Die Arbeit beschäftigt sich mit der Geschichte des Quilts von den Anfängen, vor allem der amerikanischen Pionierzeit, bis zum heutigen Artquilt. Die Theorie wird durch einen Praxisteil sowie reiche Bebilderung unterstützt. Die Arbeit geht davon aus, dass der Art Quilt als relativ junge Kunstform nur innerhalb seiner Jahrtausendealten Geschichte von Quilts und Patchwork verstan-den werden kann. Da er unbedingt durch seine differenzierte, gewachsene, umfangreiche Handarbeitstechnik gekennzeichnet ist, werden in den ersten beiden Teilen die „Grundfesten“ von Technik/Praxis bzw. Herkunft und Kulturgeschichte erläutert. Im ersten Kapitel wird eingegangen auf grundlegende definitorische Fragen der Differenzierung und Kategorisierung von Quilts. Danach werden grundlegende Techniken der Machart vermittelt: Vom Quiltstich über die Sandwichtechnik und zum grundlegenden Aufbau bis zu grundlegenden Patchwork- und Quiltmustern und –techniken, z.B. „Crazy“ und „Log Cabin“, sowie Seminoletechniken, Scrap-Quilt und Blocktechniken. Das zweite Kapitel ist der Versuch einer historisch-chronologisch-, sowie Kulturvergleichenden Abhandlung über die Entwicklung des Quilt bis in die 1960er Jahre. Über antike „Quiltwurzeln“ aus dem „alten“ Europa wird die Linie gezogen zum Kulturtypischen europäisch-nativen Quilterbe, den englischen, deutschen, schweizerischen, niederländi-schen, italienischen und französischen Techniken – dies sind die Quilts der spä-teren amerikanischen Siedler, die sich in Amerikas kolonialen Tagen stets wei-terentwickeln werden zum „amerikanischen“ Quilt. In diesem Zusammenhang werden auch die bedeutenden Quilts der deutschstämmigen Volksgruppe der Amischen, sowie umfassende modische Entwicklungen der „Quiltbooms“ der 1870er und 1930er Jahre gesondert beachtet. Letztendlich, im dritten „Quilt-boom“ der 1960er Jahre wird die Entstehung des Art Quilts, seine Entwicklung in den U.S.A, sowie seit den 1980er Jahren auch in Europa beschrieben. Zentrale KünstlerInnen der amerikanischen und europäischen Szene und ihre Werke, sowie wichtige Ausstellungen, wie z.B. Jonathan Holsteins „Abstract Design in American Quilts“ (1971), „The New American Quilt“ (1976), sowie die Entwicklungen in „Quilt National“ (seit 1979) dokumentieren diese Quiltform bis heute. Ein Bogen zur Bildenden Kunst wird – kritisch - aufgeschlagen. Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Würdigung des AIDS-Quilts.
Inhaltsverzeichnis
1. Begriffliche Eingrenzung
1.1 Quilt. Funktion, Aufbau, Material
2. Quilten: Das Handwerk
2.1 Der Quiltstich
2.1.1 Das Handquilten
2.1.2 Quiltmuster
2.1.3 Stickmuster
2.2 Patchwork
2.2.1 Pieced Work
2.2.2 Appliqué/Applikation
2.2.3 Papier- oder Schablonentechnik
2.3 Den Quilt aufbauen
2.3.1 Arbeiten aus der Mitte
2.3.2 Blockstil
2.3.3 Streifentechniken
2.3.3.1 Seminole-Patchwork
2.3.3.2 Bargello-Technik
2.3.4 Scrap-Quilten
2.3.4.1 Crazy
2.3.4.2 Log-Cabin
2.3.5 Whole-Cloth
2.3.6 Blockstil
2.3.7 Weitere Techniken
II. Patchwork- und Quilt-Tradition
1. Antikes Patchwork und Quilts
1.1 Antikes Patchwork
1.2 Antikes Quilten
2. Quilts der amerikanischen Pioniere
2.1 Europäische Tradition im amerikanischen Quilt
2.1.1 Deutschstämmige
2.1. 2 England
2.1. 3 Mittelmeerländer
2.2 Traditionelle amerikanische Quiltkultur
2.2.1 Traditionelle Blockmuster und ihre Bedeutung
2.2.2 Quilttypen
3. Amische Quiltkultur
3.1 Kulturgeschichtlicher Hintergrund
3.2 Amische Quilttradtion
3.2.1 Quilts im Amischen Leben
3.3 Quilten nach der Amischen Philosophie
3.3.1 Material
