Die Veränderung der Arbeitsgesellschaft durch Arbeitsteilung und Spezialisierung

Ein Vergleich zweier Gesellschaftskonzepte (Arbeitsgesellschaft und funktional differenzierte Gesellschaft) und deren Zusammenhang


Seminararbeit, 2008

42 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Arbeitsgesellschaft
2.1 Die Arbeitsgesellschaft in ihrem historischen Entstehungskontext
2.2 HistorischerMaterialismusundArbeitsgesellschaftnachMarx
2.2.1 Arbeitsprozess und Wertbildungsprozess als Verwertungsprozess
2.2.2 Arbeit als Voraussetzung zur gesellschaftlichen Klassenbildung
2.3 Gesellschaftskonzeption und Vergesellschaftlichung in der Arbeitsgesellschaft
2.4 Wandel und Grenzender Arbeitsgesellschaft
2.5 DieFolgenderArbeitsgesellschaftund ihreZukunft

3 Von der funktional stabilisierten sozialen Ordnung zur funktional differenzierten Gesellschaft
3.1 TheoriengesellschaftlicherDifferenzierung im historischen Entstehungskontext
3.1.1 Erste Differenzierungsansätze
3.1.2 (Weiter)entwicklungen der Differenzierungstheorie
3.2 GesellschaftlicheDifferenzierungim sofalenGefüge
3.2.1 Differenzierungstypen
3.3 Unterschiedliche Differenzierungsansätze und ihre Gesellschaftskonzeption
3.3.1 Differenzierungstheorie nach Parsons — „funktional differenzierte Gesellschaft“
3.3.2 Differenzierungstheorie nach Luhmann — „autopoetische selbstreferentielle Teilsysteme“
3.3.3 Differenzierungstheorie nach Habermas — „Entkopplung von System und Lebenswelt“
3.3.4 Zusammenhänge und Widersprüche gesellschaftlicher Differenzierungsansätze
3.4 Wandel und GrenzendesdipferenzierungstheoretischenAnsatzes
3.5 Folgen derdipferenzierungstheoretischen Perspektive und ihre Zukunft

4 Der Veränderung der Arbeitsgesellschaft als grundlegende Basis zur funktional differenzierten Gesellschaftsordnung?

5 Conclusio

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

So2Íalwissenschafdiche Makrotheorien verfolgen grundsät2lich das Ziel, so2iale Strukturen und den Aufbau einer Gesellschaft samt deren Bedingungen und Konsequemen näher 2u beleuchten und die Funktionsweise sowie das Fundament von so2ialer Wirklichkeit in den Mittelpunkt 2u rücken.1 Dies soll anhand der beiden so2ialwissenschaftlichen Gesellschaftstheorien „Arbeitsgesellschaft“ und „Differen2ierte Gesellschaft“ in den folgenden Seiten 2um Ausdruck kommen.

Einer der wichtigsten Faktoren, der den Alltag einer Gesellschaft, aber auch das Leben der ein2elnen Individuen determiniert, ist Arbeit. Zunehmende Bedeutung im Zusammenhang mit sich veränderten Arbeitsbedingungen erlangt die Art der Arbeit und deren so2ialer Stellenwert, sowie das damit verbundene Risiko in jeglicher Hinsicht. Während vor einem Jahrhundert die Arbeit an sich in erster Linie 2ur Sicherung des Überlebens diente, steht heute die Erwerbsarbeit nicht nur im Zentrum der Existen2sicherung, sondern auch der Identifikation (Differen2ierung) der eimeinen Individuen gegenüber der Gesellschaft. Ebenso wird der Stellenwert, den wir innerhalb einer Gesellschaft einnehmen durch die Art der Erwerbsarbeit definiert.

