Vor dem Hintergrund einer alarmierenden Zunahme der Unternehmensinsolvenzen
gewinnt das Thema Turnaround-Management zusehends an Bedeutung. Deutschland
wies im Jahre 2002 einen Anstieg der Konkurse um 16,4 % auf 37.700 Firmenauflösungen
im Vergleich zum Vorjahr auf und ist somit europäischer Spitzenreiter.1 Im
Zuge dieser Entwicklung ist es auch für gesunde Unternehmen ratsam, sich mit den
Möglichkeiten auseinanderzusetzen, eine Krise zu vermeiden bzw. sie zu überwinden.
Viele Betriebe sind gezwungen, strukturelle Veränderungen vorzunehmen, um
sich dem Geschehen in ihrem Umfeld anzupassen. Sanierungen2 sind in der Regel
mit einem immensen Mitteleinsatz verbunden. Dennoch verbleiben derartige Rettungsversuche
häufig ohne Erfolg, was letztendlich zur Liquidation der krisenbefallenen
Unternehmung führt.
Die Aufgabe der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung besteht darin, im
Rahmen von empirischen Untersuchungen Erkenntnisse zu erlangen, die die Unternehmensführung
(bzw. das beauftragte Krisenmanagement) für einen erfolgreichen
Turnaround benötigt. Dabei geht es zunächst um die zentrale Frage nach den Ursachen
für das Scheitern von Sanierungen, um kritische Ansatzpunkte für Verbesserungen
ausfindig zu machen. Welche Sanierungsstrategien bzw. -maßnahmen sind zu
ergreifen, um kurzfristige Erfolge zu realisieren und somit möglichst schnell die Krise
wieder zu verlassen? Inwiefern spielen kontextuelle Faktoren wie die Größe und
die Situation der Unternehmung bei dieser Wahl eine Rolle?
Das Anliegen des vorliegenden Beitrages besteht darin, Antworten auf diese
und weitergehende Fragestellungen zu vermitteln. Die Grundlage dafür bilden die
Ergebnisse einer Reihe empirischer Studien, die zwischen 1983 und 2003 erschienen
sind. Zunächst werden einige grundlegende Aspekte zum Sanierungsmanagement
dargestellt, um vor diesem Hintergrund die Befunde der Empirie zu erörtern.
1 Vgl. www.creditreform.de/downloads/jahresbericht/Jahresbericht_2002.pdf, S. 28.
2 Zur begrifflichen Klärung sei angemerkt, dass in Teilen der Literatur zwischen Sanierung und
Restrukturierung definitorisch unterschieden wird. Im Rahmen dieses Beitrages wird aus Vereinfachungsgründen
auf eine exakte Differenzierung verzichtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Grundlagen zur Unternehmenssanierung
2.1 Ursachen für Unternehmenskrisen
2.2 Ablauf des Sanierungsprozesses
2.3 Fehler des Turnaround-Managements
3 Empirische Erkenntnisse zur Unternehmenssanierung
3.1 Operationalisierung des Turnaround-Erfolges
3.2 Auswirkung von Sanierungsankündigungen
3.3 Auswahl der Sanierungsstrategie
3.3.1 Erfolgreiche Strategien für Großunternehmen
3.3.1.1 Abgrenzung Erfolg versprechender Sanierungsstrategien
3.3.1.2 Bedeutung der Unternehmungssituation für die Strategiewahl
3.3.2 Erfolgreiche Strategien für Kleinunternehmen
4 Zusammenfassende Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Identifikation erfolgreicher Sanierungsmaßnahmen bei schweren Unternehmenskrisen unter Berücksichtigung empirischer Forschungsergebnisse. Das primäre Ziel ist es, kritische Erfolgsfaktoren für einen Turnaround zu analysieren und zu klären, welche Sanierungsstrategien unter welchen kontextuellen Bedingungen, wie etwa der Unternehmensgröße, die größte Erfolgswahrscheinlichkeit bieten.