3.3.2 Farbigkeit
3.3.3 Formen und Motive
3.3.4 Blockmuster der Amischen
III. Der Art Quilt
1. Kulturgeschichtliche Entwicklungsbedingungen
1.1 Vorboten: Von der Jahrhundertwende bis in die 1950er Jahre
1.1.1 Ein neuer Quiltboom: Jugendstil und dreißiger Jahre
1.2 Durch WK II und Nachkrieg in die 1950er Jahre
1.3 Die 1960er Jahre: Der zweite Quiltboom
2. Wegweiser zum Art Quilt
2.1 Quilts in der Bildenden Künst
2.1.1 Ein zähes Ringen um Berechtigung
2.1.2 Quilts als Motive und Objekte der Kunst
2.1.3 Quilts und Abstrakte Kunst: Gegenstücke
2.2 Die Ausstellung „Abstract Design in American Quilts“
3. Eine neue Kunstform: Der frühe Art Quilt
3.1 1976: An die Öffentlichkeit
3.2 Die Ausstellung “The New American Quilt”
3.3 Seit 1979: Quilt National
3.4 Anlaufpunkte des Art Quilt
4. Amerikanische KünstlerInnen
4.1 Jean Ray Laury
4.2 Radka Donnell
4.3 Nancy Crow
4.4 Michael James
4.5 Joan Lintault
4.6 Internationale Künstler im Überblick
5. Quilt Art in Europa
5.1 Europäische Quiltzentren
5.1.1 Gilden, Gruppen, Verbände
5.1.1.1 The European Quilt Association (EQA)
5.1.1.2 Deutschland: Die Patchwork Gilde Deutschland e.V.
5.1.1.3 The Quilter´s Guild (of the British Isles)
5.1.1.4 The “ Quilt-Art-Group”
5.2 Ausstellungen, Museen und Messen in Deutschland und Europa
5.2.1 Europäische Quilttriennale
5.2.2 Weitere deutsche Quiltzentren
5.3 Europäische Künstlerinnen
5.3.1 England
5.3.1.1 Pauline Burbridge
5.3.1.2 Mirjam Pet-Jacobs
5.3.1.3 Deirdre Amsden
5.3.2 Deutschland
5.3.2.1 Inge Hueber
5.3.2.2 Ursula Rauch
5.3.2.3 Dorle Stern-Sträter
6. Ausblick
6.1 Nachwuchssorgen?
6.2 Neuere Entwicklungen
6.2.1 U.S.A: Terese Agnew
6.2.2 Japan: Noriko Endo
7. Ein besonderer Quilt: Der AIDS-Memorial-Quilt
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Art Quilts von seinen handwerklichen Ursprüngen im Patchwork bis hin zu seiner Etablierung als anerkannte Kunstform innerhalb der Bildenden Kunst, wobei ein besonderer Fokus auf den Einflüssen der amerikanischen Quiltkultur und der Rezeption durch die moderne Kunstwelt liegt.
- Entwicklung des Quilts als künstlerisches Medium von der Tradition zur Moderne
- Bedeutung der Patchwork- und Quilt-Techniken als Basis künstlerischer Gestaltung
- Der Einfluss der Pop-Art und bedeutender Ausstellungen auf die Wahrnehmung von Quilts als Kunst
- Die Rolle amischer Quilttradition als kulturelles Erbe
- Zeitgenössische Strömungen und internationale Künstlerpersönlichkeiten des Art Quilts
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Quiltstich
Der handgearbeitete Quilt- oder Steppstich ist ein einfacher Vorstich. Durch einfaches vorwärts gerichtetes Ein- und Ausstechen durch alle Quiltlagen (vgl. Abb.1) wird funktional Festigkeit, Zusammenhalt der Lagen sowie optisch der begehrte Reliefcharakter des Quiltmusters erzielt. Der Quiltstich sollte fein ausgeführt werden, doch spricht nichts dagegen, besonders bei dünnen Lagen mit einem Stich zugleich 2-3 Stiche aufzunehmen. Besonders akkurat, und vor allem für sehr dicke Quilts geeignet ist die zeitaufwendige „Up and Down Method“, bei welcher die Quilterin jeweils nur einmal senkrecht von oben nach unten und dann von der Unterseite her einstechend, senkrecht nach oben sticht. Beim ersten Einstich soll der Faden so gezogen werden, dass das Knötchen am Fadenende unsichtbar zwischen den Lagen verschwindet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Begriffliche Eingrenzung: Definition von Quilts durch Fokus auf Funktionalität und den technischen Aufbau aus drei Stofflagen.