Im historischen Materialismus wird die Ökonomie als materielle Basis der wirtschaftlichen Abläufe herange2ogen, um die gesellschaftlichen Machtunterschiede (Produktions­verhältnisse) sowie die damit verbundenen Klassenkonflikte 2u analysieren. In der differemierten Gesellschaft spielt die Wirtschaft als eines der Teilsysteme nach wie vor eine wesentliche Rolle, wenngleich sie höchst spe2ialisiert (differemiert) strukturiert ist und das Zusammenspiel mehrerer Subsysteme 2u ihrem Fortbestand benötigt, das mit 2unehmender Ausdifferemiertheit schwieriger erscheint b2w. gesellschaftliche Veränderungen herbeiführt. In der vorliegenden Arbeit sollen die wesentlichen Charakteristika sowie die Veränderungen der „Arbeitsgesellschaft“ bis hin 2ur “gesellschaftlichen Differemierung“ näher untersucht werden. Ausgehend von Karl Marx und seiner Theorie der „Mehrwertproduktion“ durch die menschliche Arbeitskraft über sich verändernde Arbeitsverhältnisse, denen wir heute — in der (Post)-Moderne - gegenüberstehen bis hin 2u hochgradig ausdifferemierten Teilsystemen, sollen Ursachen und eventuell auftretende Folgewirkungen näher beschrieben werden. Ebenso soll ein möglicher Zusammenhang und ihre aktuelle Bedeutung aus makroso2Ìologischer Sicht erläutert werden.

2 Arbeitsgesellschaft

Die Arbeitsgesellschaft wie wir sie aktuell vorfinden ist vor allem durch Lohnarbeit und so2ialrechtlicher Absicherung geprägt. Arbeit hat im Verlauf ihrer Geschichte verschiedenste Formen und Ausprägungen angenommen, ehe die Lohn- b2w. Erwerbsarbeit — die Arbeit gegen Entgelt - sich etablierte. ExplUit als „Arbeitsgesellschaft“ werden nur moderne Gesellschaften be2eichnet, da innerhalb diesen die Arbeit als produktiv-aktive Aneignung Ein2ug gefunden hat2 und die Gesellschaft Leistung, Produktivität und Veränderung als selbstverständlich ansieht. Eine weitere Vorausset2ung ist, dass nur jene Tätigkeiten als „Arbeit“ gelten, die Geld einbringen, also einer be2ahlten Erwerbsarbeit gleich 2u set2ten sind. Slogans wie „Mit dem Einkommen auch auskommen“ spiegeln die Veränderung der Erwerbsarbeit im gesellschaftlichen Kontext wieder. Die Veränderung der Arbeit bringt ebenso die finan2ielle (Ab)sicherung mit sich. Zudem stehen wir heute vor der Verunsicherung, überhaupt einer Erwerbsarbeit nachgehen 2u können, da das Angebot an Arbeitskräften im Gegensat2 2u Arbeitsplät2en überhand nimmt. Qualifmerte Arbeit ist notwendig, um am Arbeitsmarkt konkurrieren 2u können, aber keine Garantie für einen Arbeitsplat2.

Die Arbeitsgesellschaft ist aber vor allem auch dadurch gekenn2eichnet, dass die Art der Arbeit 2ur gesellschaftlichen Identifi2ierung dient, an die der so2iale Status und die damit verbundene so2iale (Ab)Sicherungen geknüpft sind. „[...] die Gesellschaft, die Arbeit in eigene Rollen fasst und diesen Rollen eine prägende Bedeutung im Leben der Menschen wie in den Institutionen der Gesellschaft 2umisst.“3 Die Arbeit an sich stellt das 2entrale Monument der Gesellschaft dar, „die 2entrale gesellschaftliche Normalität, welche die so2iale Integration sicherstellt“4, an derer sich alle Lebensbereiche orientieren und dies keineswegs statisch, sondern in einem sich ständig (veränderndem Verhältnis. Die Relation 2wischen Ausbildung, Arbeit, Freizeit und Ruhestand ist einem ständigen Wandel unterworfen: Die Struktur der Arbeitsgesellschaft ist auf Veränderungen ausgerichtet, welche durch die Arbeit selbst hervorgerufen werden.

