Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich


Hausarbeit, 2012
14 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich

1. Einleitung

2. Theorien vorgestellt
2.1. Schumpeter: Demokratie als Wettstreit der Eliten
2.2. Saward: Representative claim

3. Die Theorien im Vergleich
3.1. Gemeinsamkeiten
3.1.1. Abgrenzung zu früheren Theorien

4. Unterschiede
4.1. Verschiedene Arten von politischer Repräsentation
4.2. Politische Repräsentation ohne Wahlen
4.3. Die Konzeption des Publikums
4.4. Die Ebene der Repräsentation
4.5. Neuere Entwicklungen in der Demokratietheorie

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich

1. Einleitung

Demokratie ist einer der Begriffe, um den wohl am meisten gestritten wird. Diktatoren beanspruchen genauso im Sinne der Demokratie zu handeln, wie Politiker in Deutschland. Es gibt zahlreiche Theorien, was Demokratie ist und wie eine Demokratie auszusehen hat. Im Folgenden sollen zwei Demokratietheorien, die sich vor allem mit Repräsentation beschäftigen, vorgestellt und verglichen werden.

Schumpeters Theorie der Demokratie als Wettstreit der Eliten ist eine Theorie, die stark vom ökonomischen Denken geprägt ist. Schumpeter versuchte einen neuen Demokratiebegriff, im Kontrast zum damaligen liberalen Theorie-Mainstream, zu definieren.

Auch Michael Saward versucht neue Sichtweisen über Demokratie zu entwickeln und legt dabei besonders Wert auf den Begriff der Repräsentation. Seine Theorie konzentriert sich auf Prozeduren, um herauszufinden, wie politische Repräsentation entsteht. Es ist ein interpretativer Ansatz, der versucht zu verstehen, wie Repräsentation in der Praxis funktioniert und was sich daraus für Folgen für die Theorie der repräsentativen Demokratie ergeben.

Im Folgenden werden beide Theorien kurz vorgestellt. Daraufhin werden Gemeinsamkeiten beider Theorien aufgezeigt. Die Unterschiede werden herausgearbeitet und erörtert, welches Potential Sawards Theorie im Gegensatz zu Schumpeters hat.

2. Theorien vorgestellt

2.1. Schumpeter: Demokratie als Wettstreit der Eliten

Schumpeter entwickelt seine Theorie der repräsentativen Demokratie an der Problemstellung, ob Demokratie und Sozialismus zusammen zu denken sind, oder ob sie sich ausschließen. Er bestimmt zuerst eine klassische Definition von Demokratie. Er sieht Demokratie dabei als eine politische Methode, mit einem bestimmten institutionellen Rahmen, um öffentliche Entscheidungen zu treffen. Dabei ist diese Definition indifferent dazu, welche Entscheidungen genau getroffen werden. Sie können sowohl gute als auch schlechte Folgen haben, so lange sie durch die demokratische Methode zustande gekommen sind, sind sie demokratische Entscheidungen. (Vgl. Schumpeter, 1996: 242 f.)

Schumpeter versucht sich von klassischen Demokratietheorien abzusetzen, da er erhebliche Mängel in ihnen sieht. In klassischen Demokratietheorien ist meistens die Rede davon, dass Politiker nach einem allgemeinen Gut für die Gesellschaft streben. Dieses allgemeine Gut lässt sich nicht klar bestimmen. Die Menschen sind zu unterschiedlich, als dass man ein allgemeines Gut festlegen könnte, auf das sich alle einigen würden. Und selbst wenn man so ein allgemeines Gut finden würde, dann würde es immer noch Differenzen darin geben, wie man dieses Ziel erreichen soll. Daraus folgt, dass es so etwas wie Rousseaus volonté générale nicht gibt, weil die Interessen der Menschen zu unterschiedlich sind, als dass sich solch ein Volkswillen ohne weiteres identifizieren ließe. Meist hat nicht mal der Einzelne einen definitiven Willen, den der Politiker ablesen könnte, um ihn dann zu vollziehen. (Vgl. ebd.: 251f.)

Schumpeter schlägt deshalb vor, dass der Volkswillen eher als ein Produkt der Politik selbst zu sehen sei. Das Volk trifft keine Entscheidungen, sondern wählt eine Regierung, die die Entscheidungen für das Volk trifft. Die demokratische Methode wäre daher ein institutionelles Arrangement, um politische Entscheidungen herbeizuführen, durch Politiker die im Sinne des Wettkampfes um Wählerstimmen entscheiden. (Vgl. ebd.: 269)

Damit hat Schumpeter eine klare Definition, mit der man feststellen kann, ob eine Regierung demokratisch ist oder nicht. Diese Theorie schließt auch die Fabrikation des Willens der Wähler mit ein. Ein Politiker der gewählt werden möchte, muss bestimmte Themen, die ihm Wählerstimmen versprechen thematisieren und somit das Volk überzeugen, dass seine Meinung die richtige ist und es ihn wählen soll. Der Politiker bestimmt, welche Themen politisiert werden. Außerdem schließt diese Definition nicht aus, dass es durchaus unfaire Methoden zu Gewinnung von Wählerstimmen zum Einsatz kommen. (Ähnlich wie beim Markt ist auch in der Politik die Konkurrenz nie perfekt.) (Vgl. ebd.: 270)

Die Funktion der Wahl ist es also eine Regierung zu „produzieren“ (bzw. eine Zwischenorgan, das dann die Regierung aufstellt). Die Meinungen der Wähler werden dabei durch die Politiker, Medien und Propaganda geformt. Der Wähler trifft an sich keine politischen Entscheidungen. Das Volk herrscht nicht, es kann nur die akzeptieren oder zurückweisen, die es regieren. (Vgl. ebd.: 285)

Schumpeter entwirft hier eine Theorie der Demokratie, die stark vom ökonomischen Denken geprägt ist. Demokratie herrscht, wenn ein freier Wettkampf unter den potentiellen Führern, um Wählerstimmen herrscht. Die Legislative und Administration sind nur Nebenprodukte des Kampfes um politische Ämter.

Eine gute Demokratie erfordert dann fünf Kriterien: Erstens muss sie über gutes, qualifiziertes Personal verfügen. Die Politiker müssen für die Ämter ausreichend qualifiziert sein. Zweitens darf die politische Sphäre nicht zu weit ausgedehnt werden. Ein Parlament kann nicht jedes Problem bis ins Detail selbst regeln. Es muss sich auf Experten verlassen. Drittens wird eine gut funktionierende und effektive Bürokratie benötigt. Die Bürokratie muss politische Entscheidungen effektiv Ausführen, aber auch den Politikern unter die Arme greifen. Als Viertes ist ein bestimmtes Maß an demokratischer Selbstkontrolle nötig. Getroffene Entscheidungen müssen akzeptiert werden und die Entscheidungsfindung muss auf einem hohen moralischen und intellektuellen Niveau stattfinden, um irrationale Entscheidungen zu vermeiden. Als letztes ist ein bestimmter Grad an Toleranz für verschiedene Meinungen von Nöten, damit ein fairer Wettkampf um Wählerstimmen überhaupt erreicht werden kann. (Vgl. ebd.: 290 - 295)

Schumpeters Theorie ist stark von seinem Denken als Ökonom geprägt. Demokratie wird zu einem Marktwettkampf um Wählerstimmen gemacht, bei der politische Entscheidungen nur noch Nebenprodukte sind. Damit fallen viele moralische Implikationen klassischer Demokratietheorien weg. Demokratie ist eine Methode um eine Regierung zu bilden. Demokratie wird dadurch nicht mehr als Zweck ans sich verstanden, wie es in einigen klassisch liberalen Theorien der Fall ist.

2.2. Saward: Representative claim

Über 60 Jahre später stellte Michael Saward seine Theorie des „representative claims“ vor. Auch er versucht, wie Schumpeter, die Perspektive der Theoretiker über repräsentative Demokratie zu verändern. Er möchte den Blick von den einzelnen Formen der politischen Repräsentation, auf deren Dynamik verschieben. Repräsentation ist somit keine Tatsache, die durch Wahlen hergestellt wird, sondern kommt erst durch repräsentative Ansprüche, die von verschiedenen politischen Akteuren gestellt werden zustande. Saward verspricht sich von einer performativen Betrachtung von Repräsentation die Möglichkeit weiter zu denken, als die klassischen Theorien es ermöglicht haben. (Vgl. Saward 2006: 298)

Für Swarard sieht das Herstellen von repräsentativen Ansprüchen als Kern von Repräsentation. Er konzentriert sich eher auf die performativen, als auf die institutionellen Aspekte von Repräsentation. (Vgl. ebd.: 299)

Der zentrale Aspekt von politischer Repräsentation ist das Herstellen und Anbieten von Bildern und Symbolen dessen, was repräsentiert werden soll. Repräsentation ist also etwas, das nicht einfach da ist, sondern dass gemacht wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich
Hochschule
Universität Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Repräsentative Demokratie
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V198102
ISBN (eBook)
9783656243106
ISBN (Buch)
9783656243892
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
repräsentative, demokratie, schumpeter, saward, vergleich
Arbeit zitieren
Danny Krämer (Autor), 2012, Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198102

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