Die antidemokratischen Umstürze in Athen und die Rolle Spartas 404 v. Chr.


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Der Begriff ‚Oligarchie’
2.2 Der oligarchische Umsturz des Jahres 411 v. Chr
2.2.1 Die Einsetzung der zehn Probouloi
2.2.2 Der Beginn der Oligarchenverschwörung
2.2.3 Peisandros in Athen
2.2.4 Die Machtergreifung der Vierhundert
2.3 Ausblick: Wie ging es weiter mit der Oligarchie?
2.3.1 Die Gegenrevolution auf Samos
2.3.2 Der Sturz der Vierhundert
2.3.3 Die Herrschaft der Fünftausend
2.4 Fazit: Wie konnte es zum antidemokratischen Umsturz kommen?
2.5 Thukydides vs. Aristoteles
2.5.1 Version des Thukydides
2.5.2 Version des Aristoteles
2.6 Vorgeschichte: Die Tyrannis der Dreißig
2.6.1 Einsetzung und Herrschaft der Dreißig
2.6.2 Das Ende der Dreißig
2.7 Die Rückkehr zur Demokratie
2.8 Fazit: Wie war es möglich, dass Athen schon kurz nach dem Sturz der Dreißig wieder eine gefestigte Demokratie besaß?

3. Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Ich versichere, dass ich diese Seminararbeit ohne Hilfe Dritter und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel angefertigt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.

Datum Unterschrift

1. Einleitung

Es gibt wohl keine andere antike griechische Stadt, die so mit einer Demokratie in Verbindung gebracht wird wie Athen. Und dennoch gab es auch in dieser ‚Hochburg’ demokratischen Denkens Phasen, in denen andere Verfassungsformen regierten. Mit den beiden wohl bekanntesten Unterbrechungen während der klassischen Zeit im Jahr 411 v. Chr. und nach der Niederlage im Peloponnesischen Krieg in den Jahren 404/403 v. Chr. will ich mich in dieser Arbeit beschäftigen. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema werfen sich zwei Fragen auf: Wie konnte es überhaupt zu einem oligarchischen Umsturz kommen, in einem Staat, der für seine Demokratie bekannt war? Und wie gelang es nach dem Sturz der Oligarchie so schnell wieder eine Demokratie herzustellen und diese so zu konstituieren, dass die Zeiten antidemokratischer Regierungen keine Spuren hinterließen und fast in Vergessenheit gerieten?

Ich beginne mit dem Umsturz von 411 v.Chr. und versuche hierbei die Fragen zu klären, wie der Umsturz begann, wer die Drahtzieher waren und warum. Anschließend gebe ich einen kurzen Ausblick, wie die Gegenrevolution verlief und wie es schließlich zum Sturz der Oligarchie kam. Im zweiten Teil der Arbeit werde ich in einem ausgewählten Beispiel auf die Problematik der unterschiedlichen Quellen von Thukydides und Aristoteles eingehen. Im letzten Teil werde ich mich, nach einer kurzen Einführung in die Zeit der Dreißig Tyrannen, mit der Frage beschäftigen wie es möglich war, dass Athen nach deren Sturz schnell wieder eine gefestigte Demokratie war.

Als Quellen stehen uns für den ersten Teil, mit oben genanntem Problem, Thukydides und Aristoteles zur Verfügung. Über die Entwicklungen nach dem Ende des Peloponnesischen Krieges berichten Xenophon und Aristoteles.

2. Hauptteil

2.1 Der Begriff ‚Oligarchie’

Das Wort Oligarchie stammt von dem griechischen Wort oligarchia ( ολιγαρχηια ), das Herrschaft Weniger bedeutet, es wird aus den Worten oligoi ( ολιγοι ) = Wenige und arch é ( αρχη ) = Herrschaft zusammengesetzt. Unter Oligarchie versteht man, die gesetzeslose Herrschaft der Reichen, die nur an ihrem eigenen Nutzen und Vorteil interessiert sind. Neben der Herrschaft der Reichen, die häufig auch als Plutokratie bezeichnet wird, gibt es die Aristokratie, in der ein Geburtsadel herrscht. Eine Aristokratie im engsten Sinne findet sich z.B. im vorsolonischen Athen, in der frühen römischen Republik und in einigen Stämmen der Kelten und Germanen.1 Bei den oligarchischen Regierungen Athens in den Jahren 411 v. Chr. und 404/403 v. Chr. handelte es sich um Plutokratien, da dass aktive Wahlrecht an Mindestvermögen gebunden war. Es sollte auch beachtet werden, dass der Übergang von Plutokratie zu Demokratie im antiken Griechenland fließend war, da in den meisten Demokratien dieser Zeit Vermögende für höhere Ämter bevorzugt wurden.2

Heutzutage wird der Begriff Oligarchie häufig in Verbindung mit russischen Geschäftsleuten, die in den Folgen des Untergangs der UdSSR durch unsaubere Mittel zu Reichtum und politischem Einfluss kamen, gebraucht.

