Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung

Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretischer Hintergrund

III. Methode

IV. Ergebnisse

V. Diskussion

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Wie alt man werden kann , beantwortet die - statistische - Lebenserwartung. Die- se dürfte künftig und überall schneller steigen als bisher angenommen, nicht zu- letzt wegen weiterer medizinischer Fortschritte. Modellrechnungen der Universi- tät Köln gehen davon aus, dass 2002 in Deutschland geborene Mädchen voraus- sichtlich im Schnitt 89 Jahre, 25% sogar mindestens 94 Jahre alt werden “1

Eine Komponente des demographischen Wandels wird durch das Eingangszitat hervorragend wiedergegeben: Die Menschen - nicht nur in Deutschland sondern in der gesamten globali- sierten und vernetzten Welt - werden immer älter. Aufgrund von niedrigen Geburtenraten so- wie einer technischen beziehungsweise medizintechnischen Entwicklung, die keine Grenzen zu kennen scheint, stehen Industrienationen wie auch Deutschland in Zukunft vor einem mas- siven gesellschaftlichen Problem, dessen Ausmaß sich noch nicht viele Bürger der Gegenwart bewusst sind: Wie soll die medizinische Versorgung älterer Generationen in Zukunft gestaltet werden, wenn auf der einen Seite die Zahl von hilfsbedürftigen Menschen steigt und auf der anderen Seite die junge Generation - also die potentiellen Hilfskräfte in Krankenhäusern, Al- tenpflegeeinrichtungen oder der Heimpflege - schrumpft. Darüber hinaus gerät das Solidari- tätsprinzip aus der Balance, da in Zukunft weniger Geld für mehr Menschen zur Verfügung steht. Die Thematik betrifft jeden Menschen und jede Generation ist mit eigenen Herausforde- rungen bezüglich dieser Problematik konfrontiert.

Die Integration von medizintechnischen Produkten in die eigene häusliche Umgebung stellt den Untersuchungsgegenstand der eHealth Group an der RWTH Aachen dar. Im Seminar „Empirisch-experimentelle Forschungsmethodik in der Kommunikationswissenschaft“ - unter der Leitung von Diplom-Psychologin Wiktoria Wilkowksa am Human Technology Center - haben sich die Studierenden mit der „Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assis- tenzsysteme in häuslicher Umgebung“ auseinandergesetzt. Mit der zentralen Frage, welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung in unter- schiedlichen Generationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen werden, beschäf- tigt sich der vorliegende Forschungsbericht.

Ziel der Seminars ist jedoch nicht nur das Erlernen von Forschungsmethoden wie zum Beispiel der Durchführung einer Fokusgruppe oder der Datenerhebung durch Fragebögen. Im Mittelpunkt steht ebenfalls die thematische Einführung in das Thema Ambient Assistant Living - kurz AAL - sowie eine praktische Einführung in wissenschaftliche Vorgehensweisen am Human Technology Center der RWTH Aachen.

II. Theoretischer Hintergrund

Der demographische Wandel als Problematik aller Generationen steht dabei im Mittelpunkt: Wie kann eine medizinische Versorgung in Industrienationen wie Deutschland im Alter ausse- hen, wenn die finanziellen Mittel schrumpfen? Wer trägt die Last der hohen Kosten und wie kann die Versorgung im Alter preisgünstiger gestaltet werden? Welche Rolle spielt in Zukunft die Mobilität von Versorger und Versorgtem, wenn medizinische Assistenzsysteme akzeptiert und genutzt werden. Mit der bereits genannten Fragestellung „Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in verschiedenen Technik- generationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?“, wird versucht, in Anlehnung an die Akzeptanz und Adaption von medizinischen Assistenzsystemen herauszufinden, welche Bedürfnisse der Endnutzer besitzt und in welchem Maß er diese in welcher Generation als es- sentiell betrachtet. Die folgenden Aspekte spezifizieren die Ausgangsfrage nochmals: Welche Rolle spielen die Kosten für Assistenzsysteme in welcher Generation? Soziale Aspekte wie Stigmatisierung, soziale Isolation oder Bevormundung müssen beachtet werden. Unterhal- tungs- und Kommunikationsfunktionen können integriert werden. Ist der Datenschutz nur für jüngere Generationen von Bedeutung? Durch die zentrale Fragestellung stellen sich dem in- teressierten Leser viele weitere Fragen, welche jedoch hier aufgrund der inhaltlichen Begren- zung nicht berücksichtigt werden können.

