Die Zeit der Karolinger wird unweigerlich sofort mit Karl dem Großen in Verbindung gebracht. Dessen Herrschaft war mit Sicherheit auch der unumstrittene Höhepunkt der Karolingerdynastie. Wie diese sich jedoch von ihren frühesten Anfängen mit Pippin dem Mittleren und Karl Martell am Ende des 7. Jahrhunderts über die Hochzeit mit Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen, dem Bruderkampf zwischen dessen Söhnen mit dem Ende und der Teilung des Reiches im Vertrag von Verdun bis zum endgültigen Untergang der Karolingerherrschaft zu Beginn des 10. Jahrhunderts mit Ludwig dem Kind im Osten und Ludwig dem Überseeischen im Westen entwickelte, werde ich in dieser Arbeit näher beleuchten. Auch auf die kleinen Leute dieser Zeit, wie Bauern, Handwerker und Kaufleute wird kurz eingegangen. Auf Grund der Vielfältigkeit kann dieser Bereich jedoch nicht ausführlich betrachtet werden. Im zweiten Teil beschäftige ich mich mit den zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig dem Deutschen sowie ihren Heeren geschlossenen Eiden von Straßburg. Worin liegt die Besonderheit dieser Eide und können sie wirklich als Grundstein des französischen und des deutschen Staates bezeichnet werden? Diese Fragen will ich versuchen zu klären. Als Quelle für diese ersten altfranzösischen und althochdeutschen Überlieferungen nutze ich die Aufschriebe Nithards. Als wichtigste Literatur hierfür sind der Beitrag von Kurt Gärtner und Günter Holtus über die erste deutsch-französische ‚Parallelurkunde’ in den THF Bd. 29 sowie die Beiträge von Reinhard Schneider und Ruth Schmidt-Wiegand in ‚Recht und Schrift im Mittelalter’ zu nennen. Die Zeit der Karolinger wird von Johannes Laudage, Lars Hageneier und Yvonne Leiverkus in ihrem gleichnamigen Buch sehr gut dargestellt. Als weitere wichtige Literatur dient hier das Urban-Taschenbuch über diese Dynastie von Rudolf Schieffer.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Zeit der Karolinger
2.1 Die Dynastie der Karolinger
2.1.1 Der Aufstieg
2.1.2 Die Hochzeit
2.1.3 Der Bruderkampf und der Vertrag von Verdun
2.1.4 Der Untergang des Frankenreiches
2.2 Leben in der Karolingerzeit
3. Die Straßburger Eide
3.1 Die Überlieferung der Straßburger Eide
3.2. Der Aufbau der Straßburger Eide
3.1.1. Die Herrschereide
3.2.2. Die Eide der Heere
3.3. Worin besteht die Einzigartigkeit der Straßburger Eide?
3.4. Die Straßburger Eide als Grundstein Deutschlands und Frankreichs?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Karolingerdynastie und analysiert eingehend die Straßburger Eide von 842. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, worin die Besonderheit dieser Eide liegt und inwieweit sie als Grundstein für die Entstehung der deutschen und französischen Staaten betrachtet werden können.
- Historischer Abriss der Karolinger-Dynastie vom Aufstieg bis zum Untergang
- Analyse des Alltagslebens in der Karolingerzeit
- Philologische Untersuchung der Herrschereide und Heereseide von Straßburg
- Diskussion über die Einzigartigkeit der sprachlichen Überlieferung
- Kritische Bewertung der Eide als Beginn einer nationalstaatlichen Trennung
Auszug aus dem Buch
3.3. Worin besteht die Einzigartigkeit der Straßburger Eide?
Was ist nun aber die Besonderheit dieses Vertrages, was macht ihre Einzigartigkeit aus? Diese Frage ist nicht in einem Satz zu beantworten, da die Eide von Straßburg, so ihr offizieller Name, einige Besonderheiten und zur damaligen Zeit auch Einzigartigkeiten aufweisen. Die erste Besonderheit dieser Eide besteht darin, „daß sie in den beiden Volkssprachen der Heere der verbündeten Brüder geleistet wurden.“ Nachdem beide Brüder ihren Heeren die Gründe für das Bündnis gegen Lothar dargelegt hatten, leistete Ludwig als der Ältere der beiden Brüder und Herrscher des östlichen Reichsteils als Erster seinen Eidesschwur in romanischer Sprache vor seinem Bruder und den beiden Heeren.
