Das Thema dieser Hausarbeit lautet: „Sozialmanagement – Verschlechterung oder Veredlung Sozialer Arbeit?“ Aus persönlicher Sicht ist diese Fragestellung für mich ganz entscheidend, da mein Studium der Sozialpädagogik in den 1980er Jahren angesiedelt war und hier Studieninhalte wie z.B. Managementkompetenzen, Organisationsentwicklung oder ökonomische Grundlagen Sozialer Arbeit, schlicht und einfach nicht vorkamen. Diese wurden bei der Erarbeitung sozialpädagogischer Konzepte vielfach als störend und hinderlich gesehen. „Zunehmend schwieriger wird (…) eine sinnvolle Auseinandersetzung über sozialpädagogische Konzepte, wenn diese mit Effektivitätskriterien ökonomischer Herkunft gemessen werden“ (Geißler/Hege 1981:20). Im Zentrum sozialpädagogischer/sozialarbeiterischer Handlungen stand der Mensch und die Verbesserung seiner Lebenssituation. Ausgeblendet hiervon waren überwiegend interne (einrichtungsbezogene) und externe (gesellschaftliche) Rahmenbedingungen.
Im Nachfolgenden wird zunächst auf die Begrifflichkeit und die Inhalte von Sozialmanagement eingegangen. Anschließend erfolgt im Hauptteil ein Rückblick über die Entstehung des Sozialmanagements innerhalb der Sozialen Arbeit. Hierbei soll deutlich gemacht werden, dass es sich nicht um eine Mode-Erscheinung handelt, sondern um eine Entwicklung innerhalb der Sozialen Arbeit, die mit den sich ändernden Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft eng verknüpft ist und eine weitergehende Professionalisierung erforderlich macht. Ergänzt wird die Ausführung durch einen Vergleich von Ansätzen des Sozialmanagements und ihre Übertragung auf die Praxis sowie die Skizzierung eines Managementkonzeptes. Im Schlussteil erfolgt eine Einschätzung über die Möglichkeiten, die Sozialmanagement in der Sozialen Arbeit bietet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Sozialmanagement und seine Inhalte
3. Sozialmanagement im Wandel gesellschaftlicher Entwicklung
4. Ansätze des Sozialmanagements im Vergleich
4.1 Das Total Quality Management als Beispiel
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Auswirkung von Sozialmanagement in Einrichtungen der Sozialen Arbeit, mit dem Ziel zu klären, ob durch ökonomische Steuerungsinstrumente eine Verschlechterung oder eine Veredlung der sozialen Praxis stattfindet.
- Begriffsbestimmung und inhaltliche Dimensionen des Sozialmanagements
- Historische Entwicklung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
- Vergleich von technokratischen und systemorientierten Managementansätzen
- Anwendung von Qualitätsmanagement (TQM) in sozialen Organisationen
- Professionalisierung der Sozialen Arbeit durch betriebswirtschaftliche Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
4. Ansätze des Sozialmanagements im Vergleich
In der Fachliteratur herrscht ein geradezu unüberschaubares Angebot zum Thema Managementkonzepte. Man könnte fast den Eindruck erlangen, dass für jedes auftretende Problem innerhalb einer Organisation ein Handbuch parat liegt. Grundsätzlich jedoch orientieren sich diese Konzepte entweder eher an einem technokratisch geprägten oder einem eher systemorientierten Ansatz von Sozialmanagement.
Der technokratisch gefasste Ansatz zielt ab auf die Planbarkeit betrieblicher Abläufe. Hierbei werden Ziele, Arbeitsabläufe, auftretende Schwierigkeiten, Mitarbeitereinsatz, etc. als Steuerungsaufgaben gesehen, mit denen eine Organisation optimal und effizient, darüber hinaus auch kontrollierbar, gestaltet werden soll (vgl. Merchel 2009:101-102).
Zielvorgaben, konkrete Arbeitsanweisungen und die Erfüllung von Kontrollmechanismen werden an die Mitarbeiter herangetragen. In diesem Zusammenhang wird laut Merchel (2009:103) der Manager als Gesamtingenieur eines Betriebes gesehen, der alle Abläufe fest im Griff hat und steuert. Diese Art von Management ist geprägt durch eine hierarchische Struktur, in der Entscheidungen von oben nach unten transportiert werden.
Man versucht über diesen Ansatz die Abläufe innerhalb eines Unternehmens zu perfektionieren, messbar und beherrschbar zu machen.