Die Falsifizierung beziehungsweise Verifizierung der folgenden und zu Beginn des Seminars aufgestellten Thesen bilden den Mittelpunkt des vorliegenden Forschungsberichts:

1) Umso ä lter die Menschen sind, desto einfacher muss die Bedienung des Assistenzsystems sein.
2) Umso j ü nger die Menschen sind, desto mehr Wert legen sie auf eine gesicherte Privatsph ä - re.
3) Umso ä lter die Menschen sind, desto wichtiger ist eine ä rztliche Versorgung mithilfe eines Assistenzsystems von zu Hause aus.
4) Umso ä lter die Menschen sind, desto weniger bef ü rchten sie soziale Isolation durch ein h ä usliches Assistenzsystem.

Im Anschluss an dieses Kapitel des Forschungsberichts werden zunächst die zwei zentralen Methoden, welche im Seminar angewendet wurden, vorgestellt: Auf der einen Seite dient die Fokusgruppe als qualitatives beziehungsweise nicht-standardisiertes Verfahren, während die Erhebung von Daten durch Fragebögen eine quantitative beziehungsweise standardisierte Forschungsmethode darstellt. Im weiteren Verlauf stehen die ausgewerteten Ergebnisse der Fragebögen im Zentrum dieser Arbeit. Zur detaillierten Darstellung wird deshalb auf Dia- gramme und Tabellen zurückgegriffen, welche die Forschungsergebnisse detailliert erläutern sollen. Im Anschluss an die Ergebnisdarstellung folgt die Diskussion, in welcher die interpre- tierte Datensammlung zusammengefasst werden und eine kurze Abschlusskritik folgt.

III. Methode

Die Ergebnisse der Fokusgruppen - in diesem Fall die Ergebnisse von Fokusgruppe A - stellen die Grundlage für die Fragebogenkonstruktion dar. Während der qualitativen Methode der Fokusgruppe,welche auf der oben bereits genannten Ausgangsfrage basierte, wurde zwischen den Vor- und Nachteilen von medizinischen Assistenzsystemem entschieden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vor- und Nachteile als Ergebnisse aus der Fokusgruppe A.

Die Teilnehmer der Fokusgruppe konnten die Aspekte Gew ä hrleistung ä rztlicher Kommuni- kation, erleichterte Kommunikation, Sicherheit, Hilfestellung durch Datensammlung und Un- terhaltung als positive Komponenten von medizinischen Assistenzsystemem identifizieren. Zur exakten Beschreibung muss erwähnt werden, dass mit dem Punkt Sicherheit eine verbes- serte Lebensqualität im Anschluss einhergeht. Der Aspekt Unterhaltung soll neben den Multi- media-Funktionen auch körperliche Übungsprogramme wie das Trainieren der feinmotori- schen Fähigkeiten beinhalten. Negative Folgen für den Endbenutzer konnten ebenfalls erläu- tert werden: Neben persönlichen beziehungsweise individuellen Nachteilen wie der Bevor- mundung, der sozialen Isolation oder einer eindeutigen Stigmatisierung durch das Ger ä t , zum Beispiel durch den notwendigen öffentlichen Gebrauch, wurden auch technische beziehungs- weise kollektive Nachteile registriert: Datenschutzrechtliche Bedenken wie zum Beispiel die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit einem vernetzten medizinischen System werden ebenso kritisch hinterfragt wie die gegebenenfalls auftretenden hohen Kosten und der damit verbundene Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen. Zum Abschluss wurde ein Fazit der qualitativen Methode gezogen, welches die eindeutige Präferenz der gewährleisteten körperlichen Versorgung sowie der individuellen Sicherheit vor den weiteren Aspekten auf- zeigt. Darüber hinaus ist die Idee des „Smarthouse“ entstanden: Eine Wohneinheit mit be- stimmten technischen Grundsystemen soll für den Bewohner individuell mit sogenannten „Add-Ons“ spezifiziert werden, sodass das technische Verständnis geschult werden kann und der Endbenutzer nicht direkt mit allen technischen Assistenzsystemen konfrontiert ist.