Bereits vor über einem Jahrhundert hat Karl Marx durch seine „Arbeitswertlehre“ den Grundstein für die im Lauf der Zeit zunehmende Bedeutung der Arbeit und deren Wert an sich als wesentliches Element einer Gesellschaft dargestellt. Konträr zu den Vertretern der Klassischen Nationalökonomie, David Ricardos „Theorie des Tausches“, Adam Smiths „invisible hand“ und inspiriert von Hegels Ansichten über die Dynamik und Widersprüchlichkeit von Systemen5 entwickelte Karl Marx die Arbeitswertlehre, nach derer ein Produkt sowohl einen Gebrauchswert als auch einen Tauschwert aufweist und durch deren Verschiedenartigkeit ein Mehrwert geschaffen wird.6

Arbeit kann verschiedene soziale Formen annehmen, was sich einerseits durch die historische Entwicklung der Arbeitsgesellschaft wie auch durch momentan vor sich gehende Veränderungen — der Flexibilisierung und Entstandardisierung - zeigt. In wie weit ein Zusammenhang zwischen Arbeit und Mensch (und weiters der Gesellschaft) existiert, wird durch die im eigentlichen Arbeitsprozess vorgestellten, gesellschaftlichen Regeln und Normen bestimmt.7 Um auf diese Entwicklung näher einzugehen, soll zunächst ein historischer Abriss über die Entstehung der Arbeitsgesellschaft vorgenommen werden.

2.1 Die Arbeitsgesellschaft in ihrem historischen Entstehungskontext

Betrachtet man Arbeit in ihrem geschichtlichen Kontext, so ist es unumgänglich die jeweiligen Gesellschaftssysteme der jeweiligen Zeitepoche näher zu betrachten. Während Arbeit heute nicht nur als Erwerbsform einen bedeutungsvollen Einfluss auf die Gesellschaft ausübt, diente sie im größten Teil der Geschichte des Homo sapiens ausschließlich der Existenzsicherung.8 In der Antike wurde Arbeit an sich geachtet, spielte jedoch nur eine Nebenrolle. Wiederkehrende Tätigkeiten, denen die Befriedigung alltäglicher Bedürfnisse zu Grunde lag, wurden von Sklaven verrichtet. So differenziert Aristoteles zwischen „vita activa“ und „vita contemplativa“. Unter ersterer wird Arbeit 2ur Existen2sicherung verstanden. „Vita contemplativa“ hingegen steht für Reichtum, Macht und trifft auf all jene 2u, die 2ur Sicherung ihrer Existen2 nicht arbeiten müssen, was 2ugleich 2ur Differen2ierung der so2ialen Klassen beiträgt.9

