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Zwischen den Fronten: Die Rolle Estlands zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im internationalen Kontext

Titre: Zwischen den Fronten: Die Rolle Estlands zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im internationalen Kontext

Mémoire de Maîtrise , 2011 , 128 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Julia Rosche (Auteur)

Histoire de l'Europe - Nouvelle Histoire, Union européenne
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Résumé Extrait Résumé des informations

Das Ende des Ersten Weltkriegs stellt für die Geschichte Estlands einen besonderen Wendepunkt dar: Nach der Februarrevolution hatte sich in Estland ein Nationalrat gegründet, welcher den Staat am 24. Februar 1918 erstmals als unabhängig proklamierte. Nach erfolgreichen Kämpfen gegen die einen Tag später eingefallene deutsche Landwehr erkannte die Sowjetunion im Frieden von Tartu am 2. Februar 1920 die estnische Unabhängigkeit auf alle Zeiten an. Für den jungen Kleinstaat galt es nun, sich in der Folgezeit innenpolitisch zu festigen, sich international zu etablieren und die staatliche Unabhängigkeit abzusichern. Die eigene Rolle auf der internationalen Bühne musste gefunden werden. Die Bedingungen, unter welchen dieser Prozess erfolgen sollte, waren jedoch äußerst kritisch. Europa bestand zu jenem Zeitpunkt aus zwei unterschiedlichen Lagern – zum einen aus totalitären und zum anderen aus demokratischen Staaten, deren Gegensätze im Laufe der 20 kommenden, kriegsfreien Jahre immer stärker wurden. Das Schicksal des Landes würde sowohl vom geschickten Handeln der eigenen Führung als auch von den äußeren Umständen abhängen. Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Rolle Estlands im internationalen Kontext zu untersuchen. Inwieweit war Estland im internationalen System anerkannt und integriert? Welche Versuche der Führung gab es, um die Unabhängigkeit des Landes abzusichern, zu bewahren und sie nach ihrem Verlust 1940 wiederzuerlangen? Oder waren es gar die falschen Einschätzungen der estnischen Elite, die das Land in die Situation von 1940 brachten?

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Vorgeschichte

2.1. Die Geschichte Estlands bis zur staatlichen Selbständigkeit 1920

2.2. Die Innenpolitik Estlands in der Zwischenkriegszeit

2.3. Die Außenpolitik Estlands in der Zwischenkriegszeit

2.3.1. Der Völkerbund

2.3.2. Der estnisch-lettische Beistandspakt

2.3.3. Die Baltische Entente

2.3.4. Der Ostpakt

2.3.5. Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten Lettland, Finnland und Litauen