2.2 Der oligarchische Umsturz des Jahres 411 v. Chr.

Der Umfang dieser Arbeit lässt es leider nicht zu, den kompletten Umsturz zu untersuchen, daher werde ich mich auf die Beantwortung der Frage, wie es zu dem Umsturz kommen konnte beschränken und den weiteren Verlauf lediglich in einem kurzen Ausblick skizzieren.

2.2.1 Die Einsetzung der zehn Probouloi

Nach der katastrophalen Niederlage auf Sizilien wurde noch im Jahr 413 v. Chr. in Athen der Beschluss gefasst, eine Kommission älterer Männer ins Leben zu rufen, deren Aufgabe darin bestand, die erforderlichen Maßnahmen im Hinblick auf die Kriegssituation vorzuberaten.3 Thukydides macht deutlich, dass er die Einführung dieser Kommission als Maßnahme zur wirkungsvolleren Kriegsführung sieht.

„Dennoch waren sie entschlossen, nach dem, was ihnen noch geblieben, nicht nachzugeben, sondern für eine Flotte zu sorgen (Holz würden sie sich beschaffen, wo sie könnten), Geld aufzutreiben und alle Sicherungen bei den Verbündeten zu treffen, namentlich in Euboia, sich in der Stadt zur Sparsamkeit zu mäßigen und eine Behörde von älteren Männern zu wählen, die jeweils nach dem Gebot der Stunde die Dinge vorberaten sollten.“4

Da die Einsetzung dieser sogenannten Probouloi offenbar ohne irgendwelche Manipulationen und nach dem bisher üblichen Abstimmungsverfahren erfolgte, kann kaum gesagt werden, dass diese Maßnahme sich gegen die Demokratie richtete und bereits ein erster Sieg oligarchischer Kräfte war.5 Über die Größe dieser Kommission lässt uns Thukydides im Unklaren. Aristoteles spricht von zehn Proubouloi.

„Das Volk solle nebst den schon bestehenden zehn Vorberatern (Probouloi) noch 20 weitere aus den über Vierzigjährigen wählen […]“6

Dies scheint nicht ganz unwahrscheinlich, da somit aus jeder Phyle ein Probulos bestellt wurde. Die Orientierung am Phylensystem kann allerdings nur unzureichend belegt werden. Es ist lediglich bekannt, dass die beiden einzigen namentlich bekannten Probouloi, Hagnon Nikiou Steirieus und Sophokles Sophillou Kolonethen aus unterschiedlichen Phylen stammten.7

Über die Kompetenzen der Probouloi, besonders im Bezug auf Bul é 8 und Ekklesie9, ist sich die Forschung uneinig. Ein Teil der Forschung Ein Teil der Forschung sieht in den zehn Probouloi eine Art ‚Notstandsregierung’ und spricht ihr damit sehr umfassende Kompetenzen zu, wie die eigenmächtige Einberufung der Ekklesie, aber auch weitreichende Vollmachten in der Finanzverwaltung und die Verhandlungsvollmacht gegenüber auswärtigen Gesandten. Der andere Teil der Forschung ist der Meinung, dass die Probouloi die Bul é keineswegs entmachtete, sondern die beiden Gremien zusammenarbeiteten und sich ergänzten.10

Eine genaue Quelle über die Aufgaben der Probouloi gibt es nicht, da Thukydides sich auf die vorberatende Funktion dieser beschränkt. Die beiden einzigen bekannten Probouloi Hagnon Nikiou Steirieus und Sophokles Sophillou Kolonethen galten als loyale und vertrauenswürdige Demokraten, daher kann davon ausgegangen werden, dass die Einsetzung der Probouloi keinen tiefgreifenden Wandel der Demokratie bewirkt hatte.11