Im Mittelalter sah man Arbeit als hinreichende Notwendigkeit, jedoch keineswegs als geistige Herausforderung. Insbesondere die ländlich ausgerichtete Vorstellung von Arbeit war das Spiegelbild der wirtschaftlichen und geistigen Stagnation innerhalb dieser Zeitepoche. So differen2iert Immanuel Kant Arbeit einerseits als heteronomes Tun, das für das Überleben notwendig erscheint und Arbeit, die über die Existen2sicherung hinausgeht als „autonomes Tun“. Der Reformationsgedanke, der insbesondere von Luther geprägt wurde, brachte einen Wertewandel mit sich. Die Definition der Arbeit verlor den „herabwertenden“ Sinn, den sie bis dahin besessen hatte.10 Im „Calvinismus“ wurde Nicht-Arbeit gän2lich verpönt und somit ein Nährboden für die industrielle Revolution geschaffen. Durch den unaufhaltsamen Beginn der Industrialisierung kam es 2u einer Trennung von Arbeit und Haushalt, wodurch eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung eintrat. Nicht nur die Transformation von der bäuerlichen b2w. handwerklichen Produktion 2ur gewerblichen Produktion, sondern auch durch die kapitalistische Produktionsweise von Arbeit gegen Lohn entstand eine Abgremung 2wischen unentgeltlicher Hausarbeit und entgeltlicher Erwerbsarbeit. Während bereits im 18. Jahrhundert be2ahlte Tätigkeiten als „Erwerbsarbeit“ deklariert wurden, wurde im 19. Jahrhundert der Begriff der Arbeit im engeren Sinne als „Lohnarbeit“ definiert. Ausgehend von der industriellen Moderne ist die Arbeitsgesellschaft charakterisiert durch den „organisierten Kapitalismus“11. Einer der wichtigsten Meilensteine 2u Ende des 19. Jahrhunderts war die Einführung so2ialer Systeme (Kranken-, Invaliden-, Rentenversicherung) in frühindustrialisierten Nationen. Durch die Etablierung dieses Systems gelang die Eingliederung der enorm expandierenden Industriearbeit in ein „System so2Íal-moralisch basierter Solidarität“12, welches 2ugleich das wesentlichste Merkmal der Arbeitsgesellschaft in der industriellen Moderne darstellt.

Die Bedeutung von Arbeit wird weiters gekenn2eichnet durch die Weiterentwicklung eines hochgradig arbeitsteilig organisierten Pro2esses der Massenproduktion, sowie des damit verbundenen Massenkonsums, und durch die bewusste Trennung von Arbeitszeit und Freizeit und so unterscheidet man heute zwischen Produzieren, Herstellen, Handeln (labor, work, action).13

Rückblickend auf die (Weiter)entwicklung der Arbeitsgesellschaft wird deuüich, dass „die Arbeitsgesellschaft ihrer Struktur nach eine auf Veränderung zielende Gesellschaft, und das Substrat der Veränderung die Arbeit selbst ist.“14 Um die veränderten Formen der Arbeit präziser zu beschreiben, soll zunächst die „Arbeitswertlehre nach Karl Marx, welche wesentlich durch den „Manchester-Kapitalismus“ determiniert wurde, näher beleuchtet werden. Marx' Analysen und Definitionen über die Gesellschaft, welche (wie bei Hegel) nie isoliert, sondern stets in ihrem gesellschaftlichen Zusammenhang betrachtet werden müssen15, galten Mitte des 19. Jahrhunderts als protagonistisch und etablierten sich im Zeitablauf zunehmend zum Meilenstein der Arbeitsgesellschaft.

2.2 Historischer Materialismus und Arbeitsgesellschaft nach Marx

Die materiellen Bedürfnisse des Menschen, welche sein „Dasein“ sowie seine Reproduktion legitimieren und insbesondere überhaupt erst ermöglichen, gelten als grundlegender Ausgangspunkt für den historischen Materialismus im Sinne Marxens. „Die erste geschichtliche Tat ist also die Erzeugung der Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse, die Produktion des materiellen Lebens selbst [...] um die Menschen nur am Leben zu halten.“16 Die Produktion erfolgt jedoch keineswegs isoliert, sondern unter sozialen Gegebenheiten, innerhalb derer Menschen gesellschaftliche und politische Verhältnisse eingehen. Uber die Bedürfnisbefriedigung bzw. materielle Existenzsicherung hinaus, kommt der Arbeit ein Doppelcharakter zu: Durch Arbeit wird einerseits die (Re-) Produktion der physischen Existenz sichergestellt und andererseits durch das Zusammenwirken mehrerer Individuen die Aufrechterhaltung von gesellschaftlichen Strukturen gewährt17. Gesellschaftliche Phänomene stehen in Beziehung zu „materiellen Verhältnissen“, welche Marx differenziert nach „Produktivkräften“, zu welchen Arbeitsgegenstände und Produktionsmittel (Arbeitsmittel) 2ählen (vgl. auch Kap. 2.2.1), und „Produktionsverhältnisse“, welche die so2ialen Strukturen reflektieren.

