Critical Management Studies

Eine grundlegende Darstellung unter Berücksichtigung des Kulturbegriffes


Seminararbeit, 2012

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Begriffsbestimmungen und Problemstellung

2. Historische Entwicklung

3. Programmatik und Grundverständnis der CMS
3.1. Absetzpunkte von CMS oder: Von welchen Standpunkten will sich CMS distanzieren?
3.2. Kernelemente von CMS: „de-naturalization“, „non-performative“ und „reflexivity“
3.3. CMS nach einem Vorschlag von Mats Alvesson

4. CMS und organisationale Kultur
4.1. Alternative kritische Denkrichtungen über organisationale Kultur
4.2. „cultural economy“ und „popular culture“ als neuere kritische Ansätze

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literatur

1. Begriffsbestimmungen und Problemstellung

Die kritische Managementforschung/ Critical Management Studies (CMS) ist eine seit den 1990’er Jahren etablierte akademische Bewegung, welche die Herrschaft und Relevanz von Theorien und Praktiken entlang des Mainstreams der Managementforschung in Frage stellt, wobei der Fokus auf „Management“ als eine allgegenwärtige Institution liegt, die in kapitalistischen Wirtschaftsformen verwurzelt ist. Es geht dabei jedoch nicht um die Entwicklung von Techniken oder Legitimationsmustern für das Management, sondern um die Erforschung von Management. Dabei betrachtet CMS gefestigte soziale Praktiken und institutionelle Systemarrangements, fordern die vorherrschenden dominanten Beziehungen heraus (patriarchalisch, neo-imperialistisch, kapitalistisch) und fördern die Entwicklung von Alternativen. (vgl. Alvesson/ Bridgman/ Willmott 2009, S.1) Kurz: CMS ist an den negativen Seiten von Management und Organisationen interessiert. (vgl. Alvesson 2008, S.13)

In diesem Sinne lässt sich auch der Management-Begriff fassen. Mats Alvesson und Hugh Wilmott (1996) – als zwei Vertreter von CMS – betrachten Management als systematisch verzerrte und verfälschte Kommunikation. Dies impliziert, dass es sich bei Management nicht um die oberste Chefetage handelt, sondern bereits auf niedrigeren Ebenen im tagtäglich interaktiven Umgang zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern angesetzt werden kann. Diese systemtheoretische Sichtweise setzt bei Kommunikationen als kleinste Einheit in Organisationen an. In Bezug auf Management ordnen sich diese jedoch einer instrumentellen Vernunft, der Verschleierung von Tatsachen, kulturellen Wertvorstellungen, selektiven Bedürfnissen und Vorstellungen oder einem sozialisierenden Unternehmen unter. (Alvesson/ Willmott 1996, zit. nach Alvesson 2008, S.14)

Unklarer ist hingegen der Begriff „kritisch“. Zwar definiert Alvesson (2008) „kritisch“ im Sinne einer Anregung für eine umfangreiche Reflektion gegenüber herrschenden Ideen, Ideologien und Institutionen, um Repressalien oder Selbstzwänge zu eliminieren. (vgl. Alvesson 2008, S.13) Doch stellt er gleichzeitig heraus, dass eine genaue Abgrenzung des Begriffes nur selten klar und wenig diskutiert ist. (vgl. Alvesson 2008, S.15) Es ist letztlich eine Forschung, die keiner genauen Theorie zugeschrieben werden kann. Vielmehr haben sich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte Überzeugungen breit gemacht, die sich gegen die angesprochenen Mainstream-Forschungen richten. Im Allgemeinen zwar einheitlich gefasst, ist CMS genauer betrachtet begrifflich teilweise uneindeutig, was bis dahin reichen kann, dass nicht „CMS“ drin ist, wo „CMS“ drauf steht.

Ich möchte in dieser Arbeit zunächst klären, wo der Ursprung von CMS liegt. Dabei geht es nicht nur darum wie es zu dieser Denkbewegung kam, sondern auch um die verschiedenen Schwerpunkte, die in der Forschung gelegt wurden (2.). Im Weiteren thematisiere ich die Programmatik und das Grundverständnis von CMS. Hierbei sollen sowohl die konkreten Absetzpunkte im Mittelpunkt stehen, von denen sich CMS abgrenzt, als auch forschungsübergreifende Kernelemente betrachtet werden (3.). Zuletzt werde ich CMS im Kontext von Organisationskultur aufzeigen (4.), um damit die Frage zu beantworten, welche Verbindung zwischen Critical Management Studies und Kultur herrscht.

2. Historische Entwicklung

Die Anfänge der CMS-Bewegung dokumentieren sich in den USA und reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Bis hierhin galt die Industrie durchweg als frei von Sozialwissenschaften, was vorrangig der Ignoranz gegenüber dem Individuum als Subjekt und einer fehlenden Berücksichtigung dessen Psyche geschuldet war. Erst 1911 entstand mit Walter Dill Scott ein erstes Bewusstsein, da er behauptete, dass ein Wissen über die menschliche Psyche die Effizienz von MitarbeiterInnen während ihrer Beschäftigung kontrollierbarer macht und erhöht. Hugo Münsterberg ging dann 1913 sogar so weit zu sagen, dass die Profitsteigerung bei 50% liegt, wenn den Bedürfnissen der Individuen durch Einbeziehung psychischer Aspekte Rechnung getragen wird, d.h. Reduzierung der Wochenarbeitszeit, Erhöhung der Stundenlöhne, Verhinderung von Depressionen und Unzufriedenheit. G. Stanley Hall fasste das 1919 – die Soziologie einschließend – unter der Rehumanisierung der Industrie zusammen. (vgl. Baritz 2009, S.29 f.)