2.2.2 Der Beginn der Oligarchenverschwörung

Wie wir von Thukydides erfahren, regten sich im Herbst des Jahres 412 v. Chr. erstmals antidemokratische Strömungen unter den Befehlshabern der attischen Flotte auf Samos. Diese Kreise waren vermutlich unzufrieden mit gewissen Spielregeln der athenischen Demokratie und der Kriegslage. Ihrer Meinung nach hatten sie im vorhandenen System nicht genügend Entfaltungsmöglichkeiten und Einfluss. Hierbei muss beachtet werden, dass sie aus wohlhabenden Familien stammten, die einen Großteil der Kriegskosten zu tragen hatten und Neureiche oder Emporkömmlinge wie Kleon12 verachteten.13 Zur gleichen Zeit nahm Alkibiades14 von seinem Zufluchtsort am Hofe des Satrapen Tissaphernes Kontakt mit den führenden Persönlichkeiten des attischen Heeres auf und lies durchblicken, dass er gedenke nach Athen zurückzukehren und bei einer Änderung der vorhandenen Verfassung ein Bündnis mit Tissaphernes und dem Großkönig arrangieren könnte.15

„[…] Denn als die attischen Soldaten in Samos seinen Einfluß bei ihm bemerkten, und da auch Alkibiades zu den mächtigsten Männern bei ihnen sandte, sie sollten bei den Besseren von den Leuten seiner gedenken: er sei bereit, falls der Adel herrsche und nicht die Gemeinheit und das Volk, das ihn verbannt, heimzukehren, ihnen die Freundschaft des Tissaphernes zu bringen und als Mitbürger in der Stadt zu leben - auf solchen Anstoß hin und noch mehr aus eignem Antrieb waren die attischen Schiffshauptleute in Samos und die Mächtigsten stürmisch bemüht um den Sturz der Volksherrschaft.“16

Dieser Personenkreis bildete zweifellos den Kern der Verschwörer. Hinzu kamen vermutlich noch ‚Politiker’, die ihre gewonnenen Positionen in der Volksversammlung wahren oder ausbauen wollten.17

Über die genaue Zusammensetzung und Pläne liegen keine Überlieferungen vor. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass diese Gruppe verschiedenster Personen keine gemeinsamen Vorstellungen oder Pläne zur Rettung der Polis hatte. Geschweige denn ein Programm, das der Kriegslage angemessen schien. Vielmehr scheint, dass das einigende Band die Unzufriedenheit über das System und die finanziellen Lasten war.18

Um erfolgreich zu sein, war es für die Verschwörer jedoch notwendig, weitere Personen für ihr Vorhaben zu gewinnen. Die Schiffsmannschaften hegten allerdings ein tiefes Misstrauen gegenüber oligarchischen Bewegungen. Doch die in Aussicht gestellten Soldzahlungen mit persischem Geld nach Abschluss des Bündnisses wogen scheinbar schwerer als die demokratische Gesinnung der Soldaten und Seeleute.19

„[…] und vor der Menge sagten sie offen, der König werde ihr Freund sein und Geld geben, falls Alkibiades heimkehre und keine Volksherrschaft sei. Und der Haufe, mochte er auch an diesen Umtrieben im ersten Augenblick sich stoßen, fühlte sich doch erleichtert in der Hoffnung auf Sold vom König und blieb ruhig […]“20

[...]


1 vgl. A. Demandt, Antike Staatsformen, 39.

2 vgl. ebd.

3 vgl. H. Heftner, Der oligarchische Umsturz des Jahres 411…, 6.

4 Thuk., VIII 1,4.

5 vgl. K-W. Welwei, Das klassische Athen, 212.

6 Ath.Pol., 29,2.

7 vgl. Welwei, klassisches Athen, 213.

8 Bulé = Rat der 500 in Athen.

9 Ekklesie = Volksversammlung in Athen. 5

10 vgl. Heftner, oligarchischer Umsturz, 8.

11 vgl. Welwei, klassisches Athen, 213.

12 Kleon war athenischer Politiker und Heerführer während des Peloponnesischen Krieges. Er stammte aus einfachen Verhältnissen, konnte jedoch durch großes Redetalent das athenische Volk nachhaltig beeinflussen.

13 vgl. Heftner, oligarchischer Umsturz, 40.

14 Alkibiades war ein bedeutender athenischer Staatsmann, Redner und Feldherr. Während des Peloponnesischen Krieges wechselte er bei verschiedenen Gelegenheiten die Seiten.

15 vgl. H. Heftner, Der oligarchische Umsturz des Jahres 411…, 40.

16 Thuk., VIII 47, 2.

17 vgl. Welwei, klassisches Athen, 217-218.

18 vgl. ebd.

19 vgl. Welwei, klassisches Athen, 218.

20 Thuk., VIII 48, 3-4.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die antidemokratischen Umstürze in Athen und die Rolle Spartas 404 v. Chr.
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V198042
ISBN (eBook)
9783656240969
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sparta, Oligarchie, Umstürze, antidemokratisch, 404 v. Chr.
Arbeit zitieren
Danielle Klußmann (Autor), 2007, Die antidemokratischen Umstürze in Athen und die Rolle Spartas 404 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198042

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