser Valerian (253-260 nach Christus) reagierte vor seiner Gefangennahme auf die äußere Bedrohung im Reich, indem er seinen Sohn Publius Licinius Egnatius Gallienus zum Mitregenten ernannte. Dieser war für den Westteil, Valerian für den Ostteil des Reiches verantwortlich.[4] Die Entscheidung, die Last eines Mehrfrontenkrieges auf zwei Herrscher zu verteilen, erwies sich zunächst als erfolgreich und so loben die Quellen die ersten Regierungsjahre des Gallienus als glücklich, werfen ihm jedoch zugleich vor, dass er später verderblich regiert habe.[5] Doch diese Bemerkung muss kritisch hinterfragt werden. Sicher ist, dass das Jahr 260 nach Christus mit der Gefangennahme Valerians durch den Sassaniden Shapus I ein Machtvakuum hinterließ, welches Gallienus allein nicht ausfüllen konnte. Zahlreiche Usurpationen waren die Folge. Die Mehrzahl dieser Usurpationen konnte durch Gallienus und seine Generäle niedergeschlagen werden.[6] Doch Marcus Cassianus Latinius Postumus gelang es in den drei gallischen Provinzen dauerhaft eine Art Sonderreich zu errichten, das bis ins Jahr 274 nach Christus bestand. Der Zeitraum zwischen 258 - 262 nach Christus soll im Fokus dieser Untersuchung stehen. Es gilt die Frage zu klären, ob das gallische Sonderreich als Zeichen einer Auflösungserscheinung des römischen Reiches zu sehen ist, oder eine gewöhnliche Usurpation war, die auf Grund der Reichskrise nicht niedergeschlagen werden konnte, was schließlich dazu führte, dass beide Herrscher nebeneinander her (aber nicht miteinander) regierten. Dies führt uns zur nächsten kontrovers diskutierten Frage, nämlich wie das gallische Sonderreich, welches unter Postumus errichtet wurde, in die Reichsgeschichte um das Jahr 260 nach Christus einzuordnen ist. Insbesondere der Augsburger Siegesaltar[7] und die Ausarbeitung zur Chronologie der Jahre 259 bis 261 n. Christus[8] haben hierfür wichtige und neue Erkenntnisse geliefert, welche ich in dieser Arbeit darstellen und hinterfragen möchte.

2. Die Zeit der Soldatenkaiser – Zeichen einer Veränderung! Anzeichen einer Krise?

Das Phänomen der Soldatenkaiser fällt in das krisenbehaftete 3. Jahrhundert, in welchem es zahlreiche Machtwechsel, Usurpationen, Einfälle feindlicher Stämme und möglicherweise auch Zerfallserscheinungen des Reiches gab. In der Forschung wird diskutiert, ob die die Entstehung des gallischen Sonderreiches als solch eine Zerfallserscheinung gesehen werden kann. Zugleich ist der chronologische Verlauf, welcher zur Abspaltung des gallischen Sonderreiches geführt hat, trotz zahlreicher Quellen nicht endgültig geklärt.[9] Doch bevor ich mich mit dem entscheidenden Jahr 260 nach Christus eingehender beschäftige, möchte ich zunächst einen Überblick über das Jahrhundert der Soldatenkaiser verschaffen. Ich hoffe, dass solch eine Analyse die dem Jahrhundert innewohnenden Probleme offen legen kann. Vor der Zeit der Soldatenkaiser (235-284) stieg unter Septimius Severus (193-211) der militärisch erfahrene Ritterstand auf Kosten der Senatoren in die höchsten Reichsämter auf[10]. Caracalla (211- 217), sein Nachfolger, vergab in der ,,constitutio Antoniniana" das römische Vollbürgerrecht an alle freien Provinzialen und erschloss sich dadurch neue Einnahmequellen. Die Besoldung des Heeres wurde mehrmals erhöht, was zur Folge hatte, dass die Unterstützung des Heeres sich rasch zum größten Machtfaktor im Staat entwickelte. Die wachsende Bedeutung des Heeres hatte zur folge, dass die Kaiser von nun an gezwungen waren, sich die Loyalität ihrer Soldaten durch reichliche Besoldung zu erkaufen. Jedoch hatten die Truppen von nun an auch die Möglichkeit sich gegen den Kaiser zu stellen und den Heersführer als neuen Kaiser auszurufen. Dies war aus finanzieller Sicht sehr lukrativ für die Truppen, daher starben nahezu alle Kaiser in der Zeit der Soldatenkaiser durch Verrat oder durch die Hand ihrer meuternden Soldaten. Zahlreiche Usurpationen und reichsinterne Konflikte um die Herrschaft waren die Folge. Nachdem Valerian als erster und einziger römischer Kaiser 262 nach Christus in persischer Kriegsgefangenschaft gestorben war, war der Höhepunkt der Krise erreicht. Das gallische Sonderreich, welches 15 Jahre lang neben Rom bestehen sollte, war entstanden. Daher trat Gallienus, von dem in den römischen Quellen (möglicherweise zu Unrecht) ein sehr negatives Bild entworfen wird, ein schwieriges Erbe an. Auch wenn seine Regentschaft differenziert betrachtet werden muss, verschlimmerten seine Reformen die eingeschlagene Richtung noch, da er in einer Heeresreform Reiterarmeen als schnelle Eingreiftruppen im Hinterland stationieren ließ und Senatoren per Gesetz gänzlich von militärischen Kommando ausgeschlossen wurden. Aurelian (270- 275) dagegen wird von den Historikern und seinen Zeitgenossen als ,, restitutor orbis", als Wiederhersteller der Reichseinheit bezeichnet.[11] Diesem gelang es, unter anderem durch die religiöse Absicherung seines Herrschaftsanspruches mittels Einrichtung eines Staatskultes[12], die stabile Zentralgewalt wiederherzustellen.[13] Eine erstmals wieder funktionsfähige Grenzverteidigung, die Angliederung des palmyrenischen und gallischen Sonderreiches und die erfolgreiche Niederwerfung mehrerer Usurpatoren werden ihm hierbei angerechnet.[14]

