Können Männer und Frauen Freunde sein? - Eine Studie über gegengeschlechtliche Freundschaft


Diplomarbeit, 2002
212 Seiten, Note: 1,8

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

I TEIL - Theoretischer Zugang

1. Einleitung

2. Der Freundschaftsbegriff
2.1. Problemdarstellung der Freundschaftsdefinition
2.2. Die Freundschaftsdefinition - Eine gelöste Aufgabe?
2.2.1. In Abgrenzung von weiteren sozialen Beziehungen
2.2.2. Definition

3. Freundschaftsmodelle und -theorien

4. Funktionen von Freundschaft

5. Männerfreundschaft vs. Frauenfreundschaft - Männer vs. Frauen
5.1. Gemeinsam verbrachte Zeit, Aktivitäten und Gesprächsthemen
5.2. Soziale Unterstützung
5.3. Freundschaftsqualität
5.4. Geschlechtsrollenunterschiede

6. Gegengeschlechtliche Freundschaft
6.1. Allgemeines
6.2. Platonische Freundschaft
6.3. gegengeschlechtliche Freundschaften im (gesellschaftlichen) Dilemma
6.4. Entstehung, Aufrechterhaltung, Beendigung
6.5. Auftreten und Qualität

7. Gegengeschlechtliche vs. gleichgeschlechtliche Freundschaft
Exkurs: Paarbeziehungen vs. gegengeschlechtlichen Freundschaften

II TEIL - Empirischer Zugang

8. Empirischer Zugang in die gegengeschlechtliche Freundschaftswelt
8.1. Anlage der Studie
8.1.1. Auswahl der Erhebungsmethode
8.1.2. Eingangsimpuls und Leitfaden
8.1.3. Stichprobe, Datenerhebung und Transkription
8.2. Auswertung und Darstellung

9. Gegengeschlechtliche Freundschaft - „... das ist so ein so übelst spezielles
Verhältnis, ich weiß auch nicht, es ist einmalig.“
9.1. Können Männer und Frauen Freunde sein?
9.2. Freundschaftsdefinition
9.3. Wahrgenommene Unterschiede zwischen gegen- und gleichgeschlechtlichen Freundschaften
9.4. Anziehung
9.4.1. Beidseitig sexuelle Anziehung - „... irgendein Knistern ist da schon da.“
9.4.2. Beidseitige Freundschaftsanziehung
9.5. Umgang mit der Sexualität
9.6. Kontaktvermeidung
9.7. „Es würde nicht gut gehen“
9.8. Soziales Umfeld

10. Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

ANHANG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Es gibt wahrscheinlich wenige Begriffe in der Soziologie, welche die Gesellschaft so genau zu kennen scheint, wie den Begriff der Freundschaft. Vermutlich ist es wie in der Medizin, wo der Patient glaubt, genauso gut über Kopfschmerzen Bescheid zu wissen wie der Arzt. Daß das natürlich nicht den Tatsachen entspricht, kann sich jeder denken. Obwohl die Freundschaft durchaus eine soziologische Kategorie ist -wie schon NÖTZOLDT-LINDEN (1994) in ihrem Buch zum Ausdruck brachte - findet sie sich in der Soziologie relativ selten wieder. Verdient macht sich bei der Erforschung der Freundschaft vor allem die Sozialpsychologie (vgl. LEMKE, 2000: 22). Dabei wäre es auch in der Soziologie wichtig, der Freundschaft mit mehr Interesse entgegenzukommen, da sie in einer zunehmenden Individualisierung und dem damit verbundenen Bedeutungsverlust traditioneller Bindungen eine Alternative - vorrangig in jungen Erwachsenenjahren - darstellt. Noch seltener, als dies ohnehin schon der Fall ist, wurde im deutschsprachigem Raum die gegengeschlechtliche Freundschaft untersucht. Eine gegengeschlechtliche Freundschaftsforschung ist daher in Deutschland nicht etabliert1. Lediglich zwei Arbeiten (LODDENKÖTTER, 2001; KUHNERT, 2001) einer Fernuniversität und ein populärwissenschaftliches Buch (MÖNKEMEYER/NORDHOFF, 1993) sind in diesem Zusammenhang zu finden. Ein Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, Ergebnisse aber auch Fragen aufzuwerfen, die weitere Untersuchungen ideengebend unterstützen sollen.

Zwei Erlebnisse brachten mich dazu, die gegengeschlechtliche Freundschaft - also die Freundschaft zwischen Mann und Frau - einer näheren Untersuchung zu unterziehen: Erstens - ich sah den Film „Harry und Sally“ (1989). Jeder der den Film kennt, weiß daß der Hauptdarsteller (Harry) die Behauptung aufstellt: „Männer und Frauen können nie Freunde sein. Der Sex kommt ihnen immer wieder dazwischen“2. Diese Annahme führte mit Sicherheit, nicht nur in meinem Bekanntenkreis, zu vielen Diskussionen. Der zweite Grund bestand in AUHAGENs (1993: 220) Äußerung, daß es weitestgehend unbekannt sei, wie Freunde und Freundinnen miteinander umgehen. Ein Thema, dem so wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, obwohl es durchaus auch für die Soziologie interessant sein dürfte, verdient meiner Meinung nach eine wissenschaftliche Untersuchung.

In dieser Arbeit soll es nun darum gehen, ob Männer und Frauen Freunde sein können und wenn ja, was diese Freundschaften kennzeichnet. Hierbei sollen intersituationale (z.B. Verlauf der Freundschaft, Emotionsentwicklung in der Freundschaft und Motivbetrachtung) und intrasituationale (z.B. persönliche Kontaktaufnahme und Einfluß der Gesellschaft auf die Freundschaft) Aspekte berücksichtigt werden. Des weiteren stellt sich die Frage, ob in gegengeschlechtlichen Freundschaften „der Sex“ im Sinne von sexueller Anziehung eine Rolle spielen muß, da es sich immerhin um eine Mann-Frau-Beziehung handelt. Mit anderen Worten: Können Männer und Frauen Freunde sein, obwohl sie unterschiedlichen Geschlechts sind und sexuelle Anziehung somit eine Rolle spielen kann? Bei WERKING (1997a: 398) heißt es, daß Mann-Frau-Beziehungen vom sozialen Umfeld häufig als romantische Partnerschaft angenommen werden. Daraus ergibt sich eine weitere Frage für meine Untersuchung: Beeinflußt das soziale Umfeld das gegengeschlechtliche Freundespaar und wenn ja wie? Interessant ist auch, inwiefern von gegengeschlechtlichen Freundespaaren Unterschiede zu ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften - also zu Freunden gleichen Geschlechts -wahrgenommen werden und ob auffällige Besonderheiten auftreten.

Um diese Überlegungen zu einem Ergebnis zu führen, wird im ersten Teil dieser Arbeit die Freundschaft theoretisch untersucht. Wie man dem Inhaltsverzeichnis entnehmen kann, wird erst sehr spät begonnen, von gegengeschlechtlicher Freundschaft zu reden. Das wird verständlich, wenn man das Problem der Freundschaftsdefinition (Kapitel 2) näher betrachtet. Im Kapitel 3 verweise ich auf theoretische Ansätze und Modelle. Um die Freundschaft im allgemeinen besser zu begreifen, gehe ich in Kapitel 4 auf Funktionen von Freundschaft ein, die nach der strukturellen Definition im vorhergehenden Kapitel hier eine funktionale Definition liefert. Darüber hinaus soll, um eine bessere Vergleichbarkeit zur gegengeschlechtlichen Freundschaft zu erhalten, die gleichgeschlechtliche Freundschaft (Kapitel 5) ebenfalls näher betrachtet werden. Erst nachdem diese Ansätze Erwähnung fanden, wird in Kapitel 6 näher auf die gegengeschlechtliche Freundschaft und deren Forschungsstand eingegangen. In Kapitel 7 werden Unterschiede der gleich- und gegengeschlechtlichen Freundschaft anhand empirischen Materials näher aufgezeigt.

Der zweite - empirische - Teil bestreitet anschließend den empirischen Zugang zum Thema gegengeschlechtliche Freundschaft. Dabei wird außer der Methodik (Kapitel 8) ein Einblick in die gegengeschlechtliche Freundschaftswelt ermöglicht (Kapitel 9). Die Ergebnisse werden sich, aufgrund der qualitativ angelegten Studie, in Form von Fallbeschreibungen und in Typenbildungen darstellen und teilweise Thesen generieren. Schließlich wird im letzten Kapitel auf weitere offengebliebene Fragen und Diskussionspunkte eingegangen.

Ein Freund ist jemand, vor dem man laut denken kann.

Ralph Waldo Emerson

2. Der Freundschaftsbegriff

2.1. Problemdarstellung der Freundschaftsdefinition

Freundschaft als eine soziologische Kategorie hat sich noch nicht in dem Maße etabliert, wie sie es verdient hätte. NÖTZOLDT-LINDEN (1994) faßt zusammen, was auch mir auffiel: „Fast nie fehlt der Hinweis darauf, welch schwieriges - im Grunde aussichtsloses - Unterfangen dieses Bemühen [einer Freundschaftsdefinition, Anm. d. Verf.] sei“ (S. 23). Und trotzdem: Durch die Komplexität von Freundschaft fällt es schwer, allumfassend zu arbeiten und zu forschen. In diesem Abschnitt soll versucht werden, die Probleme zur Begriffsbestimmung zu katalogisieren, um dem interessierten Leser einen Überblick und dem Forscher einen Einstieg in die Komplexität der Freundschaft zu verschaffen.

Der Soziologe TENBRUCK (1964) hebt hauptsächlich zwei Gründe für eine Vernachlässigung der Freundschaft und persönlichen Beziehungen in der Soziologie hervor. Zum einen beschäftigt sich die Soziologie vorrangig mit der Gesellschaft und deren „Daseinsbereiche“ (wie z.B. Wirtschaft, Familie usw.), die eine Voraussetzung für menschliches Zusammenleben begründen und die als soziale Institutionen erst ein geregeltes Zusammenleben ermöglichen. Die Freundschaft scheint indes eher gesellschaftlich und damit soziologisch unerheblich. Zum anderen ist die Freundschaft als private, gesellschaftlich nicht geregelte Beziehung unserer Wahl scheinbar nur aus der Individualität heraus erklärbar (vgl. ebd.: 435), Freundschaft ist also in der Sozialpsychologie eher greifbar als in der Soziologie.

Einige Monographien versuchen die Komplexität der Freundschaft zu erfassen (z.B. FEHR, 1996; NÖTZOLDT-LINDEN, 1994; ADAMS/BLIESZNER, 1992; RAWLINS, 1992; AUHAGEN, 1991; RUBIN, 1985), aber auch diese stoßen teilweise an die Grenzen einer nicht klar definierten Kategorie. HAYS (19883 ) formuliert drei Schwierigkeiten, die bei der Begriffsbestimmung von Freundschaft entstehen können. So könnte es sein, daß a) die Definition von Freundschaft möglicherweise nicht mit der subjektiven Auffassung der Untersuchungsteilnehmer übereinstimmt oder dem Untersuchungskontext nicht angemessen ist (vgl. ebd.: 391f.). Das heißt, jeder Wissenschaftler und Untersuchungsteilnehmer weiß zwar ungefähr, was damit gemeint ist, aber jeder legt den Freundschaftsbegriff für sich individuell aus (vgl. VALTIN/FATKE 1997: 29). Zum Beispiel kann für den einen Befragten schon eine Bekanntschaft als Freundschaft gelten, für einen anderen jedoch die Freundschaft als nicht relevant für die Untersuchung eingestuft werden und somit gar nicht zur Sprache kommen. Diese Auffassung vertritt auch WAGNER (1991) und betont darüber hinaus, daß die Begriffsbestimmung stark vom Alltagsverständnis und von der Alltagserfahrung getragen wird (vgl. ebd.: 3).