2.3 Arbeitsprozess und Wertbildungsprozess als Verwertungsprozess Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand

In seinem Werk „Das Kapital“ 1867 (Band I) beschreibt Marx den Arbeitspro2ess 2unächst als Pro2ess 2wischen Mensch und Natur. Die simplen Ergebnisse des Arbeitspro2esses stellen die 2weckmäßige Tätigkeit der Arbeit an sich, sowie ihr Gegenstand und ihre Mittel darM Differen2iert wird im Arbeitspro2ess weiters 2wischen Arbeitsgegenstand und Arbeitsmittel. Ersteres wird entweder in der Natur als gegeben vorgefunden oder ist als Rohmaterial gegenwärtig, welches bereits durch Arbeit verändert wurde und - so2usagen als Halbfertigprodukt oder Hilfsstoff - in den Arbeitspro2ess einfließt.18 19 Als Arbeitsmittel wird der Vorgang 2wischen Mensch und Arbeitsgegenstand be2eichnet. Hierbei bedient sich die/der Arbeiter/in der mechanischen, physikalischen und chemischen Eigenschaften der Dinge, die 2wischen ihm und dem Arbeitsgegenstand stehen, um 2u produ2Ìeren. Arbeitsmittel können jedoch 2ugleich als Rohmaterial fungieren.20 Des Weiteren geben Arbeitsmittel Auskunft über den Entwicklungs- und Reifegrad einer Gesellschaft. „Nicht was gemacht wird, sondern wie, mit welchen Arbeitsmitteln gemacht wird, unterscheiden ökonomische Epochen“21. So gilt der Mensch, durch den Einsat2 von Arbeitsmitteln 2ur Er2eugung von Arbeitsgegenständen (laut Franklin) als „toolmaking animal“22, welches sich je nach Umstand die Arbeitsgegenstände selbst schafft. Das Endergebnis eines Arbeitspro2esses sind Produkte, welche ebenso als Bedingung des Arbeitspro2esses gelten können.

Tauschwert, Gebrauchswert und Mehrwert

Der Wertbildungspro2ess beinhaltet die materialisierte Arbeit und die 2ur (Re)Produktion gesellschaftlich notwendige Arbeits2eit. Die Einheit von Arbeitspro2ess und Wertbildungspro2ess bilden den Produktionspro2ess. Das aus dem Produktionspro2ess hervorgehende Produkt besit2t einen Gebrauchswert, welcher sich nach dem unterschiedlichen Nut2en bemisst, und ist 2ugleich Träger eines Tauschwertes.23

Der Gebrauchswert — die Fähigkeit des Arbeiters 2ur Produktion — kann höher sein als der Tauschwert, also jener Lohn, der 2ur menschlichen Reproduktion erforderlich ist. Entspricht die Lohn2ahlung nicht dem vollen Gegenwert des Arbeitsertrages, entsteht eine Differen2, die als Mehrwert be2eichnet wird, welcher sich der Kapitalist einbehält.24 Zu differemieren gilt der absolute Mehrwert, welcher im Wertbildungspro2ess entsteht b2w. durch verlängerte Arbeits2eiten bei gleicher Entlohnung emelt werden kann. Relativer Mehrwert kann durch die Intensivierung des Arbeitspro2esses entstehen, wie 2.B. durch effi2ientere Arbeitsweisen, die die Produktivität erhöhen und folglich der Verschiebung der Fixkosten hin 2u variablen Kosten. Marx be2eichnet dies „Subsumption der Arbeit unter das Kapital“25, da weniger Zeit beansprucht wird, um den Lohn 2u produ2Ìeren.