3. Das gallischen Sonderreiches

Es muss Dezember des Jahres 260 n. Christus gewesen sein[15], als die Soldaten der Bonner Legion I Minerva ihren Befehlshaber der Rheintruppen, Marcus Cassianus Latinius Postumus in Köln zum Augustus erhoben haben.[16] Nachdem Saloninus, Sohn des Gallienus und Caesar des Reiches, auf Anraten seines Beraters Silvanus, den Truppen verboten hatte Kriegsbeute untereinander aufzuteilen, belagerten die Truppen nun die Residenzstadt Köln. Obwohl sich Postumus der Rechtswidrigkeit dieses Unterfangens bewusst war, schloss er sich dem Aufstand an. Da die Bewohner der Stadt um ihr Leben und ihren Besitz fürchteten, lieferten sie die beiden Männer aus. Diese wurden daraufhin hingerichtet und Postumus vom Heer zum Kaiser ernannt. Inwieweit er selbst an der Exekution des Kaisersohns beteiligt war ist allerdings fraglich.[17] Der Anlass dieser augenscheinlichen Usurpation ist relativ banal, die Ursachen jedoch sind komplexer und mit den grundlegenden Problemen Roms im 3.Jahrhundert eng verbunden.

[...]


[1] Hartmann, Felix: Herrscherwechsel und Reichskrise. Untersuchungen zu den Ursachen und Konsequenzen der Herrscherwechsel im Imperium Romanum der Soldatenkaiser (3. Jhd. n. Chr.), Frankfurt/Main 1982, S. 40f.

[2] Southern, Pat: The Roman Empire from Severus to Constantine, London, 2001. S. 79.

[3] Dahlheim, Werner: Die griechisch-römische Antike, Bd. 2, Stadt und Imperium: Die Geschichte Roms und seines Weltreiches, Paderborn 1992, S. 281

[4] Kohoff, Wolfgang: Valerian 253-260, in: Clauss, manfrad: Die Römischen kaiser- 55 historische Portraits von caesar bis Justinian, München, 1997, S. 224f. .

[5] Paneg.8, 10; 10, 2-3

[6] Halfmann, Helmut: Gallienus 253-268, in: Clauss, Manfred: Die Römischen Kaiser- 55 historische Portraits von Caesar bis Justinian, München 1997, S. 229-235, S. 229f.

[7] Jehne Martin: Überlegungen zur Chronologie der jahre 259 bis 261 nach Christus, S. 187.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Dahlheim, Werner: Die griechisch-römische Antike, Bd. 2, Stadt und Imperium: Die Geschichte Roms und seines Weltreiches, Paderborn 1992, S. 281

[11] Dahlheim, Werner: Die griechisch-römische Antike, Bd. 2, Stadt und Imperium: Die Geschichte Roms und seines Weltreiches, Paderborn 1992, S. 293

[12] Aurelian führte den bereits durch die Severer unter die Reichsgötter versetzten Sonnengott als ,, Deus Sol Invictus" ein.

[13] Dahlheim, Werner: Die griechisch-römische Antike, Bd. 2, Stadt und Imperium: Die Geschichte Roms und seines Weltreiches, Paderborn 1992, S. 293f.

[14] Ebd.

[15] König, Ingemar: Die gallischen Usurpatoren von Postumus bis Tetricus, München 1981. S.51

[16] Ebd. S.87.

[17] Ebd. S.47.

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Details

Titel
Das Sonderreich des Postumus
Untertitel
Eine Betrachtung unter Einbezug des Augsburger Siegesaltars
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Philosophisches Seminar)
Veranstaltung
Die Soldatenkaiser
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
18
Katalognummer
V197745
ISBN (eBook)
9783656237204
ISBN (Buch)
9783656238225
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sonderreich, postumus, eine, betrachtung, einbezug, augsburger, siegesaltars
Arbeit zitieren
Brigitte Maier (Autor), 2007, Das Sonderreich des Postumus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197745

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