Die Übertragbarkeit einer solchen einer Orientierung auf die Soziale Arbeit scheint mehr als problematisch. Sicherlich lassen sich bestimmte Organisationsabläufe sehr konkret planen, wahrscheinlich können auch im weitesten Sinne Schwierigkeiten in den Abläufen vorausgesehen werden, aber leider wird hier die Variante Mensch als Mitarbeiter u./o. Kunde zu sehr außer Acht gelassen. Wie motiviert ist ein Mitarbeiter, wenn er in seiner täglichen Arbeit hautnah mit der Situation der Kunden konfrontiert ist, diese einzuschätzen weiß, Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation erfasst und dann völlig konträr lautende Arbeitsaufträge erhält? Ein so verstandenes Konzept von Sozialmanagement demotiviert seine Mitarbeiter, weil diese sich nicht als mitverantwortliches Glied der Organisation sehen und sich so auch nicht mit dem Leitbild und den Zielvorstellungen ihrer Einrichtung/Trägers identifizieren können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob ökonomisches Management Soziale Arbeit bereichert oder eher behindert, und erläutert die persönliche Motivation der Verfasserin.
2. Der Begriff Sozialmanagement und seine Inhalte: Dieses Kapitel definiert Sozialmanagement als Anwendung betriebswirtschaftlicher Kalküle auf soziale Einrichtungen und erläutert die Ebenen des normativen, strategischen und operativen Managements.
3. Sozialmanagement im Wandel gesellschaftlicher Entwicklung: Hier wird der historische Wandel von einer ablehnenden Haltung gegenüber Wirtschaftsprinzipien hin zur Notwendigkeit ökonomischer Professionalisierung durch gesellschaftliche Veränderungen beschrieben.
4. Ansätze des Sozialmanagements im Vergleich: Das Kapitel kontrastiert technokratische Ansätze mit systemorientierten Modellen hinsichtlich ihrer Eignung für soziale Organisationen.
4.1 Das Total Quality Management als Beispiel: Am Beispiel des TQM wird aufgezeigt, wie eine ganzheitliche Qualitätsstrategie Mitarbeiter motivieren und den gesellschaftlichen Nutzen steigern kann.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit bewertet die Integration ökonomischer Kompetenzen als notwendige "Veredlung" und Professionalisierung, sofern fachliche und ethische Standards dabei im Zentrum bleiben.
Schlüsselwörter
Sozialmanagement, Soziale Arbeit, Ökonomisierung, Professionalisierung, Managementkonzepte, Technokratischer Ansatz, Systemorientierter Ansatz, Total Quality Management, Qualitätsmanagement, Sozialstaat, Organisationsentwicklung, Betriebswirtschaft, Fachlichkeit, Managementkompetenz, Dienstleistungsqualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Managementanforderungen und den fachlichen Zielen Sozialer Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Sozialmanagement, die Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels auf soziale Einrichtungen sowie den Vergleich verschiedener Managementkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Anwendung von Managementmethoden in der Sozialen Arbeit zu einer Verschlechterung der fachlichen Qualität führt oder eine notwendige Veredlung zur Professionalisierung darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse sowie die kritische Gegenüberstellung theoretischer Managementmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Entstehung des Sozialmanagements, analysiert die verschiedenen steuerungstheoretischen Ansätze und prüft deren Übertragbarkeit auf die Praxis der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Sozialmanagement, Ökonomisierung, Professionalisierung, Systemorientierung und Qualitätsmanagement.
Wie unterscheidet sich der technokratische Ansatz vom systemorientierten Ansatz?
Der technokratische Ansatz setzt auf straffe Hierarchien, Planbarkeit und Kontrolle wie bei einem "Gesamtingenieur", während der systemorientierte Ansatz die Organisation als lebendiges System begreift, das Mitarbeiter aktiv einbezieht.
Warum spielt das Total Quality Management eine besondere Rolle?
TQM wird als Beispiel für einen systemorientierten Ansatz angeführt, da es nicht nur rein betriebswirtschaftliche Aspekte betrachtet, sondern auch die Identifikation der Mitarbeiter und den gesellschaftlichen Nutzen stärkt.
Welche Rolle spielt der "Kunde" in der modernen Sozialen Arbeit laut Autorin?
Die Autorin plädiert dafür, den Menschen als Kunden bzw. Nutzer sozialer Dienstleistungen zu betrachten, um seinen Einfluss und die Qualität der Hilfeleistung im Rahmen des Sozialmanagements zu stärken.
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- Dipl. Sozialpädagogin; Master of Arts Barbara Zenz (Author), 2010, Sozialmanagement - Verschlechterung oder Veredlung sozialer Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198076