2.3.6. Das Verhältnis zu den Westmächten England und Frankreich

2.3.7. Estland zwischen der Sowjetunion und Deutschland

2.3.8. Neutralitätspolitik als estnische Strategie zur Bewahrung der Unabhängigkeit

3. Der Hitler-Stalin-Pakt und das geheime Zusatzprotokoll

3.1. Der Abschluss des Paktes sowie des Grenz- und Freundschaftsvertrags

3.2. Estnische Reaktionen und unmittelbare Folgen

4. Die Stützpunktperiode

4.1. Verhandlungen und Abschluss des sowjetisch-estnischen Beistandspakts

4.2. Verhandlungen bezüglich der militärischen Stützpunkte

4.3. Einmarsch der Roten Armee im Oktober 1939 und Probleme in Zusammenhang mit den Stützpunkten

4.4. Estlands außenpolitische Situation im finnisch-sowjetischen Winterkrieg

4.5. Die Außenpolitik Estlands während der Stützpunktperiode

5. Die Eingliederung Estlands in das Sowjetsystem

5.1. Das sowjetische Ultimatum

5.2. Die Bildung der estnischen Volksregierung

5.3. Die Juliwahlen und die formelle Besiegelung des Anschlusses

5.4. Die Sowjetherrschaft bis zum Einmarsch der deutschen Truppen

6. Estland unter nationalsozialistischer Herrschaft

6.1. Deutsche Truppen in Estland

6.2. Der „Generalbezirk Estland“ – Die Verwaltung Estlands durch die Deutschen

6.3. Kollaboration deutscher und estnischer Einheiten und deren Verbrechen

6.4. Die Entwicklung des Verhältnisses der Bevölkerung gegenüber den Besatzern

7. Der Zweite Weltkrieg erneut auf estnischem Boden

7.1. Die Bedeutung Estlands für Hitler und Stalin

7.2. Der Rückzug der Heeresgruppe Nord auf die Panther-Stellung (14. Januar bis 1. März 1944)

7.3. Die Mobilmachung estnischer Männer zur Verteidigung der Grenze

7.4. Kampfhandlungen um die Grenzstadt Narva

7.5. Die Blauberge

7.6. Die Regierung Tief und Uluots zwischen deutschem Rückzug und sowjetischem Einmarsch

8. Abschlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle Estlands im internationalen Kontext zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist es zu analysieren, inwieweit das Land im internationalen System integriert war, welche außenpolitischen Versuche unternommen wurden, die Unabhängigkeit zu bewahren, und welche Fehlentscheidungen der estnischen Führung den Verlust der Souveränität beschleunigten.

  • Analyse der estnischen Außen- und Innenpolitik in der Zwischenkriegszeit.
  • Untersuchung der diplomatischen und militärischen Auswirkungen des Hitler-Stalin-Paktes.
  • Betrachtung der "Stützpunktperiode" und der nachfolgenden sowjetischen Eingliederung.
  • Analyse der Besatzungszeit unter nationalsozialistischer Herrschaft und der Kollaborationsfrage.
  • Evaluierung der politischen Handlungsmöglichkeiten und der Rolle der Exilregierung.

Auszug aus dem Buch

3.1. Der Abschluss des Paktes sowie des Grenz- und Freundschaftsvertrags

Am 15. März 1939 besetzte Hitler die „Rest-Tschechei“, wodurch sich Deutschlands Machtstellung in Europa vergrößerte und das Deutsche Reich sich weiter in Richtung Sowjetunion ausdehnte. Diese Situation wurde in der Sowjetunion als bedrohlich wahrgenommen. Zwei Tage nach der deutschen Okkupation schlug Großbritannien der Sowjetunion ein gemeinsames, gegen Hitler gerichtetes Bündnis vor, mit welchem in erster Linie die als nächstes bedrohten Staaten Polen und Rumänien vor einem deutschen Überfall geschützt werden sollten. Am 31. März erging an Polen und am 13. April an Rumänien und Griechenland eine offizielle Erklärung Frankreichs und Englands, den Staaten im Falle eines Angriffs jede mögliche Unterstützung zukommen zu lassen, um deren Unabhängigkeit zu bewahren.

Um dieser Garantie eine effektivere Bedeutung zu geben, bemühte man sich, auch Stalin als weiteren Garantiegeber zu beteiligen und darüber hinaus einen gemeinsamen Beistandsvertrag der drei Großmächte zu ratifizieren. Stalin hatte sich dazu bereit erklärt, mit den Westmächten in Verhandlung zu treten. Bereits zu Beginn der Verhandlungen schlug er jedoch vor, an alle Staaten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, die an die Sowjetunion angrenzten, eine solche Garantieerklärung zu geben. Abgesehen von Rumänien und Polen waren es Estland, Lettland und Finnland, die an die Sowjetunion angrenzten. Auf Grund ihrer Neutralität wehrten sich die Staaten allerdings vehement gegen eine solche Garantie, da man sich durchaus darüber im Klaren war, dass es sich bei der Garantie, welche die Sowjetunion den Staaten unbedingt und ungeachtet derer Wünsche geben wollte, um eine Gefährdung der eigenen Unabhängigkeit handelte. Damit „autorisiert“ wollte Stalin im Falle eines feindlichen Angriffes auf eines dieser Länder zu dessen Sicherheit als Protektor einmarschieren und es so verteidigen. Man befürchtete jedoch, dass die Sowjetunion nach einer erfolgreichen Verteidigung das Land nicht mehr verlassen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung legt den historischen Kontext Estlands als jungen Kleinstaat dar, der zwischen totalitären und demokratischen Mächten um seine Unabhängigkeit rang.

2. Die Vorgeschichte: Dieses Kapitel skizziert die Geschichte Estlands von der mittelalterlichen Zeit bis zur Zwischenkriegszeit und beleuchtet die schwierige außenpolitische Lage des Landes.

3. Der Hitler-Stalin-Pakt und das geheime Zusatzprotokoll: Hier wird die Entstehung des Paktes zwischen Hitler und Stalin sowie dessen fatale Konsequenzen für Estland und die unmittelbare Reaktion des estnischen Militärstabs beschrieben.