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entstand eine intensive Annäherung zwischen Organisationen bzw. dessen Management und der Wissenschaft, insbesondere der Soziologie. Ziel seitens der Soziologen war es, die Managementebene, hier jedoch vor allem die untere, zu führen, aufzuklären und so eine gewisse soziale Kontrolle gegenüber diesen auszuüben. Zwar wurden die Wissenschaftler in die Organisationen zur Erforschung dieser und deren Strukturen integriert, freie und kritische Analyse wurde aber durch die Akzeptanz der vom Management vorgegebenen Normen und Werte sowie der Macht der Manager gehemmt, um deren Ziele zu unterstützen. Sie wurden also zu „servants of power“ (Baritz 2009), zu Technikern und Ideen-Lieferanten, die angeheuert wurden, um bestimmte Probleme zu lösen und das in erster Linie mit Nutzen für das Management. Diese Adaption der Wissenschaft an die Industrie nutzte das Management aus und machte sie zu einem Instrument industrieller Dominanz. Damit wurde der wissenschaftliche Gedanke der sozialen Verantwortung übergangen und ermöglichte es dem Management Grundprobleme wie Kostenreduktion und Arbeitseinstellungen mit neuen Methoden zu begreifen und zu bewerkstelligen. (vgl. Baritz 2009, S.30 f.; Mills 1953, S.157)

An diesem status quo setzte CMS an und griff die durch die Beziehung Management-Wissenschaft zunehmend unmoralisch gewordene Forschung an. Ihr Aufstieg wurde dabei von einigen Faktoren mitbedingt, wie der Zunahme neoliberaler Gedanken sowie die damit einhergehende und im Nachklang kritisch reflektierte Rationalisierung gesellschaftlicher Teilbereiche. Zudem kamen soziale Bewegungen bzgl. der „Problematisierung ökologischer, sozialer und menschlicher Folgen wirtschaftlichen Handelns“ (Hartz 2011, S.212 f.). Nicht zuletzt begünstigten Krisen im westlichen Managementdenken, Hinterfragungen positivistischer Managementforschung und eine teilweise Pluralisierung der Organisationsforschung den Aufstieg der CMS. (vgl. Hartz 2011, S.212 f.)

In den frühen 1970’er Jahren waren es vor allem marxistisch angeregte Studien über Arbeitsprozesse, die eine erste Struktur kritischer Managementforschung entwarfen. Mit Beginn der 1980’er Jahre verlagerte sich der Fokus mehr auf die Beziehung zwischen Arbeit und Kapitalerhöhung im Sinne der Produktion. Zeitgleich entstanden soziologisch geprägte Organisationsstudien, aus denen heraus sich zwei Paradigmen bildeten. Zum einen der radikale Humanismus, welcher eine Organisation als psychisches oder kulturelles Gefängnis betrachtete, das den Mitgliedern die Ideologie der Organisation als Realität vermittelt. Zum zweiten der radikale Strukturalismus, welcher eine Organisation ähnlich einem richtigen Gefängnis sieht, in dem Kontrolle, Unterdrückung und politische Kämpfe aufgrund von Interessenverschiedenheiten bestehen. Mit Beginn der 1990’er Jahre verschob sich das Interesse nun maßgeblicher als zuvor in Richtung Kultur und Subjektivität. Vor allem der Kulturaspekt wurde intensiv analysiert jedoch verschieden angegangen. Einerseits betrachteten die Wissenschaftler Kultur in Organisationen als etwas, das Kontrolle schaffen kann, um so MitarbeiterInnen in unternehmerische Sklaven zu verwandeln. Andererseits wurde anthropologisch argumentiert, wodurch oftmals Irrationalitäten und Besonderheiten sowie die Managementkontrolle in den Blickpunkt gerieten. Mitte der 1990’er Jahre rückten dann postmoderne Denkrichtungen in den Vordergrund kritischer Forschung. Hierbei handelt es sich um eine grundsätzlich ablehnende Haltungen gegenüber jeglichen Managementgedanken und -ideen. (vgl. Alvesson 2008, S. 15)

Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Feld von CMS schwierig abzustecken, da erstens wie beschrieben sich viele grundlegend verschiedene Richtungen entwickelt haben und zweitens unklar ist, welche Literatur wirklich als kritisch bezeichnet werden kann. CMS ist heute geprägt von Pluralismus und Verschiedenheit ohne dominante Strömungen. (vgl. Alvesson 2008, S. 15)

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Details

Titel
Critical Management Studies
Untertitel
Eine grundlegende Darstellung unter Berücksichtigung des Kulturbegriffes
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Personalmanagement)
Veranstaltung
Management of Change
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V198176
ISBN (eBook)
9783656243502
ISBN (Buch)
9783656244127
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CMS, critical management studies, kritisch, Management, Managementforschung, Kultur, Organisationskultur
Arbeit zitieren
B. A. Bildungs- und Erziehungswissenschaften Michel Beger (Autor), 2012, Critical Management Studies, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/198176

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