Der im Anschluss und auf Basis der Fokusgruppen-Ergebnisse konstruierte Fragebogen umfasst auch die Fragestellungen der beiden weiteren Fokusgruppen. Im vorliegenden Forschungsbericht spielen diese Fragestellungen keine Rolle.Für die hier relevante Fragestellung der Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in verschiedenen Technikgeneration werden nur bestimmte Frageblöcke skizziert.

Der standardisierte und schriftliche Fragebogen, welcher zur Erhebung einer Auswahl-Stich- probe dient, umfasst fast ausschließlich geschlossene Fragen. Nur im ersten Fragenblock, wel- cher die Angaben der befragten Personen einschließt, werden auch halboffene und offene Fra- gen genutzt. Die Seminarteilnehmer wollen neben dem Alter, dem Geschlecht oder dem Schulabschluss auch den meidzinischen Alltag betreffende Fragen platzieren, um den Um- gang beziehungsweise die Fähigkeiten im Umgang mit medizinischen Geräten zu erfragen. Darüber hinaus interessiert der Kontakt mit einer chronischen Krankheit - entweder durch eine eigene Krankheit oder die Konfrontation mit dieser bei einem Mitmenschen.Noch vor dem ersten Fragenblock hingegen wurde der Einleitungstext platziert. Dieser soll die Funktio- nen der Themeneinführung sowie der Motivation zur Ausfüllung des Fragebogens erfüllen. Der zweite Fragenblock „Angaben zur Nutzung von Medizin-(Technik)“ fragt durch konkrete, kurze und sehr eindeutige Statements, welchen zugestimmt werden oder die abgelehnt werden können, nach der persönlichen Einschätzung des technischen Verständnisses. Ferner wird zu- dem die Technikversiertheit anhand bestimmter technischer Geräte des Alltags wie einem Computer, einem Mobiltelefon oder einem Navigationssystem abgefragt. Im dritten Teil die- ses Fragenkomplexes wird der Umgang mit medizinisch-technischen Geräten spezifiziert. Der dritte Fragenblock - die Voraussetzungen der Nutzung von medizinisch-technischen Geräten und Systemen - fragt nach den benutzerspezifischen Voraussetzungen, die medizinisch techni- sche Systeme beziehungsweise Geräte erfüllen müssen, um ihre Attraktivität für den Endbe- nutzer zu steigern und gleichzeitig die Effektivität steigern. Bereits am Anfang soll der Be- fragte drei für ihn bedeutsame Voraussetzungen hervorheben. Der vierte Fragenblock, welcher sich mit der Problematik um den Datenschutz und der Privatsphäre in Bezug auf medizinischtechnische Geräte befasst, folgt darauf. Hervorzuheben ist hier besonders die gewünschte Reihung des Befragten, der fünf Bereiche nach seiner Präferenz ordnen soll. Daneben sticht ein Fallbeispiel hervor, welches die Relevanz des Datenschutzes in einer praxisnahen aber konstruierten Wirklichkeit erfragt. Im letzten Frageblock liegt der Fokus auf der Befragung nach den Vorteilen und Nachteilen der Nutzung von medizinisch-technischen Assistenzsystem in häuslicher Umgebung. Am Ende des Fragebogens wird dem Befragten noch die Möglichkeit eingeräumt, Kritik und Wünsche an die Fragebogenkonstrukteure zu richten. Auch Fragen zur schriftlichen Befragung können an die leitende Wissenschaftlerin beziehungsweise Seminarleiterin gesendet werden, indem das Impressum angefügt wurde.

[...]


1 Walla / Eggen / Lipinski (2006): 45.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung
Untertitel
Welche Vor- und Nachteile von medizinischen Assistenzsystemen in häuslicher Umgebung werden in unterschiedlichen Technikgenerationen für deren Akzeptanz als relevant wahrgenommen?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
17
Katalognummer
V197898
ISBN (eBook)
9783656237822
ISBN (Buch)
9783656238638
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medizin, Haus, Kommunikation, Technik, Kommunikationswissenschaft, Linguistik, Demographie
Arbeit zitieren
Frederik Ihl (Autor), 2012, Akzeptanz und Adaption medizinisch-technischer Assistenzsysteme in häuslicher Umgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197898

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