Ein weiteres Problem, was HAYS (1988) zur Diskussion stellt, ist daß b) sich die Definitionen der einzelnen Forscher voneinander unterscheiden können (vgl. ebd.: 391f). Da viele Wissenschaftler darüber schreiben, wie schwer es ist, eine allgemeingültige Definition zu finden, verwundert das Problem der Vergleichbarkeit nicht. NÖTZOLDT-LINDEN (1994: 25) und AUHAGEN (1991: 22) schließen Freundschaft zu Verwandten aus, da ihnen die Freiwilligkeit genommen ist. ARGYLE & HENDERSON (1986: 86), ebenso wie KOLIP (1993: 82) halten dagegen Freundschaften zu Verwandten als möglich und durchaus nachvollziehbar. Dies zeigt, daß einige Forscher in ihren Untersuchungen Verwandte als Freunde „aussortieren“, andere sie jedoch mit einbeziehen. Ein Problem, das gerade - geht es z.B. um (sexuelle) Anziehung4 - in gegengeschlechtlichen Freundschaften wichtig sein könnte, da Verwandtschaft Sexualität meines Erachtens nach ausschließt. Darüber hinaus kann z.B. jeder Forscher die Grenze zwischen losen und lockeren Freundschaften selbst bestimmen, da es hier keine festgelegten Normen gibt und somit eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse erschwert wird.

Als drittes Problem benennt HAYS (1988) c) die Möglichkeit des eventuellen Ausschlusses bestimmter Freundschaftsformen von der Untersuchung durch festgelegte Definitionen (vgl. ebd.: 391f). Anders ausgedrückt, ein Forscher könnte Freundespaare nach ihrer Entwicklung innerhalb der Freundschaft befragen, schließt aber gegengeschlechtliche Paare oder befreundete Cousinen aus, weil seine Definition nur gleichgeschlechtliche Freundespaars zuläßt und/oder Verwandte ausschließt.

Ungeachtet der aufgestellten Probleme von HAYS (1988) gilt: Je strenger die Auffassung einer Freundschaft ist, desto weniger Freunde werden von einer Versuchsperson aufgezeigt bzw. vom Wissenschaftler zugelassen. Ein Befragter, der jeden Bekannten als Freund erachtet, wird ein verzerrendes Bild liefern, ebenso der Befragte, der nur einen Freund aufzählt.

Ein weiteres Problem stellt letztendlich der Wissenschaftler selbst dar. So darf er, wie es die Wissenschaft lehrt, durch sein eigenes „Alltagswissen“ über die Freundschaft die Objektivität nicht aus dem Auge verlieren, weil das Alltagsverständnis und die wissenschaftliche Begriffsdefinition sich nicht zwingend ähnlich sind. Das macht eine Erforschung der Freundschaft schwieriger, als sie es ohnehin schon ist. Abschließend soll hier ein Zitat Elisabeth AUHAGENs (1993) die Komplexität der Freundschaft verdeutlichen: „Ein Merkmal der Freundschaft ist also gerade jenes, daß sie so wenige wirklich eindeutige Merkmale besitzt.“ (S. 215).

2.2. Die Freundschaftsdefinition - Eine gelöste Aufgabe?

Eines kann und möchte ich an dieser Stelle vorwegnehmen: Freundschaft ist komplex und läßt sich nicht einfach „zusammenfassen“. Trotz des Wissens um die Freundschaft und der Kenntnis jedes Einzelnen, was er für sich unter Freundschaft versteht, gibt es keine eindeutige Freundschaftsdefinition. FEHR (1996) beschreibt diesen Zustand treffend: „Everyone knows what friendship is - until asked to define it. Then, it seems, no one knows.“ (S. 5).

2.2.1. In Abgrenzung von weiteren sozialen Beziehungen

Ein Weg zu einer Definition von Freundschaft führt die Wissenschaftler über die Herleitung aus der persönlichen bzw. sozialen Beziehung. Dies führt aber auch zu einem Dilemma, da sich nach AUHAGEN (1991) die Freundschaft von genau diesen anderen sozialen Beziehungsformen klar abgrenzen muß (vgl. ebd.: 14). Soziale Beziehungsformen, so trägt LENZ (1998) zusammen, sind indes gekennzeichnet durch das Vorhandensein persönlichen Wissens und ein emotionales Band. Sie werden getragen von der Einzigartigkeit und Unersetzbarkeit der daran beteiligten Personen und zeichnen sich durch eine besonders ausgeprägte Interdependenz -also gegenseitiger Abhängigkeit - aus (vgl. ebd.: 39ff).

Schon Georg SIMMEL (1983; orig. 1908: 268) vertrat die Auffassung, daß Freundschaft und Ehe sich von anderen Beziehungstypen in Hinsicht auf das Sich-Mitteilen unterscheiden. Man kann also sagen, Freundschaft und Ehe sind informell ausgerichtet und gehen somit über sachlich zentrierte Interessen der formellen Beziehungen hinaus.

KÖHLER (1995) hingegen versucht anhand von Merkmalen, die Freundschaft von anderen Beziehungen zu unterscheiden. Dabei schlußfolgert er, daß sich die Freundschaft von anderen sozialen Beziehungen durch 1.) die Freiwilligkeit, 2.) die Variationsbreite und 3.) die sozio-emotionale Ausrichtung der Interdependenz unterscheidet (vgl. ebd.: 239f).

1.) Die Freiwilligkeit der Interdependenz

Die Freundschaft zeichnet sich durch Freiwilligkeit aus und ist folglich gegenüber einigen anderen sozialen Beziehungen5 eher frei wählbar. DUCK (1977) weist darauf hin, daß es den Beziehungspartnern frei stehe, zu entscheiden, ob sie sich mit dem anderen anfreunden wollen oder nicht (vgl. ebd.: 147). Dem schließt sich KÖHLER (1995) an und erklärt: „Freundschaft ist demnach eine Beziehung, deren Beginn und Verlauf nicht durch äußere Bindungen eingeschränkt oder etwa durch sozialen Druck oder irgendwelche institutionalisierten Zwänge herbeigeführt wird“ (S. 239). Nach TENBRUCK (1964) sind persönliche Beziehungen wenig sozial standardisiert. Freundschaften bestehen demzufolge durch freie Wahl und können frei organisiert werden (vgl. ebd.: 432). Durch diese „Nichtinstitutionalisierung“ sieht ALLAN (1989) jedoch auch ein Problem für einige soziologische Interessen. Er weist aber auch darauf hin, daß dies Freundschaft zu etwas Besonderen macht (vgl. ebd.: 4). Anders ausgedrückt, die Freundschaft ist besonders, weil sie eben nicht durch die Gesellschaft bestimmt wird; aber sie ist für die Soziologie, die sich mit gesellschaftlichen Zusammenhängen und Einflüssen beschäftigt, schwer greifbar. Sie hat kaum Regeln und unterliegt selten gesellschaftlichen Normen. Ganz möchte ich die gesellschaftlichen Normen nicht ausschließen da, wie weiter unten noch zu ermitteln sein wird, eventuell in gegengeschlechtlichen Freundschaften gesellschaftliche Normen eine Rolle spielen.

WINSTEAD & DERLEGA (1986) fassen zusammen, daß Freundschaften zwar frei von Erwartung der Exklusivität sind, aber dadurch auch weniger Verbindlichkeit aufweisen. Freunde können folglich auch - was das Scheitern von Erwartungen hinsichtlich der Beziehung angeht - nachsichtiger sein (vgl. ebd.: 3). Die Freunde können daher eher Konfliktsituationen ausweichen, da durch die Freiwilligkeit die Option des Ungebundenseins stärker ausgeprägt ist als z.B. bei der Paarbeziehung oder der Verwandtschaft.

2.) Die Variationsbreite der Interdependenz - Enge vs. lose Freundschaften

Freundschaften weisen große Unterschiede in der Art und Anzahl der jeweils angestrebten Ziele auf. So gibt es enge bis weniger enge Freundschaften, die sich wiederum nach Reziprozität6 und Verbindlichkeit unterscheiden. Enge Freundschaften sind daher, von KÖHLER (1993, 240) als reziprok und verbindlich, diffus7 und hoch-involvierend8 zusammengetragen werden - demnach findet in engen Freundschaften eher ein Austausch statt, sie sind eher verpflichtend und nicht auf bestimmte Bereiche eingeschränkt. Für VALTIN & FATKE (1997) sind ‚gute’ und ,beste’ Freunde „diejenigen, mit denen man - unabhängig von der Regelmäßigkeit oder Häufigkeit des Zusammenseins - intime Gedanken und Gefühle austauscht und durch eine ganz besondere emotionale Qualität verbunden“ ist (S. 30). Darüber hinaus erhöht nach BELL (1981) Intimität und Enge zwischen den Freunden den Wert der Freunde und das Vertrauen in die Freundschaft (vgl. ebd.: 403). Trotzdem erlaubt es eine Freundschaft nach LENZ (1998) zwei Personen viel stärker, Distanz zu wahren, als eine Zweierbeziehung (vgl. ebd.:47).

WAGNER (1991) vertritt die Auffassung, daß sich ein bester Freund auf der Existenz eines einzigen Freundes begründet, der sich durch besondere Merkmale von anderen Freunden unterscheidet (vgl. ebd.: 12). Für den Autor ist dies die Idealform der Freundschaft (vgl. ebd.: 5). Die Umschreibung Idealform zeigt aber auch, daß diese Form als solche nur sehr selten, bzw. gar nicht existiert. Das entspräche auch ARGYLs & HENDERSONs (1986) Verweis, daß die Forschung sich zwar oft mit engen Freunden befaßt, diese jedoch eventuell weniger typisch sind (vgl. ebd.: 84). WRIGHT (1982: 4) nimmt an, daß Freundschaften nach der Stärke bzw. Intensität variieren.

Ein Blick in die englischsprachige Literatur zeigt, daß die Begriffe „friend“ und „friendship“ im amerikanischen eine umfassendere Bedeutung als im deutschen haben. In den USA werden demnach auch Bekannte und Arbeitskollegen als „friends“ bezeichnet. Der Begriff, wie er hier in Deutschland für die Freundschaft (im engeren Sinne) gebraucht wird, trifft in den USA am ehesten auf „close friendship“ zu (vgl. VALTIN/FATKE 1997: 25; WOLF, 1996: 24; AUHAGEN 1991: 5). WOLF (1996) beweist diesen Aspekt schon allein mit der Tatsache, daß „friend“ übersetzt „Freund“ und „Bekannter“ heißen kann, umgekehrt ist jedoch „Freund“ nur ein „friend“ (vgl. ebd.: 24). Dies ist ein Punkt, der gerade beim Vergleich von deutschen (im weiteren Sinne europäischen) Forschungsstandpunkten und Ergebnissen aus den USA relevant und zu beachten ist.

Freundschaften können demnach locker und eng sein, was z.B. bei Paarbeziehungen im traditionellen Sinne eher undenkbar wäre. Sucht man nach weiteren persönlichen Beziehungen, so sind lediglich die Verwandtschaften mit den Freundschaften vergleichbar, da auch sie, unabhängig von der Unfreiwilligkeit der Beziehung enge, aber auch lockere Beziehungen aufweisen können.

3.) Die sozio-emotionale Ausrichtung der Interdependenz

Interaktionen zwischen Freunden finden nach KÖHLER (1995: 240) eher aus Gründen des Selbstzweckes statt und werden durch die Erwartung von Intimität getragen. Es ist also entscheidend, wie die Freunde aufeinander reagieren und aufeinander eingehen. Dabei sollte durch die gegebene Freiwilligkeit in der Freundschaft den Freunden ein positives Gefühl vermittelt werden, da sonst, wie schon besprochen wurde, die Freundschaft schnell auseinandergehen kann. Das Autorenteam VALTIN & FATKE (1997) bestärken, daß gerade das ,gute Gefühl’ in der Beziehung die Freundschaft ausmacht (vgl. ebd.: 28). Die Freundschaft, so argumentiert AUHAGEN (1991: 17), wird subjektiv als positiv erlebt, sie muß hingegen, so betont HAYS (1988: 394), nicht immer positiv sein. DUCK (1977) verweist in diesem Zusammenhang generell darauf, daß es in Freundschaften keine Gefühlsneutralität gibt (vgl. ebd.: 145). Somit ist eine Freundschaft geprägt von Emotionen, die in vielen Fällen als positiv, zeitweise aber auch als negativ, jedoch nie als neutral9 empfunden werden. Ein Vergleich zu anderen, persönlichen Beziehungen fällt an dieser Stelle schwer, da m.E. in keiner Beziehungsform auf Dauer eine Gefühlsneutralität herrscht. Da DUCK jedoch meint, daß in Freundschaften nie Gefühlsneutralität zu finden ist, zeigt sich hier eventuell doch ein Unterschied zu anderen Beziehungsformen, in denen Empfindungen eine untergeordnete Rolle spielen. So nehme ich an, daß z.B. zu dem Postbeamten, eher eine Gefühlsneutralität entsteht, als zu Freunden, welche informellen Charakter haben.