Der über den Arbeitspro2ess und Wertbildungspro2ess hinausgehende Verlauf wird als Verwertungspro2ess definiert. Während im Wertbildungspro2ess die Arbeitsleistung adäquat entschädigt wird, sprich der Arbeiter die 2ur Reproduktion notwendige Entgeltleistung erhält, ist der Verwertungspro2ess der Nährboden für die Schaffung des Mehrwertes. Für den Kapitalisten ist der Tauschwert der Ware Arbeitskraft entscheidend, welche er am Markt anbietet und Lohn dafür be2ieht. „Er will nicht nur einen Gebrauchswert produ2ieren, [...] sondern Wert, und nicht nur Wert, sondern auch Mehrwert.“26 Der arbeitende Mensch produ2iert nicht nur Waren, in denen die vergegenständlichte Arbeit steckt für den Kapitalisten, sondern wird selbst 2ur Ware auf dem Arbeitsmarkt, die der Kapitalist kauft. Unter diesen Umständen spricht Marx von „Entfremdung der Arbeit“ b2w. „Vergegenständlichung“, die ebenso durch technischen Fortschritt und intensiver Arbeitsteilung wesentlich forciert wird und vice versa. Die Zentralität der menschlichen Arbeit, die „bewusste Tätigkeit“ wird aufgehoben, „entfremdete Arbeit“ gewinnt durch die Möglichkeit zur Schaffung eines höheren Mehrwertes an Bedeutung.

2.4 Arbeit als Voraussetzung zur gesellschaftlichen Klassenbildung

Arbeit kann als Grundbegriff der Marx'sehen Gesellschaftsanalyse verstanden werden. „Zu allen Zeiten haben Menschen ihr individuelles und gemeinschaftliches Leben durch Arbeit in Gesellschaft mit anderen produziert und reprodu2iert.“27 Im Gegensat2 2ur feudalen Gesellschaft befindet sich das Individuum nicht weiter existentiell abhängig von Grundherren, 2ugleich aber auch frei von dessen Schut2. Marx deklariert diese Entwicklung als „doppelte Freiheit“, welche jedoch wiederum da2u führt, dass der einzige Besit2, den das Individuum aufweist — die Arbeitskraft — 2um Verkauf angeboten und somit eine weitere Unfreiheit eingegangen wird.28 Zudem werden in Kombination von Produktionsmitteln und Arbeitskraft unter dem Kommando des Eigentümers Güter produ2iert. Nach Marx sind diese Vorausset2ungen für den Kapitalismus notwendig, denn erst unter diesen gegebenen Bedingungen werden Güter als „Kapital“ gehandelt. Durch den Warentausch, gleich ob Produkt oder Ware Arbeitskraft, entsteht der 2entrale Pro2ess der Vergesellschaftlichung. Die arbeitenden (produ2ierenden) Individuen (Produktivkräfte) gilt es, in gesellschaftliche und materielle Produktivkräfte 2u differen2ieren. Zunächst bilden die Individuen rein materielle Kräfte. Ist durch technologischen Fortschritt und insbesondere Arbeitsteilung das Zusammenwirken von mehreren Menschengruppen 2ur Produktion notwendig, spricht man von gesellschaftlichen Produktivkräften, die 2ugleich das Entwicklungsstadium einer Gesellschaft wieder spiegeln. Produktionsverhältnisse bilden die Rahmenbedingungen für eine mögliche Weiterentwicklung der Produktivkräfte, können jedoch 2ugleich ein Hindernis auf dem Weg 2ur Weiterentwicklung darstellen. „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse“29, deren Gesamtheit die ökonomische Struktur einer Gesellschaft bilden und darüber hinaus gesellschaftliche Bewusstseinsformen schaffen. Der Unterschied 2wischen Arbeitsteilung, Produktionsverhältnisse und Herrschaft wird in

Form der „Klassen“ spürbar. Die bereits in der feudalen Herrschaft existierenden Klassen wurden durch den bürgerlichen Kapitalismus neu definiert. Insbesondere wurde dies durch die städtische Bourgeoisie durch Aneignung des Mehrwerts, Privateigentum an Produktionsverhältnissen und folglich durch gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Kämpfe, vorangetrieben.