- Grundlagen, Ursachen und Prozessabläufe der Unternehmenssanierung
- Methodische Ansätze zur Messung von Turnaround-Erfolgen
- Einfluss von Sanierungsankündigungen auf den Kapitalmarkt
- Differenzierung erfolgreicher Strategien für Groß- und Kleinunternehmen
- Bedeutung der Unternehmungssituation und betrieblicher Effizienzfaktoren
Auszug aus dem Buch
Asset-and-Cost-Surgery-Strategie
Eine signifikante Senkung der F&E- und Marketingausgaben, eine Reduzierung der Forderungen und der Lagerbestände und ein gefallener Modernitätsgrad der Sachanlagen sind die individuellen Merkmale der ersten Strategie. Anhand der gewählten Maßnahmen wird deutlich, dass die in diesem Cluster enthaltenen Unternehmen eine Verschlankung beabsichtigten. Es fällt auf, dass diese Strategie weitestgehend die Maßnahmen enthält, die bereits bei der isolierten Betrachtung als Erfolg versprechend identifiziert wurden. Als Kritik ließe sich anmerken, dass dieses Vorgehen lediglich kurzfristige Erfolgswirkungen und langfristige Schwächungseffekte erwarten lässt. Dagegen spricht jedoch der auffällig stabile Marktanteil, den dieses Cluster außerdem aufweist. Um die Verbindung zu der bereits vorgestellten Differenzierungssystematik herzustellen, liegt hier ein Vergleich mit der Portfolio- und der Finanzsanierung nahe.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Relevanz des Turnaround-Managements vor dem Hintergrund steigender Unternehmensinsolvenzen und definiert die Forschungsaufgabe sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Grundlagen zur Unternehmenssanierung: Hier werden die zentralen Krisenursachen, der theoretische Ablauf des Sanierungsprozesses sowie häufige Fehlerquellen im Turnaround-Management analysiert.
3 Empirische Erkenntnisse zur Unternehmenssanierung: Dieses Kapitel wertet empirische Studien aus, um Erfolgsindikatoren zu operationalisieren, Marktreaktionen auf Ankündigungen zu untersuchen und differenzierte Strategien für Groß- und Kleinunternehmen abzuleiten.
4 Zusammenfassende Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt die zentrale Bedeutung effizienzsteigernder Maßnahmen für den kurzfristigen Turnaround-Erfolg heraus und betont die Notwendigkeit, Strategien an die jeweilige Unternehmenssituation anzupassen.
Schlüsselwörter
Unternehmenssanierung, Turnaround-Management, Krisenursachen, Sanierungsstrategien, Erfolgsindikatoren, ROI, Kostenstruktur, Effizienzsteigerung, Großunternehmen, Kleinunternehmen, Restrukturierung, Unternehmenskrise, Markterfolg, Kapitalmarkt, Unternehmungssituation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Identifikation von Sanierungsmaßnahmen, die in schweren Unternehmenskrisen nachweislich zu einem erfolgreichen Turnaround führen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Sanierung, die empirische Analyse von Strategien (Asset-and-Cost-Surgery, Selective-Product/Market-Pruning) sowie die Unterschiede zwischen Groß- und Kleinunternehmen bei der Krisenbewältigung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis empirischer Studien zwischen 1983 und 2003 Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche spezifischen Maßnahmen den Erfolg von Sanierungsvorhaben unter verschiedenen Rahmenbedingungen sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literaturanalyse und wertet primär quantitative empirische Studien aus, die Regressionsanalysen und Clusteranalysen zur Bestimmung von Erfolgsfaktoren einsetzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Prozess der Sanierung, Fehlerquellen des Managements, die Operationalisierung von Erfolg mittels Kennzahlen (wie dem ROI) und die differenzierte Strategiewahl für verschiedene Unternehmensgrößen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Turnaround-Management, Unternehmenssanierung, Effizienzsteigerung, Sanierungsstrategien sowie die Unterscheidung nach Unternehmungssituation und -größe.
Warum sind "umsatzorientierte" Strategien in der Krise oft weniger erfolgreich als "effizienzsteigernde"?
In Krisensituationen fehlt meist die Zeit für langfristig wirkende Maßnahmen wie eine aggressive Marktbearbeitung. Effizienzsteigerungen (z.B. Senkung von Lagerbeständen oder Forderungen) führen hingegen schneller zu einer kurzfristigen Liquiditätsverbesserung, die für das Überleben essenziell ist.
Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße für den Erfolg einer Sanierung?
Kleinunternehmen sind stärker vom Faktor Arbeit abhängig und verfügen oft über kürzere Informationswege, was sie bei einer konsequenten Steigerung der Mitarbeiterproduktivität agiler macht als große Konzerne.
- Arbeit zitieren
- Manuel Koch (Autor:in), 2003, Identifikation erfolgreicher Sanierungsmaßnahmen', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19806