Pro Deo amur et pro Christian poblo et nostro commun saluament, d’ist di in auant, in quant Deus sauir et podir ne dunat, si saluarai eo cist meon fradre Karlo et in aiudha et in cadhuna cosa, si cum om per dreit son fradra salvar dist, in o quid il mi altresi fazet; et ab Ludher nul plaid numquam prindrai, qui meon uol cist meon fradre Karle in damno sit.
Karl antwortete ihm auf Deutsch folgendermaßen:
In Godes minna ind in thes Christianes folches ind unser bedhero gealtnissi, fon thesemo dage frammordes, so fram so mir Got geuuizci indi mahd furgibit, so haldih tesan minan bruodher, soso man mit rehtu sinan bruodher scal, in thiu thaz er mig sosoma duo; indi mit Ludheren in nohheiniu thing ne gegango, zhe minan uuillon imo ce scadhen uuerhen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den zeitlichen Rahmen der Arbeit von den Anfängen der Karolinger bis zu ihrem Untergang und stellt das Ziel vor, die Straßburger Eide als historisches Dokument zu analysieren.
2. Die Zeit der Karolinger: Dieses Kapitel zeichnet den dynastischen Aufstieg, die Blütezeit unter Karl dem Großen, die krisenhaften Bruderkämpfe und den schließlich erfolgenden Niedergang des Frankenreichs nach.
3. Die Straßburger Eide: Der Hauptteil untersucht die Überlieferungsgeschichte, den strukturellen Aufbau der Eidesformeln für Herrscher und Heere sowie deren historische Bedeutung und Einzigartigkeit.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Eide zwar keinen direkten Grundstein für Ländergrenzen legten, aber den ersten schriftlichen Beleg einer Sprachgrenze darstellen.
Schlüsselwörter
Karolinger, Straßburger Eide, Frankenreich, Nithard, Karl der Große, Ludwig der Deutsche, Karl der Kahle, Volkssprache, Althochdeutsch, Altfranzösisch, Vertrag von Verdun, Sprachgrenze, Heereseid, Herrschereid, Mittelalter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Geschichte der Karolingerdynastie und analysiert im speziellen die Straßburger Eide von 842 als historisches und sprachliches Zeugnis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen den dynastischen Verlauf der Karolinger, die gesellschaftliche Struktur des Frühmittelalters sowie eine detaillierte Quellenkritik der Eidesleistungen von Straßburg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Einzigartigkeit der Straßburger Eide herauszuarbeiten und zu hinterfragen, ob diese tatsächlich als Gründungsdokumente für Deutschland und Frankreich gelten können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine historisch-analytische Methode verwendet, die auf der Auswertung von Primärquellen (Nithards Chronik) und relevanter mediävistischer Fachliteratur basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den Aufbau und die sprachliche Besonderheit der Eide, insbesondere die Entscheidung der Herrscher, in den jeweiligen Volkssprachen zu schwören.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch die Begriffe Karolinger, Straßburger Eide, Philologie, Historische Sprachwissenschaft und frühmittelalterliche Staatsbildung charakterisieren.
Warum leisteten die Herrscher ihre Eide in der Sprache des jeweils anderen?
Die Arbeit begründet dies mit dem Wunsch der Könige, die Position ihrer Heere als eigenständige Vertragspartner zu stärken und die unterworfenen Völker enger an sich zu binden.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der "deutschen" und "französischen" Identität?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es verfrüht wäre, von einer einheitlichen Nation zu sprechen, konstatiert jedoch, dass die Eide ein erster öffentlicher Beleg für eine existierende Sprachgrenze sind.
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- Danielle Klußmann (Autor), 2008, Die Karolingerzeit zwischen Neckar und Maas, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198049