Eine Unterscheidung der Freundschaft von weiteren Beziehungsformen ist jedoch nur dann sinnvoll, wenn die Freundschaft als solches klar definiert ist. Eine Begriffserklärung soll nun im nächsten Abschnitt folgen.

2.2.2. Definition

Nachdem eine Unterscheidung zu weiteren persönlichen Beziehungen ermittelt wurde, soll an dieser Stelle ein Einblick in die Welt der Freundschaftsdefinitionen verschafft werden. Wie in Kapitel 2.1 beschrieben wurde, besteht gewissermaßen keine allgemeingültige Freundschaftsdefinition. Aufgrund der Komplexität und der doch in einigen Fällen unterschiedlichen Freundschaftsbestimmung, wird in diesem Abschnitt lediglich ein Versuch unternommen, unterschiedliche Freundschaftsdefinitionen zusammenzutragen, um dadurch einen zusammenfassenden Überblick zur Begriffserklärung von Freundschaft zu erhalten. Ein bei der Literaturdurchsicht häufig gefundenes Zitat, dem auch ich mich nicht entziehen möchte, ist die Freundschaftsdefinition von HAYS (1988). Er definiert Freundschaft folgendermaßen: „ Voluntary interdependence between two persons over time, that is intended to facilitate social-emotional goals of the participants, and may involve varying types and degrees of companionship, intimacy, affection and mutual assistance “ (S. 395). Freundschaft besteht also auf einer freiwilligen Abhängigkeit zwischen zwei Personen. Die sozio-emotionalen Ziele können sich dabei durch Typ und Grad unterscheiden. Diese Ziele variieren in der Art und der Anzahl der bestimmten Freundschaften und sind abhängig von den Merkmalen der Einzelnen (z.B. Alter, Geschlecht, Persönlichkeit10 ), dem Entwicklungsstadium der Freundschaft (flüchtige versus enge Freundschaft) und den Umgebungsfaktoren (z.B. dem bestehenden Netzwerk, den Möglichkeiten im Milieu). Darüber hinaus ist für HAYS die Freundschaft ein multidimensionales Phänomen und ein dynamischer Prozeß (vgl. ebd.: 395f). Freundschaften sind folglich komplex und unterliegen Veränderungen. Letzterem Punkt zeigt sich auch ALLAN (1989) offen. Auch er ist der Ansicht, daß die Freundschaften sich über die Zeit verändern und wandeln (vgl. ebd.:127).

Für BELL (1981) ist Freundschaft: „ ... a voluntary, close and enduring social relationship. How enduring is difficult to answer, but it can go on for years “ (S. 402). Freundschaft ist demzufolge eine freiwillige, enge und beständige soziale Beziehung. Die Wahl der Partner ist dabei freiwillig sowie ohne Zwang und hat eine Auswirkung auf beide Freunde (vgl. ebd.: 403).

Nach AUHAGEN (1991) grenzt sich Freundschaft von romantischer Liebe durch den Mangel an Exklusivität11 und sexuellem Verlangen ab. Außerdem geben Freunde im Gegensatz zum Partner nicht das Äußerste und sind seltener Fürsprecher oder Anwalt (vgl. ebd.: 7). Die Freundschaftsentwicklung ist dabei abhängig von a) der Häufigkeit und Intensität der Kontakte, b) dem Grad der Intimität und Selbstoffenbarung und c) der Ähnlichkeit der Partner und ihrer Situation (vgl. ebd.: 19). Freundschaft ist für die Wissenschaftlerin folglich eine dyadische, persönliche und informelle12 Sozialbeziehung, die keine offiziellen Verpflichtungen hat, die auf Gegenseitigkeit beruht, für beide einen Wert besitzt, freiwillig ist, eine zeitliche Ausdehnung und einen positiven Charakter hat sowie keine offene Sexualität beinhaltet (vgl. ebd.: 17). Die an dieser Sozialbeziehung beteiligten Personen werden als Freund oder Freundin bezeichnet, die für beide unterschiedlichen Wert haben und aus verschiedenen inhaltlichen Elementen zusammengesetzt sein kann (vgl. AUHAGEN, 1993: 217). Freundschaften sind demzufolge auf verschiedene Personen unterschiedlich ausgerichtet und können von den Freunden unterschiedlich stark empfunden werden und darüber hinaus noch andere Wertigkeiten für die Beteiligten haben.

WAGNER (1991) erklärt: „ Freundschaft ist eine Beziehung wechselseitiger starker Zuneigung zwischen zwei Personen, die Veränderungen unterliegt und von unterschiedlicher Dauer ist “ (S. 203). Die Dauer, so schlußfolgert DUCK (1977), sagt dagegen jedoch nicht zwingend etwas über die Enge einer Freundschaft aus, sondern ist im Gegenteil sogar ein ungenaues Maß (vgl. ebd.: 144). Eine weitere wichtige Komponente sieht WAGNER (1991) in der starken Zuneigung zweier Individuen (vgl. ebd. 203). Auch für KOLIP (1993) sind Freundschaftsbeziehungen mit Emotionen verbunden: Freundschaften sind bei ihr „freiwillige Zusammenschlüsse zwischen Menschen beiderlei Geschlechts, die auf wechselseitiger Intimität und emotionaler Verbundenheit begründet“ sind (S. 82f).

Die Soziologin Ursula NÖTZOLDT-LINDEN (1994) faßt Freundschaft folgendermaßen zusammen: „ Freundschaft ist eine auf freiwilliger Gegenseitigkeit basierende dyadische, persönliche Beziehung zwischen nicht verwandten, gleichgeschlechtlichen Erwachsenen in einer Zeitspanne “ (S. 29). Dabei handelt es sich bei der dyadischen Freundschaft um eine sehr persönliche Beziehung, welche sich am Individuum orientiert und in dem Kontext der Wissenschaftlerin vor allem eine Erwachsenenfreundschaft darstellt (vgl. ebd.: 29). Außerdem ist Freundschaft ein dynamischer, multidimensionaler Beziehungsprozeß in der Zeit, welcher durch ökologische, situative, biosoziale Faktoren sowie Gesellschafts-, Persönlichkeits- und Interaktionsfaktoren und anderer sozialer Netze bestimmt wird (vgl. ebd.:137). NÖTZOLDT-LINDEN geht in ihrer Freundschaftsdefinition davon aus, daß Freunde nicht verwandt13 sind. Die familiären Bindungen zu Familienmitgliedern oder Verwandten werden ausgeschlossen, weil sie über Zuschreibung und soziale Regelungen zustandekommen (vgl. ebd.: 25). Weiterhin können laut der Autorin familiale Dyaden und Freundschaftsdyaden einander nicht ersetzen (vgl. ebd.: 30). AUHAGEN (1991) räumt ein, daß Verwandtschaftsbeziehungen in der Freundschaftsdefinition ausgeschlossen werden (vgl. ebd.: 22). Demgegenüber stehen die Meinungen KOLIPs (1993: 83) und WOLFs (1996: 17), die Freundschaften zu Verwandten als durchaus nachvollziehbar und somit für möglich halten. Dies wird z.B. durch eine Untersuchung von ARGYLE & HENDERSON (1986) bekräftigt, die herausfanden, daß sieben Prozent der Freunde auch Verwandte waren (vgl. ebd.: 86). Gerade in diesem Punkt gehen die Meinungen der Wissenschaftler auseinander. Tatsache ist, daß Freundschaften unter Verwandten belegt wurden, diesen Freundschaften ist jedoch die Freiwilligkeit genommen, da Verwandtschaft nicht auf Freiwilligkeit beruht. Es wird in diesem Zusammenhang von einem doppelten Beziehungsphänomen gesprochen. Nichtsdestotrotz werden Freundschaften, insofern es sie unter Verwandten gibt, freiwillig geschlossen - einer Person steht es also z.B. offen, ob er/sie mit seinem/ihrem Cousin engeren Kontakt als zu einem anderen pflegt. Freiwillig ist die Freundschaft deswegen trotzdem und m.E. somit unter Verwandten nicht von der Hand zu weisen.

Man sieht, daß Freundschaftsdefinitionen in einigen Fällen nicht allgemeingültig sind und daraus Probleme auftreten können. Daß auch allgemeingültige Aussagen über Freundschaft zu Problemen bei der Untersuchung führen, möchte ich kurz anhand zweier Beispiele verdeutlichen. Zwei Personen zeichnen eine - so heißt es in vielen Definitionen - Freundschaft aus. Folglich ist es empfehlenswert, beide Freunde zur Untersuchung heranzuziehen, um eine Allgemeingültigkeit für Freundschaften zu erhalten. Leider ist dies - wie auch ich feststellen mußte - nicht immer möglich, da z.B. Freunde nicht immer im selben Ort leben müssen. Darüber hinaus ist Freundschaft per Definition in einen dynamischen Prozeß involviert, d.h. der Untersuchungszeitraum sollte sich möglichst nicht nur auf einen Zeitpunkt beschränken. Da dies natürlich nicht immer möglich ist, sollte zumindest versucht werden, Freundschaftspaare, die sich in derselben Freundschaftsphase (dazu mehr in Kap. 3) befinden, in der Untersuchung einzubinden. Es ist jedoch schwer, Freundespaare zu finden, die an genau derselben Stelle in der Freundschaft angelangt sind, wie ein anderes Freundschaftspaar, da die Entwicklung bei den Freundespaaren unterschiedlich schnell verlaufen dürfte und somit eine Orientierung z.B. an der Dauer der Freundschaft nicht unbedingt aussagekräftig genug ist.

Ungeachtet von Differenzen in der Eingrenzung von Freundschaft, zeigt sich zusammenfassend ein umfangreiches Freundschaftsbild. Freundschaft ist demzufolge eine Dyade, die auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruht, unabhängig (also nicht an gesellschaftliche Normen gebunden) ist und über einen Zeitabschnitt besteht. Sie hat einen positiven Charakter und beinhaltet weder offene Sexualität noch ist sie von Exklusivität geprägt.

In den Definitionen wurde von Freundschaft allgemein gesprochen, aber gerade im letzten Satz finden sich Ausgangspunkte für die gegengeschlechtliche Freundschaftsforschung, da sich offene Sexualität in der (heterosexuellen) gleichgeschlechtlichen Freundschaft ausschließen läßt, jedoch die gegengeschlechtliche Freundschaft - die sich aus einer Mann-Frau-Beziehung zusammensetzt - Sexualität m.E. nach beinhalten kann. Auch muß der positive Charakter, wie er allgemein für Freundschaften angenommen wird, m.E. in gegengeschlechtlichen Freundschaften gesondert betrachtet werden, da hier eventuell ebenfalls die Mann-Frau-Beziehung als negativer Effekt hineinspielen kann.

3. Freundschaftsmodelle und -theorien

Nachdem im vorangegangenen Kapitel die Freundschaft mit Hilfe von Definitionen erklärt wurde, soll hier mit Hilfe von Theorien die Freundschaft näher betrachtet werden. In der Literatur finden sich im Vergleich zu anderen soziologischen Kategorien relativ wenige Theorien. Wenn Theorien auftreten, sind es vorrangig Theorien zu persönlichen Beziehungen im allgemeinen. PERLMAN & FEHR (1986) meinen dazu, daß die Sozialwissenschaften nicht direkt an Freundschaftstheorien interessiert sind (vgl. ebd.: 10). Im folgenden Abschnitt soll jedoch trotzdem der Versuch unternommen werden, verschiedene Ansätze darzustellen. Auf die psychologischen Ansätze, die z.B. Emotionen, Einsamkeit und optische Reize aufgreifen, möchte ich in meiner Arbeit nicht näher eingehen, da sie soziologisch schwer greifbar sind und daher zu weit gehen würden.

