Demokratie ist einer der Begriffe, um den wohl am meisten gestritten wird. Diktatoren beanspruchen genauso im Sinne der Demokratie zu handeln, wie Politiker in Deutschland. Es gibt zahlreiche Theorien, was Demokratie ist und wie eine Demokratie auszusehen hat. Im Folgenden sollen zwei Demokratietheorien, die sich vor allem mit Repräsentation beschäftigen, vorgestellt und verglichen werden.
Schumpeters Theorie der Demokratie als Wettstreit der Eliten ist eine Theorie, die stark vom ökonomischen Denken geprägt ist. Schumpeter versuchte einen neuen Demokratiebegriff, im Kontrast zum damaligen liberalen Theorie-Mainstream, zu definieren.
Auch Michael Saward versucht neue Sichtweisen über Demokratie zu entwickeln und legt dabei besonders Wert auf den Begriff der Repräsentation. Seine Theorie konzentriert sich auf Prozeduren, um herauszufinden, wie politische Repräsentation entsteht. Es ist ein interpretativer Ansatz, der versucht zu verstehen, wie Repräsentation in der Praxis funktioniert und was sich daraus für Folgen für die Theorie der repräsentativen Demokratie ergeben.
Im Folgenden werden beide Theorien kurz vorgestellt. Daraufhin werden Gemeinsamkeiten beider Theorien aufgezeigt. Die Unterschiede werden herausgearbeitet und erörtert, welches Potential Sawards Theorie im Gegensatz zu Schumpeters hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien vorgestellt
2.1. Schumpeter: Demokratie als Wettstreit der Eliten
2.2. Saward: Representative claim
3. Die Theorien im Vergleich
3.1. Gemeinsamkeiten
3.1.1. Abgrenzung zu früheren Theorien
4. Unterschiede
4.1. Verschiedene Arten von politischer Repräsentation
4.2. Politische Repräsentation ohne Wahlen
4.3. Die Konzeption des Publikums
4.4. Die Ebene der Repräsentation
4.5. Neuere Entwicklungen in der Demokratietheorie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den Demokratietheorien von Joseph Schumpeter und Michael Saward auseinander, um deren unterschiedliche Ansätze zum Verständnis von politischer Repräsentation herauszuarbeiten und zu vergleichen. Dabei wird insbesondere untersucht, inwiefern Sawards performativer Ansatz über die rein wahlorientierte, ökonomisch geprägte Sichtweise Schumpeters hinausgeht und neue Wege zur Analyse moderner demokratischer Prozesse eröffnet.
- Wettstreit der Eliten als Demokratieverständnis bei Schumpeter
- Der „representative claim“-Ansatz nach Saward
- Konstruktive vs. institutionelle Prozesse der Repräsentation
- Politischer Einfluss abseits von Wahlen
- Vergleichende Analyse von Macht, Publikum und Repräsentationsansprüchen
Auszug aus dem Buch
2.1. Schumpeter: Demokratie als Wettstreit der Eliten
Schumpeter entwickelt seine Theorie der repräsentativen Demokratie an der Problemstellung, ob Demokratie und Sozialismus zusammen zu denken sind, oder ob sie sich ausschließen. Er bestimmt zuerst eine klassische Definition von Demokratie. Er sieht Demokratie dabei als eine politische Methode, mit einem bestimmten institutionellen Rahmen, um öffentliche Entscheidungen zu treffen. Dabei ist diese Definition indifferent dazu, welche Entscheidungen genau getroffen werden. Sie können sowohl gute als auch schlechte Folgen haben, so lange sie durch die demokratische Methode zustande gekommen sind, sind sie demokratische Entscheidungen. (Vgl. Schumpeter, 1996: 242 f.)
Schumpeter versucht sich von klassischen Demokratietheorien abzusetzen, da er erhebliche Mängel in ihnen sieht. In klassischen Demokratietheorien ist meistens die Rede davon, dass Politiker nach einem allgemeinen Gut für die Gesellschaft streben. Dieses allgemeine Gut lässt sich nicht klar bestimmen. Die Menschen sind zu unterschiedlich, als dass man ein allgemeines Gut festlegen könnte, auf das sich alle einigen würden. Und selbst wenn man so ein allgemeines Gut finden würde, dann würde es immer noch Differenzen darin geben, wie man dieses Ziel erreichen soll. Daraus folgt, dass es so etwas wie Rousseaus volonté générale nicht gibt, weil die Interessen der Menschen zu unterschiedlich sind, als dass sich solch ein Volkswillen ohne weiteres identifizieren ließe. Meist hat nicht mal der Einzelne einen definitiven Willen, den der Politiker ablesen könnte, um ihn dann zu vollziehen. (Vgl. ebd.: 251f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Problematik konkurrierender Demokratietheorien und stellt die Zielsetzung des Vergleichs zwischen Schumpeter und Saward dar.
2. Theorien vorgestellt: Dieses Kapitel erläutert Schumpeters ökonomisches Demokratieverständnis als Elitenwettstreit und Sawards Ansatz des „representative claim“.
3. Die Theorien im Vergleich: Es werden Gemeinsamkeiten, insbesondere hinsichtlich der Abgrenzung zu klassischen Modellen und der prozessualen Betrachtung, herausgearbeitet.
4. Unterschiede: Dieses Kapitel analysiert divergierende Auffassungen von Repräsentation, die Rolle von Wahlen, das Verständnis des Publikums und die Bedeutung für aktuelle Theorieentwicklungen.
5. Fazit: Das Fazit bewertet die beiden Theorien und kommt zu dem Schluss, dass Sawards Ansatz aufgrund seiner theoretischen Flexibilität und Einbeziehung nicht-institutioneller Faktoren leistungsstärker ist.
Schlüsselwörter
Demokratietheorie, Repräsentation, Schumpeter, Saward, Elitenwettstreit, representative claim, politische Prozesse, Wahl, Wählerstimmen, Konstruktivismus, politische Akteure, Repräsentationsanspruch, Macht, politisches System, Politische Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Demokratietheorien von Joseph Schumpeter und Michael Saward, um aufzuzeigen, wie unterschiedlich das Konzept der repräsentativen Demokratie interpretiert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Wettstreit der Eliten, die Konstruktion von Repräsentationsansprüchen, die Rolle von Wahlen und die Einbeziehung von Prozessen außerhalb formeller Institutionen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es, das Potential von Sawards Theorie im Vergleich zu Schumpeters klassischem Ansatz zu prüfen und aufzuzeigen, warum ersterer heute als leistungsfähiger für die Analyse moderner Phänomene angesehen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, bei der die theoretischen Konzepte beider Autoren hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede systematisch gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Theorien, eine Gegenüberstellung der Gemeinsamkeiten und eine detaillierte Ausarbeitung der Unterschiede hinsichtlich Repräsentationsformen, dem Publikum und der Ebene der Repräsentation.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Repräsentationsanspruch (representative claim), Elitenwettstreit, performative Aspekte der Repräsentation und die Abgrenzung zum klassischen liberalen Demokratieverständnis.
Was unterscheidet das Verständnis des "Publikums" bei den beiden Autoren?
Bei Schumpeter ist das Publikum die bereits existierende Wählerschaft, während Saward argumentiert, dass das Publikum durch den Repräsentationsanspruch des politischen Akteurs erst konstruiert wird.
Warum ist Sawards Theorie laut dem Autor "leistungsstärker"?
Saward kann auch Prozesse der Repräsentation außerhalb von Wahlen und staatlichen Institutionen erfassen, was seinen Ansatz flexibler und moderner macht als Schumpeters rein wahlorientiertes Modell.
- Citar trabajo
- Danny Krämer (Autor), 2012, Repräsentative Demokratie: Schumpeter und Saward im Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198102