4. Die Stützpunktperiode: Das Kapitel behandelt den Übergang zur sowjetischen Einflussnahme, die Errichtung von Militärstützpunkten und die zunehmende Isolation des estnischen Staates.

5. Die Eingliederung Estlands in das Sowjetsystem: Dieser Abschnitt beschreibt das sowjetische Ultimatum, die erzwungene Regierungsbildung und die schein-legitimen Wahlen, die in die formelle Annexion mündeten.

6. Estland unter nationalsozialistischer Herrschaft: Die deutsche Besatzungszeit wird analysiert, inklusive der Zivilverwaltung, der Rolle der Kollaboration und der Entwicklung des Verhältnisses der estnischen Bevölkerung zu den neuen Besatzern.

7. Der Zweite Weltkrieg erneut auf estnischem Boden: Der abschließende Teil behandelt die Kriegshandlungen von 1944, den Rückzug der deutschen Wehrmacht, die Verteidigung in den Blaubergen und das Agieren der Regierung Tief.

8. Abschlussbetrachtung: Das Fazit fasst die zentrale Rolle Estlands als geopolitisches Objekt zwischen den Fronten zusammen und reflektiert die strategischen Fehler der politischen Führung.

Schlüsselwörter

Estland, Zwischenkriegszeit, Hitler-Stalin-Pakt, Sowjetunion, Nationalsozialismus, Unabhängigkeit, Stützpunktperiode, Kollaboration, Zweiter Weltkrieg, Besatzungsregime, Souveränität, Außenpolitik, Neutralität, Annexion, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Situation Estlands in der Zeit zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs unter Berücksichtigung der komplexen geopolitischen Einflüsse durch die Sowjetunion und Deutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Themenfelder umfassen die estnische Außen- und Sicherheitspolitik in der Zwischenkriegszeit, das Scheitern regionaler Bündnisse, die Mechanismen der sowjetischen Annexion sowie die Dynamiken der deutschen Besatzungszeit und der Kollaboration.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Estland im internationalen System agierte, inwieweit die nationale Unabhängigkeit durch diplomatisches Handeln oder Bündnisse abzusichern war und warum es trotz verschiedener Versuche zur vollständigen staatlichen Einverleibung kam.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer chronologischen, historisch-analytischen Darstellung, die auf der Auswertung von Primärquellen wie Memoiren, Staatsverträgen und diplomatischen Korrespondenzen sowie einer fundierten sekundärhistorischen Literaturrecherche beruht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Vorgeschichte, die Ereignisse des Hitler-Stalin-Paktes, die Stützpunktperiode, die formelle Eingliederung in das Sowjetsystem, die Zeit unter nationalsozialistischer Herrschaft sowie die Rückzugskämpfe gegen Ende des Zweiten Weltkriegs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: Estland, Hitler-Stalin-Pakt, Sowjetunion, Nationalsozialismus, Unabhängigkeit, Annexion, Kollaboration und Zweiter Weltkrieg.

Wie bewertet der Autor die estnische Neutralitätspolitik?

Der Autor bewertet die estnische Neutralitätspolitik von 1938 als einen verzweifelten Versuch, zwischen den beiden Großmächten zu manövrieren, der jedoch in der Praxis weder stabil war noch die Unabhängigkeit effektiv schützen konnte.

Welche Bedeutung kommt der Regierung Tief am Ende des Krieges zu?

Die Regierung Tief stellt den Versuch dar, im kurzen Zeitfenster zwischen dem deutschen Rückzug und dem sowjetischen Einmarsch die staatliche Kontinuität der Republik Estland rechtlich zu wahren und einen legitimen Anspruch auf Unabhängigkeit zu proklamieren.

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Résumé des informations

Titre
Zwischen den Fronten: Die Rolle Estlands zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im internationalen Kontext
Université
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte)
Note
1,0
Auteur
Julia Rosche (Auteur)
Année de publication
2011
Pages
128
N° de catalogue
V197986
ISBN (ebook)
9783656241027
ISBN (Livre)
9783656241232
Langue
allemand
mots-clé
Estland Zweiter Weltkrieg Zwischenkriegszeit Hitler Stalin Pakt Blauberge Baltikum
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Julia Rosche (Auteur), 2011, Zwischen den Fronten: Die Rolle Estlands zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt und dem Ende des Zweiten Weltkriegs im internationalen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197986
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Extrait de  128  pages
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