Phasenmodelle

Wie schon aufgezeigt wurde, sind Freundschaften dynamisch und durchlaufen, wie alle persönlichen Beziehungen bestimmte Phasen. Für ADAMS & BLIESZNER (1994) entstehen und entwickeln sich Beziehungen über die Zeit. Die Wissenschaftlerinnen versuchen in ihrer Arbeit, Freundschaftsphasen zusammenzutragen und unterteilen in eine dyadische Phase, eine Aufrechterhaltungsphase, eine Auflösungs- bzw. Netzwerkphase. Die dyadische Phase ist stark geprägt vom Bekanntmachen - sie enthält die Identifikation oder die Anziehung zu einem potentiellen Freund. Dabei werden enge Freundschaften allmählich abhängiger von der Zuneigung als der Häufigkeit der Kontakte. Dieser Phase folgt die Aufrechterhaltungsphase, die entweder in eine Auflösungsphase oder eine Netzwerkphase gleiten kann (vgl. ebd.:172f). Nach einer Kennenlernphase wird somit der Kontakt aufrechterhalten und mündet entweder in einer Auflösungsphase, die ein Ende der Beziehung bedeutet, oder in der Netzwerkphase, in der die Freunde zwar bekannt aber nicht mehr befreundet sind. ASENDORF & BANSE (2000) lassen eine Netzwerkphase außer acht und gliedern die Freundschaft in drei Phasen: Die Entstehung, die Erhaltung und die Auflösung - wobei die Entstehung laut den Wissenschaftlern am häufigsten untersucht wurde (vgl. ebd. 120).

Im Gegensatz zu LEVINGERs (1980) Phasenmodell14 persönlicher Beziehungen, verzichten die zwei vorliegenden Modelle auf eine Krisenphase in Freundschaften. Das erscheint auch sinnvoll, da Krisen in einer Freundschaft aufgrund der Freiwilligkeit zu einer Beendigung führen dürften, die eine längerwährende Krisenphase ausschließt. Ein weiteres Phasenmodell über den Freundschaftsprozeß entwarf WAGNER (1991). Er betrachtet darin den Freundschaftsverlauf differenzierter als die beiden zuvor aufgeführten Autorenteams. Dabei unterscheidet er in der Entstehungsphase die psychologische und soziale Phase, wobei diese unterstützend auf die dritte Phase wirken, um eine Freundschaft zu beginnen. WAGNER teilt nunmehr in fünf Stadien einer Freundschaft auf: 1.) Vorauslaufende Bedingungen für die Entstehung von Freundschaften (psychologischer Natur), 2.) die Kontaktaufnahme, 3.) den Beginn (Etablierung) der Freundschaft, 4.) die Konsolidierung und Stabilisierung von Freundschaft und 5.) die Beendigung und der Abbruch der Freundschaft (vgl. WAGNER, 1991: 195ff). Es wird deutlich, daß WAGNER dabei großen Wert auf das Kennenlernen legt, sich das Modell jedoch im weiteren Verlauf nicht wesentlich von den vorher beschriebenen Phasenmodellen unterscheidet.

ARGYLE & HENDERSON (1986) stellen eine Liste für die Freundschaft erforderlichen Erfahrungswerten auf. Sie meinen, daß Freundschaften eine Reihe von Stadien durchlaufen, in denen jeweils bestimmte Fertigkeiten notwendig sind. So sind zuerst die äußere Erscheinung und das Verhalten ausschlaggebend, um sagen zu können, welche Menschen man mag. Danach erscheint es den Autoren als wichtig, daß der potentielle Freund den anderen zu belohnt - ihm also zeigt, daß man ihn mag. Selbstoffenbarung beweist schließlich das Vertrauen zu dem anderen (vgl. ebd. 395f). Daraus lassen sich m.E. drei Phasen ableiten: eine emotionale Phase, in der die Personen abwägen, ob sie miteinander in Zukunft agieren möchten, eine Phase der Belohnung, in der Emotionen gezeigt werden und eine Phase der Selbstoffenbarung, die auf eine Freundschaft stabilisierend wirkt. Laut Argyle & Henderson (1986) ist gerade in der Kennenlernphase ein weiteres Kriterium von besonderer Wichtigkeit, nämlich die Frage, wie stark das Gegenüber vom Anderen als belohnend empfunden wird (vgl. ebd.: 95), also, ob Alter auf Ego15 belohnend wirkt. Unter „belohnend“ wird dabei vom Autorenteam das positive Gefühl verstanden, welches der/die Freund/in gibt. Der Eindruck von Gebrauchtwerden und geistiger Anziehung wird vermittelt. Ist der Grad der Intimität größer geworden, wird das Einzelgespräch ebenfalls als belohnend empfunden. Eine weitere Belohnung stellen das angenehme Verhalten des anderen oder gemeinsame Aktivitäten dar (vgl. ebd.: 96f).

Phasenmodelle sind m.E. als Ansätze für Untersuchungen, die sich mit dem Verlauf der Freundschaft oder einer bestimmten Phase befassen, zu verstehen. Dabei strukturieren Phasenmodelle die Beziehungsform Freundschaft. Eine Theorie, die mehr auf die Interaktion zwischen den Freunden setzt und die Beziehung auf Merkmale untersucht, soll nun aufgeführt werden.

Gleichgewichtstheorie - „equity theory“

Die Equity-Theorie ist eine Austauschtheorie - somit eine Theorie ausgleichender Gerechtigkeit. Laut WALSTER, UTNE & TRAUPMAN (1977) ist die Equity-Theorie eine auffallend einfache Theorie, in der versucht wird, „die Erkenntnisse der Verstärkungstheorie, der Theorie der kognitiven Konsistenz, der psychoanalytischen Theorie und der Austauschtheorie zu verarbeiten“ (S. 194).

Die Grundprinzipien der Gleichgewichtstheorie sind dabei, daß erstens Menschen sich in einer Beziehung am wohlsten fühlen, wenn sie genau das bekommen, was ihnen ihrer Meinung nach zusteht und zweitens sobald in der Beziehung entdeckt wird, daß sie ungleichgewichtig ist, wird der Versuch folgen, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dabei kommt es entweder zu a) einer tatsächlichen Herstellung des Gleichgewichts, b) zu einem psychologischen - also angenommenen - Gleichgewicht oder c) zu der Beendigung der Beziehung (vgl. WALSTER/UTNE/TRAUPMAN, 1977: 197f und übersetzt bei ARGYLE/HENDERSON, 1986: 111). Mit anderen Worten, es ist für den Einzelnen wichtig, was er interaktiv investiert (hat) und inwiefern das Erhaltene vergleichsweise fair oder ungerecht ist. Ähnlich wurde dieser Ansatz auch schon von George C. HOMANS (1968: 63) aufgegriffen: Eine Person wird, die mit einer anderen in Tauschbeziehung steht, eine Proportionalität ihrer Belohnungen zu ihren Kosten erwarten. Das heißt, mit größer werdenden Kosten müssen auch die Belohnungen steigen. Bei zwei interagierenden Personen muß das Verhältnis zwischen Kosten und Belohnung also ausgeglichen sein, sonst wird eine Person Ärger empfinden. HOMANS nennt das ausgeglichene Verhältnis zweier Personen in Hinsicht auf Kosten und Belohnung das Gesetz ausgleichender Gerechtigkeit (vgl. ebd.: 63f). Der Autor meint damit, daß das Verhalten zweier Individuen abhängig von den Kosten und Belohnungen ist, die sie aufbringen müssen und erhalten. HOMANS stellt ebenfalls fest, daß Gerechtigkeit und Ähnlichkeit mit einem Wort, nämlich dem der Gleichheit zusammengefaßt werden kann (vgl. ebd.: 152), die Ähnlichkeit somit mit Gerechtigkeit in Zusammenhang steht.

Ähnlichkeit

Wie HOMANS (1968) schon herausstellte, ist Ähnlichkeit für Interaktionspartner belohnend (vgl. ebd.: 87ff). Freunde, die sich also ähnlich sind, haben geringere Kosten, als Freunde, die sich nicht ähneln. Eine Freundschaft wird demzufolge leichter unter ähnlichen Personen zustande kommen, da die aufgewendeten Kostenseien es z.B. das Verständnis oder die Achtung dem anderen gegenüber - geringer ausfallen, als bei Personen, die sich weniger ähneln.

WAGNER (1991) vertritt die Auffassung, daß nur, wenn Freunde bei denselben Variablen ähnliche oder gleiche Werte aufweisen, es theoretisch sinnvoll sei, sie als Kennzeichen einer Freundschaftsbeziehung zu sehen. Der Wissenschaftler ist jedoch eher gegen eine Äquivalenzannahme (vgl. ebd.: 77). DUCK (1977) bestärkt: „Jede Beziehung zwischen Persönlichkeitsähnlichkeit und Freundschaft ist also ansatzweise vorhanden, sobald zwei Menschen einander begegnen und auf die Eigenschaften des Anderen reagieren“ (S. 146)16.

Eine Studie der beiden Wissenschaftler WILD & FINK (1993) zeigt, daß Partnerähnlichkeit sich nur schwach auf die Freundschaftswahl auswirkt, jedoch ist für eine engere Beziehung eine höhere Ähnlichkeit bei der Ausübung sozialer und geselliger Aktivitäten förderlich (vgl. ebd.: 283ff). Dagegen stehen einige Studien, die eine Ähnlichkeit durchaus als wichtige Freundschaftskomponente betrachten. So findet sich auf einer Internetseite: „Personen mit ähnlichen Einstellungen, Meinungen und Werten werden mit größerer Wahrscheinlichkeit Freunde“ (http://www.geocities.com/SoHo/Lofts/5072/SozBez.htm). Auch für ARGYLE & HENDERSON (1986) ist es besonders wichtig, daß zwei potentielle Freunde in gleiche Weise über Dinge denken (vgl. ebd.: 94). WOLF (1996) erkennt in seiner Freundschaftsstudie ebenfalls eine starke Tendenz zur Homophilie - also der Ähnlichkeit der Freunde - in Freundschaften (vgl. ebd.: 53).

Die Wissenschaftlerinnen VALTIN & FATKE (1997) meinen, daß in unserer Gesellschaft Freundschaft über verschiedene Altersstufen, Bildungsgrade, Religions-und Geschlechtszugehörigkeit, soziale Herkünfte und geographische Nähe bzw. Ferne hinweg gebildet werden kann. Sie wird jedoch zum größten Teil durch eine strukturelle Ähnlichkeit der Freunde/innen hinsichtlich der genannten Faktoren bestimmt (vgl. ebd.: 30). Auch DIEWALD (1991) glaubt, daß das Entstehen einer Freundschaft durch gegenseitige Neigung, Sympathie, Ähnlichkeit, einen gemeinsamen Lebensstil und gemeinsame Interessen sowie ein ähnliches Alter gefördert wird (vgl. ebd.: 109) und reiht sich somit in die große Zahl der Wissenschaftler ein, die Ähnlichkeit als ein wichtiges Kriterium für ein Freundschaft erachten. Ähnlichkeit, so muß man an dieser Stelle zusammenfassen, fördert folglich die Freundschaft.

4. Funktionen von Freundschaft

Nachdem die Freundschaft definiert und theoretische Ansätze dargestellt wurden, soll nun auf die Funktionen einer Freundschaft eingegangen werden. Der Leser wird feststellen, daß auch die Funktionen etwas über eine Freundschaft aussagen. Die Funktionen sind dabei nicht nur als Aufgaben für die jeweiligen Freunde zu verstehen, sondern sie vermitteln auch, worauf eine Freundschaft beruht. Dabei ist es wichtig zu betonen, daß kaum eine Freundschaft alle Funktionen übernehmen kann. Schon Georg SIMMEL (1983; orig. 1908) spricht von differenzierten Freundschaften (vgl. ebd.: 269), also Freundschaften, die sich auf einen Teil der Persönlichkeit beschränken und nicht in andere Teile hineinreichen. Anders formuliert, keine Freundschaft gleicht in ihren Funktionen haargenau der anderen. So verbindet uns nach SIMMEL: „... mit einem Menschen von der Seite des Gemütes, mit einem andern von der geistigen Gemeinsamkeit her, mit einem Dritten um religiöser Impulse willen, mit einem vierten durch gemeinsame Erlebnisse“ (S. 269). Ein Freund deckt folglich andere Aufgabenbereiche ab als ein anderer. Dadurch, so schlußfolgert HAYS (1988), weicht der Grad - in welchem sich die Freunde untereinander helfen und unterstützen - sehr ab und ist abhängig von den Merkmalen der Einzelnen und von dem Niveau der Freundschaft (vgl. ebd.: 395). Robert HINDE (1993) bezieht sich in seinem Essay auf die Beziehungswissenschaft im allgemeinen und stellt dabei heraus, daß einige Personen viele unterschiedliche Dinge gemeinsam machen (multiplexe Beziehungen), andere Personen wiederum nur für eine Aktivität zusammenkommen (uniplexe Beziehungen) (vgl. ebd.: 15). Da auch die Freundschaft eine soziale Beziehung ist, wird hier ein Qualitätsmerkmal für Freundschaft sichtbar. Folglich haben in multiplexen Beziehungen die Beziehungspartner mehrere Aufgabenfelder. Daraus läßt sich schließen, daß mit diesen Beziehungspartnern auch mehr Zeit verbracht wird.

Um mit NÖTZOLDT-LINDENs (1993) Worten zu sprechen: „Ein Freund ist in verschiedenerlei Hinsicht für Erwachsene bedeutsam: In pragmatischer, sozialer, personaler und emotionaler. Er ist nicht nur unverbindlicher Begleiter, sondern sollte neben konkreter Unterstützung seelisch-moralischen Beistand leisten, vor Alleinsein schützen und sozialen Rückhalt bieten“ (S. 24). Die Autorin betont in diesem Zusammenhang das Vorhandensein unterschiedlicher interpersonaler Funktionen in Freundschaften, die über alle Lebensalter und Freundschaftsphasen eine Rolle spielen: Die emotionale, kognitive und materielle Unterstützung (vgl. ebd.: 115).

ALLAN (1989) greift das Sprichwort „A friend in need is a friend indeed“ (S. 104) auf und hebt hervor, daß Freundschaft eine altruistische Beziehung ist, die auf einer andauernden Verbindlichkeit zu des anderen Wohles basiert (vgl. ebd.: 104).

4. Funktionen von Freundschaft 22

Darüber hinaus versorgen sich Freunde untereinander mit Hilfe und Unterstützung in einer Zeit von Sorgen und Krisen (vgl. ebd.: 126).

ARGYLE & HENDERSON (1986) erklären, daß junge Leute von Freunden erwarten, daß sie unterhaltsam sind, von älteren Menschen wird hingegen erwartet, daß sie nützlich und hilfreich sind (vgl. ebd.: 85). Wie die Wissenschaftler des weiteren bekräftigen, liegt bei Freunden das Schwergewicht auf Nichtstun, Essen, Trinken und Gesprächen (vgl. ebd.: 99)17. Dennoch versuchen junge Menschen zwischen Adoleszenz und Heirat innerhalb ihrer Möglichkeiten zu helfen (vgl. ebd.: 109).

Die Autoren VALTIN & FATKE (1997) kommentieren auf Grundlage einer Arbeit SELMANs drei Funktionen von Freundschaft: 1.) Geselligkeit und Austausch (gemeinsame Aktivitäten, Gespräche), 2.) Beistand (Hilfe) und Unterstützung (emotionaler Beistand, praktische Hilfe) und 3.) Bestätigung und Sicherung der Individualität (Selbstverwirklichung) (Selbst-Sein-Können, Entwicklung und Lernen, Sicherheit) (vgl. ebd.: 46ff). Ebenso schützt Freundschaft vor Gefühlen sozialer Isolierung, sozialer Marginalität und Langeweile. Sie stärkt des weiteren das Selbstwertgefühl der Freunde und unterstützt ein positives Lebensgefühl (vgl. DIEWALD, 1991: 110). Auch FEHR (1996: 5) erklärt, daß Freunde verschiedene Arten von Hilfe und Unterstützung zur Verfügung stellen und kognitive Bedürfnisse erfüllen. Für NÖTZOLDT-LINDEN (1994: 120) sind Freunde und Cliquen außerdem eine wichtige Stütze zwischen Identitätsaufbau und Identitätsdiffusion. Darüber hinaus sind Freunde ein Teil des sozialen Netzwerkes und unterstützen das Wohlbefinden des Einzelnen. Laut NESTMANN (1988: 127) engagieren sich Freunde und Bekannte demnach in gemeinsamen gesundheitsfördernden Freizeitaktivitäten, aber erörtern auch innerfamiliale Konflikte (vgl. ebd.: 127).

LAIREITER & BAUMANN (1993) fanden in ihrer Untersuchung heraus, daß Stichpunkte wie ,dem anderen vertrauen’, ,von dem anderen Informationen erhalten’, ,sich Geld borgen’ und ,Hilfe bei der Arbeit erhalten’ positiv bei Freunden korrelieren (vgl. ebd.: 47) und somit ebenfalls als Funktionen betrachtet werden können. Für Kinder und Jugendliche begründen sich Freundschaften durch wechselseitiges Verstehen auf der Basis gemeinsamer Problemlagen, gemeinsamer Interessen an bestimmten Tätigkeiten, das Vorhandensein möglicher Gelegenheiten und durch nicht weiter begründbare besondere Sympathie (vgl. ACHENBACH/FURTNER-KALLMÜNZER 1988: 152ff). Die Funktionen in Kinderfreundschaften, die sich daraus ableiten, sind gemeinsames Spielen und Problemlösung. Im Jugendalter (Adoleszenz), so schreibt KOLIP (1993), bestehen enge Freundschaften zu (meist gleichgeschlechtlichen) Mitgliedern der Gleichaltrigengruppe, die den Austausch von Geheimnissen und das Besprechen von Problemen ermöglichen (S. 79f).

Freundschaften in der Adoleszenz dienen somit zu Beginn des Abnabelungsprozesses vom Elternhaus zur Orientierung an Gleichaltrigen. Wie KOLIP weiterhin meint, kommt es aufgrund körperlicher Veränderungen und durch Überflutung mit neuen Impulsen zu einem Identitätsverlust, der mit Hilfe Gleichaltriger reguliert werden kann (vgl. ebd.: 75). ARGYLE & HENDERSON (1986) gehen davon aus, daß die Heranwachsenden sich Freunde suchen, die sie bewundern bzw. ihrem Selbst-Ideal ähnlich sind (vgl. ebd.: 103). Anders ausgedrückt, Freunde suchen sich Freunde, die durch ihren ,gehobenen’ Status belohnend auf das Individuum wirken und/oder sich ähneln. KON (1971) geht sogar soweit zu sagen, daß in der Jugend der Freund im buchstäblichen Sinne das Alter ego - das andere Ich - wird (vgl. ebd.: 244).

Auch - um dies vorwegzunehmen - in der gegengeschlechtlichen Freundschaft kristallisieren sich spezielle Funktionen heraus. So sehen KAPLAN & KEYS (1997) in der gemischtgeschlechtlichen Freundschaft eine Möglichkeit, die Häufigkeit von Schwangerschaften in Teenagerjahren zu reduzieren, da sie in dieser Zeit den Umgang mit dem anderen Geschlecht ohne sexuellen Einbezug lernen (vgl. ebd.: 192). HAYS (1988) vertritt zusätzlich die Auffassung, daß die Freundschaft zwischen Männern und Frauen ein großer Beitrag zum Verständnis zwischen den Geschlechtern zugeschrieben werden kann (vgl. ebd.: 404). Dies erklärt sich aus der Tatsache, daß Männer und Frauen durch Gespräche miteinander Einblick in die Gedankenwelt des anderen Geschlechts erhalten.

Abschließend läßt sich vermerken, daß Freundschaft in erster Linie dem Wohlbefinden der Freunde dient und somit sich, wie es in Kapitel 2.2.1 schon diskutiert wurde, vor allem positiv auswirkt. Dazu gehört, daß die Freunde sich sozial unterstützen, gegenseitig füreinander da sind und sich gegenseitig im Wert bestätigen. Keine dieser Funktionen ist jedoch ausschließlich bei der Freundschaft wiederzufinden. Lediglich in der Jugend finden sich Ansätze dafür, daß Freundschaften eine, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle von den Beziehungsformen übernehmen. Dabei dienen die Freundschaften in erster Linie zur Identitätsfindung und zur Problembewältigung. Die wichtigste Funktion im jungen Erwachsenenalter ist vor allem das Bereitstellen eines positiven Lebensgefühls durch den Austausch von Geselligkeit und Spaß und das Bereitstellen von Hilfe bei Problemen. Bei älteren Menschen soll die Freundschaft hingegen nützlich und hilfreich sein.

5. Männerfreundschaft vs. Frauenfreundschaft - Männer vs. Frauen

Ungeachtet der Freundschaftsdefinitionen und -theorien ist auch interessant, die verschiedenen Typen von Freundschaften herauszustellen. FEHR (1996) trägt die Typen von Freundschaften zusammen: Gleich- und gegengeschlechtliche Freundschaften, Männer- und Frauenfreundschaften, Kinderfreundschaften und Seniorenfreundschaften (vgl. ebd.: 18). Die Autorin meint, daß Freundschaften in Typen mit vielen Ansatzpunkten aufgeteilt sind, welche die demographischen Merkmale, den sozialen Kontext, in welchem die Freundschaft stattfindet und die Geschlossenheit der Verbindung umfassen (vgl. ebd.: 20).

Ein weiterer Schritt, um sich der gegengeschlechtlichen Freundschaft zu nähern, muß deshalb darin bestehen, zuvor die gleichgeschlechtliche Freundschaft näher zu betrachten. Dies erscheint mir sinnvoll, da die Freundschaftsforschung gerade diesen Freundschaftstyp schon häufiger betrachtet hat und so zur Orientierung dienen kann. Für die Arbeit ist darüber hinaus wichtig, inwiefern sich Männerfreundschaften von Frauenfreundschaften unterscheiden bzw. wie sich Männer und Frauen in ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften verhalten, um ggf. Unterschiede zu gegengeschlechtlichen Freundschaften auffinden zu können.

Im antiken Griechenland verstand man unter Freundschaft nur das Verhältnis zwischen Männern (vgl. http://home.wtal.de/WUW/titelseite.html). Entsprechend ihrem Rang waren Frauen keine gesellschaftlich anerkannten Individuen und somit auch zu Freundschaften nicht fähig bzw. wurden nicht in die Betrachtungsweisen einbezogen. Das hat sich bis in unsere Tage hinein grundlegend geändert und Frauen werden heute als gleichberechtigtes Individuum betrachtet.

Gerade ab dem 20. Jahrhundert befaßten sich relativ viele Arbeiten mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern in gleichgeschlechtlichen Freundschaften (z.B. WINSTEAD, 1986; HENDRICK, 1988; SHERROD, 1989, DUCK/WRIGHT, 1993; FEHR, 1996; BURLESON et al., 1996; HUSSONG, 2000).

Um möglichst keine Gedanken außer acht zu lassen, orientiert sich die Arbeit an der sinnvollen Aufteilung Beverly FEHRs (1996). Die Wissenschaftlerin untergliedert ihren sehr ausführlichen Aufsatz dabei in Themenkomplexe, in denen Geschlechtsunterschiede auftreten können: Die gemeinsam verbrachte Zeit, Aktivitäten, Gesprächsthemen, soziale Unterstützung, Freundschaftsqualität, Liebe und Zuneigung, Nähe und Intimität sowie Geschlechtsrollenunterschiede (vgl. ebd.: 114ff). Diese Themenkomplexe habe ich versucht, sinnvoll zusammenzufassen und sollen nun näher betrachtet werden.

5.1. Gemeinsam verbrachte Zeit, Aktivitäten und Gesprächsthemen

In Kapitel 4 wurde festgestellt, daß der Austausch von Problemen und das gemeinsame Miteinander Funktionen einer Freundschaft darstellen. Wie verhält es sich aber, wenn man zwischen den Geschlechtern unterscheidet? Zeigen sich zwischen Männern und Frauen Unterschiede in den einzelnen Funktionen der Freundschaft oder sind die Funktionen bei beiden Geschlechtern gleich? FEHR (1996) vertritt die Auffassung, daß sich Frauenfreundschaften nicht im hohen Maße von den Männerfreundschaften unterscheiden. Ein Unterschied, den sie jedoch fand war, daß Frauen mehr Zeit für ihre Freund/innen aufbrachten, dies insbesondere in Form von Telefonaten (vgl. ebd.: 115). Telefonate stellen eine Art der Kommunikation dar, die Gespräche auch über Entfernung ermöglichen. Bedient man sich dem Klischee, daß Männer nicht so gern telefonieren wie Frauen, ergibt sich daraus eventuell eine Bestätigung, daß Frauen eher kommunizieren und Männer eher ,reagieren’. Auch ARGYLE & HENDERSON (1986) betonen, daß für Frauen vor allem Gespräche in der Freundschaft wichtig sind. Sie befassen sich innerhalb der Freundschaft mit sich selbst, darüber hinaus herrscht ein hohes Maß an Offenheit, mit dem persönliche Probleme besprochen werden. Männer befassen sich dagegen häufiger mit Gesprächen über Drittes oder unternehmen etwas zusammen. Sie gehen also eher gemeinsamen Freizeitbeschäftigungen nach (vgl. ebd.: 99f). Auf den Punkt brachte es WRIGHT (1982), der schlußfolgert, daß Frauen ihre Freundschaft eher „face-to-face“ und Männer eher „side-by-side“ leben (vgl. ebd.: 8). Männer teilen folglich Aktivitäten miteinander, die eher nach außen gerichtet sind. Frauen sind dagegen mehr auf sich selbst und ihre Gesprächspartnerin orientiert, sind somit mehr nach innen gerichtet.

PARKER & DE VRIES (1993: 623) kommen zu dem Ergebnis, daß für Männer das Alter des Freundes, das Teilen von Aktivitäten und Kontrolle eine signifikant größere Bedeutung als für Frauen haben. Sie bekräftigen damit den Unterschied zwischen den Geschlechtern. BELL (1981) meint: „... men are often outward oriented they tend to construct roles about behavior“ (S. 404). Der Mann sieht einen anderen Mann als einen Rechtsanwalt, einen Konkurrenten im Tennis, als Kollegen oder als ,Trink-Kumpan’. In diesem Sinne begreifen viele Männer die Frauen (auch heute noch) nicht als volles menschliches Wesen. Wenn es jedoch darum geht, emotionale Dinge auszutauschen, so BELL, ziehen sie Frauen vor (vgl. ebd.: 404f). Auch DUCK & WRIGHT (1993) tragen ähnliche Ansichten zusammen: „Perhaps the ,friendship talk’ of women centers on topics like how to get along with significant others whereas that of man centers on topics like where to get the best deal on aluminium siding“ (S. 718). Es zeigt sich, daß Männer rationaler und Frauen emotionaler in ihren Gesprächsthemen sind. Indem verweist SHERROD (1989) auf den ,typischen’ Mann und die ,typische’ Frau. Er hebt jedoch auch hervor, daß Männer und Frauen die gleichen Charaktere beim besten Freund wünschen: Vertraulichkeit (Intimität), Anerkennung, Vertrauen und Unterstützung (vgl. ebd.: 167). Die Ergebnisse von BURLESON et al. (1996) zeigen darüber hinaus, daß es ein hohes Maß an Ähnlichkeit in der Mitteilungsfähigkeit zwischen Männern und Frauen gibt, ungeachtet der Tatsache, daß die Männer sachlich und Frauen gefühlsbetont orientiert sind (vgl. ebd.: 218). Ähnlichkeiten scheinen also vorhanden, auch wenn den Unterschieden mehr Bedeutung beigemessen wird. Zu diesem Ergebnis kommt auch HENDRICK (1988). Er beschreibt zwar ebenfalls den Unterschied in den Aktivitäten zwischen Männern und Frauen, zeigt aber auch auf, warum dieser Unterschied so ,bedeutend’ ist. Dies, so schlußfolgert er, wäre darauf zurückzuführen, daß Menschen Ähnlichkeiten als nicht problematisch erachten, während die Unterschiede eine Erläuterung nach sich ziehen (vgl. ebd.: 444ff). Mit den Worten der Medien ausgedrückt: „Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht“, und nur diese bedarf einer Erläuterung.

Das Ergebnis, daß Frauen mehr über persönliche Probleme und Gefühle reden als Männer, sollte jedoch laut FEHR (1996: 123f) nicht den Schluß zulassen, daß Frauen nur über solche Dinge sprechen. Ebenso sollten den Männern Gespräche über Persönliches und Beziehungen zugestanden werden. Barbara WINSTEAD (1986) geht von der Möglichkeit aus, daß Vertraulichkeiten besprochen, aber unterschiedliche Aspekte in den Gesprächen gefunden werden, die auffällig sind und im Gedächtnis bleiben. Als weiteren Aspekt räumt sie ein, daß Männer widerstrebender als Frauen persönliche und vertrauliche/intime Elemente von ihren gegengeschlechtlichen Freundschaften berichten (vgl. ebd.: 85).

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Unterschiede zwar viel besprochen werden, sie aber nicht immer so signifikant sind, wie man es allgemein annimmt. Wenn sich Frauen und Männer unterscheiden, dann in den Gesprächsthemen und den Aktivitäten. Frauen sind emotionaler ausgerichtet und bevorzugen eher ein Gespräch, Männer sind dagegen rationaler ausgerichtet und unternehmen mehr miteinander. Ihre Gesprächsthemen richten sich dabei eher auf Drittes als auf persönliches, wie es Frauen tun. Daraus kann man schlußfolgern, daß Freundschaften zu Frauen folglich eher für Gespräche genutzt, Freundschaften zu Männern dagegen eher bei Unternehmungen aufgesucht werden. Diese Überlegung ist jedoch nicht bewiesen und steht deshalb für weitere Untersuchungen an anderer Stelle zur Diskussion.

5.2. Soziale Unterstützung

Ein weiterer Aspekt, den es zu betrachten gilt, ist die soziale Unterstützung18 von Männern und Frauen. Dabei zeigt sich generell, daß Frauen mehr soziale Unterstützung als Männer geben (vgl. FEHR, 1996: 127 und NESTMANN, 1996: 229ff). Wie verhält es sich jedoch speziell in Freundschaften? Zeigen sich in der sozialen Unterstützung in Freundschaften Unterschiede zwischen den Geschlechtern? WINSTEAD (1986) weist darauf hin, daß Frauen in ihren gleichgeschlechtlichen Freundschaften in stressigen Situationen mehr emotional unterstützend wirken als Männer (vgl. ebd.: 83). DUCK & WRIGHT (1993) zeigen in ihrer Studie jedoch Ähnlichkeiten zwischen Männern und Frauen auf: So stimmen beide in der Anteilnahme, Hilfe, Unterstützung und anderen sogenannten sozio-emotionalen Aspekten in ihren Freundschaften überein. Trotzdem ist es bei Frauen wahrscheinlicher als bei Männern, daß sie diese sozio-emotionalen Aspekte direkt und offen zeigen. Die Autoren fragen sich, warum in anderen Studien der Unterschied so viel größer ist und glauben, daß die Lösung in der begrenzten Sichtweise auf die Bedeutung von Vertrauen und Anteilnahme liegt (vgl. ebd.: 725). Frauen zeigen folglich ihre Anteilnahme offener als Männer, was zu dem Schluß führt, daß Frauen auch mehr Vertrauen entgegengebracht wird. Männer, die ihre Unterstützung nicht nach außen hin erkennen lassen, wirken dadurch eventuell weniger unterstützend. Trotzdem zeigte sich auch bei BUHRKE & FUQUA (1987), daß, wenn Frauen und Männer unter Streß standen, sie vor allem weibliche Unterstützung aufsuchten. Als Erklärung liefern die beiden Autoren, daß Frauen dazu erzogen wurden, fürsorglich und anteilnehmend zu sein und daß es bei Frauen eher gesellschaftlich akzeptiert ist als bei Männern, sich unterstützend zu nähern. Weiterhin könnten Männer und Frauen gelernt haben, daß Frauen in ihrer angelernten Rolle der Fürsorgerin wahrscheinlicher unterstützend sind als Männer (vgl. ebd.: 348f). Darüber hinaus federn Frauen, laut SHERROD (1989: 173), Streß ab und reduzieren zudem noch Depressionen.

Es wurde festgestellt, daß Frauen in ihren Freundschaften unterstützender wirken als Männer. Dabei ist jedoch zu beachten, daß Frauen in der Regel unterstützender sind als Männer und sich dieser Unterschied nicht nur auf Freundschaften beschränkt.

5.3. Freundschaftsqualität

Nachdem die Geschlechtsunterschiede in der sozialen Unterstützung aufgezeigt wurden, bietet sich ein Vergleich der Freundschaftsqualität in den Freundschaften an, da m.E. die soziale Unterstützung etwas über die Qualität einer Freundschaft aussagt. Die Freundschaftsqualität ist dabei ein wichtiges Kriterium, um z.B. enge von losen Freundschaften unterscheiden zu können. Außerdem hilft die Qualität dem Forscher zu erkennen, in welche Phase er die Freundschaft einordnen muß und mit welchen Freundschaften er sie vergleichen darf. Dabei setzt sich die Freundschaftsqualität bei VALTIN & FATKE (1997: 182) aus den Konstrukten Intimität, Emotionalität und personale Selbstentfaltung zusammen.

Zeigen sich in der Literatur Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfreundschaften? Diese Frage kann, um es vorwegzunehmen, mit Ja beantwortet werden. ARGYLE & HENDERSON (1986) kommen zu dem Ergebnis, daß Frauen mehr engere Freunde haben als Männer. Eifersucht auf Dritte ist für Männer dagegen ein geringeres Problem als für Frauen (vgl. ebd.: 99f). Da Eifersucht vor allem in Beziehungen auftritt, in der die Partner Exklusivität voraussetzen bzw. eine enge Bindung anstreben, wird das Ergebnis der engeren Freundschaft bei Frauen untermauert. LENZ (1998) weist jedoch darauf hin, daß die Freundschaftsqualität nicht beeinträchtigt werden muß, wenn ein Individuum parallel mit mehr als einer Person befreundet ist (vgl. ebd.: 47). Daraus folgt, daß Frauen, wie es auch schon festgestellt wurde, gefühlsbetonter auf ihre Freundschaften reagieren. In der Untersuchung SAPADINs (1988: 393) wurde einmal mehr eine deutlich höhere Freundschaftsqualität bei jungen unverheirateten Frauen19 ermittelt als bei unverheirateten Männern. BUHRKE & FUQUA (1987: 339) erhielten ein ähnliches Ergebnis: Frauen waren in ihren gleichgeschlechtlichen Beziehungen zufriedener mit dem Gleichgewicht, mit der Aufnahme und der Geschlossenheit als die Männer. Gerade letzteres deutet darauf hin, daß die Freundschaften der Frauen enger sind und damit eine höhere Qualität aufweisen. Auch AUHAGEN (1991: 106) fand in ihrer Tagebuch-Untersuchung Unterschiede zwischen Männer- und Frauenfreundschaften. So zeigten sich Frauenfreundschaften intensiver und vielfältiger. Frauen unterstützten sich darüber hinaus häufiger als Männer in ihren Freundschaften (vgl. ebd.: 106). PARKER & DE VRIES (1993: 622) fügen hinzu, daß Freundschaften mit Frauen durch größere Reziprozität charakterisiert sind. Frauen sind somit in engere Freundschaften involviert als Männer. In den Untersuchungen zeigt sich nicht nur, daß Frauen intensivere Freundschaften führen, es wird auch von den Befragten als solches wahrgenommen. In der Untersuchung von DUCK & WRIGHT (1993) sprachen mehr Frauen als Männer positiv über ihre gleichgeschlechtliche Freundschaft. Dabei investieren Frauen mehr in ihre Freundschaft und erhalten reziprok dazu mehr interpersonelle Belohnungen. Außerdem tendieren Frauenfreundschaften dazu, emotionaler zu sein als Männerfreundschaften, das sei aber laut der Autoren kein Anzeichen dafür, daß Männer weniger hilfreich seien (vgl. ebd.: 723f). Es wird also deutlich, daß Frauen, da sie emotionaler sind, auch eifersüchtiger sein können. Frauen mit hoher emotionaler Ausprägung sind daher, so läßt sich vermuten, intensiver in ihre Freundschaften involviert als es die weniger emotionalen Männer sind.

Da die Freundschaftsqualität sich jedoch nicht nur aus der Geschlossenheit der Freunde ergibt, müssen die weiteren Kriterien ebenfalls betrachtet werden. Eng verbunden mit der Freundschaftsqualität ist deshalb auch die Liebe, Zuneigung und Intimität der Freunde untereinander. Wie schon angedeutet wurde, sind Frauen gefühlsbetonter und liebevoller in ihren Freundschaften als Männer (vgl. FEHR, 1996: 131).