2.5 Gesellschaftskonzeption und Vergesellschaftlichung in der Arbeitsgesellschaft

Das individuelle und gesellschaftliche Leben der Menschen war jederzeit von Arbeit determiniert. Nicht nur um zu produzieren, sondern auch um Reproduktion und Sicherheit zu gewährleisten gilt Arbeit als zentrales Monument. So gelten Qualifikation, Aufstiegsmöglichkeiten und der damit verbundene soziale Status sowie die soziale Absicherung als Determinanten der gesellschaftlichen Zuweisung. „Der Begriff der Arbeit bezeichnet so allgemein ihr gesellschaftliches Dasein.“30 Erwerbsarbeit gilt deshalb so wichtig, weil sie durch Lohn und Gehalt, auch die Freizeit außerhalb der Arbeitsorte bestimmt.31 Die damit einhergehende Gleichung lautet: mehr Arbeit, mehr Geld, mehr Konsum, mehr Lebensqualität. Arbeit gilt nach Ulrich Beck innerhalb der Industriegesellschaft als „Achse der Lebensführung“.

Insbesondere in der industriellen Moderne bildet der Zugriff des Wirtschaftssystems auf Arbeit mittels formalen Organisationen ein wesentliches Strukturelement. „Zum einen passen sich andere gesellschaftliche Bereiche der Lebenswelt in ihren institutionellen Ausprägungen den durch die Arbeitsorganisation gesetzten Grenzen und Strukturen an. Zum anderen wird die durch formale Organisation gewonnene Möglichkeit, spezifische Handlungen von konkreten Personen unabhängig und in dauerhafter Form generieren zu können, in immer mehr gesellschaftlichen Bereichen aufgegriffen.“32 Daraus resultiert ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Individuum und Arbeit, welches als Hintergrundgerüst zur Bildung der Gesellschaft fungiert und die gesamte Gesellschaft determiniert. Die Voraussetzung für eine stattfindende „Vergesellschaftlichung“ und soziale Integration über die Erwerbsarbeit bildet allerdings das so genannte „Normalarbeitsverhältnis“, worunter eine unbefristete, be2ahlte Tätigkeit in einem Stundenausmaß von 35 bis 40 Stunden begriffen wird, welches auf ein „Familienmodell“ der Erwerbsarbeit hinweist33. Angesichts der demografischen Entwicklung, der schneller werdenden gesellschaftlichen Entwicklungsdynamik und den veränderten Familienformen in den Iet2tenjahr2ehnten wird die Gruppe der erwerbsfähigen Menschen geringer34 und die Vergesellschaftung durch Arbeit 2unehmend in den Hintergrund gedrängt.

2.6 Wandel und Grenzen der Arbeitsgesellschaft

Technischer Fortschritt, Rationalisierung und der globale Handel mit Schwellen- und Entwicklungsländern bringen einen enormen Preisvorteil gegenüber der menschlichen Arbeitskraft in modernen Gesellschaften und fuhren 2ur „technologischen Arbeitslosigkeit“.35 Nicht nur die Reduktion der Arbeitsnachfrage, kontinuierlich hohe Arbeitslosen2ahlen über die „natürliche Rate der Arbeitslosigkeit“36 hinaus und de2entralisierte Arbeitsvorstellungen, auch die unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Qualifikationsstufen 2eigen, dass die Arbeitsgesellschaft im traditionellen Sinn samt ihrer enormen Bedeutung für die Individuen an ihre Сгепгеп stößt. Zum einen verändert sich die Struktur der Arbeitsgesellschaft grundlegend in verschiedenste Richtungen mit unterschiedlichen Anforderungen, 2um anderen wird die Verkür2ung der Arbeits2eit 2um 2entralen Gegenstand. Während ständig höhere Qualifikationen erforderlich werden, um ins „Normalarbeitsverhältnis“ eintreten 2u können, vermehrt sich die Zahl an relativ niedrig qualifi2ierten Arbeitskräften rapide.37 TeiHeitarbeit, atypische Arbeitsverhältnisse wie Job­Sharing, Flexicurity, AltersteiHeit und geringfügige Beschäftigung gelten als Folge von EffÌ2Ìen2steigerung, technologischem Fortschritt und dem Rückgang an Arbeitsangebot. Zudem steigern diese Entwicklungen die АпгаЫ der weniger qualifmerten Arbeitskräfte und Unterbeschäftigung. Auch Interessensvertretungen der Arbeitsnehmer wie Gewerkschaften fungieren durch die Forderung nach höheren Reallöhnen (und folglich höherer Inflation) mehr als Vernichter von Arbeitsplät2en als Erhalter dieser. Da weder Unternehmer noch private Konsumenten den Preis der Arbeitskraft b2w.