2. Quilten: Das Handwerk: Detaillierte Darstellung der handwerklichen Techniken wie Quiltstich, Patchwork-Methoden und Aufbauvarianten.
II. Patchwork- und Quilt-Tradition: Historischer Rückblick auf die Ursprünge der Quilttradition in Europa und ihre Weiterentwicklung durch amerikanische Siedler.
3. Amische Quiltkultur: Analyse der spezifischen amischen Quilt-Tradition, geprägt durch Schlichtheit, religiöse Weltanschauung und handwerkliche Präzision.
III. Der Art Quilt: Untersuchung der Entwicklung des Art Quilts als moderne, künstlerische Ausdrucksform und dessen Anerkennung als Kunstobjekt.
4. Amerikanische KünstlerInnen: Porträt bedeutender amerikanischer Pioniere und Vertreter der Art Quilt Bewegung und ihre individuelle künstlerische Handschrift.
5. Quilt Art in Europa: Übersicht über europäische Quiltzentren, Gilden und herausragende Künstlerinnen der zeitgenössischen Szene.
6. Ausblick: Diskussion über die aktuelle Situation des Art Quilts und die Herausforderungen der Nachwuchsförderung.
7. Ein besonderer Quilt: Der AIDS-Memorial-Quilt: Würdigung des AIDS-Memorial-Quilts als soziales, symbolisches und künstlerisches Denkmal.
Schlüsselwörter
Art Quilt, Patchwork, Quilten, Amische Quiltkultur, Textilkunst, Handwerk, Quilthistorie, Quilt National, Bildende Kunst, Stoffdesign, Tradition, Moderne, Memorial-Quilt, Quilttechnik, Kreativität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Quilts von einem traditionellen handwerklichen Gebrauchsgegenstand hin zur modernen, in der Bildenden Kunst anerkannten Form der Quiltkunst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die handwerkliche Basis des Quiltens, die historische Tradition, die spezifische amische Quiltkultur sowie die Entwicklung und Etablierung des Art Quilts im 20. und 21. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie aus einer jahrtausendealten Geschichte heraus eine eigenständige Kunstform entstanden ist und warum das Verständnis des Art Quilts untrennbar mit seiner historischen Vorgeschichte verbunden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-chronologische und kulturvergleichende Analyse, um die Entwicklung des Quilts in verschiedenen Regionen und Epochen zu dokumentieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die technischen Grundlagen, die kulturellen Traditionen der Siedler und Amischen, die Entwicklung zum Art Quilt unter dem Einfluss der Pop-Art sowie das Wirken zeitgenössischer Quiltkünstler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Art Quilt, Textilkunst, amische Quiltkultur, Patchwork und kunsthistorische Rezeption charakterisiert.
Welche Bedeutung hat die Ausstellung „Abstract Design in American Quilts“ von 1971?
Diese Ausstellung gilt als Meilenstein, da sie Quilts erstmals im Kontext der Bildenden Kunst präsentierte und durch die vertikale Hängung die ästhetische Wahrnehmung der Quilts als Kunstobjekte maßgeblich veränderte.
Warum wird der AIDS-Memorial-Quilt am Ende besonders hervorgehoben?
Er wird als Abschluss gewählt, da er in besonderer Weise verschiedene Funktionen des Quiltens – Trauerarbeit, soziales Engagement und künstlerischen Ausdruck – in einem monumentalen kollektiven Denkmal vereint.
Welche Rolle spielt die „Ordnung“ im amischen Leben für deren Quiltkunst?
Die „Ordnung“ regelt alle Lebensbereiche der Amischen. Sie fördert Tugenden wie Demut und Schlichtheit, was sich direkt in den streng geometrischen und nützlichen Quiltmustern widerspiegelt, die demonstrativen künstlerischen Ausdruck ablehnen.
- Citation du texte
- Edith Vierling (Auteur), 2011, Vom Quilt zum Art Quilt: Ein Weg von tausend Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/197988