Einige Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, daß Frauen offener sind als Männer (vgl. Buhrke/Fuqua, 198720: 351; ARIES/JOHNSON, 1983: 1193f; BELL, 1981: 417). In diesem Zusammenhang legten in SAPADINs (1988) jedoch mehr Männer als Frauen Wert auf Intimität, Spaß und Fürsorglichkeit in ihren gegengeschlechtlichen Freundschaften - diese Ergebnisse waren jedoch nur für die Fürsorglichkeit signifikant. Dem gegenüber steht die hohe Wertigkeit der gleichgeschlechtlichen Freundschaften für die Frauen, die noch die Wertigkeit der gegengeschlechtlichen Freundschaft der Männer übertraf (vgl. ebd.: 394).

Dessenungeachtet geht Beverly FEHR (1996) der Streitfrage nach, ob Frauenfreundschaften wirklich intimer als Männerfreundschaften sind. Sie kommt dabei auf folgende Ergebnisse:

a) Männer sind ebenso intim wie Frauen, aber nur in ihren engsten Freundschaften.

b) Männer sind ebenso intim wie Frauen, sie mögen nur nicht diesen Begriff.

c) Männer scheinen weniger intim und zwar nur, weil Intimität als eine weibliche Verhaltensweise definiert ist.

d) Männer sind einfach weniger intim, ungeachtet der Definition.

e) Männer und Frauen haben dieselbe Definition, aber verschiedene Schwellen für Intimität.

f) Männer sind weniger intim, aber sie mögen diesen Zustand/Verhaltensweise.

g) Männer können ebenso intim sein wie Frauen, aber sie ziehen es einfach vor, es nicht zu sein (vgl. ebd.: 134ff).

Männer können also genau so intim werden wie Frauen, wollen es aber anscheinend nicht der Öffentlichkeit zeigen oder möchten es einfach nicht sein. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch HESSE in seiner Meta-Analyse. Er kommt zu dem Schluß, daß die Selbstoffenbarung der Frau zum Mann nicht größer ist als die von Mann zu Mann. Trotzdem scheinen sich Frauen gegenüber Männern mehr zu öffnen als Männer gegenüber Frauen. HESSE kommt abschließend jedoch zu dem Ergebnis, daß die Unterschiede in der Selbstoffenbarung nicht so groß sind, wie von Theoretikern und Forschern angedeutet wird. (vgl.: http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/germanistik/germ-litsalon.shtml). Auch das Forscherteam ARIES & JOHNSON (1983) zieht die Konsequenz, daß Männer durchaus enge Freunde haben und diesen Persönliches anvertrauen können - die Häufigkeit und Tiefe, mit der sie sich anderen Männern mitteilen, jedoch dem Druck der Geschlechterrolle unterliegt und dies einschränkt (vgl. ebd.: 1193).

Abschließend läßt sich sagen, daß Frauen zwar engere und intimere Freundschaften als Männer haben, jedoch die Männer ebenfalls zu solchen engen und intimen Freundschaften fähig sind. Es läßt sich vermuten, daß Männer, wenn sie Intimitäten zeigen, eventuell einer ,gesellschaftlichen Ächtung’ unterliegen, weil sie ihrer Geschlechterrolle nicht mehr gerecht werden. Intimitäten in gegengeschlechtlichen Freundschaften sind dadurch, so ist zu vermuten, für Männer weniger ,bestrafend’, da sie sich von ihrer Rolle als Mann weniger entfernen, als bei gleichgeschlechtlichen Freundschaften.

5.4. Geschlechtsrollenunterschiede

Die im letzten Abschnitt begonnene Überlegung möchte ich an dieser Stelle wieder aufgreifen. Es kann angenommen werden, daß es Rollenunterschiede zwischen den Geschlechtern auftreten, die das Verhalten in der Freundschaft beeinflussen. FEHR (1996: 154) glaubt, daß Mann und Frau Schwierigkeiten haben können, Freunde zu werden, weil ungenügende Möglichkeiten für eine Verbindung, insbesondere in dem Kontext der Gleichheit existieren. Anders formuliert, das Rollenverständnis kann Mann und Frau daran hindern, eine gerechte Freundschaft zu führen, was wiederum zu einer Beendigung der Beziehung führen kann (vgl. Kap. 3, Gleichgewichtstheorie).

Auch WRIGHT (1982) kommt zu dem Schluß, daß sich Männer- und Frauenfreundschaften in den traditionellen Geschlechterrollen und den Sozialisierungsvorlagen unterscheiden, da die Frauen als gefühlsbetont und sozio-emotional und die Männer als rational und pflichtorientiert betrachtet werden (vgl. ebd.: 19). Dies wird auch durch die von GOFFMAN (1994) aufgestellte Auffassung, daß das Geschlecht als Grundlage eines zentralen Codes bezeichnet wird, unterstützt. Sonach prägt dieser Code „auch die Vorstellungen des Einzelnen von ihrer grundlegenden menschlichen Natur“ (S. 105). Die Soziologin NÖTZOLDT-LINDEN (1994: 126) vertritt gleichfalls die Auffassung, daß Geschlechtsunterschiede nicht nur kulturell, sondern eventuell auch biologisch bedingt sein können. Die Geschlechterrolle ist damit nicht nur prägend für das Individuum selbst, sondern auch für das Zusammensein mit einem anderen Individuum. Das heißt, die Geschlechterrolle ist in Mann und Frau verhaftet und zieht dadurch einen Unterschied zwischen den Geschlechtern, unabhängig von der Freundschaft, nach sich. Die Freundschaft ist somit von der Geschlechterrolle geprägt, nicht jedoch die Geschlechterrolle von der Freundschaft. Wenn also ein Unterschied im Geschlecht auftritt, kann dieser folglich von der sozio-biologisch oder gesellschaftlich geprägten Geschlechterrolle kommen. Lassen sich keine Geschlechtsrollenunterschiede finden, so ist zu vermuten, daß auch keine Geschlechtsunterschiede in der Freundschaft auftreten.

Ungeachtet der Tatsache existierender Unterschiede haben laut FEHR (1996), androgyne21 Frauen und [gynandrische22, Anm. d. Verf.] Männer generell offene, vertrauliche und zufriedene Freundschaften (vgl. FEHR, 1996: 153). Es ist zu vermuten, daß diese Menschen auch gegengeschlechtliche Freundschaften leichter eingehen können, da sie dem anderen Geschlecht ähnlicher sind. WRIGHT (1982) betont: „However, when differences were found, they were seldom extremly large or glaringly obvious and thus provide no sound basis for predicting the character of the friendship of any particular pair of men or women“ (S. 1). Darüber hinaus geht er davon aus, daß sich mit größer werdender Festigkeit/Stabilität und Dauer der Freundschaft sich die Geschlechtsunterschiede in bestimmten Fällen verringern werden (vgl. ebd.: 19). Unterschiede zwischen Männern und Frauen in ihren Freundschaften sind folglich nicht so entscheidend, wie sie immer dargestellt werden. Wenn Unterschiede auftreten, sind diese auf die Persönlichkeit und das Geschlechterrollenverhalten der Individuen zurückzuführen und mit einiger Wahrscheinlichkeit auch biologischer Natur.

„I started my research because one of my best friends is a woman.“ DONALD J. O´MEARA23

6. Gegengeschlechtliche Freundschaft

In der heutigen Zeit, in der sich Arbeits- und Privatleben vermischen, in der sich Vereine und Clubs nicht nur ausschließlich aus Männern oder Frauen zusammensetzen, kommt es zu einer Vermischung der Geschlechter. Mit der daraus resultierenden Gleichberechtigung wünschen sich auch Frauen ihren legitimen Platz in der Gesellschaft - ein Aufeinandertreffen der Geschlechter wird daher greifbar. Ein besseres Verständnis für den Anderen erlangen beide Geschlechter im Umgang miteinander, deshalb ist es so wichtig, nicht nur die Paarbeziehungen als eine Mann-Frau-Beziehung zu untersuchen, sondern auch die gegengeschlechtliche Freundschaft näher zu betrachten. Wie sich eine gegengeschlechtliche Freundschaft auszeichnet, was sie für Besonderheiten birgt und wie der derzeitige Forschungsstand ist, soll nun im folgenden näher betrachtet werden.

6.1. Allgemeines

Wir haben festgestellt, daß Untersuchungen in erster Linie allgemein die Freundschaft und eine Differenzierung nach dem Geschlecht anstreben (z.B. AUHAGEN, 1991; BREITENBACH, 2000). Vergleichsweise wenige - und hier in erster Linie englischsprachige - Untersuchungen gehen dabei auch auf gegengeschlechtliche Freundschaft ein (z.B. MONSOUR, 2001; WERKING, 1997a und 1997b; BUSTANOBY, 1993; TREADWELL, 1992; RAWLINS, 1992). Grund dafür ist sicherlich zum Teil die Tatsache, daß die Freundschaften zwischen Mann und Frau einerseits eine Untergruppe der Freundschaft darstellen, andererseits der Umstand, daß die allgemeine Freundschaftsforschung ebenso noch Defizite aufweist.

Die Wissenschaftler BOOTH & HESS (1974) veröffentlichten die erste empirische Untersuchung zur gegengeschlechtlichen Freundschaft - bezeichnenderweise in einer Zeitschrift für Ehe und Familie. Danach folgten erst wieder ab 1981 diverse Arbeiten über gegengeschlechtliche Freundschaft (z.B. BELL, 1981; RAWLINS, 1982; ROSE, 1985; SAPADIN, 1988; O`MEARA, 1989). Untersuchungen zu gegengeschlechtlicher Freundschaft, kommentiert WERKING (1997a: 407), wurden vor allem in Hinsicht auf Geschlecht und Alter, den Typ der Freundschaft und die Dauer der Freundschaft durchgeführt. In letzter Zeit gehen jedoch auch immer mehr Untersuchungen auf (sexuelle) Anziehung (KAPLAN/KEYS, 1997; REEDER, 2000) und den Vergleich zwischen gegengeschlechtlicher Freundschaft und Paarbeziehungen (SCHNEIDER/KENNY, 2000; GUERRERO, 1997) bzw. gleichgeschlechtlicher Freundschaft (Parker/de Vries, 1993) ein. Interessant sind die Studien von SAPADIN (1988), die sich durch die Befragung Berufstätiger abhebt und die Studie des Autorenteams LIN & RUSBULT (1995), das sich einem interkulturellen Vergleich gegengeschlechtlicher Freundschaften in China und US-Amerika widmet. Sowohl O´MEARA (1989: 525) als auch WERKING (1997a: 393) meinen, daß die gegengeschlechtliche Freundschaft von den Wissenschaftlern größtenteils ignoriert wurde. Dies ist erstaunlich, liegen doch zwischen beiden Aussagen knapp acht Jahre. Ein Grund hierfür, so erläutert O´MEARA (1989: 525), ist wahrscheinlich, daß die Freundschaft allgemein ein relativ junges Forschungsthema [in der Soziologie, Anm. d. Verf.] ist und somit die Unterkategorie gegengeschlechtliche Freundschaft erst einmal zurückgesetzt wird. Ein weiteres Argument ist vermutlich, daß die (enge) gegengeschlechtliche Freundschaft in erster Linie zwischen der späten Adoleszenz und der Heirat vorkommt, danach aber immer mehr von der Familie verdrängt wird, somit also die Untersuchungsgruppe noch mehr eingeschränkt wird, als sie es ohnehin schon ist. Ebenso führt für REEDER (2000: 330) die Tatsache, daß für die Gesellschaft Mann-Frau-Beziehungen zwangsläufig in Paarbeziehungen enden sollten bzw. sich - die Medien zeigen es in vielen romantischen Liebeskomödien -platonische Freundschaften nicht lange aufgrund der romantischen Liebe aufrecht erhalten lassen, zu einem Verlust der Daseinsberechtigung der gegengeschlechtlichen Freundschaft. Darüber hinaus meint GAINES (1994), daß die gegengeschlechtliche Freundschaft offensichtlich, verglichen mit den ,sexuelleren’ Themen wie Partnerschaft und Heirat, nicht konkurrieren kann (vgl. ebd.: 9). Mit anderen Worten, die gegengeschlechtliche Freundschaft stellt eine Mann-Frau-Beziehung dar, die Sexualität aufgrund Freundschaft weitestgehend ausschließt und dadurch weniger interessant für die Forschung ist. Dabei ist gerade die sexuelle Komponente, wie man sehen wird, von vielen Forschern aufgegriffen worden.