[...]


1 vgl. Schülein/Brunner(2001), S. 35f

2 vgl. Bonß (2000), S. 328 f.

3 Dahrendorf (1983), S. 32

4 Arendt zit. in Vobruba (2007), S. 119

5 vgl. Schülein/Brunner(2001), S. 158

6 vgl. Schülein/Brunner(2001), S. 161

7 vgl. Zenker(2000),S. 31f

8 vgl. Schnack/Gesterkamp (1996), S. 33

9 vgl. Dahrendorf (1983), S. 31f

10 vgl. Schnack/Gesterkamp (1996), S. 32

11 vgl. Brose (2000), S. 10

12 Brose (2000), S.ll

13 vgl. Buchinger (1998), S. 7 ff

14 Dahrendorf (1982), S. 32

15 vgl. Morel/Bauer/Meleghy/Niedenzu/Preglau/Staubmann (2007), S. 93f

16 Marx-Engels-Werke zit. in Morel/Bauer/Meleghy/Niedenzu/Preglau/Staubmann (2007), S. 95

17 vgl. Habermas (1976), S. 145 f

18 vgl. Marx (1969), S. 193

19 vgl. Marx (1969), S. 193 f

20 vgl. Marx (1969), S. 197

21 Marx (1969), S. 195

22 Marx (1969), S. 194

23 vgl. Marx (1969), S. 201

24 vgl. Schülein/Brunner (2001), S. 161 f

25 vgl. Marx (1969), S. 336

26 Marx (1969), S. 201

27 Kößler/Wienold (2001), S. 60

28 vgl. Daniels/Schmitz (2006), S. 21f

29 Marx-Engels-Werke, Band 13, zit. in lorio (2003), S. 7f

30 Kößler/Wienold (2001), S. 60

31 vgl. Schnack/Gesterkamp (1996), S. 32

32 vgl. Zenker (2000), S. 32

33 vgl. Bonß (2002), S. 71

34 vgl. Bonß(2000),S 334ff

35 Dahrendorf (1983), S. 29

36 Die von Milton Friedman bezeichnete Höhe der Arbeitslosenrate unter Vollbeschäftigung

37 Flaig (2002), S. 23f

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Die Veränderung der Arbeitsgesellschaft durch Arbeitsteilung und Spezialisierung
Untertitel
Ein Vergleich zweier Gesellschaftskonzepte (Arbeitsgesellschaft und funktional differenzierte Gesellschaft) und deren Zusammenhang
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
42
Katalognummer
V197890
ISBN (eBook)
9783656241416
ISBN (Buch)
9783656449737
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialwissenschaft, Arbeitsgesellschaft, funktionale Differenzierung, Luhmann, Parsons, Habermas
Arbeit zitieren
Luzia Janoch (Autor), 2008, Die Veränderung der Arbeitsgesellschaft durch Arbeitsteilung und Spezialisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197890

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Veränderung der Arbeitsgesellschaft durch Arbeitsteilung und Spezialisierung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden