Einleitung
Jules Verne kann unbestritten als ein klassischer und wohl auch einer der bekanntesten Vertreter der frühen Science-Fiction Literatur bezeichnet werden. Auch wenn sich seine Romane allgemein gefasst dem Genre der Abenteuerromane zuordnen lassen, so spielen doch in einigen von seinen Werken faszinierende technologische Innovationen, welche zum größten Teil der Fantasie des Autors entspringen, eine maßgebliche Rolle. Meist sind diese technischen Errungenschaften weniger als Schreckgespenster, sondern als bewundernswerte und von einem genialen Geist ihres Erschaffers zeugende Wunderwerke, welche innerhalb der Handlung eine faszinierende Wirkung auf die übrigen Charaktere ausüben. Diese Wirkung vollzog sich sowohl bei vielen Lesern zu Jules Vernes Zeit als auch noch bei der heutigen Leserschaft. 20000 Meilen unter den Meeren aus dem Jahre 1871 ist eines der bekanntesten Werke Jules Vernes, auf welche die vorangegangene Beschreibung zutrifft. Im Zentrum der Geschichte steht ein äußerst intelligenter, gebildeter aber auch zynischer und brutaler Mann, welcher ausschließlich das Innere seines U-Bootes mit dem Namen NAUTILUS sein Zuhause und die Weltmeere seine Heimat nennt. Das Besondere an diesem Roman sind die entstehenden Spannungsverhältnisse. So besteht ein Kontrast zwischen utopischen Technikinnovationen und Kritik an der Gesellschaft. Dabei ist es doch die Zivilisation, welche hinter der Entstehung und dem Fortschritt der modernen Technik steht und eben diese auch als Mittel der Zerstörung und Unterdrückung missbraucht. Beide Aspekte sind im Charakter des KAPITÄN NEMO zu finden. Des Weiteren treffen im Roman die Welt der Technik und die Welt der Natur aufeinander, wobei es keiner von beiden an ästhetischer Beschreibung mangelt. Nun ist die Frage, ob Jules Verne in diesem Roman einer bestimmten Richtung den Vorrang einräumt, der des technischen Optimismus und Fortschrittglaubens oder der der besinnten Bescheidenheit gegenüber Mensch und Natur.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Naturwissenschaft und Technik im Roman
1.Jules Vernes Begeisterung für Technik und die Anfänge des Science-Fiction Genres
2.Ästhetik von Natur und Technik - Ein Widerspruch?
II. Figuren im Zwiespalt
1. Kapitän Nemo zwischen Gut und Böse
2. Professor Aronnax und seine Funktion als Medium zwischen zwei Polen
III. Utopische und Dystopische Züge des Werks
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen technischem Optimismus und gesellschaftskritischen Tendenzen im Roman „20000 Meilen unter den Meeren“ von Jules Verne, um aufzuzeigen, wie der Autor die Ambivalenz zwischen Fortschrittsglauben und der Bewahrung natürlicher Werte literarisch verarbeitet.
- Die Darstellung von Technik und Natur als komplementäre oder gegensätzliche Konzepte
- Die Analyse der ambivalenten Charakterzeichnung von Kapitän Nemo
- Die Funktion von Professor Aronnax als Identifikationsfigur und Vermittler zwischen den Polen
- Die Einordnung des Romans in utopische und dystopische Traditionen
Auszug aus dem Buch
1. Kapitän Nemo zwischen Gut und Böse
„Dieser Mann stellte ganz bestimmt den bewundernswürdigsten Typus dar, den ich jemals getroffen habe.“ (80). Anhand dieses Ausschnittes lässt sich gut beschreiben, wie Kapitän Nemo noch am Anfang des Romans erscheint und zwar als eine heldenartige Figur. Seine Eigenschaften werden auf eine Weise beschrieben, die allerhöchste Bewunderung seitens des Erzählers ausdrückt und diese Bewunderung auch vom Leser erwarten lässt. Seine völlige Loslösung von den Regeln und Einschränkungen der zivilisierten Gesellschaft, sein großes Wissen über Natur und Technik und auch die Beschreibung seiner äußeren Erscheinung, die seinen rauen, durchsetzungsfähigen und auch weisen Charakter noch unterstreichen, üben eine große Faszination auf den Leser aus und lassen die Figur Nemo als eine Art Übermensch erscheinen.
Dieses Bild des scheinbar unfehlbaren Kapitän Nemo wird im Laufe des Romans immer mehr gefestigt. Auch wenn der erste Eindruck Aronnax zu den Worten greifen lässt „unversöhnlicher Feind seine[r] (sic) Artgenossen, mit denen Ihn nur noch unstillbarer Hass verband!“ (95), so lässt Verne doch recht schnell diese grobe Erscheinung als Merkmal eines sehr starken Charakters durchgehen. Durch die Hervorhebung seiner zivilisierten Herkunft, einschließlich seines Studiums in drei der damals größten und fortschrittlichsten Metropolen der Welt (vgl. 140) und sein wohl auch zum großen Teil auf dieser Vergangenheit basierendes Wissen über Geschichte und Technik überzeugen den Leser, dass sie es nicht mit einem Verrückten oder einem Barbaren zu tun haben, der sich vollständig von der Welt und ihren Werten isoliert hat, sondern mit einem intelligenten und gebildeten Visionär.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Autors Jules Verne als Vertreter der Science-Fiction und Einführung in die zentrale Fragestellung des Spannungsverhältnisses zwischen technischem Optimismus und Gesellschaftskritik.
I. Naturwissenschaft und Technik im Roman: Analyse der Begeisterung Vernes für technische Innovationen und der ästhetischen Darstellung von Natur und Technik als Werkzeug zur Welterschließung.
II. Figuren im Zwiespalt: Untersuchung der Charakterisierungen, insbesondere der gegensätzlichen Züge von Kapitän Nemo sowie der vermittelnden Rolle von Professor Aronnax.
III. Utopische und Dystopische Züge des Werks: Betrachtung des Romans unter dem Aspekt gesellschaftlicher Entwürfe und des Missbrauchs technischer Gewalt.
IV. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass der Roman keine eindeutige Position einnimmt, sondern eine Versöhnung der Gegensätze anstrebt und Verne als Fortschrittsoptimisten mit kritischem Blick zeigt.
Schlüsselwörter
Jules Verne, 20000 Meilen unter den Meeren, Science-Fiction, Technik, Natur, Kapitän Nemo, Professor Aronnax, Industrialisierung, Utopie, Dystopie, Fortschrittsglauben, Gesellschaftskritik, Literatur, Nautilus, Abenteuerroman
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Roman „20000 Meilen unter den Meeren“ von Jules Verne im Kontext des Spannungsfeldes zwischen technischem Fortschritt und gesellschaftlicher Kritik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Ästhetik von Natur und Technik, die Ambivalenz des technologischen Fortschritts sowie die Darstellung der Hauptfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll untersucht werden, ob Jules Verne in seinem Werk eher einen technischen Optimismus vertritt oder eine besonnene Haltung gegenüber Mensch und Natur einfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse unter Einbeziehung von Sekundärliteratur zur historischen Einordnung und Interpretation des Romans.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Rolle der Technik im Roman, der Charakterisierung von Kapitän Nemo und Professor Aronnax sowie der utopischen und dystopischen Dimension des Werks.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Science-Fiction, Technik, Natur, Kapitän Nemo, Industrialisierung, Utopie und Fortschrittsglauben.
Wie bewertet der Autor die Figur des Kapitäns Nemo?
Nemo wird als tragische Figur gezeichnet, die einerseits als visionärer, intelligenter Übermensch erscheint, andererseits durch Machtmissbrauch und einen Hang zum Imperialismus zur Zerstörung neigt.
Welche Funktion hat Professor Aronnax im Roman?
Aronnax dient als Ich-Erzähler und Medium für den Leser, das zwischen der Faszination für die technische Brillanz der Nautilus und der moralischen Distanz zu den destruktiven Taten Nemos schwankt.
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- Julia Sudau (Author), 2011, Jules Verne zwischen technischem Optimismus und Gesellschaftskritik am Beispiel von "20000 Meilen unter den Meeren", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198158