RAWLINS (1982) verfaßte eines der ersten theoretischen Essays über gegengeschlechtliche Freundschaft. In diesem stellt er eine Typologie von MannFrau-Beziehungen auf, die er in fünf Kategorien zusammenfaßt:

1) Freundschaft als herzliche und persönliche Beziehung ohne offene Sexualität;

2) Platonische Liebe, als eine Beziehung von tiefer Intimität und hoher emotionaler Verbundenheit ohne sexuelle Aktivitäten;

3) Freundschafts-Liebe, als eine mehrdeutige (mehrschichtige) Beziehung, die Grade von Freundschaft wie auch Potential für einen Übergang zur romantischen Beziehung einbezieht;

4) Körperliche Liebe, als eine Beziehung, die sich eher auf einem sexuellen Verhältnis als auf emotionaler Zugehörigkeit gründet und

5) Romantische Liebe, als eine exklusive emotionale und körperliche (physikalische) Beziehung (vgl. ebd.: 344).

Für meine Arbeit ist vor allem der erste Beziehungstyp interessant, der die ,reine’ Freundschaft beschreibt. Aus diesem Grund wird auch in erster Linie auf diesen Beziehungstyp eingegangen.

Da in der Literatur nur Definitionen zur Freundschaft allgemein zu finden sind, eine theoretische Abgrenzung jedoch sinnvoll wäre, möchte ich ein Zitat MONSOURs (1992) aufgreifen, der in seiner Untersuchung nach guten Freunden beiderlei Geschlechts fragte und mit Hilfe einer Bestimmungsformel bestimmte Personengruppen für gegengeschlechtliche Freunde ausschloß. So fordert der Wissenschaftler: „... and cross-sex friends should not include individuals you are dating, boyfriends, girlfriends, or spouses“ (S. 282). Gegengeschlechtliche Freundschaften grenzen sich somit von allen Beziehungen ab, die eine Partnerschaft anstreben bzw. beinhalten. Die platonische Freundschaft, als ein Begriff, der aus der Alltagssprache stammt, verdeutlicht dabei am besten, daß es sich um eine ,reine’ Freundschaft handelt.

Als Zusammenfassung für dieses Kapitel soll die Definition für gegengeschlechtliche Freundschaften von O`Meara (1989) angeführt werden: „Cross-sex friendship is a specific type of friendship - a nonromantic, nonfamilial, personal relationship between a man and a woman. The relationship is nonromantic in the sense that ist function is purposefully dissociated from courtship rites by the actors involved.“ (S. 526).

6.2. Platonische Freundschaft

Nicht nur in einer Freundschaftsuntersuchung (z.B. AFIFI/FAULKNER, 2000; MESSMAN/CANARY/HAUSE, 2000) findet sich der Begriff platonisch wieder, der auf die Reinheit und Unverdorbenheit der Freundschaft hinweist. AFIFI & FAULKNER (2000) definieren ,platonisch’: „... as ‘people’ who you were not dating at the time ... and had no mentions of dating at the time“ (S. 210). Mann-Frau-Beziehungen, die quasi keine Partnerschaft anstreben sind somit platonisch. MESSMAN, CANARY & HAUSE (2000) schlußfolgern: „The term platonic was defined for participants as a non-sexual involvement“ (S.73). Die gegengeschlechtlichen Freunde führen somit eine Freundschaft ohne sexuelle Kontakte. Darüber hinaus ist für O´MEARA (1989) gegengeschlechtliche Freundschaft eine nicht-romantische, nicht-familiäre, persönliche Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau (vgl. ebd.: 526). ,Nichtromantisch’, so kommentieren KAPLAN & KEYS (1997: 192) muß dabei nicht bedeuten, daß Lieben, sexuelle Anziehung24 und Leidenschaft in der Beziehung nicht vorhanden sein können - diese Komponenten werden nur typischerweise mehr als in einer romantischen Beziehung kontrolliert und reguliert.

Für KUHNERT (2001) ist die platonische Freundschaft analog zur platonischen Liebe die geistige, nicht sinnliche Freundschaft (vgl. ebd.: 5). Einen signifikanten Unterschied zwischen platonischer Freundschaft und Freundschaft findet die Autorin jedoch in ihrer Untersuchung nicht. Dafür korrelieren Freundschaft und platonische Freundschaft positiv miteinander (vgl. ebd.: 13). Dies spricht für das Weglassen des ,platonischen’ Begriffes, da auch in einigen Freundschaftsdefinitionen (siehe dazu Kapitel 2.2) offene Sexualität ausgeschlossen ist. Warum wird sowohl in der Alltagssprache als auch von Wissenschaftlern dieser Begriff dennoch immer wieder verwendet? In der Alltagssprache mag man dies noch einsehen, da nicht jedem die wissenschaftliche Definition von Freundschaft geläufig sein dürfte. Warum aber verwenden Wissenschaftler immer noch diesen Begriff? M.E. ist es trotz der ziemlich eindeutigen Freundschaftsdefinition - die jedoch, wie schon festgestellt wurde, durchaus Schlupfwinkel aufweist - schwierig, immer von Freundschaft und ,Freundschaft’ zu reden. Der gleichgeschlechtlichen Freundschaft wird man wohl kaum ein ,platonisch’ voransetzen. Die gegengeschlechtliche Freundschaft jedoch beinhaltet eine Mann-Frau-Beziehung, die zur Bekräftigung der nicht-sexuellen Komponente als ,platonisch’ bezeichnet wird, um damit die ,reine’ Freundschaft zu signalisieren. Angesichts der Tatsache, daß AFIFI & FAULKNER (2000: 211) in ihrer Untersuchung herausfanden, daß 51 Prozent25 der Befragten schon einmal mit einem oder mehreren Freunden sexuellen Kontakt hatten26, sollte die Freundschaftsdefinition noch einmal überarbeitet werden. Eventuell ist es möglich, daß die gegengeschlechtliche Freundschaft als eine moderne Beziehungsform durchaus sexuelle Kontakte beinhaltet. Dieser Vermutung muß jedoch an einer anderen Stelle nachgegangen werden.

[...]


1 Die Übersetzungen englischsprachiger Literatur, insofern sie nicht gekennzeichnet wurde, wurden von der Autorin dieser Arbeit durchgeführt.

2 Aus: „When Harry meets Sally“, USA (1989), deutscher Titel: „Harry und Sally“ . Zitat entnommen aus: www.nobby.de/d-mwhms.htm

3 vgl. auch: http://www.tu-dresden.de/phfis/hays.htm

4 Anziehung ist dabei die Merkmalsähnlichkeit zwischen Personen (vgl. Wagner 1991: 29).

5 Andere soziale Beziehungen stellen z.B. die Verwandtschaft, Nachbarschaft und Kollegen dar, die entweder nicht oder nur begrenzt frei wählbar sind.

6 „Reziproke [...] Interaktionen sind solche, in denen die Partner entweder gleichzeitig oder nacheinander das gleiche tun ...“ (Hinde, 1993: 19).

7 Die Freundschaft ist diffus, also ohne vorgegebenen Verlauf und somit ungeordnet (vgl. KNAURS, 1982: 100)

8 Unter hoch-involvierend verstehe ich den (sehr) starken Einbezug in eine Beziehung - in diesem Fall in die Freundschaft (vgl. KNAURS, 1982: 195)

9 Unter neutralen Emotionen verstehe ich die Gleichgültigkeit gegenüber einer Beziehung gegenüber.

10 Zur Persönlichkeit schreibt DUCK (1977), daß sich nicht nur die Freundschaft entwickelt, sondern auch die Persönlichkeit sich ändern kann oder ändert (vgl. ebd.: 140).

11 Setzt man Exklusivität mit sexueller Treue gleich, zeigt sich nach BURKART (1997: 207) jedoch, daß auch in Paarbeziehungen die „sexuelle Treue im engeren Sinn keine allgemeine Regel mehr ist ...“.

12 „Für Freundschaften existieren keine offiziellen oder amtlichen Bestätigungen oder Vorschriften vom Gesetzgeber ...“ (AUHAGEN, 1993: 218)

13 Verwandtschaften sind ähnlich in Bezug auf die Intimität wie Freundschaften. (http://www.geocities.com/SoHo/Lofts/5072/SozBez.htm).

14 A - Acquaintances: Auf die andere Person aufmerksam werden und bekanntmachen B - Buildup: Aufbau der Beziehung

C - Continuation: Fortsetzung und Beibehaltung der Beziehung D - Deterioration: Verfall und Rückgang der Beziehung

E - Ending: Die Beziehung wird durch eine Trennung oder durch den Tod einer Person beendet (vgl. dazu LENZ, 1998: 57f)

15 Ego ist ‘das Ich’ und Alter (ego) ist das andere ich, auch ‘vertrauter Freund’ genannt (vgl. KNAURS, 1982:32). In der Wissenschaft finden sich Alter (ego) und Ego oft bei der Beschreibung von Beziehungszusammenhängen anhand zweier Personen.

16 Die Übersetzung wurde von Wolfgang STRÖBE durchgeführt.

17 Die Dimension Lachen ist für BELL (1981) in dieser Hinsicht besonders wichtig, da sie Vertrauen vermittelt und man mit dem anderen entspannen kann und eine schöne Zeit verbringt (vgl. ebd.: 403).

18 Für soziale Unterstützung nennt DIEWALD (1991) z.B. die Alltags-Interaktion, die Status-Vermittlung oder die Geselligkeit. Der Autor weist jedoch auch darauf hin, daß nicht alle Formen sozialer Unterstützung faßbar sind (vgl. ebd.: 100). Unter sozialer Unterstützung verstehe ich somit Interaktionen des sozialen Umfeldes, die zum Wohlbefinden des Individuums beitragen.

19 Frauen: M = 6.17 auf einer 7-Punkt-Skala; Männer: M = 4.55 (M sind die Mittelwerte in der Untersuchungseinheit)

20 BUHRKE & FUQUA (1987) gehen in ihrer Studie jedoch auf Beziehungen im Allgemeinen ein, also nicht speziell auf die Freundschaft.

21 Androgynie bezieht sich im biologischen Sinne auf das Vorhandensein männlicher Geschlechtsmerkmale bei Frauen (vgl. KNAURS Fremdwörterbuch, 1982: 36). In meiner Arbeit wird er als Begriff für das Vorhandensein männlicher Geschlechtsrollenmerkmale bei Frauen verstanden.

22 Gynandrie ist das Gegenteil zu Androgynie (vgl. KNAURS, 1982: 160). Auch dieser Begriff wird in der weiteren Arbeit auf das Vorhandensein weiblicher Geschlechtsrollenmerkmale verweisen.

23 http://www.psychologytoday.com/menwomenfriends.html

24 Laut Reeder (2000) ist (sexuelle) Anziehung: „Attraction is taken to be a generic, unidimensional experience, undifferentiated by type of attraction or type of relationship.“ (S. 332).

25 59 Prozent der Befragten gaben an, daß nach dem sexuellen Akt keine romantische Beziehung folgte, 13 Prozent begannen nach dem sexuellen Akt eine Beziehung, 9 Prozent berichteten von sexuellen Aktivitäten mit einem Ex-Partner und 9 Prozent wurden romantisch involviert, die Beziehung zerbrach jedoch (vgl. ebd.: 214).

26 Hier wurden jedoch auch lose Freundschaften untersucht.

Ende der Leseprobe aus 212 Seiten

Details

Titel
Können Männer und Frauen Freunde sein? - Eine Studie über gegengeschlechtliche Freundschaft
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Note
1,8
Autor
Jahr
2002
Seiten
212
Katalognummer
V19799
ISBN (eBook)
9783638238427
Dateigröße
1356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Können, Männer, Frauen, Freunde, Eine, Studie, Freundschaft
Arbeit zitieren
Jenny Ziegenbalg (Autor), 2002, Können Männer und Frauen Freunde sein? - Eine Studie über gegengeschlechtliche Freundschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19799

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